Jorge Bucay: Komm, ich erzähl dir eine Geschichte

Bucay: Komm, ich erzähl dir eine GeschichteNach vielen Büchern im elektronischen Format endlich mal wieder ein „echtes“ Buch zum anfassen. Ich habe mir die Ausgabe der Fischer Taschenbibliothek gekauft – ich mag das handliche Format und die schöne Aufmachung.

Das Buch selbst ist eigentlich kein Roman, sondern durch eine Rahmenerzählung zusammen gehaltene Kurzgeschichten. Jorge Bucay ist in seiner Heimat Argentinien ein bekannter Psychiater, der seinen Patienten weniger durch abstrakte Wahrheiten helfen will, sondern durch lebendige Geschichten. In diesem Buch hat er einige seiner Geschichten, welche er wohl in der Therapie verwendet, einfach zusammengefasst und lässt sie einem fiktiven Patienten namens Demian zu Gute kommen. Als Leser dürfen wir miterleben, wie Demian dadurch besser mit dem Leben zurecht kommt. Jorge Bucay: Komm, ich erzähl dir eine Geschichte weiterlesen

Thomas Glavinic: Das größere Wunder

Glavinic: Das größere WunderEndlich mal wieder ein Roman, der mich gefesselt hat und den ich regelrecht verschlungen habe. Nicht alles fand ich gelungen und so manche Fragen bleiben offen, aber wie sagt schon ein Protagonist des Buches: „Antworten werden überschätzt.“

Die Hauptperson des Buches ist Jonas. Er hat zu Beginn eine deprimierenden Kindheit. Seine alleinerziehende Mutter ist alkoholabhängig, hat ständig wechselnde Freunde und kümmert sich kaum um Jonas und seinen behinderten Zwillingsbruder Mike. Doch auf märchenhafte Weise ändert sich das Leben der beiden schlagartig. Sie werden gewissermaßen adoptiert von Picco, einem unermesslich reichen älteren Mann, der mafiöse Züge zeigt, aber als Pate fortan über die Jonas und seinen Bruder wacht. Bei Picco wachsen die beiden zusammen mit Werner, dem Enkel von Picco auf. Thomas Glavinic: Das größere Wunder weiterlesen

Sprüche 25, 11-28 Das süße Leben

Wer Honig findet, der hat Glück (V.16). Für jemand im Alten Orient, der keinen Industriezucker und bergeweise Süßigkeiten im Küchenschrank hat, ist gefundener Honig eine seltene Köstlichkeit. Honig ist süß und macht glücklich. Aber in unserer Überflussgesellschaft merken wir das ganz genau: Dass sich das Glück mit der Menge des Honigs proportional erhöht ist ein Trugschluss. Wenn wir zu viel Gutes in uns hinein stopfen, dann schmeckt es uns am Ende nicht mehr und es wird uns schlecht davon. Weniger ist mehr – das ist wahre Lebenskunst.

„Ein Mann, der seinen Zorn nicht zurückhalten kann, ist wie eine offene Stadt ohne Mauern.“ (V.28) Aber ist nicht ein Mann, der dauernd seinen Zorn unterdrückt wie ein explosives Pulverfass? Was ist die richtige Balance, um mit unserem Zorn nicht entweder andere oder uns selbst zu schaden? Wie können wir mit Zorn konstruktiv umgehen?

| Bibeltext |

John Naish: Genug

Dieses Buch spricht mir aus der Seele. Wir leben in einer Welt des Überflusses, wir haben mehr als genug – und trotzdem wollen wir immer mehr und mehr. Der britische Journalist John Naish entlarvt nüchtern die Fallstricke unserer westlichen Überflussgesellschaft. Um gut und zufrieden leben zu können, haben wir von allem Wesentlichen genug: Wir haben genug Informationen, Essen, Sachen, Arbeit, Auswahl, Glück, Wachstum (diesen Stichworten geht Naish in seinem Buch nach). Trotzdem machen wir uns vor: wenn wir nur noch ein bisschen mehr hätte, dann ginge es uns besser. Aber das ist ein Trugschluss.

Naish spricht sich für eine Lebensphilosophie des Genughaben aus. Weniger ist mehr. Wenn wir lernen, mit dem was wir haben, zufrieden zu sein, dann leben wir entspannter und erfüllter. Der Autor geht sehr rational an die Sache heran und zitiert oft wissenschaftliche Untersuchungen. Er argumentiert auch des Öfteren mit der menschlichen Evolutionsgeschichte.

Um so überraschender war für mich das letzte Kapitel, in welchem er den grundsätzlichen Lebensansatz entfaltet, wie wir nach seiner Meinung der Überflussgesellschaft entkommen können: Dankbarkeit. Er empfiehlt uns, dankbar für das zu sein, was wir haben. Das geht bei ihm sogar so weit, dass er – als jemand der mit Gott offensichtlich nicht so viel anfangen kann – mit seiner Familie die Sitte des Tischgebets eingeführt hat! Auch wenn er nicht daran glaubt, dass dieses Gebet tatsächlich von einem Gott gehört wird, sieht er es als sinnvoll an, um sich darin in Dankbarkeit zu üben. Da können auch wir Christen noch so einiges lernen…

(Amazon-Link: John Naish: Genug)

Kohelet 9, 11-18 Lohnt sich Weisheit?

Bei diesem Abschnitt ist es gut, verschiedene Übersetzungen zu vergleichen. In V.11 stellt Kohelet die Frage, ob sich die Bemühungen und Begabungen des Menschen lohnen, oder ob das Glück nur Zufall ist. Kurz gesagt: Lohnt sich Leistung oder ist alles nur Glückssache? In einer leistungsorientierten Gesellschaft wie unseren ja durchaus eine aktuelle und interessante Frage. Luther übersetzt den Schluss von V.11 sehr extrem: „Alles liegt an Zeit und Glück.“ Andere übersetzen vorsichtiger, so z.B. die Gute Nachricht: „Denn schlechte Tage und schlimmes Geschick überfallen jeden.“

Wie so oft hilft die Elberfelder Übersetzung dem Hebräischen am Nächsten zu kommen: „Zeit und Geschick trifft sie alle.“ Also durchaus verallgemeinernd: alle sind von Glück und Zufall abhängig, aber doch nicht so extrem wie Luther es ausdrückt, dass „alles“ nur an Zeit und Glück liegt. Ich denke, diese Richtung liegt durchaus im Sinn des ganzen Abschnittes. Der Prediger macht deutlich, dass es sehr gut ist weise zu sein, sich anzustrengen ein gutes Leben zu führen. Aber er stellt auch nüchtern fest, dass dies keine Garantie für ein glückliches Leben ist.

Lohnt sich also Weisheit? Lohnt es sich, ein gutes und weises Leben zu führen, lohnt es sich, ein Leben zu führen, das Gott gefällt? Lohnt es sich auch heute in einer Welt, die nicht nach Gott fragt, trotzdem am Glauben festzuhalten? Ein klares „Jein“! Es ist auf jeden Fall gut und richtig, aber es führt nicht automatisch zum Erfolg. Dieser Meinung von Kohelet kann ich mich durchaus anschließen, wobei ich froh bin, dass wir durch Jesus Christus auch in dieser Frage noch einmal einen tieferen und weiteren Blick bekommen (und man auch anfragen kann, was denn ein „erfolgreiches“ und „glückliches“ Leben ausmacht).

| Bibeltext |

Kohelet 6, 1-12 Düster, düster!

Kohelet spricht von Reichtum, Kindersegen und einem langen Leben. Nach der damaligen Vorstellung war all dies ein deutliches Zeichen für ein gesegnetes Leben. Aber er stellt fest: All das bringt auch nichts, wenn man dabei nicht glücklich ist, wenn Gott es nicht schenkt, dass man es genießen kann. Was ist die Konsequenz? Es lohnt sich nicht nach solch irdischen Gütern zu streben, es kommt ja doch nur darauf an, dass Gott einem Glück schenkt. Aber auch das kann man ja nicht erzwingen, das ist für Kohelet ein freies Geschenk Gottes. Was bleibt dann? Schicksalsergebenheit in das was kommt oder was nicht kommt? Wenn man Glück hat, kann man sein Leben ein bisschen genießen, wenn man Pech hat, dann wäre es besser eine Fehlgeburt gewesen zu sein (V.3)?

Gottes Wort hin, Gottes Wort her – das ist mir doch ein wenig zu düster! Ich kann Kohelet nicht lesen, ohne das Neue Testament im Hinterkopf. Kohelet geht davon aus, dass nach dem Tod alles aus ist. Ich gehe davon aus, dass nach dem Tod etwas ganz Neues beginnt. In manchen Dingen korrigiert sich die Schrift auch selbst und wir müssen manche Texte im Gesamtzusammenhang der Bibel in einem anderen Licht lesen, als sie ursprünglich gedacht waren. Das heißt nicht, dass wir leichtfertig alle düsteren, unbequemen und schwierig zu verstehende Texte aus der Bibel streichen sollen. Aber es bedeutet für mich z.B. solch einen Text im Licht von Ostern zu lesen. Und in diesem Licht wird eben deutlich, dass das Glück oder Unglück in diesem Leben nicht das letzte Wort ist.

Kohelet 5, 9-19 Körnchen des Glücks

„Wer Geld liebt, wird vom Geld niemals satt, und wer Reichtum liebt, wird keinen Nutzen davon haben.“ (V.9) Zack! Das sitzt! Recht hat er! Und wie! Bis heute! Mehr denn je! Das Gute bei Kohelet ist, dass er nicht einfach ein Polemisierer ist, der mit extremen, vereinfachenden und platten Positionen alles niedermäht. Er sagt nämlich nicht, dass man nur ohne Geld glücklich werden kann, dass das Kapital abgeschafft werden sollte, dass man nur richtig glücklich wird, wenn man von der Luft und der Liebe lebt: „Denn wenn Gott einem Menschen Reichtum und Güter gibt und lässt ihn davon essen und trinken und sein Teil nehmen und fröhlich sein bei seinem Mühen, so ist das eine Gottesgabe.“ (V.18)

Also: Reichtum lieben? Nein! Davon wirst du niemals satt. Du willst immer mehr und wirst immer hungriger dabei! Aber: Reichtum genießen? Ja! Als Gabe Gottes, als Geschenk. Die Kunst ist, mit „seinem Teil“ zufrieden zu sein und sich darüber zu freuen, anstatt immer von der Sehnsucht nach dem Ganzen getrieben zu sein. Das Ganze, die Fülle des Lebens, der Reichtum des völligen Friedens und Glücks, den kriegst du hier auf Erden nie zu fassen. Darum genieße die Körnchen des Glücks, die Gott dir jetzt schon schenkt!

| Bibeltext |

Kohelet 4, 4-8 Eine Hand voll mit Ruhe

Hach… brillant und erschreckend aktuell: „Da ist nur Eifersucht des einen auf den anderen… Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe.“ (V.4.6) Dieser eifersüchtige Blick auf das neue Handy des anderen, diese Gier nach mehr Kohle und Ansehen, dieses verkrampfte Ballen der Fäuste, beim Versuch möglichst viel an sich zu reißen – das ist bis heute die Gleiche. Und damals wie heute wissen wir eigentlich: Besser das, was man hat in Ruhe genießen, als sich verzweifelt abzustrampeln für das vermeintlich doppelte Glück. Leicht gesagt und schwer getan!

| Bibeltext |

Kohelet 2, 1-11 Die große Konsumlüge

Wir sind nicht wirklich schlauer geworden. Schon vor tausenden von Jahren hat der Prediger festgestellt, dass Reichtum nicht glücklich macht. Großartige Immobilien und weitläufige Grundstücke, ein Heer von Dienern und Wellnessassistenten, Kohle bis zum Abwinken, Wein, Weib und Gesang,… all das stellt vielleicht für einen kurzen Augenblick Befriedigung her – macht aber letztendlich auch nicht glücklich.

Das wissen wir ja alle und doch fallen wir immer wieder auf diese große Konsumlüge herein, die es in ähnlicher Weise wohl schon damals gegeben hatte. Immer wieder beschleicht uns der Gedanke: Wenn ich nur von allem ein bisschen mehr hätte, dann, ja dann, könnte ich glücklich sein. Der Prediger sagt: Das ist alles eitel und vergänglich, das ist genauso sinnlos wie der Versuch den Wind einzufangen.
Bibeltext

Kohelet 1, 12-18 Weisheit macht unglücklich

Alles ist eitel [häbäl: vergänglicher Hauch/Windhauch/Nichtigkeit] und Haschen nach Wind (V.14). Ja sogar die Weisheit – also das Streben nach Einsicht in die göttliche Ordnung der Welt – ist ein Haschen nach Wind (V.17b). Viel Weisheit bringt nicht mehr Glück, sondern mehr Leiden (V.18). Die Stuttgarter Erklärungsbibel schreibt dazu: „Bei aller Weisheit wird der Mensch nicht glücklicher; je mehr er weiß, desto schwieriger wird das Leben.“

Mir ist dazu David Foster Wallace eingefallen. Er war ein genialer Denker, Philosoph und Schriftsteller. Er hat ein gigantisches, von allen Literaturkritikern hochgelobtes Buch geschrieben: „Unendlicher Spaß“. Ich hab nur die ersten 150 Seiten von insgesamt über 1500 Seiten geschafft. Man merkt bei ihm, dass er unendlich viel weiß, dass er sehr gebildet ist und einen sehr scharfsichtigen Blick auf die Welt, seine Mitmenschen und auch sich selbst hat. Aber all seine Begabungen und all seine Weisheit hat ihn nicht glücklicher gemacht. Er hat sich 2008 das Leben genommen. Vielleicht ist das wirklich was dran: Ein Mensch mit weniger Wissen kann unbeschwerter und unbekümmerter durchs Leben gehn.

Natürlich ist es ein Unterschied, ob es um menschliche Weisheit oder um Weisheit im biblischen Sinn geht. Aber um so erschreckender sind die Aussagen des Kohelet: Selbst biblische Weisheit, die wirklich nach Gott sucht, macht letztendlich nicht glücklich! Stimmt das?! Kann man das so pauschal sagen?! Ich weiß nicht… Da fehlt mir die Weisheit, um das wirklich zu beurteilen. 😉
Bibeltext