Apostelgeschichte 20, 1-16 Alltägliche Glaubenskämpfe

Ob diese Geschichte wohl auch in der Bibel gelandet wäre, wenn der eingeschlafene Zuhörer bei diesem Unfall nicht gestorben und von Paulus wieder auferweckt worden wäre? Wahrscheinlich nicht, denn das ist ja gerade das besondere an diesem Ereignis: dass Gott durch Paulus dieses Wunder einer Totenauferweckung bewirkt hat.

Mir selbst geht es allerdings so, dass ich mit dem eingeschlafenen Predigthörer sehr viel mehr anfangen kann, als mit einer Totenauferweckung. Solch ein dramatisches Wunder habe ich noch nie erlebt. Das liest man nur in der Bibel oder hört es aus verschiedenen Quellen, bei denen man nie genau weiß, wie zuverlässig diese Berichte sind. Müde Predigthörer hab ich dagegen schon öfters erlebt (allerdings noch keinen, der dabei vom Stuhl gekippt ist…). Diese ganz normale menschliche Schwäche, die aufgrund einer überlangen Predigt bis um Mitternacht ja auch verständlich ist, ist mir viel vertrauter als irgendwelche besonderen Glaubensereignisse. Das finde ich in der Bibel gerade schön, dass nicht nur die Erfolgsgeschichten erzählt werden, sondern auch die Schwierigkeiten. Ich finde es tröstlich, wenn man in dieser Geschichte so nebenbei erfährt, dass die Christen damals auch nur ganz normale Menschen waren, die mit ihrer Müdigkeit zu kämpfen hatten…

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Jeremia 6, 16-30 Frustrierender Job

Jeremia wirkte als Prophet über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten. Seine Berufung geschah 626 oder 627 v. Chr. und er wirkte bis zum Untergang Jerusalems 587 v. Chr. (vgl. dazu Jer. 1,2-3). Das Tragische bei Jeremia ist, dass ihm schon relativ früh klar wurde, dass niemand auf seine Aufrufe zur Umkehr hören würde. Der heutige Abschnitt ist schon so etwas wie ein Fazit seiner Verkündigung: Die Israeliten wollen nicht umkehren (V.16-17), „sie sind ganz und gar abtrünnig und wandeln verleumderisch“ (V.28).

Angesichts dieser Uneinsichtigkeit ist seine Aufgabe nicht mehr die, Israel zu erneuern, sondern er ist nur noch ein „Prüfer“ (V.27), der feststellt, dass Gott sein Volk verworfen hat (V.30). Er kann nicht viel mehr tun, als die Sünde aufdecken.

Oh Mann! Was für eine frustrierende und deprimierende Aufgabe! Verständlich, dass Jeremia so manche inneren Kämpfe durchzustehen hatte. Und doch: Was für eine Treue! Über Jahrzehnte hat er sich immer wieder von Gott gebrauchen lassen, trotz aller innerer Zweifel und äußeren Anfeindungen. Er hät‘ ja auch sagen können: „Hey Gott, wenn das ganze eh nichts bringt, dann lassen wir’s doch gleich bleiben und wir ersparen uns beide jede Menge Ärger. Ich hab keine Lust darauf, mir mein restliches Leben mit diesem Job zu ruinieren und dann doch keine Ergebnisse zu sehen.“ Hat er aber nicht – zum Glück für uns und viele andere Bibelleser…
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