Hebräer 2, 1-9 Getriebene

Die Formulierung in V.1 finde ich (in der Lutherübersetzung) sehr gelungen: „Darum sollen wir desto mehr achten auf das Wort, das wir hören, damit wir nicht am Ziel vorbeitreiben.“ Das war wohl schon für manche Christen damals eine Gefahr: dass sie sich treiben lassen, dass sie sich nicht fest und entschieden genug an der Botschaft Jesu Christi festgehalten haben, sondern sich von anderen Dingen, von der Strömung der Zeit und der eigenen Bequemlichkeit treiben ließen.

Ich empfinde mich selbst oft auch als Getriebener. Da gibt es so viele Dinge und Gegebenheiten, die nicht ich im Griff habe, sondern die mich im Griff haben. Es kostet so viel Kraft gegen den Strom zu schwimmen anstatt sich einfach treiben zu lassen.

Warum ist das im Glauben so schwierig? Der Hebräerbrief formuliert es so: Weil wir jetzt noch nicht sehen, dass Jesus Christus alles untertan ist (V.8b). Noch ist es verborgen, wer Jesus Christus wirklich ist. Noch ist es nicht für alle offensichtlich, auch für uns Christen oft nicht. Es ist einfacher, sich von den sichtbaren Dingen treiben zu lassen, als sich am Unsichtbaren festzuhalten…

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Lukas 23, 50-56 Ohne Josef, kein leeres Grab

Der Kreuzestod war nicht nur die grausamste Hinrichtungsart der Antike, sondern auch diejenige, welche einen Menschen am meisten entehrt hat. Im damaligen Gefühl war es noch wichtiger, einen ehrenhaften Tod zu haben als heute. Die Leichname der Gekreuzigten wurden dementsprechend normalerweise auf ganz und gar nicht respektvolle Weise entsorgt. Ab und zu machten die Römer eine Ausnahme und ein Toter durfte bestattet werden.

Es ist also keine Selbstverständlichkeit, das Josef von Arimathäa den Leichnam Jesu begräbt. Darüber hinaus war Mitglied des Hohen Rates, also des Gremiums, das Jesus unbedingt loswerden wollte. Er stieß mit seinem ehrenvollen Handeln gegenüber Jesus kaum auf große Gegenliebe im Hohen Rat. Und trotzdem hat er es gewagt. Er war ein guter und gerechter Mann.

Was wäre wohl gewesen, wenn die Römer den Leichnam Jesu einfach hätten verschwinden lassen? Was wäre gewesen, wenn sich Josef nicht für Jesu Grablegung eingesetzt hätte? Dann hätte es kein leeres Grab als bestätigenden Hinweis auf Jesu Auferstehung gegeben. Dann hätte man die Auferstehungsberichte noch leichter für erfunden halten können. Gut dass es einzelne Menschen, wie diesen Josef gegeben hat und gibt, die gegen den Strom schwimmen. Auch ein Einzelner kann einen Unterschied machen. Auch du!

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Lukas 23, 26-31 Weine nicht über mich!

Also gab es doch noch einige Fische, die gegen den Strom schwammen: Einige Frauen begleiten Jesus auf seinem Kreuzweg und klagen und beweinen ihn. Sie trauen sich, öffentlich ihre Zugehörigkeit zu Jesus zu zeigen – auch wenn die große Masse mit Gebrüll seinen Tod gefordert hatte.

Mich berührt an diesem Text dann diese Zurechteweisung Jesus: „Weint nicht über mich, sondern weint über euch selbst und über eure Kinder.“ (V.28) Ist das auch eine Zurechtweisung an mich und meinen Umgang mit Karfreitag? Wichtiger als Betroffenheit und Mitgefühl für den Tod Jesu zu zeigen ist es, seine eigene Sünde und Verlorenheit zu erkennen. Schlimm an Karfreitag ist nicht Jesu Tod – der war von Gott gewollt und Jesus ist diesen Weg bewusst gegangen. Schlimmer ist es, wenn wir an Karfreitag nicht unsere Erlösungsbedürftigkeit erkennen. Denn dann war dieser Tod umsonst. Weint nicht über Jesus, sondern über euch selbst.

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Lukas 23, 13-25 Schwimme doch gegen den Strom

„Sei ein lebend’ger Fisch, schwimme doch gegen den Strom!“ So heißt es in einem bekannten Kinderlied. Das singt sich so leicht und lebt sich doch so schwer. Die Masse steht da und will unbedingt Jesu Tod. Es bleibt rätselhaft, warum sich die Stimmung so schnell und so extrem wandelt. Noch vor wenigen Tagen hatte die Masse Jesu beim Einzug in Jerusalem begeistert mit „Hosianna!“ zugejubelt. Jetzt brüllen sie ihn in den Tod! Ja, die Masse ist ein launisches Wesen.

Mir fällt dazu so mancher „Shitstorm“ im Netz ein. Es geht so schnell, dass so manche coole Videos im Netz hochgejubelt werden. Und es geht so schnell, dass manche Personen im Netz runtergemacht werden. Wenn erst einmal ein paar laut genug brüllen, dann fällt die Masse schnell mit ein ins Gebrüll. Es ist ja immer auch angenehmer und sicherer bei der Mehrheit zu sein. Es ist so leicht mit dem Strom zu schwimmen. Das war schon immer so – aber im Netz geht das heute noch schneller, bequemer und anonymer.

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