Römer 15, 22-33: Gemeinschaft genießen

Mich hat bei diesem Abschnitt besonders angesprochen, dass Paulus sich auf die Gemeinschaft mit den Christen in Rom freut, weil er damit rechnet, dass er dadurch „erquickt“ wird (V.24). Die Elberfelder Bibel, die ja recht wörtlich übersetzt, spricht an dieser Stelle davon, dass Paulus die Christen in Rom „genießen“ will. Die Gute Nachricht übersetzt, dass Paulus sich an der Gemeinschaft „stärken“ will. Ja, so sollte christliche Gemeinschaft sein: dass wir es genießen können, dass wir dadurch erquickt und gestärkt werden.

Solche Erfahrungen hat sicher schon jeder Christ gemacht. Aber es gibt eben auch anderer Erfahrungen in der christlichen Gemeinschaft. Das ist nichts Neues, das war bei Paulus schon so. Vorsichtig deutet er in V.31 an, dass er hofft, dass sein Dienst den Heiligen (als den Christen) in Jerusalem willkommen sei. Da merken wir, dass es da wohl Spannungen gibt und die Beziehung nicht unbelastet ist. Wir brauchen uns da nichts vormachen, es wird immer beides geben: christliche Gemeinschaft, die uns stärkt und die wir gerne genießen, aber auch christliche Gemeinschaft, die belastet ist und nicht immer einfach ist.

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Lukas 20, 41-47 Gefahren des Glaubens

Ja, das ist gefährlich: fromme Bibelkenner, denen es in Wirklichkeit vor allem darum geht, Ansehen zu haben, sich selbst den Bauch vollzuschlagen und nach außen besonders heilig dazustehen. Nicht nur politische Macht kann korrumpieren, sondern auch religiöse Macht. Jesus warnt vor ihnen.

Aber diese Gefahren betreffen nicht nur die Anderen, sie betreffen jeden Christen. Wer hat nicht gerne Anerkennung und Ansehen? Das ist ja auch okay, aber wo ist die Grenze zur Selbstgefälligkeit? Wer ist wirklich frei von aller Selbstsucht, so dass er wirklich von Herzen lieber andere beschenkt, als selbst zu genießen? Es ist ja auch okay, das was man hat zu genießen, aber wo ist die Grenze zur Gier? Welcher Christ kennt das nicht, dass Gottesdienstbesuch, Bibellesen und Gebet zur äußeren Form verkommt, dass das innere Leben zu erlöschen droht? Das ist ja ganz normal und es ist wichtig, trotzdem weiter dran zu bleiben. Aber wo ist die Grenze zur Scheinheiligkeit?

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Josua 21 Gast im Land Gottes

Der Stamm der Leviten bekommt bei der Landverteilung zwar kein Land zugewiesen, sie bekommen aber Orte, an denen sie wohnen können und dazu Weideplätze für ihre Viehherden. Die Stuttgarter Erklärungsbibel schreibt dazu: „Mit ihrer Weidewirtschaft setzen sie in gewisser Weise die halbnomadische Lebensweise der ‚Väter‘ Israels fort, die noch kein Besitzrecht im Land hatten. Man kann darin ein Sinnbild sehen: Der Stamm Levi, den Gott für sich in Anspruch nimmt, bezeugt durch sein Dasein und seine Lebensweise, dass Israel das Gott geheiligte Volk ist, das in dem geschenkten Land Gottes ‚Gast‘ ist und bleibt.“

Das gilt ja auch für uns: Wir sollen haben als hätten wir nicht (1. Kor. 7,29-31). Gott beschenkt uns mit irdischen Gütern und die dürfen wir auch genießen. Aber wir sollten uns immer bewusst sein: das ist nicht das Letzte und Wichtigste. Wir dürfen uns nicht von irdischem Besitz abhängig machen – denn wir sind nur von Gott abhängig. Wir sind hier nur zu Gast…

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Kohelet 6, 1-12 Düster, düster!

Kohelet spricht von Reichtum, Kindersegen und einem langen Leben. Nach der damaligen Vorstellung war all dies ein deutliches Zeichen für ein gesegnetes Leben. Aber er stellt fest: All das bringt auch nichts, wenn man dabei nicht glücklich ist, wenn Gott es nicht schenkt, dass man es genießen kann. Was ist die Konsequenz? Es lohnt sich nicht nach solch irdischen Gütern zu streben, es kommt ja doch nur darauf an, dass Gott einem Glück schenkt. Aber auch das kann man ja nicht erzwingen, das ist für Kohelet ein freies Geschenk Gottes. Was bleibt dann? Schicksalsergebenheit in das was kommt oder was nicht kommt? Wenn man Glück hat, kann man sein Leben ein bisschen genießen, wenn man Pech hat, dann wäre es besser eine Fehlgeburt gewesen zu sein (V.3)?

Gottes Wort hin, Gottes Wort her – das ist mir doch ein wenig zu düster! Ich kann Kohelet nicht lesen, ohne das Neue Testament im Hinterkopf. Kohelet geht davon aus, dass nach dem Tod alles aus ist. Ich gehe davon aus, dass nach dem Tod etwas ganz Neues beginnt. In manchen Dingen korrigiert sich die Schrift auch selbst und wir müssen manche Texte im Gesamtzusammenhang der Bibel in einem anderen Licht lesen, als sie ursprünglich gedacht waren. Das heißt nicht, dass wir leichtfertig alle düsteren, unbequemen und schwierig zu verstehende Texte aus der Bibel streichen sollen. Aber es bedeutet für mich z.B. solch einen Text im Licht von Ostern zu lesen. Und in diesem Licht wird eben deutlich, dass das Glück oder Unglück in diesem Leben nicht das letzte Wort ist.

Kohelet 5, 9-19 Körnchen des Glücks

„Wer Geld liebt, wird vom Geld niemals satt, und wer Reichtum liebt, wird keinen Nutzen davon haben.“ (V.9) Zack! Das sitzt! Recht hat er! Und wie! Bis heute! Mehr denn je! Das Gute bei Kohelet ist, dass er nicht einfach ein Polemisierer ist, der mit extremen, vereinfachenden und platten Positionen alles niedermäht. Er sagt nämlich nicht, dass man nur ohne Geld glücklich werden kann, dass das Kapital abgeschafft werden sollte, dass man nur richtig glücklich wird, wenn man von der Luft und der Liebe lebt: „Denn wenn Gott einem Menschen Reichtum und Güter gibt und lässt ihn davon essen und trinken und sein Teil nehmen und fröhlich sein bei seinem Mühen, so ist das eine Gottesgabe.“ (V.18)

Also: Reichtum lieben? Nein! Davon wirst du niemals satt. Du willst immer mehr und wirst immer hungriger dabei! Aber: Reichtum genießen? Ja! Als Gabe Gottes, als Geschenk. Die Kunst ist, mit „seinem Teil“ zufrieden zu sein und sich darüber zu freuen, anstatt immer von der Sehnsucht nach dem Ganzen getrieben zu sein. Das Ganze, die Fülle des Lebens, der Reichtum des völligen Friedens und Glücks, den kriegst du hier auf Erden nie zu fassen. Darum genieße die Körnchen des Glücks, die Gott dir jetzt schon schenkt!

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Kohelet 4, 4-8 Eine Hand voll mit Ruhe

Hach… brillant und erschreckend aktuell: „Da ist nur Eifersucht des einen auf den anderen… Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe.“ (V.4.6) Dieser eifersüchtige Blick auf das neue Handy des anderen, diese Gier nach mehr Kohle und Ansehen, dieses verkrampfte Ballen der Fäuste, beim Versuch möglichst viel an sich zu reißen – das ist bis heute die Gleiche. Und damals wie heute wissen wir eigentlich: Besser das, was man hat in Ruhe genießen, als sich verzweifelt abzustrampeln für das vermeintlich doppelte Glück. Leicht gesagt und schwer getan!

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Kohelet 2, 24-26 Ein Hoffnungsschimmer

Na endlich mal was Positives! „Ist’s nun nicht besser für den Menschen, daß er esse und trinke und seine Seele guter Dinge sei bei seinem Mühen?“ (V.24) Ja klar, das hört sich doch gut an! Allerdings schränkt der Prediger gleich wieder ein: Auch das ist nichts, was wir uns erarbeiten können, was wir irgendwie „machen“ können, sondern es kommt aus Gottes Hand. D.h. es ist Gnade, wenn ein Mensch in seiner Seele wirklich guter Dinge sein kann. „Denn wer kann fröhlich essen und genießen ohne ihn? Denn dem Menschen, der ihm gefällt, gibt er Weisheit, Verstand und Freude.“ (V.25f) Ein fröhliches, zufriedenes Leben ist ein Geschenk Gottes und nicht Frucht meiner eigenen Lebensweisheit.

Und dann kommt noch mal eine Einschränkung: „Auch das ist eitel und Haschen nach Wind.“ (V.26) Also selbst ein fröhliches und genußvolles Leben, das von Gott geschenkt wird, hat letztendlich nichts Bleibendes. Es ist irgendwann vorbei und es bleibt nichts davon.

Deprimierende Aussagen?! Ja durchaus! Mit knallharter Nüchternheit analysiert der Prediger unser irdisches Leben. Aber für mich steckt darin auch etwas Entlastendes: Nimm dich selbst nicht so wichtig! Ob es dir jetzt gut oder schlecht geht, spielt letztendlich keine so große Rolle. Wenn’s dir gut geht: „Freu dich! Und genieße es ohne schlechtes Gewissen!“ Wenn’s dir schlecht geht: „Mach dir nichts draus. Gott kann das schnell wieder ändern.“ Nimm die Dinge wie sie kommen und mach das Beste daraus!

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