Römer 11, 33-36: Ein unbegreiflicher Gott

Wenn ich Gottes Wege nicht immer begreifen kann, dann habe ich zwei Möglichkeiten: Ich kann entweder daran verzweifeln oder ich kann über die Größe und Unerforschlichkeit Gottes staunen. Ich kann mir entweder wünschen, dass Gott kleiner wird und für mich und meine menschliche Logik besser verstehbar wird. Oder ich kann gerade dafür dankbar sein, dass Gott größer ist als meine menschliche Vorstellungskraft und ihn dafür rühmen. Paulus entscheidet sich hier für das zweite.

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Psalm 145 – Der Erhabene

Das Psalmbuch schließt mit dem sogenannten kleinen Hallel (Ps. 146-150; wenn es ein kleines Hallel gibt, dann gibt es natürlich auch ein großes: Psalm 111-118) ab. Nachdem vor Ps. 145 einige Bittgebete kamen, leitet Ps. 145 auf die Lobpsalmen des kleinen Hallel über. Es ist ein sorgfältig gestaltetes Loblied auf Gottes Größe und Güte (die Versanfänge folgen dem hebräischen Alphabet). Nach viel Bitte, Klage und Flehen freue ich mich über diese Lobpsalmen zum Abschluss.

Mich hat heute an diesem Psalm die Formulierung gleich zu Beginn beschäftigt: „Ich will dich erheben, mein Gott, du König…“ (V.1) Was soll denn das? Warum will der Beter Gott erheben? Ist er nicht schon großartig und herrlich genug? Können wir Menschen ihn durch unser Gebet und unser Lob noch mehr erheben und groß machen?

Nein, Gott ist groß – unabhängig davon, ob ich ihn lobe oder nicht. Er ist in sich schon der Erhabene. Es geht darum, ob ich diese Größe auch für mich anerkenne. Wenn ich ihn erhebe, dann gebe ich ihm die Stellung, die er verdient. Darum ist unser Lob auch für uns selbst wichtig – weil sie uns und unsere Maßstäbe zurecht rückt. Im Lob wird uns deutlich wer wir sind und wer Gott ist. Das großartige ist ja, dass Gott trotz aller Erhabenheit die Nähe zu uns sucht und gnädig, barmherzig, geduldig und gütig zu uns ist (V.8).
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Psalm 86 – Weise mir deinen Weg

Dem Beter geht es dreckig: „Ich elend und arm“ (V.1). Und was tut er? Er schaut auf den großen, guten und gnädigen Gott. Durch den ganzen Psalm hindurch unterbricht er immer wieder seine Bitten und hält sich Gottes Wesen vor Augen (V.5.8.10.15). Und schon bevor sein Gebet erhört wurde, dankt er Gott dafür, dass er ihn aus Todesgefahr erettet hat: „Du hast mich errettet aus der Tiefe des Todes.“ (V.13)

Starke Sache! Nicht im Selbstmitleid versinken, oder nur über die böse Welt und die bösen Menschen schimpfen… Nein, auf Gott schauen. Sich klar machen, dass er stärker ist als all mein Elend. Darauf vertrauen, dass er hilft. Und zugleich wissen: Ich darf mit meinem Elend und mit meiner Bitte zu ihm kommen.

Zu Vers 11 noch ein schönes Erlebnis: „Weise mir, Herr, deinen Weg.“ Ich war zu Besuch bei einer älteren Dame und sie berichtete aus ihrem Leben. Voller Begeisterung erzählte sie von einem bestimmten Ort und ich fragte: „Da war es schön? Da hat es ihnen gefallen, oder?“ Ein ganz kurzen Augenblick schaute sie etwas verwundert und meinte dann nur: „Der Herr hat mich dorthin geführt!“

Und mir wurde mit einem Schlag klar: Sie hat ihr Leben nicht an der Frage ausgerichtet, was ihr gefällt, was schön und was angenehm ist, sondern an der Frage, wo Gott sie hinführt. Das tolle bei dieser Frau ist, dass sie trotzdem (oder besser gesagt: gerade deswegen!!!) ein erfülltes, schönes, zufriedenes Leben hatte und auch jetzt im hohen Alter ist sie einfach fröhlich und zufrieden.
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Jesaja 40 – Von Gott enttäuscht

Ab Jesaja 40 spricht das Jesajabuch in eine andere Situation hinein. Das was Hiskia angekündigt wurde, dass Jerusalem von den Babyloniern erobert wird (Jes. 39,6; vgl. Jesaja 39 – Menschlich, allzu menschlich), ist eingetroffen: Jerusalem zerstört, der Tempel existiert nicht mehr und die Oberschicht des Landes wurde nach Babylonien deportiert. Seit zwei Generationen sind die Exilierten in der Fremde und hören nun die Botschaft ab Jesaja 40 (viele streiten darüber, ob das nun prophetische Worte, des Original-Jesaja waren, oder ob die Worte eines unbekannten späteren Propheten ans Jesajabuch angehängt wurden – mir ist das herzlich egal: klar ist doch auf jeden Fall, dass es Worte Gottes sind und dass sie den Exilierten gelten).

Mit großartigen Worten beschreibt der Prophet die Unvergleichlichkeit und Macht Gottes. Es gibt nichts und niemand, mit dem wir Gott wirklich vergleichen können. Auch die von den Babyloniern als Götter verehrte Gestirne sind nichts weiter als Geschöpfe Gottes. Anscheinend haben die Leute im Exil den Glauben an Gottes Macht verloren: Ihr Gott wurde von den babylonischen Göttern besiegt. Er hat nicht eingegriffen als sein erwähltes Volk verschleppt wurde. Seit Jahrzehnten sitzen sie in der Fremde fest, ohne etwas von Gottes Macht zu spüren. Ganz bestimmt waren viele von Gott enttäuscht: Warum lässt er uns hier hängen? Warum lässt er zu, dass die Babylonier mit ihren Göttern über uns triumphieren?

Das kann ich gut verstehen. Wenn ich in der Bibel von Gottes Größe und Herrlichkeit lese, dann frage ich mich schon, warum mein Leben als Christ oft so kümmerlich und klein ist. Wo ist dieser unvergleichliche Gott in meinem Alltag? Warum zeigt er nicht mehr von seiner Macht in meinem Leben? – Ich klammere mich fest an SEINEM Wort: „Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen; aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht müde werden.“ (Jes. 40,29-31)