Johannes 5, 19-30 Ewiges Leben jetzt

Wieder ein gutes Beispiel für die Konzentration des Johannesevangeliums auf die Person Jesu. In der Begegnung mit Jesus geschieht jetzt schon alles Entscheidende. In der Begegnung mit Jesus spielt auch die Zeit keine große Rolle mehr. Es ist so, als ob im Glauben an Jesus alle Zeit aufgehoben ist und jetzt schon die Ewigkeit Gottes gegenwärtig ist: „Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.“ (V.24) Wer glaubt, der hat also jetzt schon das ewige Leben. Im Glauben oder Unglauben geschieht jetzt schon das Gericht.

Für uns ist das schwer zu verstehen, denn rein von unserem Erleben her ändert sich ja nichts in unserem äußerlichen irdischen Leben. Rein empirisch ist es schwer, die Gegenwart des ewigen Lebens festzustellen. Auch scheint es schwierig zu sein, das mit anderen neutestamentlichen Aussagen in Einklang zu bringen, die eindeutig von einem zukünftigen Gericht sprechen. Ist jetzt schon alles entschieden, oder wird es sich erst in Zukunft im letzten Gericht entscheiden? Wie so oft ist beides irgendwie richtig: Je nachdem wie jetzt mein Verhältnis zu Jesus ist, wird im Gericht entschieden. Die eigentliche Entscheidung fällt also jetzt schon: Wer Jesu Worte hört und ihm vertraut, der hat jetzt schon ewiges Leben.

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Johannes 3, 13-21 Alles schon entschieden

In diesem Abschnitt werden die Akzente des johanneischen Gerichtsverständnisses deutlich. Das Gericht geschieht im Grunde nicht in einer fernen Zukunft, sondern es geschieht jetzt in der Begegnung mit Jesus: „Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet“ (V.18). An der Stellung zu Jesus entscheidet sich jetzt schon alles. Im Gericht wird nur das vollzogen, wozu sich der Mensch jetzt schon entschieden hat. Wer jetzt an ihn glaubt, hat auch jetzt schon das ewige Leben (V.16).

Das heißt nicht, dass es völlig egal ist, was wir dann jetzt noch mit unserem Leben anfangen. Trotzdem bleiben die Werke wichtig: „Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.“ (V.21) In Jesus ist zwar alles schon entschieden, aber gerade deswegen ist es wichtig, dass wir in unserem konkreten Leben und mit unseren konkreten Handlungen auch in Christus bleiben.

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Sacharja 13 Läuterung durch Gericht

Auch hier geht es wieder um den Gerichtsgedanken. Dabei ist zu beachten, dass es nicht um ein Gericht über einzelne Personen geht, sondern über das Volk Israel. Sacharja kündigt an, dass zwei Drittel ausgerottet werden und untergehen (V.8) und ein Drittel geprüft und geläutert werden (V.9). Schon im Alten Testament hat Gericht also nicht nur das Ziel der Vernichtung der Bösen, sondern zugleich soll es auch der Läuterung dienen. So ist wohl auch das „Gericht“ des Exils gedeutet worden. Gott hat sein Volk im Exil untergehen lassen, aber nicht um es zu vernichten, sondern um es zu läutern.

Können wir diesen Grundgedanken auch auf uns persönlich übertragen? Gott vernichtet das Böse in mir und läutert mich dadurch? Ändert sich durch das Neue Testament etwas an diesen Aussagen Sacharjas? Was bedeutet Jesu Tod am Kreuz für das Gericht? Geht es nur um ein zukünftiges Endgericht, oder geschieht Gericht Gottes auch schon jetzt, um uns zu läutern?

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Sacharja 12 Der Durchbohrte

In Kap. 10 lesen wir Verheißungen, in Kap. 11 dann Gerichtsworte und jetzt folgen wieder Verheißungen trotz und durch alles Gericht hindurch. Ein faszinierendes in- und nebeneinander. Das Gericht mit all seiner Ernsthaftigkeit gehört zu Gottes Wort. Wir können es nicht einfach übergehen. Aber Sacharja 12 macht zumindest an Gottes Volk deutlich, dass das Gericht nicht das letzte Wort Gottes ist. Trotz allem Versagen steht Gott zu seinem Volk und wird es nicht untergehen lassen.

In diesem Kapitel taucht auch eine nicht näher beschriebene Person auf, die durchbohrt wird und um die geklagt wird. Was hat sich Sacharja damals dabei gedacht? Hatte er jemand bestimmtes vor Augen, den wir heute nicht mehr kennen? Oder hat er eine göttliche Vision weiter gegeben ohne selbst genau zu wissen, wovon er schreibt? Wie auch immer – wenn ich auf dem Hintergrund des Neuen Testaments diesen Vers lese, kann ich nicht umhin, dabei an Jesus Christus zu denken. Und so wird die Stelle ja auch im Neuen Testament verstanden: Ein Vorhinweis auf Christus, der am Kreuz gestorben ist. Er ist für mich der offene Quell gegen Sünde und Befleckung (13,1). Er hat das Gericht auf sich genommen, um uns frei zu machen.

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Sacharja 11, 4-17 Zerbrochene Hirtenstäbe

Nach den Verheißungen in Kap. 10 folgen unvermittelt massive Droh- und Gerichtsworte. Für uns als Leser heute ist es schwer nachzuvollziehen, warum sich der Inhalt und der Ton so plötzlich verändert. Wir kennen die konkreten Hintergründe nicht mehr, in welche der Prophet die jeweiligen Worte hinein sprach. Gott macht hier seinem Volk und den Hirten des Volkes den Vorwurf, dass sie ihn nicht mehr wollen (V.8). Die Konsequenz ist, dass Sacharja symbolisch die zwei Hirtenstäbe Gottes, welche Huld und Eintracht genannt werden, zerbricht.

Was auch immer die genauen Hintergründe sind, es wird deutlich, dass es Folgen hat, wenn wir Menschen uns von Gott abwenden. Wenn wir Gott, seine Verheißungen und sein Segen nicht wollen, dann bekommen wir ihn auch nicht. Wenn wir unser Glück woanders suchen, dann lässt das zu. Zugleich merkt man diesem Text an, dass es Gott nicht egal ist, er ringt um sein Volk. Er will sie wachrütteln. Insofern sind auch diese Gerichtsworte ein Ausdruck seiner Liebe.

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2. Thessalonicher 1, 1-12 Ewiges Verderben

Die Thessalonicher scheinen sehr auf Fragen der Endzeit fixiert gewesen zu sein. Gleich zu Beginn des zweiten Briefes spricht Paulus das Thema Wiederkunft Jesu und Gericht an. Für mich interessant ist vor allem V.9. Hier spricht Paulus von der Strafe für Menschen, die im Gericht verurteilt werden. Dabei ist aus den wenigen Worten die Paulus dazu sagt, gar nicht so einfach heraus zu lesen, was er genau meint. Ich hab mich vor kurzem ausführlich mit dem Thema Hölle beschäftigt und an dieser Stelle hier werden die offenen Fragen zu diesem Thema ganz gut sichtbar.

Zunächst einmal muss man festhalten, dass das Neue Testament und hier ganz speziell auch Paulus von einem endzeitlichen Gericht ausgehen, bei dem fehlender Glaube an Jesus Christus bestraft wird. Wie aber genau diese Strafe aussieht (das was wir so leichthin als Hölle bezeichnen) ist gar nicht so leicht zu sagen. Wenn wir heute das Wort Hölle hören, dann sind wir von unseren Vorstellungen mehr von mittelalterlichen Gemälden oder von Dantes „Göttlicher Kömödie“ geprägt als von neutestamentlichen Texten (sehr empfehlenswert ist dazu das Buch „Hölle: Der Blick in den Abgrund“ von Carsten Schmelzer). Paulus malt hier die Strafe nicht aus, sondern bezeichnet sie als „ewiges Verderben“ .

Von der Übersetzung her ist nicht ganz klar, ob der nachfolgende Satzteil die ewige Strafe näher beschreibt (so z.B. die Neue Genfer Übersetzung: „Die Strafe, die diese Menschen erhalten, wird ewiges Verderben sein, sodass sie für immer vom Herrn und von seiner Macht und Herrlichkeit getrennt sind“) oder ob damit das Woher der Strafe gemeint ist (so z.B. Luther: „Die werden Strafe erleiden, das ewige Verderben, vom Angesicht des Herrn her und von seiner herrlichen Macht“). Sprachlich sind beide Übersetzungen möglich. Streiten kann man auch über die Bedeutung von „ewigem Verderben“. Ist damit ein Verderben gemeint, das ewig anhält – also eine ewige Qual (so die eher traditionelle Vorstellung der Hölle)? Oder ist damit ein Verderben gemeint, das ewig gilt – also ein völliges Verderben und Auslöschen eines Menschen (so wie es in den letzten Jahren v.a. im angelsächsischen Bereich unter den Stichworten „annihilation“ oder „conditionalism“ stärker vertreten wird)?

Wie auch immer: Für Paulus ist klar, dass Vertrauen und Glaube an Jesu – gerade auch in Verfolgung und Bedrängnis – zu einer himmlischen Ruhe führt (V.7) und Unglaube einmal harte Konsequenzen hat. Wichtig ist nicht, darüber zu spekulieren, wie das genau aussehen könnte, sondern wichtig ist, jetzt schon auf Jesus zu vertrauen.

Apostelgeschichte 25, 1-12 Machterhaltungspolitik

Auch unter dem neuen Statthalter Festus ergeht es Paulus nicht besser. Im Gegenteil: Während Felix zumindest noch die Unschuld des Paulus erkannt hat und ihn nicht den Juden ausliefern wollte, ist Festus die Sache offensichtlich völlig egal. Er will sie nur schnell klären und er will es sich nicht gleich zum Amtsantritt mit der jüdischen Führungsschicht verderben (V.9). Deswegen ist er bereit, auf ihre Forderungen einzugehen und den Prozess in Jerusalem weiterzuführen. Paulus bleibt darum nur die Berufung auf den Kaiser. Als römischer Bürger hat er das Recht sich auf die höhere Instanz in Rom zu berufen.

Festus will nicht für Recht und Gerechtigkeit sorgen, sondern ist nur besorgt um seinen eigenen Machterhalt und ein möglichst reibungsloses regieren. Da hat sich grundsätzlich bis heute nicht viel verändert in der Welt. In westlichen Demokratien haben wir zum Glück mehr Grundrechte und können Politiker in gewissen Abständen auch abwählen. Aber das Verhalten von Politikern ist auch heute oft in erster Linie am eigenen Machterhalt ausgerichtet.

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Kolosser 1, 15-23 Es muss doch noch mehr geben

In diesem Text kommt eine der wichtigsten Stellen vor, die auf eine Allversöhnung hindeuten könnte. Ja, hier taucht der Begriff selbst sogar auf. In diesem Christushymnus mit ganz grundsätzlichen und universalen Aussagen taucht die Aussage auf, dass Gott „durch ihn [Christus] alles mit sich versöhnte, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz.“ (V.20) Hier ist die Erlösungstat Jesu am Kreuz konsequent und radikal zu Ende gedacht. Wenn in Christus alles erschaffen ist, dann ist es nur logisch, dass durch ihn auch alles erlöst wird.

Zugleich wird im Vers nach diesem gigantischen Hymnus auch deutlich, dass es trotz dieser universalen Erlösungstat Menschen geben kann, die Gott „fremd und feindlich gesinnt“ sind (V.21). Es ist also durch den Kreuzestod noch nicht alles so wie es sein sollte. Die große Frage ist nun, wie Gott das am Ende sehen wird: Werden einfach alle gerettet – auch wenn sie bis zum Tod Gott fremd und feindlich gesinnt waren? Oder bekommen sie ihren eigenen Willen und bleiben auch nach dem Tod Gott fremd und feindlich gesinnt?

Ich gebe hier keine Antwort, weil das erstens vermessen wäre und zweitens vor allem auch die Bibel selbst keine eindeutige Antwort gibt. Aber – so sehe ich es zumindest – sie hält trotz allen Gerichtsankündigungen auch einen kleinen Hoffnungsschimmer aufrecht, dass Gott es letztendlich doch schafft, alles mit sich zu versöhnen und so die ganze Schöpfung zu ihrem Ziel führt. Ob und wie das geschieht, darf ich getrost Gott überlassen.

Aber mich persönlich hat in diesem Text etwas ganz anderes tief angesprochen: „Es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen.“ (V.16) Das spüre ich immer wieder bei mir selbst und bei anderen: dass tief drin in uns ein Sehen nach etwas ist, das größer ist als unsere irdische Welt. Wir sind alle zu ihm hin geschaffen. Diese Sehnsucht nach mehr ist jedem Geschöpf eingepflanzt. Oder wie Augustinus es sagt: „Unruhig ist mein Herz, bis es Ruhe findet in dir.“

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Richter 9 Mord und Totschlag

Ganz und gar nicht erbaulich dieses Kapitel. Da geht es nur um blutrünstige Machtkämpfe. Abimelech, ein Sohn von Gideon, erschlägt seine 70 Brüder, damit er das Sagen hat. Abimelech bekämpft noch weitere Widersacher, die ihm die Macht nehmen wollen, stirbt aber am Ende einen schmachvollen Tod: bei der Eroberung einer feindlichen Burg wirft ihm eine Frau einen Mühlstein auf den Kopf und um nicht von einer Frau umgebracht worden zu sein, bittet er seinen Waffenträger ihn zu erstechen.

Was soll ich daraus für mich und meinen alltäglichen Glauben lernen?!? Ich muss zunächst einmal feststellen, dass hier eine ganz andere Welt und Kultur beschrieben ist. Die Bibel ist mehr als ein frommes Erbauungsbuch, sie ist auch ein Geschichtsbuch. Aber ich kann ganz allgemein daraus lernen, dass Gott letztendlich das Böse bestrafen wird. „So vergalt Gott dem Abimelech das Böse, dass er seinem Vater angetan hatte, als er seine siebzig Brüder tötete.“ (V.56)

Dazu fällt mir auch ein Ausschnitt aus der Bergpredigt ein. Dort nimmt ein gewisser Jesus das alttestamentliche Gebot „Du sollst nicht töten“ auf und sagt, dass nicht nur derjenige des Gerichts schuldig ist, der buchstäblich tötet, sondern schon derjenige, der seinem Bruder zürnt oder ihn beleidigt (Mt. 5,21f).

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Hesekiel 29 Verheißung an den Feind

Neben Tyrus (eine der damaligen wirtschaftlichen Großmächte) beschäftigt sich Hesekiel ausführlich mit Ägypten (neben Babylon die damalige militärische Großmacht): ganz vier Kapitel folgen zu diesem Land. Zu Ägypten hatte Israel immer ein gespaltenes Verhältnis: einerseits herrschte dort Josef und er konnte dadurch seine Familie vor der großen Hungersnot bewahren, andererseits wurde Ägypten zum Land der Sklaverei. Der Auszug aus Ägypten ist das zentrale Ereignis der jüdischen Geschichte. Zur Zeit Hesekiels erhoffte man von Ägypten Hilfe gegen die mächtigen und expandierenden Babylonier. Aber Hesekiel und andere Propheten haben immer wieder davor gewarnt, auf Ägypten zu vertrauen anstatt zu Gott umzukehren.

Erstaunt hat mich in diesem Kapitel, wie „milde“ die Gerichtsankündigung gegen Ägypten ausfällt. Das Land und er Pharao werden scharf kritisiert, aber das Gericht wird zeitlich begrenzt auf 40 Jahre (V.11). Anschließend gibt es sogar Verheißungsworte für das Land: „Denn so spricht Gott der Herr: Wenn die vierzig Jahre um sein werden, will ich die Ägypter wieder sammeln aus den Völkern, unter die sie zerstreut werden sollen, und will das Geschick Ägyptens wenden und sie wieder ins Land Patros bringen, in ihr Vaterland.“ (V.13f) Das klingt ähnlich wie die Verheißungen an Israel, welches Gott aus der Zerstreuung wieder zurück ins verheißene Land bringen will. Hier wird deutlich: Der Gott der Bibel ist der Herr der ganzen Welt und nicht nur ein kleiner Nationalgott der Israeliten!

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