1. Thessalonicher 3, 1-13 Bedrängter Glaube

Zwei Wortfelder stehen sich in diesem Abschnitt gegenüber. Zum einen das Wort „Bedrängnis“ (3x), ergänzt durch „Versucher“ (V.5) und „Not“ (V.7) und zum anderen das Wort „Glaube“ (5x), ergänzt durch das Wort „Liebe“ (V.6.12). Beides betrifft nicht nur die Thessalonicher, sondern auch Paulus selbst.

Offensichtlich schließen sich Glaube und Bedrängnis nicht aus – es ist wohl eher das Gegenteil der Fall. Glaube heißt nicht, dass wir ein problemloses und einfaches Leben bekommen, sondern Glaube ist immer auch angefochtener und bedrängter Glaube. Das wollen wir natürlich in unserer Wellness-Gesellschaft nicht so gerne hören. Wir würden Glauben auch gerne als wohltuendes und beglückendes Produkt ohne Nebenwirkungen unter die Menschen bringen. Aber so einfach ist das nicht. Für mich ist der Glaube an Jesus Christus auf jeden Fall wohltuend und beglückend. Aber er schafft auch Bedrängnisse und Anfechtungen.

Paulus ist es wichtig, dass die Thessalonicher gerade in diesen Bedrängnissen „wachsen und immer reicher werden in der Liebe untereinander und zu jedermann“ (V.12). Das ist ist die Kunst des Glaubens: sich von Bedrängnissen nicht aus der Spur bringen lassen, sondern daran wachsen. Das geht nicht durch eigene Kraft, sondern nur im Vertrauen auf den Herrn, der uns wachsen lässt (V.12).

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Philipper 3, 17-21 Folgt mir!

„Folgt mir, liebe Brüder, und seht auf die, die so leben, wie ihr uns zum Vorbild habt.“ (V.17) Ganz schön eingebildet dieser Paulus. Ich will doch nicht Paulus folgen, sondern Christus. Was denkt er sich dabei? Warum nimmt er sich so wichtig? Warum stellt er sich selbst als Vorbild hin und nicht Christus?

Wenn man den Text weiter liest, so wird deutlich, dass es nicht um das Gegenüber von Paulus oder Christus geht, sondern um die Alternative: Paulus bzw. himmlisch gesinnte Christen oder Feinde des Kreuzes Christi bzw. irdisch gesinnte Christen. Bei diesen zwei Möglichkeiten soll man sich lieber Paulus zum Vorbild nehmen. Offensichtlich gab es in Philippi einige Leute, die Irrlehrern auf den Leim gegangen sind. Paulus meint: Folgt meiner Linie, anstatt diesen Evangeliumsverdrehern nach zu laufen.

Mir wär’s ja trotzdem lieber, wenn er einfach nur gesagt hätte: Folgt Christus! Aber vielleicht ist ja auch was dran an dem Gedanken, dass wir Menschen auch immer konkrete menschliche Vorbilder brauchen, um im Glauben zu wachsen. Für meinen Glauben waren auf jeden Fall immer wieder reifere Mitchristen wichtig, die mich weiter gebracht haben. Das ist natürlich eine andere Ebene der „Nachfolge“ als die Christusnachfolge, aber es ist auch wichtig, dass uns der Glaube von anderen ganz konkret vorgelebt wird, wir sie nachahmen können und wir so im Glauben wachsen können.
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