Matthäus 22, 41-46 – Auf die andere Wange zurückschlagen

In diesem Kapitel bei Matthäus werden einige Situationen erzählt, in denen die damaligen Theologieprofessoren und Oberfromme Jesus durch hinterlistige Fragen in die Pfanne hauen wollten. Das hat zu ihrem Leidwesen nie so richtig funktioniert. Interessant an dem heutigen Abschnitt finde ich, dass Jesus nicht nur reagiert hat, sondern dass er auch agiert hat. Er dreht jetzt den Spieß um und stellt den Pharisäern eine knifflige theologische Frage. Und siehe da: keiner hat ’nen Plan, keiner kommt auf ’ne gescheite Antwort!

Wobei ich nicht ganz kapiere, was an der Frage Jesu so überaus kompliziert sein soll. Es ist doch klar, dass es hier um unterschiedliche Ebenen geht: Der Messias ist auf der rein menschlichen Ebene ein Sohn (d.h. ein Nachkomme) Davids, aber auf der geistlichen Ebene ist er natürlich sein Herr. Wo ist das Problem?

Egal! Was ich gut finde ist, dass hier deutlich wird, dass das mit der anderen Backe hinhalten nicht einfach blind auf alle Situationen übertragen werden kann. Wenn Jesus nur die andere Backe hingehalten hätte, dann hätte er nicht kontern dürfen und schon gar nicht die Pharisäer mit solch einer Gegenfrage lächerlich machen dürfen. Aber es gibt eben auch Situationen, wo es gut und richtig ist, auch (verbal) zurück zu schlagen und dem anderen mal ’ne ordentliche (verbale!!! 😉 ) Backpfeife zu verpassen! Auch als Christ muss ich nicht einfach alles nur dulden und alles nur ängstlich runterschlucken!

Matthäus 5, 38-42 – Jesus ist ungerecht

Wenn jemand geschlagen wird, dann ist es nicht gerecht, wenn er noch mehr geschlagen wird. Wir versuchen das unseren Kindern von klein auf einzutrichtern. Wenn du jemand verletzt hast, dann musst du dich entschuldigen (und nicht noch mal zuschlagen!). Und wenn du geschlagen wirst, dann musst du dem anderen zumindest sagen, dass er aufhören soll. Was Jesus hier verlangt ist (wie so vieles in der Bergpredigt) eigentlich absurd. Anstatt für ausgleichende Gerechtigkeit zu sorgen, soll man Ungerechtigkeit ohne Gegenwehr ertragen und dem Täter sogar noch Gutes tun. Wenn die Bankmanager dein kleines Vermögen vernichten, dann schieb ihnen auch noch den Rest deiner Kohle über den Tisch, damit sie ihr ohnehin schon üppiges Gehalt aufbessern können? Das kann doch nicht dein Ernst sein Jesus, oder?!?

Was ist Gerechtigkeit überhaupt? Ist es gerecht, wenn jeder das bekommt, was er verdient? Oder ist es eher gerecht, wenn alle gleich viel bekommen, egal was sie leisten? Rein menschlich gesehen ist das ganze Christentum ungerecht: Denn wir bekommen etwas, das eigentlich Jesus verdient hat und Jesus bekommt das, was wir verdient haben – das ist ungerecht. Zum Glück ist Gott in dieser Beziehung ungerecht. Die Frage ist, wie weit wir diesen „ungerechten“ Lebensstil wirklich konkret in unser Leben übertragen können.