Hesekiel 19 Ein Klagelied über die Schuldigen

Ein Klagelied über den Niedergang des israelitischen Königshauses. Aber typisch für Hesekiel sind auch seine Klagen nicht direkt formuliert, sondern verpackt in bildliche Vergleiche. Er vergleicht das Königshaus mit einer Löwenmutter, die zwei Junge verliert, weil sie gefangen genommen werden. Und als zweites Bild verwendet er das schon traditionelle Bild vom Weinstock. Dieser Weinstock wird aus dem Boden gerissen, in die Wüste verpflanzt und geht an einem Feuer zugrunde.

Faszinierend zum einen diese Bildersprache des Hesekiel. Da spricht kein trockener Theologe, sondern jemand mit sehr viel Fantasie und Kreativität. Zum anderen beeindruckt mich, dass Hesekiel bereit ist, über das Königshaus zu klagen. Er ist nicht derjenige der schadenfroh sagt: „Ja, hättet ihr mal gleich auf uns Propheten gehört, dann wäre das nicht passiert.“ Er ist nicht der Besserwisser, der anderen nur ihre Fehler vor Augen führt, sondern er leidet und klagt mit denen, die eigentlich schuld sind (die ungehorsamen Könige von Juda). Er ist nicht derjenige der überheblich mit dem Finger auf andere zeigt und sich dabei selbstgerecht zurücklehnt. Das bedeutet nicht, dass man seine Gerichtsbotschaft deswegen nicht ernst nehmen müsste. Im Gegenteil: gerade weil er selbst mitleidet, sind seine Worte um so ernster zu nehmen.

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Hesekiel 3, 1-11 Süßes und Saures

Zwei Dinge sind mir aufgefallen: zum einen, dass Gottes Wort dem Hesekiel so süß geschmeckt hat wie Honig. Für die damaligen Menschen war Honig das allersüßeste, was sie schmecken konnten. Ihre Geschmacksnerven waren noch nicht verdorben von unzähligen Süßigkeiten und überzuckerter Industrienahrung. Wir heute müssen ja eher darauf achten, nicht zuviel Süßes zu uns zu nehmen. Süßes verbinden wir eher mit etwas ungesundem. Für damalige Erfahrungen war Honig etwas wundervolles, etwas besonderes, etwas kostbares, ein seltenes Geschmackserlebnis. So erlebt Hesekiel die Worte Gottes.

Zugleich irritiert mich, wie bei so vielen alttestamentlichen Propheten, dass von Anfang an klar ist, dass seine Botschaft gar nicht ankommen wird. Gott sagt es gleich zu Beginn, dass das Volk die Worte Gottes nicht hören will, dass das Volk in Gottes Wort nicht den süßen Honig entdecken wird, sondern dass sie von vornherein verstockt sind und harte Herzen haben. Warum dann eigentlich noch predigen? Um den Nachkommen in späterer Zeit ein warnendes Beispiel vor Augen zu stellen? Um der wenigen willen, die doch bereit sind zu hören?

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