Hebräer 13, 1-8 Wissen heißt noch lange nicht tun

Nachdem der Hebräerbrief seine Hauptgedanken abgeschlossen hat, folgen noch einige konkrete Ermahnungen. Das scheint immer wieder nötig zu sein, denn in vielen anderen Briefen finden sich ähnliche Zusammenstellungen von konkreten Hinweisen. Dabei weiß doch jeder Leser schon, dass es z.B. wichtig ist, in der „brüderlichen Liebe“ (V.1) zu bleiben. Aber es ist bei uns wohl ähnlich, wie in der Kindererziehung. Vieles wissen die Kinder ganz genau. Und trotzdem muss man es ihnen immer wieder neu sagen und sie daran erinnern, sich auch daran zu halten.

Mich hat bei diesen Ermahnungen vor allem V.5 angesprochen: „Seid nicht geldgierig, und lasst euch genügen an dem, was da ist.“ Vor kurzem habe ich eine Predigt darüber gehalten, dass uns Geld nicht glücklich macht. Wir wissen das eigentlich alle, aber viel zu handeln wir anders. Wir lassen uns im praktischen Leben und Denken dann doch vom Geld bestimmen. Wir träumen dann doch immer wieder davon, was wir alles tun könnten, wenn wir mehr Geld hätten. Dabei ist es fast egal, wie viel Geld wir tatsächlich haben. Man hat immer das Gefühl, ein bisschen mehr könnte es doch noch sein. Interessant fand ich dazu einen Satz aus der Stuttgarter Erklärungsbibel zu diesem Text: „Geldgier ist ein Zeichen von Misstrauen gegenüber Gott.“ Das zu wissen heißt noch lange nicht, dass wir auch danach leben. Von daher sind solche Erinnerungen immer wieder gut.

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Sprüche 30, 1-19 Genug haben

Agur warnt vor all zu großer Selbstsicherheit des Weisen. Menschliche Weisheit ist gut und richtig, aber wir dürfen dabei nie vergessen, dass wir nur Menschen sind und unser Wissen daher begrenzt ist. Wirkliche Weisheit finden wir nur bei Gott und dem was er uns offenbart. Agur stellt hier (V.4) ähnliche Fragen, wie Hiob sie von Gott gestellt bekommt (Hiob 38). Hiob kommt mit der Frage nach dem Leid an die Grenze der menschlichen Weisheit. Er bekommt auch letztendlich von Gott keine Antwort, sondern wird auf seine menschliche Begrenzung hingewiesen. Auf eben diese Grenze weist auch Agur hin.

Mir gefällt in dem Abschnitt besondert V.8f. Agur bittet darum, weder zu reich noch zu arm zu sein. Denn beides birgt Gefahren. Der Reiche wird schnell satt und vergisst Gott dabei. Der Arme steht in der Gefahr aus Verzweiflung gegen Gottes Gebote zu verstoßen. Jeder der genug, aber nicht zu viel zum Leben hat, sollte von Herzen dankbar sein. Ich habe genug zum Leben, nicht nur materiell gesehen. Und doch kenne auch ich diese Gier nach mehr, diese innere Unzufriedenheit. Agur hält mir hier den Spiegel vor: Es ist gar nicht erstrebenswert noch mehr zu haben. Sei zufrieden und freue dich an dem, was du hast!

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Sprüche 28, 12-28 Habgier, Schuld und Vergebung

Wer aber eilt, reich zu werden, wird nicht ohne Schuld bleiben.“ (V.20b) Ja, das hat schon mancher erlebt, der um das große Geld gezockt hat und dann sein Geld auf schwarzen Konten verstecken wollte. Es gilt aber auch: „Wer seine Sünde leugnet, dem wird’s nicht gelingen; wer sie aber bekennt und lässt, der wird Barmherzigkeit erlangen.“ (V.13) Die Habgier ist nicht nur ein Problem der Reichen, die steckt in jedem von uns. Natürlich zeigen wir gerne auf die großen Fische und versuchen damit, unsere eigene Schuld zu relativieren. Aber egal, ob große oder kleine Schuld – entscheidend ist, sie zu bekennen und zu lassen. Wer das tut, der darf – zumindest bei Gott – Barmherzigkeit erlangen.

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Lukas 20, 41-47 Gefahren des Glaubens

Ja, das ist gefährlich: fromme Bibelkenner, denen es in Wirklichkeit vor allem darum geht, Ansehen zu haben, sich selbst den Bauch vollzuschlagen und nach außen besonders heilig dazustehen. Nicht nur politische Macht kann korrumpieren, sondern auch religiöse Macht. Jesus warnt vor ihnen.

Aber diese Gefahren betreffen nicht nur die Anderen, sie betreffen jeden Christen. Wer hat nicht gerne Anerkennung und Ansehen? Das ist ja auch okay, aber wo ist die Grenze zur Selbstgefälligkeit? Wer ist wirklich frei von aller Selbstsucht, so dass er wirklich von Herzen lieber andere beschenkt, als selbst zu genießen? Es ist ja auch okay, das was man hat zu genießen, aber wo ist die Grenze zur Gier? Welcher Christ kennt das nicht, dass Gottesdienstbesuch, Bibellesen und Gebet zur äußeren Form verkommt, dass das innere Leben zu erlöschen droht? Das ist ja ganz normal und es ist wichtig, trotzdem weiter dran zu bleiben. Aber wo ist die Grenze zur Scheinheiligkeit?

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Kohelet 4, 4-8 Eine Hand voll mit Ruhe

Hach… brillant und erschreckend aktuell: „Da ist nur Eifersucht des einen auf den anderen… Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe.“ (V.4.6) Dieser eifersüchtige Blick auf das neue Handy des anderen, diese Gier nach mehr Kohle und Ansehen, dieses verkrampfte Ballen der Fäuste, beim Versuch möglichst viel an sich zu reißen – das ist bis heute die Gleiche. Und damals wie heute wissen wir eigentlich: Besser das, was man hat in Ruhe genießen, als sich verzweifelt abzustrampeln für das vermeintlich doppelte Glück. Leicht gesagt und schwer getan!

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Matthäus 6, 19-24 – Schätze sammeln

Ja liebe Bänker: Sammelt euch nicht Schätze auf Erden, denn hier werden sie vom nächsten Börsensturz aufgefressen. Sammelt euch lieber Schätze im Himmel, dauert zwar ein bisschen länger bis die Rendite ausgezahlt wird, dafür wird sie um so gigantischer sein.

Aber das gilt ja nicht nur für die Bänker und Aktienhändler, auf die zur Zeit jeder gerne eindrischt (man braucht ja einen Schuldigen…), das gilt für jeden von uns. Denn wer hat denn dieses kopf- und haltlose Gewinnmaximierungs-System auf Biegen und Brechen möglich gemacht? Unter anderem auch der ganz normale Verbraucher, der für ein paar Zehntel Prozent mehr Gewinn nicht groß nachfragt, was mit dem Geld eigentlich passiert und wie sicher das ist…

Selbst schuld!

Mein siebenjähriger Sohn las heute morgen in meiner Zeitung eine Schlagzeile zur Bankenkrise und der Rettungsaktion der Bundesregierung (irgendwas mit „einer halben Billion“ Euro). Er fragte, was das bedeutet und ich versuchte ihm zu erklären: Die Banken haben zu viel Schulden gemacht und können das nicht mehr zurück zahlen, deswegen bekommen sie jetzt ganz viel Geld. Er hat noch ein paar Sachen zurück gefragt und dann am Ende gemeint: „Aber da sind sie doch selbst schuld!“

Ja, gut erkannt! Das bescheuerte ist nur, dass es um so viel Geld geht, dass es nicht nur die Banken betrifft, sondern alle…

Vom Geiz verführt

Die Gier nach möglichst viel zu einem möglichst kleinen Preis schaltet manchmal unser Hirn aus. Hab bei ebay ein sensationelles Angebot für ein Eau de toilet von Harley Davidson gefunden. Natürlich gleich zwei Stück davon bestellt. Heut morgen kam es an:

In meiner Gier hab ich versäumt auf die Größe der Packung zu schauen – nur zwei winzige Probierfläschchen. Gestern hab ich von Gofi Müller folgendes gelesen: „Die Spielregeln der Wirtschaft halten mehr und mehr auch in unseren Gemeinden Einzug.“ (Faix/Weißenborn: ZeitGeist: Kultur und Evangelium in der Postmoderne, S. 126). Er schreibt auch, dass wir in den Gemeinden zunehmend nur noch auf die Quantität, anstatt auf die Qualität achten. Ich glaube das stimmt. Da geht es uns oft wir mir mit meinem „Schnäppchen“: Wir wollen mit möglichst wenig Einsatz ein möglichst tolles Ergebnis sehen. Und da man Qualität nicht messen kann, schauen wir auf die Quantität. Wir gehen auf Schnäppchenjagd und halten am Ende nur zwei kleine Probierfläschchen in Händen…