Und bring mich ans Ziel

Immer wieder begegnen mir ältere Christen, die mich faszinieren und deren Glauben mich mit Freude und Dankbarkeit erfüllt (leider begegne ich auch vielen älteren Christen, die mich eher enttäuscht und frustriert machen…;) ). Gestern habe ich eine Frau besucht, die weit über 80 Jahre alt ist. Sie hatte kein einfaches Leben und so manche Schicksalsschläge einstecken müssen. Aber dennoch strahlt sie eine gewaltige innere Zufriedenheit aus. In diesem Wort Zufriedenheit steckt ja der Frieden, und diesen habe ich bei der Frau gespürt. Eigentlich wollte ja ich ihr etwas Gutes tun mit diesem Besuch – aber als ich zur Haustür rausging, hab ich mich selbst reich beschenkt gefühlt.

Diese Frau ist dankbar für ihr Leben, für alles was Gott ihr geschenkt hat (wobei sie auch immer noch den Schmerz fühlt, über das was Gott ihr genommen hat). Aber sie ist auch bereit zu gehen. So manche ältere Menschen, auch Christen, klammern sich mit einer krampfhaften Verzweiflung am Leben fest. Sie haben eine tiefe Angst vor dem was kommt. Diese Frau nicht. Sie hat sich mit ihrem eigenen Tod auseinander gesetzt und ist bereit dafür. Nicht dass sie Todessehnsucht hätte -aber sie freut sich auf die Gemeinschaft mit ihrem Herrn. Sie betet täglich: „Halte mich fest und bring mich ans Ziel.“
Wunderschön! Diese Zufriedenheit, auch wenn im Leben nicht alles so gelaufen ist, wie man es sich erträumt hat. Wunderschön! Diese zuversichtliche Geborgenheit in Gottes Händen. Wunderschön! Dieser göttliche Frieden, der sich in einem Menschenleben zeigt.

Psalm 68 – Den Einsamen nach Hause bringen

In diesem Psalm geht um den mächtigen und herrlichen Gott, den Wolkenreiter (so ursprünglich in V.5b), den König. Er ist stärker als alle anderen Götter, er vernichte alle gottlosen Feinde. Er ist heilig und erhaben und von allen Menschen zu loben und zu ehren.

Aber eine Formulierung, die in eine ganz andere Richtung geht, hat mich in diesem Psalm besonders angesprochen: „Ein Gott, der die Einsamen nach Hause bringt.“ (V.7) Inmitten all dieser kraftvollen und herrlichen Beschreibungen des königlichen Gottes leuchtet hier Gottes fürsorgliche und zärtliche Seite auf. Trotz, oder gerade in all seiner unbeschreiblichen Größe kümmert sich Gott um das kleine und verlorene.

Ich finde das eine wundervolle Formulierung: „den Einsamen nach Hause bringen“. Der Einsame, der verlassen ist, der allein ist, der niemand hat – ihn bringt Gott an den Ort, an dem er zu Hause sein kann, an dem er Frieden finden kann, an dem er Liebe und Geborgenheit finden kann. Schön!
Bibeltext

Psalm 57 – Unter dem Schatten deiner Flügel

„Unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht.“ (V.2) Bei diesem Bild hab ich immer an ein Huhn oder an einen Adler gedacht, die ihre Küken mit ihren Flügeln vor Hitze oder vor Feinden schützen (vgl. z.B. auch Mt. 23,37). Aber manche Exegeten verbinden dieses Bild auch mit den Flügeln der Cherubim, die im Allerheiligsten des Jerusalemer Tempels die Bundeslade bedecken (vgl. 1. Kön. 8,6-7).

Beides starke Bilder, die ich sehr tröstlich finde. Das eine betont mehr die Geborgenheit: Unter den starken Flügeln, ganz nah am flauschigen Bauch. Bei der anderen Deutung ist die Nähe der Gegenwart Gottes beeindruckend. Das Allerheiligste war nach damaliger Vorstellung der Platz von Gottes Gegenwart. Nirgendwo sonst kam Gott den Menschen in seiner Herrlichkeit so nahe. Selbst der höchste Priester durfte nur einmal im Jahr diesen Platz betreten. Und genau an diesem Platz dürfen wir Zuflucht und Schutz finden!
Bibeltext

Free Hugs

Tolle Aktion! Da stellt sich einer in die Fußgängerzone und bietet „Free Hugs“ an (jede deutsche Übersetzung klingt irgendwie seltsam: „kostenlose Umarmung“, „Umarmung für umsonst“, „gratis Umarmung“ … 😉 ):

So ähnlich stelle ich mir missionarisches Leben als Christ vor: Unaufdringlich, witzig, unverkrampft. „Ich steh hier, ich hab Zeit für dich und wenn du willst, tue ich dir was Gutes. Ich geb dir was von der Geborgenheit und Liebe weiter, die ich selbst bei Gott erfahren darf.“

Matthäus 23, 37-39 – Gott als Huhn

HuhnBin ja froh, dass Jesus selbst diesen Vergleich mit der Henne bringt: Gott möchte die Kinder Jerusalems versammeln, wie ein Henne ihre Kücken unter den Flügeln sammelt. Jemand anderes als Jesus könnte es sich nicht erlauben, Gott mit einem Huhn zu vergleichen.

Das Bild mit dem Schutzraum unter Gottes Flügeln gibt es schon im Alten Testament. Z.B. in Ps. 36,8: „Wie köstlich ist deine Güte, Gott, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!“ Oder Psalm 91,4: „Er wird dich mit seinen Fittichen decken, und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.“ Aber ich vermute mal, dass dabei nicht unbedingt an Hühner gedacht wurde, sondern eher an solch majestätische Tiere wie Adler (vgl. auch Deut. 32,11: „Wie ein Adler ausführt seine Jungen und über ihnen schwebt, so breitete er seine Fittiche aus und nahm ihn und trug ihn auf seinen Flügeln.“).

Bei diesem Vergleich mit dem Huhn wird neben dem Schutz, den Gott unter seinen Flügeln gewährt, für mich vor allem auch die Geborgenheit deutlich, die wir bei Gott finden dürfen. Unter den Flügeln, an der Unterseite des Leibes, da haben Vögel ihre weichen Flaumfedern, mit denen sie schon die Eier wärmen und ausbrüten. In diese Geborgenheit und Wärme darf ich immer wieder zurückkehren.

Das ganze erinnert mich auch an ein Post von Sabina, bei dem es um etwas anderes ging, bei dem aber auch die Geborgenheit und Wärme die wir in Gott finden können deutlich wird.

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Bildquelle: aboutpixel.de / Hühnerauge © Arnim Schindler

Psalm 139 – „Ach, wie schön!“

Für viele – auch für mich – ist Psalm 139 ein sehr schöner, tröstlicher und ermutigender Psalm. Es geht darum, dass Gott uns ganz genau kennt und durchschaut, er umgibt uns von allen Seiten und ist uns ganz nah. Wieder einmal sehr treffend beobachtet Douglass dazu, dass dieser Gedanke einem auch ziemlich Angst machen kann und dass dieser Gedanke auch schon oft missbraucht wurde, um Druck auf Menschen auszuüben („Der liebe Gott sieht alles! Darum pass auf, was du tust!“).

Die erste Reaktion des Beters ist deshalb nicht: „‚Ach wie schön!‘, sondern: ‚Wohin kann ich fliehen?'“ (S.330).  Das finde ich sehr treffend. Dieser allgegenwärtige und allwissende Gott kann einem ganz schön Angst machen. Vor anderen und oft auch vor mir selbst kann ich so manche Dinge verstecken bzw. verdrängen, aber vor Gott? Dem kann ich nichts vormachen. Dem kann ich nicht entkommen. Das wundervolle ist, dass Gott seine Macht nicht missbraucht um uns fertig zu machen, sondern im Gegenteil: um uns Geborgenheit zu schenken.

Sehr schön illustriert Douglass das durch das Bild von einem Kind im Mutterleib (das ja auch im Psalm selbst auftaucht). Auf solche Weise umgibt uns Gott. „Wir alle waren monatelang im Leib unserer Mutter von Wärme und Liebe umgeben und haben dort eine totale Geborgenheit erlebt, und das war für uns durch und durch positiv.“ (S.329) Also doch: „Ach, wie schön!“

Jesaja 31 – Solch einen Vogel hät ich auch gern!

Wie im vorigen Kapitel geht es auch in Jesaja 31 darum, dass nicht ein politisches Bündnis mit Ägypten das bedrohte Jerusalem redet, sondern der Herr. Hängen geblieben bin ich an V.5: „Und der HERR Zebaoth wird Jerusalem beschirmen, wie Vögel es tun mit ihren Flügeln, er wird schützen, erretten, schonen und befreien.“ Ein wundervolles Bild für Gott. Es ist immer wieder erstaunlich mit welchem Reichtum an Bildern und Vergleichen uns die Bibel etwas von Gottes Wesen deutlich macht. Ja, das möchte ich auch gerne: Unter SEINEN Flügeln Zuflucht finden. Den Abgründen und Feinden des Lebens nicht schutzlos ausgeliefert sein, sondern die Flügel des Allmächtigen über sich zu wissen.