Johannes 10, 1-10 Die Tür zum Leben

Hat Jesus auch mal was gesagt, was alle sofort verstanden haben? Das Johannesevangelium ist voll von Missverständnissen. Jesus sagt etwas oder tut etwas und die Zuhörer verstehen es falsch, kapieren nicht sofort was er will oder wollen ihn auch manches mal gar nicht verstehen. Selbst seine Jünger haben ihre Schwierigkeiten: „Dies Gleichnis sagte Jesus zu ihnen; sie verstanden aber nicht, was ihnen damit sagte.“ (V.6)

Dieses Gleichnis von der Tür, dem Hirten und den Schafen ist auch ohne Erklärung nicht so einfach zu verstehen. Und bei Gleichnissen ist es ja sowieso immer so, dass sie nicht exakt eine festgelegte übertragene Bedeutung haben, sondern dass sie ganz bewusst offen sind für Interpretationen. Bei einem Bild (ein Gleichnis ist ein Bild in sprachlicher Form) kommt es eben auf den Blickwinkel an. Es weckte bei verschiedenen Betrachtern verschiedene Gefühle.

Jesus legt sein Gleichnis hier selbst aus. Ein Vergleichspunkt in diesem Gleichnis ist die Tür. Jesus selbst bezeichnet sich als die Tür zu den Schafen. Dass Gläubige in Gleichnissen mit Schafen verglichen wurden und geistliche Anführer oder Gott selbst mit einem Hirten ist in der Bibel gang und gäbe. Das Bild der Tür (oder des Tores bzw. Gatters zu den Schafen) ist eher ungewöhnlich. Die Bedeutung dagegen ist recht klar: Jesus ist nicht nur der Hirte der Schafe, sondern auch der Zugang. Wenn jemand die Schafe leiten will und nicht den Zugang über Jesus sucht, dann ist er ein Dieb und ein Räuber – das heißt, er ist nicht der rechtmäßige Eigentümer und hat nicht das Wohl der Schafe im Blick. Zugleich ist Jesus auch für die Schafe die Tür, durch die sie gehen können, um Weide zu finden. Jesus will uns nicht einsperren, sondern uns ins Frei führen, damit wir „das Leben und volle Genüge haben“ (V.10).

| Bibeltext |

Lukas 19, 11-27 Der König lässt sich Zeit

Beim Lesen heute ist mir aufgefallen, in welchen Zusammenhang dieses Gleichnis von den anvertrauten Pfunden bei Lukas eingebetet ist. Gleich zu Beginn macht Lukas den Hintergrund deutlich: Jesus war auf dem Weg nach Jerusalem und so mancher meinte, dass jetzt dann bald die Herrschaft des Messias anbrechen wird und Gottes Reich kommen wird. Das Gleichnis macht in diesem Zusammenhang also vor allem deutlich, dass es noch eine Weile dauert, bis Gott sein Reich endgültig aufrichtet. Jesus ist wie der Fürst in dem Gleichnis, der lange Zeit weggeht, um dann wieder als König zu kommen. So geht Jesus nach seinem Tod lange Zeit weg und wird dann für alle offensichtlich als König wiederkommen.

In der Zwischenzeit sollen wir die Gaben, die Jesus uns anvertraut hat gut nützen. Wir sollten sie nicht ängstlich verstecken, sondern das Beste daraus machen. Es ist nicht so wichtig, ob wir jetzt aus einem Pfund zehn machen oder fünf. Es wäre sogar okay das Pfund nur auf der Bank anzulegen, um wenigstens die Zinsen zu bekommen. Aber es ist nicht in Ordnung, wenn wir das was Gott uns schenkt nur verstecken. Dazu ist es nicht da…

| Bibeltext |

Lukas 8, 16-18 Zuhören üben

Beim ersten Lesen hab ich mich gefragt, was diese Verse jetzt in diesem Zusammenhang zu suchen haben. Die Aussagen sind ja recht allgemein gehalten, ohne gross gedeutet zu werden. Es ist ja eine Allerweltsweisheit, dass man ein Licht nicht unter die Bank stellt, sondern auf einen Leuchter setzt. Und auch dass dem, dem gegeben ist noch mehr gegeben wird findet sich im Neuen Testament in verschiedenen Zusammenhängen. Warum also hier?

Die Stuttgarter Erklärungsbibel haben mich auf die Spur gebracht: Auch wenn Jesus nach Lk. 8,9-10 in Gleichnissen redet und diese nicht von allen verstanden werden, so ist es trotzdem seine Absicht, dass viele Menschen seine Lehre verstehen und annehmen (das Licht sehen). Er will keine esoterische Geheimlehre weitergeben, sondern sein Licht leuchten lassen. Allerdings ist es wichtig, genau zuzuhören. Denn wer schon etwas von Jesu Worten verstanden hat, dem wird das weitere Verständnis leichter fallen („wer hat, dem wird gegeben“). Wer sich allerdings gar nicht darum bemüht zu verstehen, dem wird Jesus fremd bleiben.

„So seht nun darauf, wie ihr zuhört.“ Es ist nicht immer einfach Jesus zu verstehen. Manches wird uns ein Leben lang fremd bleiben. Manches werden wir erst in der Ewigkeit verstehen. Aber je genauer wir hinhören, je besser wir das Zuhören einüben, desto mehr von Jesu Licht werden wir sehen.

| Bibeltext |

Lukas 8, 4-15 Geduld

Beim Lesen des Textes ist mir dieses mal besonders das Stichwort Geduld aufgefallen. Lukas hat dieses  Wort in V.15 eingefügt – bei der Parallelstelle in Markus und auch bei Matthäus taucht es nicht auf. Der Samen den Jesus ausstreut bringt Frucht – aber dazu braucht es Geduld. Es geht nicht so schnell und offensichtlich, wir wir uns das wünschen.

Diese Aussage ist im Grunde im ganzen Gleichnis schon angelegt. Zuerst erzählt Jesus ausführlich, was beim Ausstreuen des Wortes Gottes alles schief gehen kann. Es kann auf den harten Weg fallen und zertreten werden, es kann auf felsigen Boden fallen und wegen zu wenigen Wurzeln schnell wieder verdorren, es kann unter die Dornen fallen und erstickt werden. Das ist das erste was wir sehen: es ist zuerst offensichtlich, wo das Wort Gottes keine Frucht bringt. Noch bevor der Sämann irgend etwas positives sehen kann, muss er zur Kenntnis nehmen, wo er vergeblich gesät hat.

Denn den Samen auf dem guten Boden sieht man zunächst nicht. Er wird in die Erde eingepflügt und es scheint zunächst einmal gar nichts zu passieren. Erst langsam wächst die Frucht heran und erst zur Erntezeit kann man feststellen, dass das Wort Gottes doch noch reichlich Frucht gebracht hat. Das braucht Geduld, Ausdauer und Gelassenheit.

| Bibeltext |

Lukas 15, 11-24 – Der großzügige Vater

Wie macht man eine altbekannte Geschichte wieder neu interssant? Indem man die Perspektive wechselt. Klaus Douglass tut das bei diesem Gleichnis vom verlorenen Sohn. Er betrachtet das Ganze aus dem Blickwinkel des Vaters. Was mich dabei besonders bewegt hat, ist die Großzügigkeit des Vaters. Er übt keinen Zwang auf seinen Sohn aus, sondern gibt ihm das ganze Erbe und lässt ihn gehen.

„Es ist paradox: Ohne die Zuwendung Gottes könnten wir ein Leben in der Abwendung von Gott gar nicht führen!“ (S.67) Nur durch das ausbezahlte Erbe vom Vater kann der Sohn ein Leben ohne den Vater führen. D.h. dass wir alle, egal ob wir an Gott glauben oder nicht, nur aufgrund der Großzügigkeit Gottes existieren können. „Ist das nicht unglaublich, dass Gott uns die Möglichkeit gegeben hat, unser Leben ohne ihn zu genießen, ohne dabei zu kurz zu kommen? Was muss das für eine Liebe sein!“ (S.67)

Matthäus 22, 1-10 – Das Hochzeitsfest

FesttafelAuf eine Hochzeit eingeladen zu sein ist doch etwas besonders. Ich geh gern auf Hochzeiten und freue mich mit dem Brautpaar. Wer es sich irgendwie einrichten kann, will solch ein besonderes Fest nicht verpassen. Und deshalb bekommen die Gäste auch schon lange vorher eine Einladung, damit sie sich den Termin freihalten können. Wie ist das erst, wenn man sogar vom König zur Hochzeit seines Sohnes eingeladen wird? Von der wichtigsten Person im Land! Natürlich hält man sich diesen Termin frei – das wird doch noch zehnmal feudaler und herrlicher als eine „normale“ Hochzeit! Das ist doch eine riesige Ehre, wenn man da zu den geladenen Gästen zählt.

Jesus erzählt in diesem Gleichnis etwas seltsames und absurdes: Er erzählt von geladenen Gästen, die den Termin schon lange wussten und die dann kurz vorher noch absagen, um z.B. noch auf dem Acker zu arbeiten. Das ist doch der Wahnsinn! Wie kann man nur?!?

Aber wir erleben das ja noch heute: Jeder ist eingeladen zum größten und besten Fest der Welt, jeder ist eingeladen zur Gemeinschaft mit Gott. Und die meisten erfinden die unsinnigsten Ausreden, um zu diesem Fest nicht hin zu müssen. Auch ich selbst erleb das viel zu oft bei mir, dass mir andere Dinge wichtiger werden, als das Hochzeitsfest des Königssohns. Seltsam und absurd! Traurig und tragisch!

Aber was mir an diesem Gleichnis besonders gefällt, ist das Bild vom Hochzeitsfest. Das ist ein tolles Bild für den Glauben. Es geht nicht um etwas langweiliges, gesetzliches und freudloses. Nein, es geht um die größte Party der Welt. Da wird gefeiert, gelacht, getanzt. Da wird das beste Essen im ganzen Land aufgetischt, der köstlichste Wein wird aus dem Königskeller geholt. Da wird es Jubel ohne Ende geben. Schön!!!

___
Foto: aboutpixel.deCandlelight Dinner © getready

Matthäus 21, 33-46 – Gottlose Religion

Gut verständlich, dass sie die Situation für Jesus zuspitzt: Wenn er solche Gleichnisse erzählt, in denen er sich selbst deutlich als Sohn Gottes darstellt und den jüdischen Oberen androht, dass das Reich Gottes von ihnen genommen wird. Das trägt nicht gerade zur Entspannung bei. Aber wahrscheinlich war es zu dem Zeitpunkt eh schon zu spät. Oder treibt Jesus den Konflikt ganz bewusst auf die Spitze?

Aus der Sicht der jüdischen Oberen ist das Gleichnis nicht ganz zutreffend: Jesus sagt, dass die Weingärtner (also die religiösen Anführer Israels) den Sohn erkennen und ihn töten, um an das Erbe zu kommen. Aber der Punkt ist ja gerade, dass sie ihn nicht als Sohn Gottes erkennen, dass sie ihn für einen dreisten und gefährlichen Hochstapler halten.

Es ist echt tragisch, wie verblendet einen die Religion machen kann. Wenn dann zur Religion auch noch die Macht kommt, wird es nicht gerade einfacher. Die jüdischen Oberen waren so in ihrer Vorstellung und in ihrem Glaubenssystem gefangen, dass sie sich gar nicht ernsthaft vorstellen konnten, dass dieser Jesus wirklich Gottes Sohn war. Verrückt, dass gerade die Religion Menschen daran hindern kann, Gott wirklich zu erkennen. Ob das bei mir manchmal auch so ist?

Matthäus 21, 28-32 – Kamele, Zöllner und Huren

Wir alle kennen den berühmten Ausspruch Jesu: „Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als daß ein Reicher ins Reich Gottes komme.“ (Mt.19,24) Die Stelle hier aus Mt.21 ist genau so krass. Zu den damaligen religiösen Anführern sagt Jesus: „Die Zöllner und Huren kommen eher ins Reich Gottes als ihr.“ Das ist so, als ob Jesus heute zur obersten Kirchenleitung sagen würde: „Die geldgierigen Bankmanager und die Huren auf dem Strich werden eher gerettet als ihr.“ Ich hoff ja, dass es im Himmel nur so von Kamelen, Zöllnern und Huren wimmelt – denn wenn es schon für die schwierig ist, wie viel schwieriger ist es dann für einen Normalo wie mich, in den Himmel zu kommen?

Der Punkt in dem Gleichnis, das Jesus an dieser Stelle erzählt, ist ja: Es kommt nicht auf das fromme Geschwätz an, sondern darauf, Gottes Willen zu tun. Und das heißt: Nicht einfach irgendwas religiösen tun oder ein paar fromme Gewohnheiten einzuüben, sondern Jesus zu vertrauen und „Buße“ tun, umkehren. Das ist das entscheidende, was die Zöllner und Huren taten: Sie glaubten Jesus und taten Buße.

Matthäus 18, 21-35 – Wie auch wir vergeben…

Im wichtigsten Gebet für uns Christen heißt es: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Mich überkommt manchmal ein mulmiges Gefühl, wenn ich diese Worte bete. Dieses selbstverständliche „wie auch wir vergeben“ macht mir Angst. Denn ich weiß, wie schwer wir uns damit tun. Selbst wenn wir es vom Kopf her wollen, sind unsere Herzen manchmal so verhärtet, dass wir es nicht wirklich schaffen.

Diese Geschichte aus Matthäus 18 macht für mich diese Vaterunser-Bitte verständlicher und einleuchtender. Ein König erlässt einem Knecht eine riesige Summe von Schulden. Dann geht der Knecht zu einem Kollegen und fordert mit Gewalt eine vergleichsweise kleine Summe zurück. Zur Übertragung auf heutige Verhältnisse: Die Summen in dem Gleichnis verhalten sich wie 30 Millionen zu 100! Also sagen wir mal dem einen Knecht wurden vom König 30 Millionen Euro erlassen und der geht dann hin und verprügelt einen anderen wegen 100 Euro. Total absurd und abwegig, oder?!

Genau so absurd und abwegig ist es, wenn wir einander nicht vergeben wollen. Auch wenn uns die Schuld noch so groß und schlimm erscheint – im Vergleich zu dem, was Gott uns vergibt, ist das alles Pipifax. Und wenn unser Herz das nicht schafft, dann sollten wir uns wenigstens vom Kopf her sagen: Ja, ich will vergeben, auch wenn ich mich überhaupt nicht danach fühle.

Matthäus 13, 47-52 – Unperfekte Gemeinde

Tja, noch einmal ein Abschnitt mit Feuerofen, Heulen und Zähneklappern. Bento hat mich ja freundlicherweise schon vorgewarnt… 😉 Aber zu dem Thema ist ja in den letzten Artikeln und Kommentaren schon einiges geschrieben worden. Was ich heute ergänzen möchte: Wenn es schon diesen doppelten Ausgang des Gerichts gibt (Himmel oder Hölle), dann bin ich froh, dass Gott es ist, der entscheidet und nicht irgend jemand anders.

Das wird auch in diesem letzten Gleichnis bei Matthäus zum Thema Himmelreich deutlich. Er betont (ähnlich wie beim Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen) dass die Unterscheidung zwischen Gut und Böse erst von Gott (mit Hilfe seiner Engel) im Gericht geschehen wird. Unsere Aufgabe jetzt ist, das Netz auszuwerfen und jeden in die Nähe Gottes einzuladen. Und es wird immer so sein (in jeder Gemeinde und in jeder christlichen Gemeinschaft), dass es eine Mischung von guten und schlechten Fischen geben wird. Es ist nicht unsere Aufgabe, in der Gemeinde die Bösen auszusortieren, das wird Gott tun. Er wird am Ende für die perfekte Gemeinde sorgen.