Römer 9,30 – 10,4: Das Ziel des Gesetzes

„Christus ist des Gesetzes Ende; wer an den glaubt, der ist gerecht.“ (Röm. 10,4) Das ist im Grunde eine Kurzzusammenfassung des gesamten Römerbriefes. Wobei zu beachten ist, dass das Wort, welches Luther mit „Ende“ übersetzt (griech.: telos), auch mit Ziel übersetzt werden kann. Als Weg zur Gerechtigkeit ist das Gesetz zu Ende, insofern hat Luther recht. Aber zugleich betont ja Paulus, dass das Gesetz nach wie vor heilig, gerecht und gut ist (Röm. 7,12). Insofern ist es treffender in Christus das Ziel des Gesetzes zu sehen. In ihm kommt zum Ziel, was das Gesetz selbst mit frommen Eifer auf Seiten der Menschen nicht erreichen kann.

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Römer 4, 1-12: Wer hat Recht – Paulus oder Jakobus?

Paulus begründet seine Sicht der Rechtfertigung aus Glauben mit dem Hinweis auf den Urvater des Glaubens: Abraham. Für Paulus folgt aus Gen. 15,6 eindeutig, dass Abraham aus Glauben und nicht wegen seiner Werke vor Gott gerecht wurde. Diese Aussage wird über Abraham schon vor seiner Beschneidung (Gen. 17,10-27) und auch vor seiner schweren Glaubensprüfung, als er Isaak opfern soll (Gen. 22), gemacht. D.h. schon vor allen Werken wurde Abraham durch Glauben gerecht.

Soweit so gut. Das ist logisch nachvollziehbar. Schwierig wird es jetzt nur, wenn wir diesen Text mit dem Jakobusbrief vergleichen. Dort spricht Jakobus auch über Abraham und schaut sich genau denselben Text an (Gen.15,6) – kommt aber genau zu der gegenteiligen Erkenntnis: „Ist nicht Abraham, unser Vater, durch Werke gerecht geworden?“ (Jak.2,21) Hier wird in der Bibel ein biblischer Text von zwei biblischen Autoren unterschiedlich ausgelegt. Wer hat nur Recht? Wie gehen wir damit um?

Man kann natürlich versuchen zu harmonisieren. Viele die sich bibeltreu nennen, meinen der Bibel gegenüber besonders treu zu sein, wenn sie solche Spannungen auf Biegen und Brechen harmonisieren. Das ist an dieser Stelle nicht einfach, aber kann man durchaus versuchen. Eine andere Möglichkeit ist, Luther zu folgen: Er hat sich hier ganz klar auf die Seite des Paulus positioniert. Für ihn war es ein klarer Widerspruch. Er sah die Meinung des Paulus sehr viel näher an Jesu Lehre als die Meinung des Jakobus (deswegen nannte er den Jakobusbrief auch eine „stroherne Epistel“ und setzte ihn ganz an das Ende des neutestamentlichen Kanons).

Ich tendiere zu einer dritten Möglichkeit: Es gibt für viele biblische Stellen nicht die eine allein richtige Auslegung, die unabhängig von Zusammenhang, Fragestellung, zeitgeschichtlichem Hintergrund, kulturellem Hintergrund und persönlicher Perspektive gültig ist. Man kann denselben Bibeltext durchaus unterschiedlich auslegen – so wie es hier Paulus und Jakobus getan haben. Damit meine ich nicht, dass man Bibeltexte beliebig auslegen kann. Es ist bei jedem Lesen wichtig zu fragen, was denn der Text ursprünglich sagen will. Aber im einzelnen kann man dann durchaus zu verschiedenen Ergebnissen kommen – das schmälert die Autorität der Bibel nicht, sondern bereichert sie.

An dieser Stelle finde ich die Auslegung des Paulus die grundsätzlichere und wichtigere. Hier kann man durchaus mit Luther argumentieren, dass hier besser deutlich wird, „was Christus treibet“, d.h. was im Sinne Christi ist. Jakobus hat Abraham von einem anderen Zusammenhang her betrachtet, aus einer speziellen Perspektive. Er hatte es wohl mit Christen zu tun, die es sich all zu bequem in ihrer Glaubensgerechtigkeit eingerichtet haben und denen Werke wohl völlig egal waren. Von diesem Hintergrund her betont er, dass bei Abraham neben dem Glauben auch die Werke wichtig waren. Aber wie gesagt: wir sollten die Spannung zwischen Paulus und Jakobus nicht all zu schnell glatt bügeln. Unterschiedliche (aber nicht beliebige!) Verstehensweisen desselben Textes gehören schon in der Bibel ganz selbstverständlich dazu.

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Römer 3, 27-31: sola fide?

Für Martin Luther war V.28 eine zentrale Stelle von der aus er seine berühmte Zusammenfassung des Evangeliums begründet hat: „sola fide“ – der Mensch kann vor Gott nur gerecht werden „allein durch Glaube“. Allerdings findet sich im griechischen Urtext dieses „allein“ nicht. Hat Luther damit den Sinn des Textes verfälscht? Ich denke, es handelt sich um eine berechtigte Zuspitzung. Denn Paulus stellt hier ja die Gerechtigkeit durch Gesetzeswerke der Gerechtigkeit durch Glaube gegenüber. Der Sinn ist dann gerade nicht, dass beides ein bisschen zutrifft, sondern es ist ein entweder – oder. Gerecht werden wir nicht durch das Gesetz, sondern durch den Glauben. Sinngemäß ist das ergänzende „allein“ also angebracht.

Inhaltlich bleibt – egal wie man die Stelle übersetzt – ein gewisses innerbiblisches Spannungsfeld. V.a. gegenüber dem Jakobusbrief der scheinbar das genaue Gegenteil behauptet: „So seht ihr nun, dass der Mensch durch Werke gerecht wird, nicht durch Glauben allein.“ (Hier steht übrigens das „allein“ auch im griech. Text; es scheint so, als ob schon Jakobus Paulus im Sinne Luthers verstanden hätte). Wie ist das nun? Wer hat Recht? Paulus oder Jakobus?

Zunächst muss man feststellen, dass es kein totaler Gegensatz ist, denn Jakobus lehnt natürlich den Glauben nicht ab, sondern betont, dass die Werke dazu kommen müssen. Auch für ihn ist der Glaube eine unaufgebliche Voraussetzung, um vor Gott gerecht zu sein. Der entscheidende Unterschied ist wirklich, ob Glaube „allein“ ausreicht, oder ob zum Glauben doch noch irgendwie die Werke dazu kommen müssen.

Ich denke auch hier liegen Paulus und Jakobus nicht völlig auseinander. Die Frage ist ja, was mit Glaube gemeint ist. Wenn man unter Glaube nur versteht, dass ich mich auf Jesu Tat am Kreuz verlasse, um gerettet zu werden und dann trotzdem ein Leben führe, das Gott nicht gefällt, dann kann mit diesem Glauben nicht alles richtig sein. Genau dieses Missverständnis lehnt Jakobus so betont ab. Glaube muss Auswirkungen auf die Werke haben, sonst ist es kein echter Glaube. Paulus würde das nicht so pointiert sagen, aber von der Sache her formuliert er ähnlich in Galater 5,6: „Denn in Christus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe tätig ist.“ Echter biblischer Glaube ist auch für Paulus ein Glaube, der sich im Leben auswirkt, der Werke nach sich zieht, der in der Liebe tätig wird.

Trotzdem bleibt zwischen Paulus und Jakobus eine gewisse Spannung. Paulus betont mehr die Gerechtigkeit allein aus Glauben und Jakobus mehr die Notwendigkeit, dass zum echten Glauben auch die Werke gehören. Das finde ich schön an der Bibel: hier werden nicht alle Spannungen völlig aufgelöst, es wird nicht alles zu einem festen theologischen System glatt gebügelt. Die Bibel ist Gottes lebendiges Wort gerade in und mit ihren Spannungen.

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Römer 3, 21-26: Schwierige Schlüsselwörter

Das ist ein sehr zentraler Abschnitt, in welchem Paulus in dichter Form ganz zentrale Aussagen macht. Ob die Leser von damals alles verstanden haben, was Paulus da an theologischen Aussagen mit hinein packt? Sie hatten auf jeden Fall den Vorteil, dass sie in derselben Zeit und demselben Kulturkreis lebten wie Paulus. Für uns heute ist es nicht mehr so einfach nachzuvollziehen, was ein antiker jüdischer Mensch bei solchen Stichworten wie Gerechtigkeit Gottes und Sühne gedacht und empfunden hat.

Bei Gerechtigkeit denken wir heute eher an ausgleichende Gerechtigkeit oder an Gerichte, die durch Rechtsprechung das Gesetz durchsetzen. In der hebräischen Bibel geht es bei der Gerechtigkeit Gottes mehr um seine Gemeinschaftstreue. Gott ist dann gerecht, wenn er sich als der treue Gott erweist. Für Paulus erweist sich diese Gerechtigkeit Gottes v.a. im Handeln an Jesus Christus. In ihm wird Gottes Treue sichtbar. In ihm geschieht Erlösung, Befreiung von der Sünde. In ihm werden wir mit hinein genommen in die Treue Gottes. Um Anteil an dieser Gerechtigkeit zu haben, ist es deswegen wichtig, auf Jesus zu vertrauen, an ihn zu glauben (V.22: „Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben“).

Das Wort Sühne und sein damaliges Verständnis ist für uns heute noch schwerer zugänglich – sowohl intellektuell, als auch erst recht emotional. Man könnte es so beschreiben: Sühne ist ein Mittel, um eine vergiftete Beziehung wieder zu heilen. Rechtfertigung durch Glauben ist eben mehr als nur ein richterliches Urteil, dass der Schuldige nicht bestraft wird. Es geht um weit mehr als nur eine zugesprochene Gerechtigkeit. Sünde ist im biblischen Verständnis wie ein Gift, welches die Beziehung zu Gott und zu anderen Menschen vergiftet. Um diese Beziehungen zu heilen, ist mehr nötig als ein Vergebungswort. Im Sühnetod am Kreuz nimmt Jesus diese Giftstoffe der gestörten Beziehungen auf sich selbst und heilt dadurch die Beziehungen. Es geschieht hier mehr als dass nur ein Unschuldiger für die Schuldigen stirbt, damit dem Gesetz genüge getan wird. Es wird ein Prozess der Heilung in Gang gesetzt.

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Römer 1, 16-17: Kraftvoll glauben

Diese zwei Verse sind so etwas wie die thematischer Überschrift über den Römerbrief. Hier sagt Paulus in Kurzform, was ihm wichtig ist. Ein Schlüsselbegriff ist die „Gerechtigkeit Gottes“. Für uns Westeuropäer, die wir immer noch stark von der griechisch-römischen Kultur und Denkweise geprägt sind, ist dieser Begriff gar nicht so einfach zu verstehen. Paulus versteht ihn von seinem jüdischen Hintergrund her anders, als wir das tun.

Für uns ist Gerechtigkeit Gottes eher eine Eigenschaft Gottes und wir verstehen unter Gerechtigkeit eher eine neutrale und ausgleichende Gerechtigkeit. Vom Alten Testament her ist damit aber mehr gemeint. Gottes Gerechtigkeit bedeutet nicht, dass er quasi wie justitia mit verbundenen Augen alleine die Taten eines Menschen beurteilt und dann straft oder belohnt. Gerechtigkeit im alttestamentlichen Sinn ist eher ein Beziehungsbegriff. Gerecht verhält sich jemand, der den Ansprüchen einer Beziehung gegenüber gerecht wird. Manche Ausleger übersetzen den Begriff darum auch mit Gemeinschaftstreue. Wenn Gott gerecht ist, dann heisst das, dass er uns Menschen gegenüber treu bleibt. Insofern hat Luther recht, wenn er sagt, dass Gerechtigkeit Gottes nicht zuerst eine Forderung an uns ist, diese Gerechtigkeit zu erfüllen, sondern eine Zusage Gottes, dass er uns gerecht macht.

Diese Gemeinschaftstreue Gottes erlangen wir nicht durch unser gerechtes Handeln, sondern durch Glauben, oder anders übersetzt durch Vertrauen. Wenn wir auf Gott vertrauen, dann bleiben wir in seiner Gemeinschaftstreue. Dabei ist Glaube nicht als Voraussetzung zu verstehen, sondern einfach nur die Art und Weise, wie wir in Gemeinschaft mit Gott leben.

Ein anderer Begriff, der mich in diesem Abschnitt besonders anspricht ist das Stichwort „Kraft“. Im Griechischen steht hier das Wort „dynamis“ – da kommt unser deutsches Wort Dynamit her. Das Evangelium ist für Paulus nicht nur eine theologisch-philosophische Denkübung, sondern eine lebensverändernde Kraft. Und zwar eine gewaltige Kraft – Dynamit bewirkt mehr als einen leisen Knall, es hat die Kraft, einiges weg zu sprengen.  Ich frage mich so manches mal, wo diese Kraft Gottes in unserem heutigen Christentum bleibt. Da scheint vieles so sanft, bequem und lustlos geworden zu sein. Da schliesse ich mich ausdrücklich an erster Stelle mit ein. Ein bisschen mehr „Dynamit“ würde mir ganz gut tun.

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Sacharja 8 Gottes Zuwendung

Hier wird noch einmal die Grundbotschaft Sacharjas deutlich: Nach der Zeit des Exils, wendet sich Gott seinem Volk neu zu. Diese Zuwendung ist nicht an bestimmte Bedingungen geknüpft, welche Gott vorher an sein Volk stellt. Aber natürlich erwartet Gott, dass sich sein Volk wieder neu auf Gottes Willen einstellt und in versucht zu befolgen (V.16f). Interessant ist, dass Sacharja hier nicht von der Liebe zu Gott spricht, sondern von einem korrekten Verhalten gegenüber unseren Nächsten. Für ihn zeigt sich wohl die Liebe zu Gott ganz praktisch in einem wahrhaftigen und gerechten Verhalten gegenüber dem Mitmenschen.

Gottes Zuwendung kann ich mir nicht verdienen oder erarbeiten – sie ist Geschenk. Aber wenn ich mich wirklich auf Gott einlasse, dann wird das Folgen haben. In meiner Beziehung zu Gott und ganz praktisch auch in meiner Beziehung zum Mitmenschen.

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Sacharja 7, 1-14 Warum beten?

Warum beten wir, lesen in der Bibel, besuchen Gottesdienste und haben Gemeinschaft mit anderen Christen? Damit es uns besser geht, damit wir wachsen, damit wir gesegnet werden und damit unsere Gebete erhört werden? Sacharja legt den Finger in die Wunde: Wenn es so ist, dann könnt ihr es auch bleiben lassen. Wenn ihr wirklich auf Gott hören wollt, dann hat Sacharja auch nichts anderes zu sagen als die Propheten vor ihm: Lebt Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Das ist das, was Gott von euch will. Ohne das bringt alles beten und fasten nichts.

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Hebräer 12, 1-11 Glaube als bleibende Herausforderung

Ich kann verstehen, dass Luther so seine Probleme mit dem Hebräerbrief hatte. In diesem Abschnitt scheint manches unbekümmert nebeneinander zu stehen, was Luther in seiner Rechtfertigungstheologie fein säuberlich getrennt hat. Jesus Christus erscheint hier zum einen als Vorbild des Glaubens, er steht sozusagen als krönender Abschluss dieser langen Reihe der Glaubensvorbilder in Kap. 11. Zugleich ist deutlich, dass Jesus sehr viel mehr ist als ein Beispiel für Glaubensstärke – er ist der Anfänger und Vollender des Glaubens, auch unseres Glaubens.

Luther hat hier sehr genau unterschieden zwischen Jesus Christus als exemplum (Beispiel) und sacramentum (Sakrament). Als Beispiel ist er uns ein Vorbild. Aber viel wichtiger ist, dass er für uns zum Sakrament, zum Heilsmittel wurde. Er gibt nicht nur ein Beispiel des Glaubens, sondern ermöglicht unseren Glauben überhaupt erst und schenkt uns das Heil.

Ähnlich unbekümmert spricht der Hebräerbrief davon, dass wir unsere Sünden ablegen sollen (V.1). Dabei ist doch auch dem Hebräerbrief klar, dass wir das nicht so einfach tun können, sondern das der Hohepriester Christus selbst für uns Versöhnung erwirken musste, damit unsere Sünden gesühnt werden. Für Luther war das gerade der große, existentielle Kampf, dass er selbst versucht hatte, seine Sünde abzulegen, um vor Gott gerecht zu werden. Seine befreiende Erkenntnis war, dass uns die Gerechtigkeit von Gott geschenkt wird. Nicht weil wir unsere Sünden ablegen, sondern weil Jesus Christus für unsere Sünde gestorben ist.

Trotzdem steht auch der Hebräerbrief im neutestamentlichen Kanon. Auch darin spricht Gott zu uns. Für mich bildet der Hebräerbrief ein Gegengewicht zu einer zu starken Trennung von Rechtfertigung und Heiligung. Diese Unterscheidungen Luthers sind wichtig und richtig. Aber die Rechtfertigung darf nicht völlig von der Heiligung abgekoppelt werden. Gerade weil Christus für mein Heil gestorben ist, möchte ich ein Leben führen, das diesem Heil entspricht. Der Hebräerbrief betont zurecht, dass mit der Rechtfertigung nicht alles schon vorbei ist. Der Glaube bleibt ein Kampf, eine Herausforderung. Christus ist nicht nur eine Lebensversicherung für meine Seele, sondern auch ein Vorbild und Begleiter in meinem geistlichen Leben.

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Apostelgeschichte 25, 1-12 Machterhaltungspolitik

Auch unter dem neuen Statthalter Festus ergeht es Paulus nicht besser. Im Gegenteil: Während Felix zumindest noch die Unschuld des Paulus erkannt hat und ihn nicht den Juden ausliefern wollte, ist Festus die Sache offensichtlich völlig egal. Er will sie nur schnell klären und er will es sich nicht gleich zum Amtsantritt mit der jüdischen Führungsschicht verderben (V.9). Deswegen ist er bereit, auf ihre Forderungen einzugehen und den Prozess in Jerusalem weiterzuführen. Paulus bleibt darum nur die Berufung auf den Kaiser. Als römischer Bürger hat er das Recht sich auf die höhere Instanz in Rom zu berufen.

Festus will nicht für Recht und Gerechtigkeit sorgen, sondern ist nur besorgt um seinen eigenen Machterhalt und ein möglichst reibungsloses regieren. Da hat sich grundsätzlich bis heute nicht viel verändert in der Welt. In westlichen Demokratien haben wir zum Glück mehr Grundrechte und können Politiker in gewissen Abständen auch abwählen. Aber das Verhalten von Politikern ist auch heute oft in erster Linie am eigenen Machterhalt ausgerichtet.

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Apostelgeschichte 14, 20-28 Bedrängnisse

Auf dem Rückweg ihrer ersten Missionsreise besuchen Paulus und Barnabas noch einmal die von ihnen gegründeten Gemeinden. Sie ermutigen, ermahnen und helfen bei der Organisation der Gemeinde. Wie die Missionare selbst erleben die jungen Gemeinden selbst, dass es nicht einfach ist, ihren christlichen Glauben im Spannungsfeld zwischen jüdischer Frömmigkeit und heidnischer Religiosität zu leben. Von allen Seiten her werden sie in Frage gestellt und angegriffen. Paulus und Barnabas sagen deshalb: „Wir müssen durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes eingehen.“ (V.22)

Die Bedrängnisse meines Glaubens hier und heute in Deutschland sehen anders aus. Mich bedrängen die Gleichgültigkeit und Sattheit vieler Menschen hier. Mich bedrängt meine eigene Bequemlichkeit und Faulheit in meinem Glaubensleben. Mich bedrängt die Not so mancher Christen, die an ihrem Leben und an Gott verzweifeln. Mich bedrängen meine eigenen Fragen, Zweifel und Anfechtungen. Mich bedrängt die weltweite systematischen Ungerechtigkeiten zwischen Reich und Arm, sowie unser fahrlässiger Umgang mit Gottes Schöpfung. Mich bedrängt wie wenig ich daran ändern kann und wie überfordert ich mich mit den Problemen unserer Welt fühle. Auch mich bedrängt wie die Christen damals die Frage: Wo bleibt das Reich Gottes?

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