Apostelgeschichte 27, 13-44 Der ruhende Pol

Ja, so sollte es eigentlich sein – auch heute noch. In einer stürmischen Welt, in der wir die Orientierung verloren haben, sollten die Christen der ruhende Pol sein, der auch den anderen Hoffnung schenkt. Aufgrund der Verheißung Gottes kann Paulus mitten im Sturm gelassen bleiben und andere trösten. Er gibt Hoffnung und ganz automatisch fangen die anderen an, ihm mehr und mehr zu vertrauen.

Das wäre schön, wenn wir Christen auch heute noch so leben und so wahrgenommen werden könnten. Als Menschen die auch im Sturm eine Gelassenheit und Zuversicht ausstrahlen, die nicht von dieser Welt kommen kann. Als Menschen die sich gehalten wissen von einer Macht, die stärker ist, als jeder irdische Sturm. Als Menschen die aufgrund ihres ruhigen Handelns und Redens auch andere aus dem Sturm retten.

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Lukas 8, 22-25 Die Stille vor dem nächsten Sturm

Die Jünger sind mit Jesus auf einem kleinen Boot im Sturm. Während die Jünger Todesangst haben, schläft Jesus seelenruhig. Er weiß sich geborten von einer Macht die stärker ist als jeder Sturm. Die Jünger wecken Jesus und dieser bringt den Sturm zum Schweigen. „Und es entstand eine Stille.“ Diese Worte haben mich heute beim Lesen besonders angesprochen.

Ich hab auch schon so manche Stürme erlebt und dann auch erfahren, dass Jesus da ist und den Sturm wieder zum Schweigen bringen kann. Oft sah es zunächst so aus, als ob er schläft, als ob er gar nichts tut. Aber er war da. Das stärkt mein Vertrauen zu Jesus. Aber so manches mal wünsche ich mir, dass er die Stürme entgültig zum Schweigen bringt. Es ist ja auch als Christ so, dass immer wieder neue Stürme aufziehen. Stelbst wenn Jesus für Stille sorgt, so kommt früher oder später immer wieder ein neuer Sturm. Ich hab richtige Sehnsucht danach, dass es still bleibt…

Glaube muss im Sturm immer wieder neu wachsen und sich bewähren. Glaube heißt nicht, dass es keine Stürme mehr gibt. Ich möchte von Jesu Gelassenheit lernen. Auch im Sturm ruhig schlafen zu können. Das ist ein weiter Weg und ich bin weit von dieser Gelassenheit entfernt. Aber ich will weiter auf Jesus vertrauen, auch wenn nach der Stille der nächste Sturm kommt.

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Lukas 8, 4-15 Geduld

Beim Lesen des Textes ist mir dieses mal besonders das Stichwort Geduld aufgefallen. Lukas hat dieses  Wort in V.15 eingefügt – bei der Parallelstelle in Markus und auch bei Matthäus taucht es nicht auf. Der Samen den Jesus ausstreut bringt Frucht – aber dazu braucht es Geduld. Es geht nicht so schnell und offensichtlich, wir wir uns das wünschen.

Diese Aussage ist im Grunde im ganzen Gleichnis schon angelegt. Zuerst erzählt Jesus ausführlich, was beim Ausstreuen des Wortes Gottes alles schief gehen kann. Es kann auf den harten Weg fallen und zertreten werden, es kann auf felsigen Boden fallen und wegen zu wenigen Wurzeln schnell wieder verdorren, es kann unter die Dornen fallen und erstickt werden. Das ist das erste was wir sehen: es ist zuerst offensichtlich, wo das Wort Gottes keine Frucht bringt. Noch bevor der Sämann irgend etwas positives sehen kann, muss er zur Kenntnis nehmen, wo er vergeblich gesät hat.

Denn den Samen auf dem guten Boden sieht man zunächst nicht. Er wird in die Erde eingepflügt und es scheint zunächst einmal gar nichts zu passieren. Erst langsam wächst die Frucht heran und erst zur Erntezeit kann man feststellen, dass das Wort Gottes doch noch reichlich Frucht gebracht hat. Das braucht Geduld, Ausdauer und Gelassenheit.

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Philipper 1, 15-18 Gute Früchte von einem schlechten Baum?

Unglaublich, was Paulus hier schreibt! Ich hab den Abschnitt schon öfters gelesen, aber ich staune jedes mal wieder neu über die Gelassenheit und das große Herz des Paulus. Paulus sitzt im Gefängnis und es gibt wohl einige Prediger, die diese Situation für ihren Vorteil ausnützen. Sie „predigen Christus aus Neid und Streitsucht“ (V.15), sie „verkündigen Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möchten mir [Paulus] Trübsal bereiten.“ (V.17) Und was sagt Paulus? Er sagt: Was soll’s? Solange inhaltlich Christus verkündigt wird, ist mir die Motivation egal, ja er freut sich sogar darüber! (V.18)

Ich finde das schon hart an der Grenze. Geht das überhaupt? Christus verkündigen aus eigennütziger Motivation? Also ich wäre nicht glücklich über einen Prediger, der zwar ein korrektes Evangelium verkündigt, es aber tut, um selbst daraus Vorteile zu ziehen oder um anderen zu schaden. Man denke nur an manche Prediger, die eine große Show abziehen, sich selbst im Applaus baden und sich selbst bereichern.

Es geht dem Paulus hier nicht um theologische Beliebigkeit. Inhaltlich argumentiert er immer sehr scharf gegenüber Leuten, die ein anderes Evangelium verkündigen als er. Aber ich frage mich – im Bild eines Gleichnisses von Jesus: Kann ein schlechter Baum gute Früchte hervorbringen?
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Jeremia 28 Wer hat Recht?

Erstaunlich nüchtern geht hier Jeremia mit einem anderen Propheten um, der genau das Gegenteil von dem verkündet, was Jeremia sagt. Jeremia verfällt nicht in Verteidigungshaltung und zählt biblisch-theologische Argumente auf, warum er und nur er Recht hat. Nein, seine erste Reaktion ist, dass er dem anderen Propheten zustimmt: „Ja, das wäre wunderbar, wenn Deine Botschaft so eintreffen würde und ich wünsche mir dass Du Recht hast mit Deiner Heilsbotschaft. Aber wer von uns beiden wirklich im Namen Gottes prophezeit, wird man erst erkennen, wenn sich die Prophezeiungen erfüllen.“ (V.6.9)

Erst nachdem Gott erneut zu Jeremia spricht, findet Jeremia deutlichere Worte: „Der Herr hat dich nicht gesandt; aber du machst, dass dies Volk sich auf Lügen verlässt.“ (V.15) Und er kündigt den baldigen Tod des Propheten an. Diese Prophezeiung wird durch Gott auch relativ zügig bestätigt: Der falsche Prophet stirbt kurz darauf.

Mir gefällt die nüchtern Art wie hier mit Prophetie umgegangen wird: Wer Recht hat, kann man letztendlich erst beurteilen, wenn die Botschaft auch eintrifft. Jeremia geht es nicht um die Verteidigung seiner Prophetenpersönlichkeit, sondern um die Wahrheit von Gottes Wort. Und dazu sagt er: Erst mal abwarten!

Nur macht das die Beurteilung auch extrem schwierig: Wie soll man vorher wissen, wessen Prophetie eintrifft? Soll ich auf die Unheilsbotschaft des Jeremia hören oder soll ich der Heilsbotschaft des anderen Propheten vertrauen? Um die Stimme Gottes aus der unübersichtlichen Vielfalt der theologischen Meinungen heraus zu hören, bedarf es auch heute noch so manches mal nüchterne Gelassenheit und Geduld.
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Los geht’s

So nun bin ich im Krankenhaus, morgen (16.4.) wird die große OP sein. Auf dem Operationsplan stehe ich mit 12:30 Uhr drin, das hat aber wohl nur begrenzte Aussagekraft. Es kann sich auch noch nach vorne verschieben oder sehr viel wahrscheinlicher wird es später werden. Die OP selbst wird wohl einige Stunden dauern… Hört sich alles ziemlich „handwerklich“ an: Bohren, sägen, den ausgesägten Deckel abnehmen, Hirnhaut zertrennen, Tumor raus und das Ganze wieder zumachen. Aber die machen das ja täglich hier, muss also irgendwie funktionieren.

Trotz allem spüre ich immer noch eine erstaunliche Gelassenheit. Ich weiß mich getragen. Danke für alle Gebete, das hilft! Bzw. ER hilft!!!

Schön, dass hier auf Station ein Laptop mit Internetzugang für die Patienten rumsteht. Ich hoffe, ich kann mich dann nach der OP bald wieder hier melden.

Gott segne Euch! Halleluja, der Herr regiert!

Psalm 71 – Glaube im Alter

Der Psalm eines Beters, der ein Leben lang Gott vertraut hat, nun aber alt und schwach geworden ist. Er bittet Gott darum, dass er ihn auch jetzt im Alter nicht verlasse. Faszinierend finde ich, dass er nicht einfach ins Jammern abgleitet und nur sentimental-weinerlich zurückschaut. Wir kennen das ja von so manchen Älteren, die innerlich hart und verbittert geworden sind: „Früher war alles besser. Früher ging’s mir noch besser. Jetzt ist alles vorbei und ich bin zu nichts mehr zu gebrauchen…“

Neben seine Klage und Bitte stellt der Beter aber sehr starke Vertrauensäußerungen (bes. V.14-16). Er lässt sich nicht einfach hängen und verzweifelt, sondern er hängt sich an Gott. Er vertraut darauf, dass der Gott, der ihn schon früher gerettet hat (V.20), ihm auch jetzt wieder hilft.

Schaut euch mal heute altgewordene Christen an. Ich find’s erschreckend, wie unterschiedlich das aussehen kann. Da gibt es manche, die auch im Alter fröhlich und zufrieden sind, die trotz mancher schwierigen Situation eine zufriedene Gelassenheit in Gott haben. Ich kenn da jemand, die schon etwas altersverwirrt immer wieder fröhlich sagt: „Ich kann nur loben und danken!“ Das ist wundervoll zu sehen!

Aber dann gibt es auch bei Christen die harten und einsamen Alten, die immer unzufriedener werden und die trotz Glauben keinen inneren Frieden zu haben scheinen. Lieblos und verbittert ziehen sie sich in sich selbst zurück und verlieren die Freude am Leben und an Gott. Ich will darüber nicht urteilen. Ich weiß nicht, wie das mal bei mir aussehen wird. Aber ich wünsch mir so sehr, dass bei mir und anderen Christen sich Gottes Liebe, Freude und Frieden so tief ins Herz einprägt, dass das alles auch im Alter nicht verloren geht.
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Psalm 1 – Zu seiner Zeit

Nachdem ich jetzt lange Zeit gebraucht habe, um Matthäus durchzulesen, möchte ich gerne wieder etwas alttestamentliches lesen: Die Psalmen. Im Studium wurde das häufig als „das Gebetbuch Israels“ bezeichnet. Und ich bin echt dankbar für dieses Gebetbuch. Denn da geht es nicht nur um theologische Richtigkeiten, sondern es begegnen uns Menschen mit ihren ganzen Fragen, Klagen und Zweifeln, aber auch mit ihrer Freude und ihrer Begeisterung für Gott. Von diesem Gebetbuch möchte ich gerne einiges für mich selbst lernen.

ObstbaumDer erste Psalm ist so etwas wie die Überschrift über den ganzen Psalter. Es werden hier zwei Wege gegenübergestellt: Der Weg des Gottlosen, der nach Überzeugung des weisheitlichen Psalmbeters früher oder später vergeht. Und der Weg des Gläubigen. Mir gefällt ganz besonders das Bild vom Baum. Wer Gott vertraut, der ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist. Er wird grünen und er wird seine Frucht bringen und zwar „zu seiner Zeit“. Die Frucht wird nicht immer da sein, es wird vielleicht auch mal ein Jahr mit weniger Frucht geben, es wird vielleicht mal einen heißen und dürren Sommer geben, und auch im Winter wird man garantiert nichts ernten können – aber der Baum steht am Wasser und „zu seiner Zeit“ wird er Frücht bringen.

Das gibt mir Gelassenheit. Wichtig ist, am Wasser zu bleiben. Die Frucht wird dann schon kommen. Auch wenn mir es manchmal nicht schnell genug geht ;).

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1. Korinther 7, 29-31 – Ein Apfelbäumchen

ApfelbäumchenMhm… bei diesem Text beschleichen mich ähnliche Gefühle, wie das letzte mal, als ich ihn gelesen habe (1. Korinther 7,17-40 – Der weltfremde Paulus). Haben als hätte man nicht, freuen als freute man sich nicht,… Das bekomme ich letztendlich gedanklich und gefühlsmäßig nicht auf die Reihe. Auch wenn Douglass wie immer auch hier scharf beobachtet und gut erklärt – ich finde auch bei ihm bleibt es letztendlich eine unaufgelöste Spannung.

Die Spannung besteht in dem Gegenüber von einem verantwortungsvollen und gelingendem Leben im hier und jetzt auf der einen Seite und auf der anderen Seite ein Leben mit einer gewissen Distanz und Gelassenheit gegenüber dieser vergänglichen Welt, weil wir wissen, dass das Beste noch kommt. In gewisser Weise wird für mich diese Spannung in dem berühmten Luther Zitat deutlich: „Auch wenn ich wüßte, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Auch wenn wir wissen, dass das Jetzige vergeht, sollen wir trotzdem das Jetzt intensiv leben und gestalten.

Problematisch bei Paulus finde ich, dass seine Worte diese Spannung eher in Richtung Zukunft auflösen wollen. Das Jetzige scheint kaum zu zählen, kaum wichtig zu sein, wir sollen so leben, als ob das Jetzt keine große Rolle mehr spielt. Wer ein Apfelbäumchen hat, der soll so leben, als hätte er keins. Aber dann kann ich’s ja auch gleich bleiben lassen: Warum soll ich ein Apfelbäumchen pflanzen, wenn ich sowieso so leben soll, als hätte ich keins? Da ist mir dann doch Luther lieber, da bleibt zwar die Spannung bestehen, aber so bekommt wenigstens sowohl das Jetzt wie auch das Morgen sein Gewicht.

Oder versteh ich Paulus da falsch?

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Foto: Wolfgang Jürgens / pixelio.de

Matthäus 16, 5-12 – Hahaha!

Hahaha! Köstlich, wie verpeilt die Jünger sind. Die Pharisäer wollens nicht kapieren (vgl. gestriges Post zu Mt.16,1-4) und die Jünger könnens anscheinend nicht kapieren – zumindest nicht so schnell. Jesus warnt sie vor dem Sauerteig der Pharisäer und meint damit ihre falsche Lehre, die das ganze Leben auf falsche Weise prägen kann. Aber die Jünger sind in Gedanken an einer ganz anderen Baustelle: Sie denken an ihren leeren Bauch und machen sich Sorgen, dass sie kein Brot haben. Dabei haben sie doch gerade eben erlebt, dass Jesus auch mit fast nichts Tausende satt machen kann (Mt.15,29-39).

Hahaha! So müssten wir ehrlicherweise auch oft über uns selbst lachen, weil wir es manchmal genau so wenig blicken, wie die Jünger damals. Ich glaube mit dem, worüber wir uns oft verzweifelt den Kopf zerbrechen oder worüber wir uns leidenschaftlich streiten, sind wir oft meilenweit von dem entfernt, was Jesus im Moment eigentlich wichtig ist. Das gute bei den Jüngern (im Gegensatz zu den Pharisäern) ist, dass sie Jesus verstehen wollen, dass sie nach seiner Erklärung kapieren, um was es geht.

Ich wünsch mir Mut, auch mal über mich selbst lachen zu können. Darüber wie bescheuert auch ich mich oft in Glaubensdingen verhalte und darüber, dass ich manchmal ’ne ewig lange Leitung hab, bis ich endlich kapiere, was Sache ist. Darüber, dass ich mir manchmal über die unwichtigsten Dinge den Kopf zerbreche und darüber dass ich manchmal meine ganz genau zu wissen, was Jesus meint – obwohl ich doch in Wirklichkeit total daneben liege…