Römer 5, 1-5: Kein Schönwetterglaube

Auf den ersten Blick ist es kaum nachvollziehbar, warum wir uns der Bedrängnisse rühmen sollen. Das klingt so negativ. Aber Rechtfertigung ist doch etwas Positives. Gott will uns doch befreien, er will und Frieden und Hoffnung schenken. Er will doch nicht, dass wir unter Bedrängnissen leiden! Offensichtlich geht Paulus aber davon aus – und hat es oft genug am eigenen Leib erlebt – dass gerade Christen in Bedrängnis geraten. Nicht trotz ihres Glaubens, sondern oft genug wegen ihres Glaubens. Für Paulus bricht damit der Glaube nicht zusammen, sondern im Gegenteil: er hat die Chance zu wachsen.

Paulus Antwort auf Bedrängnis ist nicht die schnelle Aufgabe, sondern die geduldige Ausdauer. Es geht ihm um ein ausdauerndes Dranbleiben am Glauben. Um ein Festhalten trotz Widerständen. Wenn wir in Not geraten, dann haben wir zwei Möglichkeiten: Die Not kann uns weg von Christus treiben, oder sie kann uns um so näher zu Christus hin treiben. Schönwetterglaube ist relativ einfach. Tiefer und fester wird der Glaube aber vor allem in Krisenzeiten. Wer in solchen Zeiten an Gott festhält und dann auch erfährt, dass er gehalten wird, der erfährt auf einer ganz anderen Ebene, dass sich Glaube bewährt. Der kann ganz neu auf Christus hoffen und vertrauen.

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Tomáš Halík: Geduld mit Gott

Halik: Geduld mit GottDer tschechische Psychotherapeut und Priester Tomáš Halík beschäftigt sich in diesem Buch mit atheistischer Kritik, Zweifel und Ablehnung des christlichen Glaubens. Er bedient sich als Analogie zu solchen Menschen der Geschichte von Zachäus. Zachäus war auch ein skeptischer Zeitgenosse, der kein Anhänger Jesu war, sondern sich Jesus aus sicherem Abstand und hinter den Feigenblätter seiner Zweifel anschauen wollte.

Seine Grundaussage ist folgende: „Glaube und Atheismus sind zwei Sichtweisen eben dieser Tatsache, der Verborgenheit Gottes, der Transzendenz, der Undurchdinglichkeit seines Geheimnisses.“ (S.72) Gott ist ein Geheimnis, er ist selbst in Jesus Christus noch quasi inkognito unterwegs, weil man auch die Selbstoffenbarung in Christus unterschiedlich deuten kann. Gott zeigt sich in unserer Welt nicht eindeutig und unzweifelhaft – sonst wäre ja auch kein Glaube nötig. Sowohl der leidenschaftliche Atheist als auch der leidenschaftlich Glaubende nehmen diese Abwesenheit Gottes wahr, ziehen allerdings unterschiedliche Schlüsse: der leidenschaftliche Atheismus ist letztendlich Glaube, dem die Geduld mit Gott fehlt, Glaube, der zu schnell aufgibt. Tomáš Halík: Geduld mit Gott weiterlesen

Lukas 9, 37-45 Angewiesen auf Jesu Geduld

„O du ungläubiges und verkehrtes Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein und euch erdulden?“ Diesen Ausruf Jesu konnte ich an dieser Stelle noch nie richtig verstehen. So geht es mir auch heute. Ist das ein Vorwurf? Ist das ein Ausdruck des Schmerzes? Wem gilt dieser Ausruf: den Jüngern, die den kranken Jungen nicht heilen können, dem Vater, der zu wenig Glauben hat, oder den in der Parallelstelle erwähnten Schriftgelehrten?  Warum zeigt sich gerade in dieser Situation der Unglaube und das Verkehrtsein eines ganzen Geschlechts? Ist es denn so verwerflich, dass ein Kranker nicht geheilt werden kann?

So gesehen gehöre ich auf jeden Fall auch zu diesem ungläubigen und verkehrten Geschlecht. Ich habe noch nie einen unreinen Geist ausgetrieben und einen Kranken gesund gemacht. Ich hab höchstens für Kranke gebetet und Gott hat manchen Heilung oder Besserung geschenkt. Auch mein Glaube ist oft viel zu klein. Auch ich muss sagen, wie der Vater des Kranken in der Parallelstelle: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (Mk.9,24) Und so bin auch ich heute, wie die Jünger damals, von der Geduld Jesu abhängig, mit der er unseren mangelnden Glauben erduldet.

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Galater 6, 6-10 säen und warten

Jesus hat in seinen Gleichnissen sehr oft vom säen, wachsen und ernten gesprochen. Auch Paulus bringt hier das Bild vom säen in seine theologischen Differenzierungen zwischen Geist und Fleisch ein: „Wer auf das Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten.“ (V.8) Wer seine Hoffnung auf Vergängliches, auf seine eigene Kraft setzt, der wird auch Vergängliches bekommen, wer aber auf ewiges baut, der wird auch ewiges bekommen.

Das faszinierende und oft auch schwierige bei diesen Vergleichen mit der Landwirtschaft ist ja die Zeitebene. Wenn man etwas sät, dann sieht man zunächst einmal gar nichts. Der Same ist weg, er liegt in der schmutzigen Erde und es geschieht zunächst einmal gar nichts. Man braucht Geduld. Viel Geduld. Irgendwann sieht man dann einen zarten, kleinen, empfindlichen Spross aus der Erde kommen. Und auch dann braucht man noch Geduld. Nur langsam wächst dieser Spross heran, wird größer und kräftiger. Und auch dann braucht man noch Geduld. Selbst dann ist noch keine Frucht da, sondern es dauert, bis die Pflanze ihre Frucht bringt.

Es ist gar nicht so leicht auf den Geist zu säen, denn man sieht zunächst oft gar nichts. Ich muss zugeben, dass ich so manches mal an Gott und dem Glauben zu verzweifeln drohe, weil so wenig zu sehen ist. Und vielleicht wird oft so mancher zarte Spross aus Unachtsamkeit platt getreten, oder er bekommt nicht genug Wasser, oder wird vom Unkraut erdrückt. Ich bin eigentlich ein sehr geduldiger Mensch, aber so manches mal wünsche ich mir doch, dass Gott das Geistliche schneller wachsen und kräftig werden lässt…

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Galater 2, 1-2 Geduld und Demut

Paulus berichtet weiter aus seinem Leben. Ins Auge gesprungen ist mir vor allem die Zeitangabe von vierzehn Jahren (V.1). Wir wissen über diese vierzehn Jahre nicht viel. Nach Gal. 1,21 hielt Paulus sich in Syrien und Zilizien auf. In Syrien gab es eine bekannte Gemeinde in Antiochien, Zilizien ist die Gegend von Paulus Heimatstadt Tarsus. Aus Apg. 11,25f wissen wir, dass Paulus von Barnabas nach Antiochien geholt wurde, offensichtlich um ihn dort zu unterstützen.

Selbst der große Paulus, der schon eine theologische Ausbildung (als Jude) hatte, der sich in der Heiligen Schrift auskannte wie kein anderer und der dann dieses große Berufungserlebnis hatte, bei dem ihm der Auferstandene begegnete, selbst dieser Paulus war damit nicht auf einen Schlag ein erfolgreicher und bekannter Missionar. Auch bei ihm hat es Jahre gedauert, bis er zu seinen bekannten Missionsreisen aufbrach. Auch er musste erst einmal Geduld haben und an der Seite von anderen (Barnabas) lernen.

Das beeindruckt mich, dass auch für die ganz Großen im Reich Gottes, Geduld und Demut wichtig sind. Es geht bei Gott nicht alles zack, zack. Da kann es schon mal passieren, dass 14 Jahre lang nichts außergewöhnliches geschieht…

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Exodus 36, 8-38 Gründlicher Gehorsam

Und noch einmal geht’s um die Stiftshütte… Das muss für manche ganz schön wichtig gewesen sein, sonst würde es nicht so oft und ausführlich in der Überlieferung auftauchen. Dieses mal wird berichtet, wie das Zelt genau nach den Vorgaben (Ex. 26) errichtet wurde.

Was mir aufgefallen ist: Es wird ausführlich wiederholt und aufgezählt, was vorher schon ausführlich aus Auftrag formuliert wurde. Einfacher wäre es gewesen zu schreiben: „Die Kunsthandwerker erstellten die Stiftshütte genau nach den Vorgaben (siehe oben).“ Hätte eine Menge Zeit und kostbares Schreibpapier gespart. Und es wäre inhaltlich dasselbe gewesen. Aber es war offensichtlich wichtig, diese genaue Ausführung auch noch einmal zu formulieren. Damit wird der Gehorsam betont: Wir halten uns genau an Gottes Wort. Es wird betont, dass dieser Gehorsam nicht schnell und oberflächlich ist, sondern gewissenhaft und gründlich.

Vielleicht würde es auch uns gut tun, nicht einfach zu sagen: „Ja, Herr, ich tue alles genau so wie du gesagt hast“, sondern Gottes Worte zu wiederholen und sie einzeln in unserem Leben durch zu buchstabieren. Vielleicht sind wir manchmal zu schnell und oberflächlich in unserem Gehorsam. Statt dessen sollten wir uns die Zeit nehmen, uns alles noch einmal Wort für Wort vor Augen zu führen und erst dann, Schritt für Schritt, an die Umsetzung zu gehen.

Exodus 32, 1-6 Wenn’s mal wieder länger dauert

Nach dem Höhenflug mit der endlosen Beschreibung des herrlichen und kunstvoll gestalteten Wüstenheiligtum kommt jetzt ein um so tieferer Fall. Die Zeit, die Mose auf dem Berg verbracht hat, hat sich wohl etwas in die Länge gezogen. Die Israeliten wurden unruhig und nervös. „Was ist mit Mose passiert? Wo bleibt er? Wie lange sollen wir noch warten?“ Und so haben sie beschlossen die Sache mit Gott selbst in die Hand zu nehmen: Sie haben sich ein goldenes Stierbild gemacht und haben kurzerhand diesen Stier als Gott angebetet, anstatt auf den unsichtbaren Gott zu vertrauen.

Unverständlich? Nicht nachvollziehbar? Naja, auch ich hab schon tolle Dinge mit Gott erlebt und trotzdem: Wenn’s mal wieder länger dauert oder wenn mir dieser unsichtbare Gott zu unbegreiflich wird, dann kratzt das auch an meinem Vertrauen. Ich mach mir dann kein Stierbild, aber mir werden vielleicht andere Dinge wichtiger als Gott.

Aber damals wie heute bleibt Gott sich treu. Er ist kein Gott, den wir nach unseren Wünschen und Zeitplänen zurecht biegen können. Er ist und bleibt anders, größer, herrlicher, heiliger als wir uns das vorstellen können. Und das ist ja auch gut so, denn sonst wäre er nicht Gott, sondern ein selbstgemachter Götze. Gerade als dieser unbegreiflich andere und unsichtbare Gott wirbt er immer wieder neu um unser Vertrauen – auch wenn’s mal wieder länger dauert.

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Exodus 5 Freiheit erkämpfen

Tja, dumm gelaufen… Mose und Aaron wollen beim Pharao erreichen, dass das Volk Israel in die Wüste gehen kann, um Gott ein Fest zu feiern – so zumindest die offizielle Version; inoffiziell wollen sie eine günstige Gelegenheit, um mit Sack und Pack aus Ägypten zu flüchten. Doch der Pharao geht gar nicht darauf ein, sondern reagiert mit Spott und Hohn. Mose und Aaron erreichen nur das Gegenteil: Die Bedrückung des Volkes wird noch härter. Anstatt der Freiheit näher zu kommen, ziehen sich die Fesseln der Gefangenschaft nur noch enger und erbarmungsloser zu.

Nun ist die Frage: Aufgeben oder weiter kämpfen? Klein bei geben oder weiter von der großen Freiheit träumen? Ich glaube manchmal ist das bei uns Christen heute ähnlich. Wer wirklich in Christus frei sein will, der wird auf Widerstand stoßen. Wer innerlich frei werden will von den Bindungen dieser Welt, der wird zunächst einmal kräftig auf die Nase fallen. Denn die ganzen Bindungen, in die wir uns verstrickt haben, die wollen uns nicht einfach so gehen lassen.

Der Weg in die Freiheit ist kein Spaziergang. Freiheit will erkämpft werden. Da braucht man Geduld, Ausdauer und Treue gegenüber Gott. Wo ich von irdischen Bindungen frei werden will, da muss ich mich um so enger an Gott binden. Und das ist nicht leicht, das kann schmerzvoll sein, das ist nicht der bequemste Weg. Einfacher ist es, alles beim Alten zu lassen.

Epheser 4, 1-5 Ein Leib, ein Geist, ein Stromzähler

Das Thema Einheit scheint ein Problem in Ephesus gewesen zu sein. Nachdem Paulus schon vorher die Einheit der Gemeinde aus Juden- und Heidenchristen angesprochen hat (2,11-22), betont er nun im zweiten Teil des Briefes (in welchem die praktischen Konsequenzen für das persönliche Leben der Christen aus den grundlegenden Überlegungen gezogen werden) als erstes die Einigkeit im Geist. Hauptstichworte sind hier die Liebe und der Frieden – aber keine rosarot romantisierte Liebe, sondern erkämpfte Liebe: Wir sollen einander in Demut, Sanftmut und Geduld ertragen.

Vor einiger Zeit hatten wir mit unserem ökumenischen Arbeitskreis einen Ausflug nach Biberach. Dort steht eine Simultankirche. D.h. eine Kirche, die von zwei unterschiedlichen Konfessionen genutzt wird: Sowohl die ev. als auch die kath. Kirche feiern ihre Gottesdienste darin. Nicht gleichzeitig und miteinander, sondern jeder zu bestimmten Zeiten in sorgfältiger Absprache. Man regelt dort ganz nüchtern und bis ins Detail das Zusammenleben in der gemeinsamen Kirche. Als ein besonders markantes Zeichen dieses friedlichen Nebeneinanders gibt es zwei verschiedene Stromzähler. Je nachdem welche Konfession gerade die Kirche nutzt, wird der ev. oder der kath. Stromzähler eingeschaltet.

Was bedeutet nun Einheit im Geist? Heißt das, dass wir Christen unbedingt wieder einen gemeinsamen Stromzähler brauchen? Brauchen wir eine gemeinsame Organisation, damit die Einheit auch nach außen hin sichtbar wird? Brauchen wir mehr als ein friedliches Nebeneinander? Ich glaube die Frage nach dem gemeinsamen Stromzähler geht am Kern vorbei. Unsere Aufmerksamkeit sollte nicht den verschiedenen Stromzählern gelten, sondern dem gemeinsamen Herrn. An dieser gemeinsamen Blickrichtung auf den einen Herrn wird jetzt schon etwas von der einen himmlischen Gemeinde sichtbar, auch wenn uns auf Erden noch so manches trennt. Und die trennenden Stromzähler müssen wir wohl oder übel in Demut, Sanftmut und Geduld ertragen.

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Jeremia 42 Warten auf Gottes Antwort

Aus Angst vor den Babyloniern will der kleine Rest, der in Israel zurückgeblieben ist, fliehen. Sie fürchten sich vor Bestrafung, weil der vom Babylonierkönig eingesetzte Statthalter getötet wurde. Sie glauben offensichtlich nicht daran, dass sie die Umstände dieses Todes erklären können und klar machen können, dass es nicht ihre Schuld war. Doch bevor sie sich aus dem Staub machen, fragen sie zur Sicherheit noch den Propheten Jeremia, was den Gott dazu meint.

Für die Juden ist das jetzt eine dringende Angelegenheit. Je schneller sie weg sind, desto geringer das Risiko, dass sie entdeckt werden. Aber Gottes Wort kommt nicht sofort auf Bestellung: „Und nach zehn Tagen geschah des Herrn Wort zu Jeremia.“ (V.7) Ich kann mir vorstellen, dass dies für die Wartenden zehn lange Tage waren… Gott lässt sich Zeit – auch bei dringenden Entscheidungen. Er antwortet, wenn wir ihn anrufen – aber seine Antwort lässt sich nicht herbeizwingen. Wir müssen manchmal länger darauf warten, als uns lieb ist.
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