Juli Zeh: Corpus delicti

Zeh: Corpus delictiSchade! Eine gute Schriftstellerin und eine gute Romanidee – und doch hat mich ihr Buch nicht so richtig überzeugt. Es geht um eine Zukunftsvision von einer Welt in der Mitte des 21. Jh., in welcher Gesundheitsfanatiker den Staat und alles öffentliche Leben bestimmen. Eine schöne neue, saubere und gesunde Welt. Das höchste Gut für den Einzelnen und für die Gesellschaft wird in einem gesunden Körper gesehen. Juli Zeh: Corpus delicti weiterlesen

Lukas 5, 17-26: Entsetzen und Lob

Diese Geschichte finde ich immer wieder neu faszinierend. Immer wieder neu stolpere ich beim Lesen über die Reaktion Jesu. Diese Männer bringen einen Gelähmten zu Jesus. Sie lassen sich von Hindernissen nicht abhalten. Was erwarten sie von Jesus? Es wird nicht gesagt. Wie so oft lässt die knappe Darstellung der Bibel Raum für eigene Deutungen. Aber vom Zusammenhang her wird deutlich dass die Männer hoffen, dass Jesus den Gelähmten heilt (kurz vorher wird berichtet wie Jesus einen Aussätzigen heilt, in V. 15 kommen viele zu Jesus um ihn zu hören und gesund zu werden und in V. 17 wird gesagt, dass Gottes Kraft mit Jesus war, so dass er heilen konnte).

Und Jesus? Er heilt ihn zunächst nicht, sondern spricht ihm Sündenvergebung zu. Will er damit deutlich machen, dass körperliche Gesundheit nicht das Wesentliche ist? Will er die anwesenden Pharisäer und Schriftgelehrten provozieren? Wäre es ohne ihre Einwände bei der Sündenvergebung geblieben? Das alles wird im Text nicht deutlich beantwortet. Es wird aber deutlich, dass Heil und Heilung viel mehr als körperliche Heilung bedeutet. Auch ich als Leser werde in Frage gestellt: Was ist für mich das größere Wunder? Dass Jesus Sünden vergeben kann oder dass er einen Gelähmten heilt?

Schließlich frage ich mich: worüber sind die Menschen so aufgebracht? Am Ende des Textes wird beschrieben, wie sich alle entsetzen, Gott preisen und von Furcht erfüllt werden. Das ist eine seltsam ambivalente Reaktion: Entsetzen und Lob. Betrifft diese Reaktion die Heilung oder die Sündenvergebung oder Jesu provozierenden Umgang mit den Pharisäern und Schriftgelehrten? Wie auch immer – vielleicht wäre das auch bei uns heute manchmal  eine angemessene Reaktion auf diesen fremdartigen Jesus, der sich nicht an unseren Erwartungen ausrichtet, sondern an Gott: eine Mischung von Entsetzen und Lob.

| Bibeltext |

Jakobs Hüfte und mein Fuß

Heute morgen hatte ich ein kurzes Gespräch, das mich berührt hat. Jemand hat sich nach meiner Gesundheit erkundigt und ich hab ihm erzählt, dass auf den letzten Aufnahmen von meinem Kopf keine neuen Hinweise auf eine Rückkehr des Gehirntumors zu sehen waren. Ich habe dann auch erzählt, dass mein Fuß sich trotzdem noch taub anfühlt und dass das vielleicht gar nicht mehr ganz weg gehen wird.

Darauf meinte mein Gegenüber: „Das ist so wie bei Jakob. Der hatte nach seinem Kampf mit Gott auch für den Rest seines Lebens gehinkt.“ Nun empfand ich meine Erkrankung nicht als Kampf mit Gott, sondern eher als ein getragen werden von Gott. Und ich hinke auch nicht, sondern bin nur ein klein wenig eingeschränkt. Aber den Gedanken fand ich toll, dass dieses taube Gefühl im Fuß mir von Gott als Erinnerung gegeben wurde. Als Erinnerung daran, was ich durchgemacht habe und wie Gott mir geholfen hat. Nicht als eine Einschränkung, die mich nervt, sondern als eine Auszeichnung, die mich ehrt. Auf die Idee das so zu sehen oder meinen Fuß mit der Hüfte Jakobs in Verbindung zu bringen, bin ich noch nie gekommen. Aber es ist ein schöner und tröstlicher Gedanke. 🙂

Die Reha – 200 kcal!!!

Yoho! Hab heute beim Ergometertraining zum ersten mal die 200 kcal Grenze geknackt! Das sind zwar nur Durchschnittswerte, aber es fühlt sich ganz gut an, wenn man das zum ersten mal schafft. Dafür gab’s dann beim Abendessen eine Scheibe mehr auf den Teller… sonst würd ich hier ja noch abnehmen… 😉

Nachdem sich meine Wade gestern nach dem langen Wochenende wieder etwas verkrampft angefühlt hatte, ist es heute schon wieder besser. Die ganzen Übungen, ständige Bewegung und die gezielte Krankengymnastik bringt wirklich was. Ich frag mich nur, wie ich danach etwas davon in den Alltag hinüber retten soll?!? Ist ja so ähnlich wie im Glauben: Da gibt es manchmal ganz intensive Zeiten mit Gott, da strotz man nur so vor geistlicher Gesundheit. Und dann wird man irgendwann wieder vom Alltagstrott eingeholt…

Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude

Ich will den Herrn loben allezeit;
sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.
Meine Seele soll sich rühmen des Herrn,
dass es die Elenden hören und sich freuen.
Preiset mit mir den Herrn und lasst uns
miteinander seinen Namen erhören!

Als ich den Herrn, antwortete er mir
und errettete mich aus aller meiner Furcht-
Die auf ihn sehen werden strahlen vor Freude,
und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.
Als einer im Elend rief, hörte der Herr
und halft ihm aus allen seinen Nöten.
Der Engel des Herrn lagert sich um die her,
die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.

Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist.
Wohl dem der auf ihn trauet!
Fürchtet den Herrn, ihr seine Heiligen!
Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel.

(Psalm 34,2-11)

Das ist der Psalm, der mir am Abend vor der OP in die Hände gefallen, oder besser: ins Herz gelegt wurde. Meine Frau Nicola hat schon Tage vor der OP gefragt, ob ich einen Psalm hätte, den sie mir nach der Narkose vorlesen sollte. Mir fiel kein passender ein. Als ich von der Narkose dann aufgewacht bin, hab ich meiner Frau gesagt: Psalm 34. Wie Nicola den Psalm zwei mal gelesen hatte, traf er mich ganz tief…

Ich habe in letzter Zeit oft gehört: „Gesundheit ist das wichtigste!“ Ich fühle mich immer etwas unwohl dabei, denn eigentlich weiß ich: das stimmt nicht. Es gibt Wichtigeres: „Die auf ihn sehen werden strahlen vor Freude!“ Wichtiger als alles andere ist das sehen auf Gott. Das trägt und tröstet selbst dann noch, wenn die Gesundheit aufhört. Dieses Sehen auf Gott trägt durch den Tod hindurch.

Soweit, so gut – später mehr dazu, wie es mir körperlich geht…

Ulrich Giesekus: Glaub‘ dich nicht krank

Heute mal ein Hinweis auf ein hilfreiches kleines Büchlein von einem Christen und ausgebildeten Psychologen. Ich hab den Autor, Ulrich Giesekus, vor einiger Zeit auf einer Tagung live erleben dürfen und fand ihn von seiner Art her sehr interessant. Er ist auf der einen Seite sehr differenziert und ausgewogen, aber zugleich auch sehr kraftvoll und deutlich. Manchmal führt die Ausgewogenheit ja auch zur Langeweile, weil alles auf ein uninteressantes Maß glatt gebügelt wird. Bei Giesekus ist das nicht so, er bleibt trotz differenzierter Sichtweise auch herausfordernd und inspirierend. Das gilt auch für das Buch „Glaub‘ dich nicht krank“.

Das Buch besteht aus drei Teilen: I. Gesund sein an Leib, Seele und Geist; II. Krank machende Normen; III. Gesunder Glaube im Alltag. Im ersten Teil beschreibt der Autor aus welcher Perspektive er schreibt (nämlich als Christ und Psychologe) und er betont, dass es auch für Christen wichtig ist, sich selbst ganzheitlich wahrzunehmen. Auch als Christ sollte man sich nicht nur um seine geistliche Gesundheit kümmern, sondern auch um die körperliche und psychische. Im zweiten Teil geht es um falsch verstandene christliche Normen, die dann wirklich auch krank machen können. Im dritten Teil wird aufgezeigt, wie biblische Aussagen zu einem gesunden und heilvollen Leben führen können (z.B. der Umgang mit Schuld und Vergebung).

Wie gesagt: Mir gefällt seine differenzierte Sichtweise. Immer wieder macht er deutlich, dass nicht alles, was biblisch klingt auch wirklich so ist. Immer wieder zeigt er Spannungen auf, die uns krank machen können. Aber zugleich macht er klar: Nicht der Glaube an sich macht krank, sondern wenn er falsch verstanden und gelebt wird. Natürlich können auch Christen psychisch krank werden. Und oft kann ein falsch verstandener Glaube sich hier verstärkend auswirken. Aber genau so gilt, dass statistisch gesehen die Christen psychisch und körperlich gesünder sind als der Durchschnitt der Bevölkerung.

Zum Schluss noch ein Beispiel für seine trotz aller psychologisch-wissenschaftlichen Ausgewogenheit doch provozierende Art zu schreiben: „Auch wenn es vielen Leuten nicht passt: Es ist nicht die Hauptsache geistlichen Lebens, zu möglichst vielen spürbaren spirituellen Höhenflügen zu kommen – so sehr wir uns das auch wünschen mögen. In erster Linie geht es beim Glauben nicht um unsere subjektive Befindlichkeit, sondern um Erlösung, nicht um Heilung, sondern um Heil.“ (S.46)