Apostelgeschichte 2, 42-47 Wie ging das wohl weiter?

Wie lange das wohl auf so ideale Weise in der Urgemeinde in Jerusalem funktioniert hat? Wir kennen das ja auch heute noch: Es gibt geistliche Aufbrüche und neue Gemeinden entstehen. Am Anfang ist die Begeisterung groß, viele Menschen werden erreicht und viele bringen sich ein. Aber wie sehen diese Gemeinden einige Jahrzehnte später aus? Wie sah in Jerusalem das Gemeindeleben einige Jahrzehnte später aus, nachdem die erste Begeisterung verflogen ist? Ich geh davon aus, dass die Gemeinde später mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatte, wie heutige Gemeinden, die sich über Jahrzehnte „etabliert“ haben. Später wird z.B. berichtet, dass andere Gemeinden für die armen Brüder in Jerusalem Geld sammeln mussten – seltsam für eine Gemeinde, die so groß ist und in der alle so bereitwillig geben (oder hatten sie gerade deswegen kein Geld mehr, weil sie alles verschenkt hatten?).

Wenn man neu im Glauben ist und voller Eifer bei der Sache ist, dann ist es relativ einfach sich täglich zu treffen, beständig miteinander zu beten und auch von seinem Geld abzugeben. Aber geschieht das Jahrzehnte später noch mit derselben Selbstverständlichkeit und Freude? Wenn man sich aneinander gewöhnt hat, wenn man die Macken des Anderen in- und auswendig kennt, wenn die Organisation des alltäglichen Gemeindelebens anfängt zu nerven (mit so profanen Fragen wie: Wer räumt nach dem Gottesdienst auf?),  wenn man die Lehre der Apostel schon x-mal gehört hat und es so langsam langweilig wird. Dann ist es für manche schon viel verlangt einmal in der Woche regelmäßig zum Gottesdienst zu kommen…

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1. Johannes 4, 17-21 Wie geschieht Veränderung?

In den letzten Tagen habe ich mir darüber Gedanken gemacht, ob man menschliches Verhalten oder sogar menschliche Herzen durch Druck verändern kann. Ich bin davon überzeugt, dass wirkliche Veränderung nur von Innen kommen kann und nicht von Außen erzwungen werden kann. Klar: wenn ich genügend Druck erzeuge, kann ich äußerlich das Verhalten ändern, aber im Inneren erzeuge ich dadurch doch erst recht Widerstand.

Im heutigen Abschnitt begegnet mir ein ähnlicher Gedanke: „Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe.“ (V.18) Liebe zu Gott und zum Nächsten kann ich nicht erzwingen. Von dieser Liebe muss ich im Innersten überzeugt sein, sie muss von mir selbst aus kommen, die kann ich nicht von Außen „einimpfen“. Glaube der auf Angst basiert geht am Wesentlichen vorbei.

Auf der anderen Seite frage ich mich, ob das immer so zutrifft. Erzählt Jesus nicht auch einige Gleichnisse, die mit der Angst der Zuhörer arbeiten (z.B. das Gleichnis von den zehn Jungfrauen, von denen fünf nicht bereit waren für die späte Ankunft des Bräutigams und die dann nicht beim Hochzeitsfest mitfeiern durften)? Und müssen wir nicht manchmal zuerst eine äußere Verhaltensänderung erzwingen, bevor eine innere Einsicht zustande kommen kann?

Wie ist es z.B. in der Kindererziehung? Muss ich da nicht manchmal die Kinder mit mehr oder weniger Druck zu einer guten Gewohnheit zwingen, obwohl sie vielleicht erst später einsehen werden, dass das gut so war? Wie ist es z.B. bei Drogensüchtigen, muss da nicht erst einmal der harte körperliche Entzug stattfinden, bevor man auch innerlich frei werden kann? Andererseits sagt man ja gerade bei Suchtkranken, dass der Entzug nur wirklich funktionieren kann, wenn der Kranke auch wirklich von sich aus Heilung will…

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Josua 24 Willst du?

Das letzte Kapitel des Josuabuches. Es geht zum Abschluss noch einmal um die alles entscheidende Frage: Wollt ihr Gott vertrauen und ihm gehorsam sein oder wollt ihr euer Vertrauen auf andere Götter setzen? Nicht das Land ist letztendlich entscheidend, sondern das Vertrauen auf Gott. Josua sagt pointiert: „Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen.“ (V.15)

Erstaunlich ist, dass Josua überhaupt diese Frage stellen muss. Und aus dem Text wird ersichtlich, dass er sie ernsthaft stellt. Er rechnet damit, dass auch jetzt noch fremde Götter verehrt werden (V.23)! Da ist Israel seit Jahrzehnten, ja sogar seit Jahrhunderten mit Gott unterwegs und trotzdem muss diese Frage immer wieder neu gestellt werden: Will du Gott folgen oder nicht? Da haben sie wunderbare Dinge mit Gott erlebt und trotzdem ist die reale Gefahr da, dass sie ihr Herz an andere Götter hängen.

Das ist wohl auch bei uns so: Selbst wenn wir seit Jahrzehnten ein Leben mit Gott führen, müssen wir uns immer wieder neu fragen: Will ich diesem Gott wirklich vertrauen? Glaube darf nicht zur oberflächlichen Gewohnheit werden, sondern muss immer wieder neu bewusst gewollt werden.

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