Hebräer 8, 1-13 Ganz schön optimistischh

Ganz schön optimistisch, wie der Hebräerbrief den christlichen Glauben den müde gewordenen Gläubigen darstellt. Der bisherige jüdische Glaube mit seinen irdischen Priestern und Opfern sei nur ein „Abbild und Schatten des Himmlischen“ (V.5) gewesen – das Eigentliche, Richtige und Himmlische sei jetzt in Jesus Christus geschehen. Der von Jeremia angekündigte neue Bund, in welchem Gott uns Menschen sein Gesetz in Herz und Sinn schreibt und alle Gott kennen werden (V.10f) sieht er nun als angebrochen an. Wie bringt er diese großartige Vision eines neuen Bundes, in welchem die Menschen von Herzen Gottes Gebote erfüllen und alle Gläubigen Gott erkennen, mit der doch eher ernüchternden Realität der adressierten Gläubigen in Einklang? Es ist ihm doch selbst klar, dass die Adressaten rein empirisch gesehen weit entfernt sind von diesem Idealbild eines neuen Bundes?!

Mir selbst geht es jedenfalls so, wenn ich mich selbst, unsere Gemeinden und all die verschiedenen christlichen Konfessionen anschaue: Diese großartige Verheißung von Jeremia hat sich nur ansatzweise erfüllt. Wenn wirklich alle Christen Gott erkennen würden (und nicht nur oberflächlich eine Ahnung von ihm hätten) und Gottes Wille in unser Herz geschrieben wäre (so dass wir ihn auch gerne und ohne Kompromisse tun würden), dann würde unsere Welt anders aussehen.

Ich denke, dass auch der Hebräerbrief davon ausgeht, dass in Jesus Christus zwar etwas völlig neues begonnen hat, dass aber die Vollendung dieses Neuen noch aussteht. Vergebung geschieht nicht mehr durch Opfer der Priester im Tempel, sondern aufgrund von Jesu Tat am Kreuz. Es ist ein neuer Bund angebrochen, aber auch dieser Bund ist noch längst nicht am Ziel angekommen.

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Lukas 11, 29-36 Augen auf!

Die zweite Hälfte dieses Textes ist eine spannende und erstaunlich differenzierte Auseinandersetzung darüber, wie es in einem Menschen hell werden kann. Oder anders ausgedrückt: warum manche Menschen zum Glauben an Jesus, das Licht der Welt, kommen und manche nicht.

Wenn das Auge „lauter“ ist, dann wird der ganze Leib hell, weil durch das Auge das Licht in den Körper dringt. Das Auge steht für die Wahrnehmungsfähigkeit eines Menschen. Jesus ist in unsere Welt gesandt, um für alle Menschen das Licht des Evangeliums zu bringen. Wir erleben aber bis heute, dass er manche erreicht und manche nicht. Es kommt darauf an, wie die Augen der Menschen beschaffen sind. Es kommt darauf an, was wir von Jesus wahrnehmen und wie wir es wahrnehmen.

Manche verschließen willentlich ihre Augen, weil sie von vornherein nichts von Jesus wissen wollen. Manche können durch schlechte Sehgewohnheiten nur schwer dieses Licht erkennen (weil sie z.B. immer nur damit beschäftigt sind auf sich selbst zu starren). Manche Augen sind vielleicht auch krank und können das Licht deswegen nicht sehen. Wenn ein Mensch Jesus nicht oder nur verzerrt wahrnehmen will (oder kann?!?!) dann bleibt der ganze Mensch finster…

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Jeremia 22, 10-30 Gott erkennen

Dieser Abschnitt ist die Fortsetzung von dem Text gestern. An konkreten Beispielen entfaltet Jeremia, was es heißt (bzw. was es nicht heißt) seinen Glauben auch mit sozialer Verantwortung zu leben. Er zählt drei Könige seiner Zeit auf, die eben nicht auf Recht und Gerechtigkeit geschaut haben, sondern nur auf ihren eigenen Vorteil (nebenbei bemerkt: ganz schön mutig, die mächtigsten Männer im Land so offen zu kritisieren).

Als Gegenbild stellt Jeremia dem Leser König Josia, den Vater von zwei dieser drei Könige, vor Augen: „Er half dem Elenden und Armen zum Recht, und es ging ihm gut. Heißt dies nicht, mich recht erkennen?, spricht der HERR.“ (V.16) Mich hat dieser Vers besonders angesprochen. Es gibt offensichtlich verschiedene Wege, um Gott zu erkennen: Den Weg des Gebets, der Meditation, der Gottesdienste und des Lobpreises. Aber es gibt auch den Weg, den Elenden und Armen zu helfen. Auch das bringt mich Gott näher, hilft mir, ihn zu erkennen.

Mir ist dazu noch Mt. 25,40 eingefallen: „Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.
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