Hebräer 13, 15-25 Betet füreinander

Neben aller Ermahnung und allen theologischen Ausführungen zum Hohepriestertum Jesu ist das wohl das Wichtigste: das Gebet. Der Schreiber bittet die Gemeinde: „Betet für uns“ (V.18) und er betet selbst für die Empfänger, dass Gott selbst sie befähigt „in allem Guten, zu tun seinen Willen“ (V.21). Alle gut gemeinte Ermahnung und all unsere menschlichen Bemühungen nützen doch nichts, wenn nicht Gott selbst in uns wirkt.

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Apostelgeschichte 12, 1-25 Gottes Hand hält uns

Petrus wird auf wunderbare Weise aus dem Gefängnis errettet. Die Gemeinde bittet intensiv und ausdauernd für ihn und Gott erhört dieses Gebet. Er greift ein und rettet Petrus aus der Hand des Feindes. Die Beter können es selbst kaum glauben als Petrus an der Tür klopft. Es erscheint ihnen plausibler, dass ein Engel vor der Tür steht, als dass tatsächlich Petrus aus dem Gefängnis frei kam. Was für ein Wunder!

Aber bei dem Text sind mir auch die ersten zwei Verse aufgefallen. Hier wird nur kurz und ohne ausführliche Beschreibung erzählt, wie einer der zwölf Apostel – Jakobus, der Bruder von Johannes – von Herodes Agrippa (dem Enkel des Herodes, welcher für den Tod von Jesus mitverantwortlich war) getötet wurde. Das ist aus unserer Sicht ganz und gar nicht wunderbar. Warum hat Gott hier nicht eingegriffen und Rettung geschenkt?

Dieses Gegenüber beschäftigt mich: Einerseits kann Gott auf wunderbare Weise eingreifen und vom Tod bewahren. Andererseits kann er es zulassen, dass seine Nachfolger um des Glaubens willen getötet werden. Wir haben als Christen keine Garantie dafür, dass alles glatt läuft. Wir dürfen mit all unseren Anliegen zu Gott kommen. Sicher wurde auch für Jakobus und für andere Märtyrer gebetet. Aber Gott kann auf unterschiedliche Weise auf Gebet antworten. Er kann unser Leben auf unterschiedliche Weise führen. Er kann uns aus der Hand des Feindes erretten. Es kann aber auch sein, dass wir als Nachfolger in der Hand des Feindes sterben. Was in beiden Fällen sicher ist: wir sind von einer noch stärkeren und größeren Hand gehalten.

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Apostelgeschichte 3, 1-10 Zeichenhafte Ausnahme oder Selbstverständlichkeit?

Im Wirken der Jünger setzt sich das Wirken Jesu selbst fort. Jesus hat Menschen geheilt, so wie es im Alten Testament für die Heilszeit angekündigt war. Jetzt heilt Petrus einen Gelähmten. Das geschieht sehr spontan, ohne große Vorbereitung und scheinbar problemlos. Was will uns dieser Text sagen? Ist es auch für uns heute so einfach und problemlos Menschen zu heilen? Oder war es ein einmaliges beispielhaftes Zeichen dafür, dass Jesus mit seinen Jüngern ist?

Von meiner Erfahrung her ist es auf jeden Fall nicht so selbstverständlich, dass Menschen Heilung finden. Auch in Pfingstgemeinden gibt es noch genügend kranke Menschen. Auch in unserer Gemeinde wird viel und oft für kranke Menschen gebetet. Manchmal dürfen wir erleben, dass Gott eingreift und hilft – aber auch nicht so spektakulär, dass ein Lahmer plötzlich gehen kann. Aber die Regel ist, dass wir gar nicht viel sehen. Es war damals wie heute ein besonderes Zeichen, wenn Menschen im Namen Jesu geheilt wurden. Letzten Endes müssen wir alle früher oder später sterben. Die Heilung des Todes ist keine Verhinderung des Todes, sondern seine Überwindung. Heilungen sind Zeichen dafür, dass Gottes Macht größer ist als Krankheit und Tod.

Und trotzdem wünsche ich mir so manches mal, dass ich so einfach zu Menschen, die an Leib oder Seele krank sind, sagen könnte: Im Namen Jesu Christi sei geheilt! Es gibt so viel Krankheit, Elend und Ungerechtigkeit in unserer Welt. Wir stehen oft hilflos davor und fragen uns, warum Gott nicht auf unsere Gebet hört.

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Kolosser 4, 7-18 Gebetsringen

Bei diesen Grüßen und Segenswünschen bin ich bei Epaphras hängen geblieben: Er ringt allezeit in seinen Gebeten für die Empfänger. Ich frage mich: Was bedeutet das konkret? Wie sah das damals aus bei Epaphras? Was hat er gebetet? Wie oft und wie lange? Was heißt es konkret, im Gebet um jemand zu ringen? Bräuchten wir auch heute mehr solche Christen, die im Gebet um andere ringen? Sind sie nicht wichtiger als die Macher und Gestalter?

Gibt es bei solch einem Ringen Siege und Niederlagen? Was sind Kennzeichen für einen Sieg oder eine Niederlage? Die Gefühle des Beters, sichtbare Erfolge? Oder kann man das Ergebnis des Gebetsringens letztendlich gar nicht messen und beurteilen? Wer ist der Gegner bei diesem Ringkampf? Gott? Der Teufel? Böse Mächte? Die Selbstsucht der Umbeteten? Widrige Umstände?

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Kolosser 4, 2-6 Eine offene Tür

Darum bitte ich Gott auch heute: dass er Türen bei  den Menschen öffnet für sich und sein Wort. Es ist so schwierig, dass sich Menschen für Gott öffnen. Es gibt so viele Dinge, die anscheinend wichtiger sind als Gott. Es gibt so viel Skepsis und noch viel mehr Gleichgültigkeit gegenüber Gott. War das immer schon so?

Offensichtlich mussten schon die ersten Christen darum beten, dass Gott Türen öffnet. Sie rannten mit ihrer Botschaft keine offene Türen ein, sondern stießen schon damals auf Skepsis und Ablehnung. Aber wir sehen auch, dass es heute in vielen anderen Teilen der Welt eine größere Offenheit gibt als hier bei uns in Deutschland. „Herr, wir brauchen dich! Öffne die Türen zu den Herzen der Menschen und gib uns die richtigen Worte.

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Lukas 24, 50-53 Deine segnenden Hände

Ja Herr, das brauchen wir: dass du deinen Hände erhebst und uns segnest. Du segnest uns mit den Händen, die am Kreuz durchbohrt wurden. Das brauchen wir mehr als all unsere eigenen guten Vorsätze oder als gute Wünsche. Wir brauchen deinen Segen. Ohne deinen Segen bleibt alles leere menschliche Religion. Wir brauchen deine Kraft, wir brauchen deinen Trost, wir brauchen deine heilenden Hände, wir brauchen deine Gegenwart, wir brauchen dich.

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Lukas 11, 5-13 Ich will ja nicht unverschähmt sein

Ich merke bei mir selbst, dass mir dieser Vergleich etwas seltsam vorkommt: Wir sollen Gott mit unseren Gebeten bedrängen. Wir sollen so beten wie wenn jemand seinen Freund um Mitternacht aus dem Bett schmeisst und unbedingt drei Brote von ihm haben will. Selbst wenn der Freund nicht will, so wird er doch wegen des „unverschämten Drängens“ aufstehen und die Bitte erhören. Das heisst also, dass wir auch zu Gott mit unseren Bitten mit „unverschämten Drängen“ kommen sollen und ein „Nein“ nicht akzeptieren sollen, sondern weiter an Gottes Tür klopfen sollen.

Ich will aber vor Gott gar nicht unverschämt sein. Ich will ihn nicht drängen. Ich will ihn nicht zu etwas überreden, was er gar nicht will. Er kennt mich doch durch und durch. Er weiss doch was ich brauche und er weiss besser als ich, was gut für mich ist. Jesus selbst sagt doch in der Bergpredigt, dass wir uns keine Sorgen um unser irdisches Wohlergehen machen soll, denn “ euer himmlischer Vater weiss, dass ihr all dessen bedürft.“ (Mt.6,32) Jesus selbst sagt doch, dass wir im Gebet „nicht viel plappern“ (Mt.6,7)  sollen und meinen wir werden erhört, wenn wir viele Worte machen.

Ja, das gilt alles und ist alles richtig. Aber das ist ja eigentlich ein grosses Wunder und Vorrecht, dass wir trotzdem auch mit „unverschämten Drängen“ zu Gott kommen dürfen. Wir dürfen unser Herz ausschütten und ihm sagen, was wir brauchen. Er wird schon wissen, wie er damit umzugehen hat…

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Lukas 11, 1-4 Ein Mustergebet

Das Vaterunser das Lukas hier überliefert unterscheidet sich vor allem im Umfang deutlich von der bekannteren Version bei Matthäus. Kritiker könnten nun sagen: „Ist ja klar! Das ist ja sowieso alles erfunden. Die Evangelien geben keinen historisch zuverlässigen Bericht über Jesus.“ Aber gerade die Unterschiede sprechen dafür, dass die Christen ihre Berichte eben nicht erfunden haben. Wenn alles erfunden wäre, dann hätte man doch darauf geachtet, dass die verschiedenen Berichte genau miteinander übereinstimmen. Berichte die im Wesentlichen übereinstimmen und nur kleinere Unterschiede aufweisen sprechen eher für eine historische Zuverlässigkeit. Es ist ja auch heute bei einem Geschehen noch schwierig, von verschiedenen Zeugen zu erfahren, was tatsächlich passiert ist. Das erleben Gerichte jeden Tag. Jeder Zeuge hat eine gefärbte Wahrnehmung der Wirklichkeit und berichtet über das Geschehen aus seinem Blickwinkel. So ist es auch bei den Evangelien.

Beim Vaterunser wird aber vielleicht auch etwas anderes deutlich. Bei solch einem wichtigen Gebet könnte man ja davon ausgehen, dass es sich die Jünger auf besondere Weise gemerkt haben. Wenn nun bei Matthäus und Lukas unterschiedliche Versionen auftauchen, dann könnte das auch darauf hinweisen, dass es von Anfang an nicht das eine, im Wortlaut genau festgelegte Gebet gab. Nein, dieses Gebet ist eine Art Mustergebet, das je nach Situation und Anlass auch verändert werden konnte. Jesus wollte seinen Jüngern ein Gebets-Gerüst an die Hand geben, das ihnen beispielhaft zeigt, wie sie beten können.

Ich finde es trotzdem gut, dass wir heute unser fest formuliertes „Vaterunser“ haben. Die feste Formulierung hilft uns, es gemeinsam zu beten. Denn wie es bei Matthäus deutlich wird, ist es ein Gebet, das wir Christen gemeinsam zu unserem Vater sprechen. Daneben können wir von diesem Gebet auch grundsätzlich lernen, wofür und wie wir beten sollten. Unser Gebet ist nicht auf diese eine Formulierung beschränkt, sondern darf und soll auch davon abweichen.

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Lukas 6, 12-16 Das erneuerte Gottesvolk

Ganz schön provozierend: Jesus wählt sich 12 Jünger für die engere Nachfolge aus. Da denkt natürlich damals jeder gleich an das von Gott auserwählte Volk, das aus 12 Brüdervölkern bestand. Da ist es durchaus verständlich, dass die Frommen damals mit diesem Jesus so ihre Schwierigkeiten hatten. Er nimmt für sich in Anspruch, das von Gott erwählte Volk zu erneuern. Was für eine Anmaßung!

Auf der anderen Seite: Was für eine Auszeichnung für die 12 Jünger! Jesus hat sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht: Er hat die ganze Nacht im Gebet verbracht! Er wollte sicher sein, dass er die Richtigen auswählt. Und als Nachfolger Jesu darf auch ich zu diesem neuen Gottesvolk mit dazu gehören. Wow!

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Richter 10 Schizophrene Gebete

Kommt mir irgendwie bekannt vor: Ein Großteil der deutschen Bevölkerung hat mit dem Gott der Bibel wenig am Hut. Man glaubt zwar schon irgendwie an etwas göttliches, es ist bei vielen eine gewisse religiöse Offenheit da – aber sich konkret auf den biblischen Gott oder eine verbindliche christliche Gemeinschaft einzulassen, das kommt für viele nicht in Frage.

Aber dann, wenn etwas Schreckliches passiert, schreien alle: „Gott, wo bist du? Wie konntest du nur so etwas zulassen?“ Das Richterbuch schreibt dazu passend: „Geht hin und schreit zu den Göttern, die ihr euch erwählt habt; lasst diese euch helfen zu der Zeit eurer Bedrängnis!“ (V.14) Wem im Alltag tausend andere Dinge wichtiger sind als Gott, der müsste konsequenterweise auch in der Not die Hilfe von tausend anderen Dingen erwarten und nicht von Gott…

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