1. Johannes 3, 18-24 Anspruch und Zuspruch

Johannes betont im ganzen Kapitel sehr stark unser konkretes Handeln: wir sollen nicht nur mit Worten lieben, sondern auch und vor allem mit Taten (V.18). Er weiß aber auch um die Grenzen unseres Handelns. In unserem Herzen (das entspricht nach heutigem Sprachgebrauch unserem Gewissen) werden wir immer wieder feststellen, dass wir in unserem Bemühen um Liebe Fehler machen. Gegen diese menschliche Schwäche und Gewissensnot betont Johannes die Größe Gottes, denn es gilt, dass „wenn uns unser Herz verdammt, Gott größer ist als unser Herz und erkennt alle Dinge.“ (V.20)

Das soll aber keine billige Entschuldigung sein– nach dem Motto: „Ich schaff das eh nicht, weil ich halt nicht perfekt bin. Dann kann ich’s ja auch gleich bleiben lassen und auf die Gnade Gottes vertrauen.“ Nein, es ist Trost für denjenigen, der sich wirklich bemüht und dabei immer wieder an seine Grenzen stößt. Auch hier wird der Anspruch (ein Leben der Liebe zu führen) nicht durch den Zuspruch (Gott vergibt unser Versagen) aufgehoben.

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Hesekiel 41 Bescheidene Wohnung

In diesem Kapitel wird in der Vision des zukünftigen Tempels auch das Allerheiligste beschrieben. Also der Ort, an dem Gott in besonderer Weise gegenwärtig ist. Was auffällig ist: es wird gar nicht viel dazu gesagt. Es wird nur gesagt, wie groß es ist: zwanzig auf zwanzig Ellen groß (ca. zehn mal zehn Meter). Für den Schöpfer der ganzen Welt sind das recht bescheidene Ausmaße. Es wird auch nicht beschrieben, was sich im Allerheiligsten befindet.

Schon an der Tempelarchitektur wird deutlich, dass es hier nicht um ein Heiligtum im religiösen Sinn geht. Es ist keine Statue oder Darstellung Gottes zu sehen, die von den Massen angebetet werden kann. Es ist keine menschlich-religiöse Stätte, an welcher der Mensch über Gottes Gegenwart verfügen kann. Gott bleibt auch im Tempel verborgen, unbegreifbar und unvorstellbar. Ein recht kleiner leerer Raum als Symbol für die Gegenwart Gottes. Selbst in der Vision darf dieser Raum nur vom Engel betreten werden und nicht von Hesekiel. Im tatsächlichen Tempel war es auch so, dass das Allerheiligste nur vom Hohenpriester einmal im Jahr betreten werden durfte. Gott bleibt auch im Tempel der ganz Andere und Heilige. Er ist viel größer und herrlicher, als dass er sich in einem irdischen Bauwerk einsperren ließe…

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Hesekiel 17 Auf den Größten vertrauen

Im Stil eines Gleichnisses wird in diesem Kapitel die Politik des von Babylonien in Jerusalem eingesetzten Vasallenkönigs Zedekia kritisiert. Anstatt dass sich dieser an seinen im Namen Gottes geschworenen Eid hält, streckt er seine Fühler nach Ägypten aus und hofft dadurch von Babylonien loszukommen. Hesekiel kündigt im Namen Gottes an, das dies nicht gut gehen wird. Aber er kündigt zugleich auch einen Neubeginn von Gott her an: Gott wird selbst einen neuen Baum pflanzen, einen herrlichen Zedernbaum, unter dem Vögel aller Art Schutz finden (V.23). Gott wird den hohen Baum (damit ist der sich selbst für schlau haltende Zedekia gemeint) erniedrigen und er wird den niedrigen Baum erhöhen (damit ist wohl der Messias als zukünftiger Friedenskönig gemeint).

Jesus hat diese Stelle gekannt und aufgegriffen. Zum einen im Gleichnis vom Senfkorn (Mt. 13,32): das Himmelreich wird ein großer Baum sein in welchem die Vögel des Himmels wohnen können. Und zum anderen in Mt. 23,12: „Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ Faszinierend wie sich manche Linien durch die Bibel hindurch ziehen.

Egal ob bei Hesekiel oder bei Matthäus: Gott hat eine Vorliebe für die Demütigen und Niedrigen. Sie sind in Gottes Augen besonders wertvoll, weil sie sich nicht auf ihre eigene Kraft und Schlauheit verlassen, sondern auf Gott. Wahre Größe erreicht nicht der, der selbst groß sein will, sondern der der auf den Größten vertraut.

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