2. Korinther 6, 1-10 – Traurig, aber wahr

Paulus ermahnt die Korinther, dass sie die Gnade Gottes nicht vergeblich empfangen. Ja gibt’s denn so was?!? Dass jemand die Gnade Gottes vergeblich empfängt? Wörtlich übersetzt steht da, dass die Gnade nicht ins Leere laufen soll. Auch wenn’s mir nicht passt, auch wenn ich mich immer wieder frage, wie die Gnade unseres allmächtigen und großen Gottes in’s Leere laufen kann – es kann geschehen. Und wir sehen das ja jeden Tag an den vielen Menschen, die mit dieser Gnade nichts anfangen können. So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn für uns gab. Aber nur wenige interessiert das überhaupt. Gottes Gnade läuft in’s Leere, aber so was von in’s Leere! Traurig, aber wahr.

Erstaunlicher und noch viel beängstigender ist, dass Paulus diese Worte an Christen schreibt. Also an Menschen, die diese Gnade Gottes schon einmal angenommen haben. An Menschen, die eigentlich wissen, um was es geht. Selbst bei ihnen kann es geschehen, dass die Gnade wieder in’s Leere läuft. Dass alles vergeblich war…

2. Korinther 4, 1-6 – Licht und Finsternis

Warum kommen manche Menschen zum Glauben und andere nicht? Warum tun sich manche leichter damit, Gott zu vertrauen und andere bleiben ihr Leben lang skeptisch? Paulus spricht in dem Abschnitt davon, dass manchen Menschen der Gott dieser Welt (also der Satan) „den Sinn verblendet hat“ und dass sie deshalb das Evangelium nicht erkennen können. Anderen Menschen dagegen schenkt Gott „einen hellen Schein ins Herzen“, so dass sie die Herrlichkeit Gottes erkennen können.

Schwierig…

Die einfachste Lösung wäre ja, dass man sagt: Jeder Mensch hat einen freien Willen und jeder darf sich für oder gegen Gott entscheiden. Paulus schränkt aber hier den freien Willen zumindest ein: Er sagt, dass der Unglaube mit Verblendung durch den Satan zu tun hat und dass Glaube eine Erleuchtung durch Gott ist. Ich finde es gut, dass er es sich nicht so einfach macht und nur alles auf die menschliche Freiheit schiebt. Wer selbst glaubt und Jesus vertraut, der merkt immer wieder, dass dieses Vertrauen nicht nur eigene Entscheidung ist, sondern auch ein Geschenk. Ich vermute mal, dass Paulus nicht eine Seite gegen die andere ausspielen würde. Gott zu vertrauen ist Beides: eigene Entscheidung und zugleich ein Geschenk. So ist die Wirklichkeit – auch wenn es uns schwer fällt, diese Wirklichkeit logisch zu denken…

Abstand nehmen

Füße im Sand

Drei Wochen Urlaub – abschalten, Abstand gewinnen, Zeit zum Lesen (zu den Büchern werden noch ein paar Artikel folgen)…, Sonne, Meer, viel Bewegung und frische Luft (für einen Stubenhocker wie mich eine wichtige Abwechslung!), raus aus der Alltagsmaschinerie (die einen leider sehr schnell wieder einfängt), andere Erfahrungen machen, andere Dinge sehen.

Ich hab in den drei Wochen kaum in meiner Bibel gelesen oder gebetet, hab in gewisser Weise auch Abstand von Gott (bzw. dem ganzen christlichen Drumrum) genommen – und es hat mir nichts gefehlt. Im Gegenteil: Ich hab mich wohl dabei gefühlt – frei, erleichtert (bis auf das schlechte Gewissen: Naja, als Christ sollte man doch Freude am Kontakt mit Gott haben und gerne Bibellesen und Beten…). Traurig! Warum ist das so? Okay, als „Berufschrist“ steht man in der Gefahr Glaube sofort mit Arbeit in Verbindung zu bringen. Aber ich fürchte, auch als „ehrenamtlicher Christ“ wäre es mir so gegangen. Irgendwie scheint es mir so anstrengend und mühsam zu sein, mein Christsein zu leben und ich bin froh wenn ich mal ’ne Pause machen kann. Das hat sich Jesus doch sicher etwas anders vorgestellt, oder?! Christsein ist viel zu sehr mit dem Gefühl verbunden: „Ich muss was machen, ich muss was leisten, ich muss mich am Riemen reißen, um ein guter Christ zu sein“. Wo bleibt die einfache Freude am Leben und die selbstverständliche Freude an einer Beziehung zu Gott?

Jesaja 63 – Beziehungskrise

Das Buß- und Bittgebet des Volkes, das in Jes. 63,7 beginnt, liest sich wie das Dokument einer tiefen Beziehungskrise. Zuerst wird Gottes Zuwendung und Liebe zu seinem Volk beschrieben (Jes. 63,7-9). Doch dann schlägt diese Liebe in Feindschaft (!) über: Weil das Volk widerspenstig war und Gott betrübte, wurde Gott zu ihrem Feind und stritt wider sie (Jes. 63,10). Da dachte das Volk an die gute alte Zeit zurück und es wird eine Breitseite von vorwurfsvollen, verzweifelten und bittenden Fragen in Richtung Gott geschleudert (Jes. 63, 11-18). Das Volk fragt: Wo bist du denn nun Gott? Warum hast du uns allein gelassen? Es fordert: Komm doch herab vom Himmel und hilf uns. Und es stellt die Frage, die sich wahrscheinlich viele stellen, die eigentlich an diesen Gott glauben möchten, aber es nicht schaffen: „Warum lässt du uns, HERR, abirren von deinen Wegen und unser Herz verstocken, dass wir dich nicht fürchten?“ (Jes. 63,17)

Darin spiegelt sich etwas vom Geheimnis des Glaubens wider: Wir können den Glauben nicht machen, wir können das Vertrauen auf Gott nicht aus uns selbst heraus produzieren. Der Glaube ist ein Geschenk. Da stellt sich dann automatisch die Frage, warum Gott es nicht allen schenkt. Warum sind manche Herzen verstockt und andere nicht? Warum lässt Gott so viele Menschen vom rechten Weg abirren? Die Frage wird im Text nicht beantwortet. Wenn man es sich einfach machen will, dann bringt man an der Stelle immer den Hinweis auf die menschliche Freiheit und dass Gott uns die Freiheit lässt, dass wir uns auch gegen ihn entscheiden können. Da ist sicher was dran, aber allein das ist mir zu platt und einseitig. Dass diese Frage hier bei Jesaja auftaucht und dass sie eben nicht einfach beantwortet oder beiseite geschoben wird, zeigt doch dass es eben eine bleibende und schmerzliche Frage ist, die wir nicht zu schnell auflösen sollten. Auf dem Weg Gottes zu bleiben ist eben nicht nur meine Leistung und meinem tollen Glauben zu verdanken, es ist auch etwas, das Gott in mir bewirken muss. Und deswegen dürfen wir – wie das Volk damals – diese Frage zurecht auch stellen.

Ich bin bei diesem Kapitel auch erstaunt darüber wie hart und deutlich die beiden Beziehungspartner Gott und das Volk miteinander reden. Gott: „Du warst widerspenstig, ich bin jetzt dein Feind.“ Volk: „Wo bist du denn nun in deiner ganzen Macht und Herrlichkeit? Wenn du wirklich Gott bist, dann komm doch runter von deinem himmlischen Thron und hilf uns!“ Erstaunlich wie offen die Bibel da ist und wie wir mir Gott reden dürfen. Es ist besser unserer Enttäuschung Luft zu machen, als sie aus falscher Ehrfurcht verschweigen zu wollen.