1. Petrus 2, 11-17 – Kadavergehorsam?

„Seid untertan aller menschlichen Ordnungen um des Herrn willen es sei dem König als dem Obersten oder den Statthaltern…“ (V.13f) Das klingt doch sehr nach christlichem Kadavergehorsam. Als Christ soll man den Mächtigen gehorsam sein und ja nicht die bestehenden Ordnungen durcheinander bringen. Aber V.17 rückt dieses Missverständnis dann wieder zurecht: „Ehrt jedermann, habt die Brüder lieb, fürchtet Gott, ehrt den König.“ Sehr schön wird hier differenziert: Der König ist zu ehren – aber Gott zu fürchten. Das erinnert an Jesu Ausspruch: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“ (Mt.22,21)

Das heißt für mich: Im Zweifelsfall liegt meine Loyalität ganz klar bei Gott. Solange die menschlichen Ordnungen nichts fordern was dem Willen Gottes widerspricht, habe ich mich unterzuordnen. Wenn aber die Mächtigen sich gegen Gott stellen oder etwas verlangen, was ich mit meinem Glauben nicht vereinbaren kann, dann habe ich Gott mehr zu fürchten als alle menschlichen Ordnungen.Bibeltext

1. Petr. 1, 13-15 – Die Lenden der Gesinnung gürten

Wohl dem, der neben einer gut verständlichen modernen Übersetzung auch noch ab und zu in eine eher wörtliche Übersetzung schaut. Der Anfang von V.13 lautet in der Guten Nachricht: „Darum seid wach und haltet euch bereit!“ Das ist nicht schlecht übersetzt und trifft im Wesentlichen den Sinn des Textes. Aber es ist so glatt, dass man leicht darüber hinweg liest. Bei Luther bin ich über dieselbe Stelle gestolpert, hängengeblieben und ins Überlegen gekommen: „Darum umgürtet die Lenden eures Gemüts.“ Was für ein ungewöhnliches Bild! Petrus scheint es richtig darauf angelegt zu haben, dass man an dieser Stelle innehält und sich erst mal über die Formulierung wundert. Was soll das bedeuten, die Lenden des Gemüts zu gürten?

Für die damaligen Leser war diese Metapher besser zugänglich: Um zügig gehen zu können oder ungehindert arbeiten zu können, band man sich damals das knöchellange Gewand mit einem Gürtel an den Lenden hoch. So störte es beim gehen nicht so sehr. Das überträgt Petrus jetzt auf unser Gemüt. Hier müsste man vielleicht besser übersetzten: „Denkart“ oder „Gesinnung“. Das griechische Wort hat etwas mit unserem Denken und Verstand zu tun, mit der grundsätzlichen Ausrichtung unseres Denkens. Wir sollen also von unserer Gesinnung her wachsam sein und nicht träge werden. Wir sollen unser Denken ausrichten an der Gnade, die uns gebracht wird (hier übersetzt Luther zu schwach mit „angeboten“) in der Offenbarung Jesu Christi (auf diesem Hoffen auf die Gnade Christi liegt übrigens der Ton dieses Satzes: alle anderen Verben in 1,13 sind als Partizipien formuliert und damit dem Verb „hoffen“ untergeordnet). Mit wachem Verstand ganz auf die Gnade Christi hoffen!

Die Lenden der Gesinnung gürten – was nehm ich daraus für mich mit? Ich weiß, dass ich mich als Kind Gottes ganz in die Gnade und Liebe Gottes fallen lassen darf. Nicht ich muss mir was verdienen, sondern es wird mir alles von Gott geschenkt. Petrus macht aber in diesem Abschnitt deutlich, dass dies nicht heißt, dass wir müde und träge werden sollen. Auch wenn uns alles geschenkt ist, sollen wir mit unser Leben – angefangen bei unserem Denken und unserer Gesinnung – dieser geschenkten Gnade antworten. Es geht nicht um den seligen Schlaf eines laschen Wohlfühlchristentums, sondern es geht um gehorsame Kinder, die in ihrem ganzen Leben die Heiligkeit Gottes widerspiegeln wollen und die sich daher die Mühe machen die Lenden ihrer Gesinnung zu gürten.
Bibeltext

Psalm 50 – Was steht dahinter?

John WesleyHab mich in letzter Zeit ein wenig mit John Wesley, dem Begründer der methodistischen Bewegung, beschäftigt. Der Mann ist irgendwie echt krass. Wie jeder Mensch hat er seine Schwachpunkte und problematische Seiten. Nüchtern betrachtet war er wahrscheinlich ein Workaholic – ständig in Action. Das faszinierende an ihm, ist sein Hingabe und die Konsequenz, mit der er sein ganzes Leben versucht hat auf Christus auszurichten.

Bei diesem Psalm musste ich an ihn denken. In dem Psalm geht es darum, dass es Gott nicht auf die Opfer selbst ankommt, sondern auf das, was dahinter steht. Übertragen könnte man sagen: Es kommt Gott nicht auf irgendwelche kirchlichen Traditionen an (wobei die nicht an sich schlecht sind; V. 8: „Nicht deiner Opfer wegen klage ich dich an“), sondern auf das, was in den Traditionen deutlich werden soll. Manche Israeliten haben die Opfer missverstanden, so als ob der Mensch Gott mit Tieren „füttern“ muss, damit er zufrieden ist. Aber Gott kommt es auf den Dank an, der beim Menschen dahinter stehen sollte. Der andere Punkt in dem Psalm ist, dass wir nicht nur schön von Gott und seinen Geboten reden sollen, sondern dass wir konkret danach leben sollen.

Beide Anliegen finde ich auch bei John Wesley wieder: Es ging ihm nicht um äußerliche Traditionen, die waren ihm nicht so wichtig. Er hat da nicht viel Neues erfunden, sondern blieb von der Gottesdienstform her einfach beim anglikanischen Gottesdienst. Wichtig war ihm, dass mit diesen Traditionen und äußerlichen Formen auch tatsächlich Menschen erreicht und angesprochen wurden. Und wenn man dazu vor den Fabriken im Freien predigen musste, dann tat er das halt einfach (auch wenn das bis jetzt keine anerkannte kirchliche Tradition war). Zugleich war er in seinem Leben richtig besessen davon, dass wir nicht nur schöne Reden halten, sondern dass wir der Glaube sich im Leben auswirkt, dass wir konsequent und zielstrebig die Liebe zu Gott und zum Nächsten in unserem Leben umsetzen (auch und gerade dann, wenn wir uns eigentlich gar nicht so liebevoll fühlen).
Bibeltext
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Matthäus 6, 9-13 – Von der Freiheit des Bittens

Gäähn, das Vaterunser… So oft gehört und gebetet, dass man es auch ohne Nachdenken und im Halbschlaf hoch- und runterbeten kann. Vielleicht ist gerade das unser Problem und Missverständnis bei diesem Gebet. Klaus Douglass beobachtet sehr gut, dass Lukas uns eine etwas andere Version des Vaterunsers überliefert und er zieht daraus folgenden Schluss: „Die ersten Christen haben im Vaterunser offensichtlich nicht so sehr ein fertig formuliertes Gebet, sondern eine Anleitung zum eigenen Beten bzw. Bitten gesehen. ‚So sollt ihr beten‘ sagt Jesus – das heißt: auf diese Weise, in diese Richtung. Es heißt nicht unbedingt: mit diesen Worten.“ (S.237)

Sehr interessant dann auch der Hinweis auf Martin Luther, der das Vaterunser mehrmals täglich betete und sich manchmal dafür sehr lange Zeit nahm. Das heißt, dass er nicht einfach die Worte runtergebetet hat, sondern dass er auf Grundlage und durch Anregung des Vaterunsers mit eigenen Worten gebetet hat und seine eigenen Anliegen passend dazu formuliert hat.

Diese Gedanken gefallen mir sehr. Vielleicht ist es auch in anderen Bereichen so, dass wir biblische Aufforderungen zu engstirnig und ängstlich lesen. Um ja nichts falsch zu machen und um Jesus wörtlichen Gehorsam zu leisten, binden wir uns an den genauen Wortlaut des Vaterunsers, anstatt uns von ihm in die Freiheit des Bittens vor Gott führen zu lassen…

Matthäus 18, 6-9 – Buchstäblicher Gehorsam

Was nicht alles passieren könnte… 😉 :

Wir sind eine bibeltreue Gemeinde, die sich ganz und gar dem Gehorsam gegenüber Gottes Wort verschrieben hat. Wir nehmen die Bibel ernst und befolgen all ihre Anweisungen wortwörtlich, da wir nur so wirkliche Nachfolger Christi sein können.

Für unsere Gemeindearbeit suchen wir nun Blindenhunde und „ungläubige“ Hilfskräfte. Denn seit unser Pastor über Mt. 17,8f gepredigt hat, sind wir in unserer gemeindlichen Mitarbeit sehr eingeschränkt. Der Großteil der Mitarbeiter hat sich beide Hände abgehakt und die Augen ausgerissen. Um die Gemeinde erfolgreich und gehorsam weiter zu führen, brauchen wir nun dringend Blindenführer und vom Glauben abgefallene Menschen, die noch im Besitz ihrer Hände sind.

Bewerbungen bitte an: „Die wahre bibeltreue Christengemeinde“ in Himmelshausen, Kreuzweg 77

Matthäus 12, 46-50 – Familienkonflikt

Warum ist Jesus nicht einmal bereit, mit seiner Mutter und seinen Brüdern zu reden? Sie stehen vor der Tür und wollen zu ihm und Jesus sagt, dass seine eigentliche Familie all diejenigen sind, die Gottes Willen tun. Auch hier ist es hilfreich, sich die Parallelstelle bei Markus anzuschauen. Markus erwähnt nämlich ein paar Verse vorher, dass seine Familie über Jesus sagt, dass er von Sinnen sei. Ob sie das wirklich so meinten, oder ob sie ihn damit den Konflikt mit den Pharisäern entschärfen wollen bleibt ungesagt. Aber auf jeden Fall wird auf diesem Hintergrund die Reaktion Jesu verständlicher.

Zu Jesus gehört man nicht durch irgendwelche Äußerlichkeiten und sei es durch Blutsverwandtschaft, zu Jesus gehört man nur, wenn man den Willen Gottes tut. Kein Taufschein und keine Mitgliedsurkunde macht mich zum Kind Gottes, sondern allein mein Gehorsam dem Vater gegenüber.