Richter 18 Religiöses Beiwerk

In diesem Kapitel geht es um den Stamm Dan. Er hat bei der Landverteilung eigentlich ein Gebiet nordwestlich von Juda bekommen. Aber offensichtlich konnten sie dort nicht dauerhaft Fuß fassen und wurden von den Philistern und Kanaanitern bedrängt. Deswegen suchen sie ein neues Siedlungsgebiet im äußersten Norden, am Fuß des Hermon.

So wie es hier erzählt wird, spielt Gott und Glaube dabei nur noch die Rolle eines religiösen Beiwerks. Nach Gott wird zwar gefragt, aber er soll nur bestätigen, ob der Weg, den sie gehen, auch zum Ziel führt (V.6). Auf dem Weg in ihre neue Heimat führen sie sich auf wie Räuber: sie stehlen die Götterfigur von Micha (vgl. Kap. 17) und werben auch sein Priester ab. Mit beidem gründen sie ihr eigenes Heiligtum (V.30f).

„Himmlischer Vater, lass mein Glaube nicht zum religiösen Beiwerk verkommen. Du weißt wie wir auch in Gemeinden schnell in der Gefahr sind, unsere eigenen Ziele zu verfolgen und unsere eigenen Heiligtümer zu bauen. Schenke mir ein Herz, das wirklich auf Dich sieht und auf Dich hört.“

| Bibeltext |

Richter 17 Halbheiten

Nachdem bis jetzt im Richterbuch vor allem die äußeren Bedrohungen für Israel geschildert wurden, tauchen jetzt die inneren Bedrohungen auf. In diesem Text wird beschrieben, wie Micha sich ein Privatheiligtum einrichtet mit „Hausgötzen“, seinem eigenen Sohn als Priester und dann einem „privaten“ levitischen Priester. Erstaunlich auch bei diesem Text, dass er recht neutral berichtet und kaum bewertet. Nur in einem Nebensatz wird deutlich, was davon zu halten ist: „… und jeder tat, was ihn recht dünkte.“ (V.6)

Das Schwierige an Michas Handeln ist, dass hier Richtiges und Falsches vermischt werden. Er tut das alle offensichtlich im Namen Gottes, er will keine anderen Götter anbeten. Aber er verlässt dabei auch den Weg der Bibel, indem er sich ein Bildnis von Gott macht und indem er mit seinem Sohn einen Nicht-Leviten zum Priester weiht. Das ist bis heute die größte Gefahr für den Glauben: Nicht das offensichtlich Falsche, sondern schleichende Vermischung von Richtigem und Falschem. Halbwahrheiten schaden der Wahrheit mehr als offensichtliche Lügen.

Die Frage ist dann, wie man mit solchen Halbwahrheiten umgeht. Ängstliche Rechtgläubige sind schnell dabei, gegen die Halbwahrheiten zu kämpfen und alles was nicht in ihrem Sinn ist zu verteufeln. Ich denke es ist sinnvoller, sich bewusst auf die Wahrheit auszurichten. Glaube ist für mich nicht in erster Linie ein Kampf gegen etwas, sondern er ist ein Vertrauen und manchmal auch Kampf für etwas.

| Bibeltext |

Richter 10 Schizophrene Gebete

Kommt mir irgendwie bekannt vor: Ein Großteil der deutschen Bevölkerung hat mit dem Gott der Bibel wenig am Hut. Man glaubt zwar schon irgendwie an etwas göttliches, es ist bei vielen eine gewisse religiöse Offenheit da – aber sich konkret auf den biblischen Gott oder eine verbindliche christliche Gemeinschaft einzulassen, das kommt für viele nicht in Frage.

Aber dann, wenn etwas Schreckliches passiert, schreien alle: „Gott, wo bist du? Wie konntest du nur so etwas zulassen?“ Das Richterbuch schreibt dazu passend: „Geht hin und schreit zu den Göttern, die ihr euch erwählt habt; lasst diese euch helfen zu der Zeit eurer Bedrängnis!“ (V.14) Wem im Alltag tausend andere Dinge wichtiger sind als Gott, der müsste konsequenterweise auch in der Not die Hilfe von tausend anderen Dingen erwarten und nicht von Gott…

| Bibeltext |

Richter 8 Ein Glaubensheld auf Achterbahnfahrt

Was für Extreme! In V.23 ist Gideon noch das große Vorbild im Glauben. Er lehnt es ab über die Israeliten zu herrschen und sagt demütig: „Ich will nicht Herrscher über euch sein, und mein Sohn soll auch nicht Herrscher über euch sein, sondern der Herr soll Herrscher über euch sein.“ Für ihn gibt es nur einen wahren Herrscher: Gott selbst. Doch schon in V.27 wird berichtet, dass auch Gideon auf Abwege geraten ist: Er hat sich aus dem erbeuteten Gold der Feinde eine Götterstatue machen lassen „und ganz Israel trieb dort mit ihm Abgötterei.“

Vom großen Helden zum Götzendiener! Wie nah liegen vorbildhafter Glaube und Scheitern doch oft zusammen! Es ist erschreckend, dass unser Herz so wankelmütig ist, dass wir Menschen uns so schnell aus der Bahn werfen lassen. Wir sollten uns nicht zu viel auf unsere eigene Glaubensstärke einbilden. Ohne Gottes Gnade und seinen Heiligen Geist sind wir schnell am Ende. Auch Glaubenshelden (und vielleicht sie in besonderer Weise) haben immer wieder die demütige Ausrichtung auf Gott nötig.

| Bibeltext |

Hesekiel 14 Immer die Anderen

Bisher ging es vor allem um die uneinsichtigen Zurückgebliebenen in Jerusalem, welche lieber anderen Göttern vertrauten, als dem Gott Israels. Die nach Babylon Deportierten, zu denen auch Hesekiel gehörte, erschienen als der kleine treue Rest, der gerade wegen der Ferne zu Heimat und Tempel an Gott festhielt. Aber jetzt an diesem Text wird deutlich, dass es auch unter den Juden in Babylon Leute gab, die ihre Herzen an Götzen hingen (V.3). Nicht einmal bei den Deportierten, welche den Propheten Hesekiel in ihrer Mitte hatten, standen alle auf Gottes Seite!

Ich kann mir vorstellen, dass sich die Juden, die bereits im Exil waren, als das wahre Israel vorgekommen sind. Sie hatten Gottes Handeln hautnah erfahren und durften durch Hesekiel hören, dass Gott ihnen auch im Exil nahe ist. Diejenigen in Jerusalem, das waren doch diejenigen, die vom Glauben abgefallen waren und die Hesekiel zu Recht kritisierte. Aber jetzt wird deutlich, dass die Exulanten nicht mit dem Finger nach Jerusalem zu zeigen brauchten: die Gottlosigkeit steckte mitten unter ihnen! Das tun wir ja immer wieder gern: mit dem Finger auf andere zeigen und dabei unsere eigene Fehler großzügig übersehen. Da hat doch auch mal jemand anderes etwas gesagt von Balken und Splittern…, oder nicht?!

| Bibeltext |

Hesekiel 8 Fehlersuche

Gleich zu Beginn des Kapitels eine auffällige Formulierung: „Da fiel die Hand Gottes des Herrn auf mich.“ (V.1) Üblicher wäre die Formulierung „da kam die Hand Gottes auf mich“ (so bei Hes. 1,3; 3,22; 33,22; 37,1; 40,1). Wenn man dann das folgende Kapitel liest, wird die Formulierung etwas verständlicher: Hesekiel bekommt in einer Vision den Götzendienst seines Volkes vor Augen geführt. Und zwar nicht nur Götzendienst an irgendwelchen beliebigen Opferstätten, sondern mitten im Jerusalemer Tempel. Bei dem was er da sieht ist es verständlich, dass er das Gefühl hat, Gottes Hand ist auf ihn „gefallen“.

Interessant fand ich, dass Gott nicht nur ganz allgemein den Götzendienst seines Volkes anklagt, sondern ganz präzise aufzählt, was alles schief läuft. Man könnte das als pedantisch und kleinlich betrachten. Aber ich glaube Gott geht es darum, dass er seinem Volk einen Spiegel vorhalten will. Er will sie nicht einfach pauschal verurteilen, sondern zeigt ihnen exakt ihr Fehlverhalten auf. Das macht ja z.B. auch in der Kindererziehung einen Unterschied, ob ich ganz pauschal sage: „Aus dir wird eh nichts! Da ist Hopfen und Malz verloren!“, oder ob ich dem Kind genau erkläre, was es falsch gemacht hat und welche Konsequenzen das hat.

| Bibeltext |

Exodus 32, 15-24 Eine fantasievolle Ausrede

Ha! Wenn’s nicht so traurig wäre, dann müsste man bei diesem Abschnitt lauthals heraus lachen. Unglaublich, wie sich hier Aaron aus der Sache mit dem goldenen Kalb versucht heraus zu reden. Das ist nicht nur peinlich, das ist lächerlich. Zunächst einmal betont er sein Einverständnis mit Mose in der Beurteilung des Volkes: „Du weißt, dass dieses Volk böse ist.“ (V.22) Dann beschreibt er, wie er das goldene Stierbild gemacht hat. Er hat Gold eingesammelt und dann: „Ich warf es ins Feuert; daraus ist das Kalb geworden.“ (V.24) Oh, Wunder! Ich wollte das eigentlich gar nicht. Ich hab nur das Gold ins Feuer geworfen und das Götzenbild ist ganz von selbst entstanden, ich hab eigentlich gar nichts damit zu tun!

Tja, nachher will’s wieder keiner gewesen sein. Im Erfinden von Ausreden sind wir Menschen immer sehr fantasievoll. Nicht immer ist die Lüge und Verdrehung so offensichtlich, wie hier bei Aaron. Aber ich darf da nicht mit dem Finger auf andere zeigen – ich muss da zuerst mal auf mich selbst schauen. Wo versuch ich mich vor Gott und vor anderen heraus zu reden, wenn ich einfach nur Müll gebaut habe?

| Bibeltext |

Exodus 32, 1-6 Wenn’s mal wieder länger dauert

Nach dem Höhenflug mit der endlosen Beschreibung des herrlichen und kunstvoll gestalteten Wüstenheiligtum kommt jetzt ein um so tieferer Fall. Die Zeit, die Mose auf dem Berg verbracht hat, hat sich wohl etwas in die Länge gezogen. Die Israeliten wurden unruhig und nervös. „Was ist mit Mose passiert? Wo bleibt er? Wie lange sollen wir noch warten?“ Und so haben sie beschlossen die Sache mit Gott selbst in die Hand zu nehmen: Sie haben sich ein goldenes Stierbild gemacht und haben kurzerhand diesen Stier als Gott angebetet, anstatt auf den unsichtbaren Gott zu vertrauen.

Unverständlich? Nicht nachvollziehbar? Naja, auch ich hab schon tolle Dinge mit Gott erlebt und trotzdem: Wenn’s mal wieder länger dauert oder wenn mir dieser unsichtbare Gott zu unbegreiflich wird, dann kratzt das auch an meinem Vertrauen. Ich mach mir dann kein Stierbild, aber mir werden vielleicht andere Dinge wichtiger als Gott.

Aber damals wie heute bleibt Gott sich treu. Er ist kein Gott, den wir nach unseren Wünschen und Zeitplänen zurecht biegen können. Er ist und bleibt anders, größer, herrlicher, heiliger als wir uns das vorstellen können. Und das ist ja auch gut so, denn sonst wäre er nicht Gott, sondern ein selbstgemachter Götze. Gerade als dieser unbegreiflich andere und unsichtbare Gott wirbt er immer wieder neu um unser Vertrauen – auch wenn’s mal wieder länger dauert.

| Bibeltext |