Exodus 35, 4-29 Freiwillig

In diesem Abschnitt geht es um Gaben für die Stiftshütte – sowohl materieller Art wie auch von Zeit und Fähigkeiten. Stark betont wird die Freiwilligkeit. „Erhebt von eurem Besitz eine Opfergabe für den Herrn, sodass einer jeder die Opfergabe für den Herrn freiwillig bringen.“ (V.5) Schon an dieser Formulierung wird deutlich, dass die Sache mit der Freiwilligkeit gar nicht so einfach ist. Damit die Stiftshütte gebaut werden kann, müssen möglichst viele ihre Gaben einbringen, es geht gar nicht anders – von nichts kommt nichts. Da ist durchaus ein gewisser Druck da – es ist schließlich das Gebot des heiligen Gottes, dass das Heiligtum so gebaut wird, wie er es befohlen hat. Zugleich wird jedoch die Freiwilligkeit betont. Jeder soll nur das geben, was er freiwillig gibt.

Das ist bis heute in jeder Gemeinde oder christlichen Gemeinschaft dasselbe: Wir sind darauf angewiesen, dass möglichst viele sich einbringen. Wenn sich jeder nur zurück lehnt und den anderen machen lässt, dann wird daraus nichts. Zugleich betonen auch wir heute immer wieder, dass alles freiwillig geschehen soll. Das steht in einer gewissen Spannung.

Man kann nun unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Manche möchten den Druck erhöhen, damit auch wirklich was passiert, damit wir den Ansprüchen Gottes gerecht werden. Ich selbst tendiere lieber zur anderen Seite: lieber weniger tun, als etwas zu erzwingen und nur mit schlechtem Gewissen zu tun. Der Sinn dieses Bibelabschnittes liegt ja gerade darin zu betonen, dass auf dieser Freiwilligkeit ein besonderer Segen liegt. Wenn allerdings nichts von freiwilligen Gaben zu sehen ist, dann muss sich eine Gemeinschaft fragen, ob nicht an anderer Stelle etwas im Glauben schief läuft…

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Exodus 24, 1-11 Das Ja-Wort

Eine zentrale Stelle im Buch Exodus: Der Bundesschluss Gottes mit seinem Volk am Sinai. Mich hat die Stelle deutlich an das von Jesus Christus eingesetzte Abendmahl im Neuen Testament erinnert. Auch da taucht das Stichwort Bund auf (Lk. 22,20). Nach hebräischer Vorstellung spielt Blut eine wichtige Rolle. Beim Bundesschluss am Sinai wird das Blut von Opfertieren zum einen an den Altar gesprengt (V.6) und zum anderen auf das Volk (V.8). Das verbindet die beiden Bundespartner auf’s engste. Beim neutestamentlichen Abendmahl spricht Jesus von seinem Blut, das für uns vergossen wird (Lk. 22,20). Und an beiden Stellen wird der Bund mit einem Mahl gefeiert (V.11).

Bund, Blut, gemeinsames Mahl,… ich glaube Jesus nimmt ganz bewusst Bezug auf diese Stelle. In und durch ihn wird dieser Bund Gottes aufgenommen und erneuert. Das Abendmahl ist somit auch so etwas wie das Fest des Gemeinschaftsbundes zwischen Gott und seinem Volk. Ein Fest, bei dem man sich gegenseitig das Ja-Wort zuspricht. Gott sagt Ja zu dir und du sagst Ja zu Gott.

Fasziniert hat mich an dem Exodustext auch V.10: Da geschieht das, was nach alttestamentlicher Vorstellung eigentlich nicht geschehen kann – sterbliche Menschen sehen Gott! Und sie werden von Gottes Herrlichkeit nicht vernichtet! In Ex.33,20 heißt es: „Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht.“ Nun ist in Exodus 24 nicht davon die Rede, dass sie Gottes Angesicht sehen, aber trotzdem: sie sehen Gott!

Es wird nicht beschrieben, wie Gott aussieht. Ganz zurückhaltend und vorsichtig wird nur beschrieben, dass der Boden unter Gottes Füßen wie Saphir geglänzt hat und strahlend blau war – wie an einem klaren Sonnentag. Allein der Boden unter Gottes Füßen strahlt und glänzt in Herrlichkeit!

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Kohelet 4, 9-12 Keiner da?!

Gemeinschaft ist anstrengend. Und oft genug nervt Gemeinschaft auch richtig. Man versteht sich nicht richtig, die Macken des anderen öden einen an, man will seine Ruhe haben, der andere denkt ganz anders als ich, man muss sich selbst ein Stück weit zurück nehmen, man kann nicht tun und lassen was man will, man muss Rücksicht nehmen, der andere hat schon wieder dieses doofe Grinsen aufgesetzt, keiner versteht mich, immer muss ich alles machen, warum kann der andere nicht auch mal was tun,… Das alles gehört zu Gemeinschaft, sei es in der Familie, unter Freunden oder in der Gemeinde. Und das alles kann ganz schön kräftezehrend sein.

Es scheint einfacher, sich zurück zu ziehen. Individualisierung. Vereinzelung. Auch bei Christen. Man lebt bequemer, muss sich von niemanden in sein Leben reinreden lassen. Aber was ist der Preis? „Weh dem, der allein ist, wenn er fällt! Dann ist kein anderer da, der ihm aufhilft.“ (V.10)

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Philipper 4, 1-3 Eines Sinnes

Wir merken immer wieder wenn wir Bibel lesen, dass die Gläubigen damals ähnliche Problem hatten wie wir. Paulus muss in seinem Brief ganz gezielt zwei Personen aufrufen, ihre Streitigkeiten beizulegen: „Evodia ermahen ich und Syntyche ermahne ich, dass sie eines Sinnes seien in dem Herrn.“ (V.2) Wenn man sich das praktisch vorstellt, muss das ganz schön peinlich gewesen sein. Denn ein Brief des Paulus wurde wahrscheinlich im Gottesdienst vorgelesen und hatte besonderes Gewicht. Und neben vielen allgemeinen Aussagen, Grüßen und Ermahnungen werden nun zwei Frauen namentlich aufgerufen, sich zu vertragen!

Was aber bedeutet „eines Sinnes“? Müssen wir Christen in allem gleicher Meinung sein? Bedeutet christliche Gemeinschaft Konformität und Gleichschaltung? Ich glaube es ist hier wichtig auch auf die Fortsetzung zu achten: „… in dem Herrn.“ Nicht in jeder Frage sollen sie eines Sinnes sein, sondern in ihrer Ausrichtung auf den den Herrn. Die Neue Genfer Übersetzung schreibt hier: „… ihre Unstimmigkeiten beizulegen und sich ganz auf das gemeinsame Ziel auszurichten.“ Es geht nicht darum, dass wir in jeder Kleinigkeit die gleich Meinung haben, sondern dass wir alle dasselbe große Ziel vor Augen haben. Der Weg dorthin kann unterschiedlich sein, aber die gemeinsame Blickrichtung ist entscheidend.
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Phillipper 2, 1-4 Wo bleibt die Demut?

Ja, so sollte Gemeinschaft unter Christen aussehen – so sieht sie in der Realität allerdings nicht aus. Für mich klingt das sehr utopisch. Diese Beschreibungen der Liebe, Barmherzigkeit und Eintracht gipfeln in der Aufforderung: „in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem anderen dient.“ (V.3-4) Wo sind die Christen, die das wirklich umsetzen?

Es gibt genügend Christen, die das suchen und die beklagen, dass sie diese Liebe und Barmherzigkeit nirgends finden. Es gibt genügend Christen, die sich enttäuscht von anderen Christen abwenden, weil die Gemeinschaft nicht ihrem christlichen Ideal entspricht. Aber wo sind die Christen, die diese Erwartungen nicht nur an andere haben, sondern die selbst so leben? Ich könnt mich immer wieder in Grund und Boden schämen und ärgern über Christen, die von anderen Zuwendung und Liebe erwarten, selbst aber kläglich an ihren eigenen Maßstäben versagen (und das gilt nicht nur für andere, sondern auch für mich selbst). Solche utopischen Zustände von liebevoller Gemeinschaft können nur dort in Ansätzen aufleuchten, wo Einzelne zu echter Demut finden. Solche Gemeinschaft fängt bei meiner Demut an, nicht bei den anderen…
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Philipper 1, 3-11 Gemeinde auf dem Weg

Zwei Dinge sind mir in dem Text besonders aufgefallen. Das eine ist die Herzlichkeit mit der Paulus diese Zeilen formuliert. Er scheint ein ausgesprochen gutes Verhältnis zur Gemeinde in Philippi gehabt zu haben. Man spürt den ehrlichen Wunsch, nach Gemeinschaft mit den Leuten aus Philippi. Dieses gute Miteinander ist schön und auch in christlichen Gemeinden nicht selbstverständlich.

Das andere ist, dass hier deutlich wird, dass auch schon damals Gemeinde bedeutete, miteinander auf dem Weg zu sein. Gemeinde ist nicht perfekt. Auch nicht bei den Urchristen, auch nicht wenn sie von Paulus gegründet wurde. Paulus betet darum, dass „eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung, sodass ihr prüfen könnt, was das Beste sei.“ (V.10-11) Statt „Erfahrung müsste man besser mit „Einsicht“ übersetzten. Und statt „was das Beste sei“ könnte man übersetzen: „worauf es ankommt“ (es geht nicht um das Beste im gegenüber zum Guten, sondern um das Wesentliche im Gegensatz zu Unwesentlichem).

Auf jeden Fall wird deutlich, dass auch die Christen in Philippi noch in der Liebe wachsen können und sollen. Christsein ist ein Prozess, ein Weg, der hier auf Erden nie aufhört. Liebe ist kein entweder-oder sondern ein Wachstumsprozess. Interessant auch dir Formulierung, dass die Liebe „reicher“ werde und nicht etwa „größer“! Wann hab ich das letzte mal dafür gebetet, dass die Liebe immer noch reicher werde (wohlgemerkt nicht im überheblichen Sinn: Die anderen haben – im Gegensatz zu mir – so wenig Liebe, da muss noch kräftig was wachsen)?
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Psalm 135 – lieblicher Kitsch?

Bin bei diesem Psalm an dem Wort „lieblich“ hängen geblieben: „Lobsinget seinem Namen, denn er ist lieblich!“ (V.3) Dieses ungewöhnliche und so völlig aus der Mode gekommene Wort „lieblich“ ist mir doch vor kurzem schon mal begegnet… Stimmt! In Ps.133,1: „Siehe, wie fein und lieblich ist’s wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen!“ Und tatsächlich: Nicht nur in der Luther-Übersetzung, sondern auch im Hebräischen steht hier das gleiche Wort. Das Lexikon schlägt folgende Übersetzungen vor: „angenehm, lieblich, hold“. Das Wort hat wohl von der Grundbedeutung her oft mit dem Klang zu tun. Also z.B. angenehme, wohlklingende Musik oder Gesang.

Ich find es faszinierend, dass in so engem Kontext einmal Gott selbst (mit dem Namen ist im AT meist die Sache oder Person selbst gemeint) und dann die gute Gemeinschaft unter uns Menschen als lieblich bezeichnet werden. Das heißt dann doch, dass sich in unserem Zusammenleben etwas von der „Lieblichkeit“ Gottes widerspiegeln sollte. So wie Gott selbst mit sich im reinen ist und sein Name (= sein Wesen) ein Wohlklang ist, so sollte auch unser Miteinander eine angenehme Harmonie ergeben.

Auf diesem Hintergrund klingt für mich dieses Wort „lieblich“ gar nicht mehr so altmodisch, angestaubt und kitschig, sondern richtig cool. 🙂
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Psalm 133 – fein und lieblich

„Siehe, wie fein und lieblich ist’s, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen!“ (V.1) Das gilt nicht nur für leibliche Geschwister, sondern noch viel mehr für das Miteinander unter Christen. Auf meinem eigenen Weg zum Glauben war dieses Miteinander für mich etwas sehr beeindruckendes. Eine Gemeinschaft, die ich in dieser Form noch nicht erlebt hatte. Eine Gemeinschaft, die mich angezogen und fasziniert hat.

Aber leider ist es – genau wie bei leiblichen Geschwistern – nicht selbstverständlich, dass man sich versteht, dass man einträchtig miteinander leben kann. Auch in diesem Psalm wird diese Eintracht ja eher als etwas besonderes und als ein schöner Glücksfall beschrieben. Um so wichtiger ist es, dass wir uns um dieses Miteinander immer wieder bemühen, dass wir darum kämpfen, dass wir nicht zu schnell aufgeben.

Wobei ja Eintracht nicht heißen muss, dass wir in allem einer Meinung sind und dass wir für jeden die gleichen herzlichen Gefühle haben. Eintracht heißt für mich eher, dass wir unsere Grundüberzeugungen miteinander teilen und dass wir in Not und Schwierigkeiten zusammenstehen. Ich denke unter Christen gibt es – wie in einer Familie – Bindungen, die tiefer gehen als „nur“ eine Freundschaft. Wenn diese Verbundenheit deutlich wird, dann ist’s wahrlich „fein und lieblich“.
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