Johannes 17, 1-16 Ewiges Leben

„Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.“ (V.3) Typisch für das Johannesevangelium wird hier das ewige Leben nicht als etwas gesehen, was erst in der fernen Zukunft oder nach dem Tod beginnt, sondern als etwas, das jetzt schon da ist. Ewiges Leben heißt: Gott und Jesus Christus erkennen – und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt schon. Somit beginnt auch jetzt schon das ewige Leben.

Nach biblischen Verständnis geht es beim Erkennen nicht nur um ein intellektuelles Verstehen, sondern um eine ganzheitliche Erkenntnis. Leib, Seele und Geist kommen dem Erkenntnisgegenstand nahe. Erkennen in diesem Sinn bedeutet dann, Gemeinschaft zu haben mit Gott, dem Vater und Jesus Christus, dem Sohn. Diese Gemeinschaft fängt nicht erst nach dem Tod an, sondern sie ist jetzt schon möglich. Darum beginnt das ewige Leben, das bleibende Leben in Gemeinschaft mit Gott auch nicht erst in der Zukunft, sondern schon jetzt.

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3. Johannes In der Wahrheit leben

Diese Formulierung ist mir bei dem Text heute besonders aufgefallen: In der Wahrheit leben (V.3 und 4). Johannes schreibt nicht „an die Wahrheit glauben“, sondern „in der Wahrheit leben“. Das ist ein wichtiger Unterschied. Wir modernen Menschen sind eher Menschen, die an eine Wahrheit glauben wollen, die etwas das sie überzeugt für wahr halten. Aber es geht um mehr. Es geht um ein „in der Wahrheit leben“, ein Durchdrungen werden des ganzen Lebens von der Wahrheit. Es geht um eine Wahrheit, die nicht nur mein Denken verändert, sondern die auch mein Fühlen und Handeln verändert.

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Exodus 28 Das predigende Gewand

Ausführlich wird in diesem Kapitel die Kleidung des Hohepriesters dargestellt. Ich finde das auf der einen Seite interessant, auf der anderen Seite bleibt es mir fremd. Einerseits ist es ein spannender Gedanke, dass hier die Bekleidung selbst zur Predigt wird. Der Hohepriester trägt die Namen der zwölf Stämme Israels auf seinen Schultern und auf seinem Herzen. Auf einem Stirnblatt steht „Heilig dem Herrn.“ Insgesamt macht das herrliche und kostbare Gewand deutlich, dass die Persönlichkeit des Priesters zurück tritt und der Auftrag des Priesters ihm selbst und anderen vor Augen geführt wird.

Als evangelischer Theologe bin ich dagegen doch sehr verkopft. Im evangelischen Bereich haben wir in den letzten Jahren gemerkt, dass auch Symbole, Riten und ganzheitlich gelebter Glaube wichtig sind – aber in der Praxis tun wir uns oft schwer damit. Unser Glaube ist oft sehr verkopft und abstrakt. Von da her bringt es mich zum Nachdenken, wie hier alleine mit der Kleidung gepredigt wird.

Andererseits stößt mich dieser Prunk und die besondere Kleidung für Würdenträger auch ab. Wenn ich das ganze Brimborium sehe, mit dem sich z.B. der Papst präsentiert, dann spricht mich das einfach nicht an. Für mich hat das dann wenig mit dem Geist Jesu Christi zu tun. Vielleicht liegt hier ein Unterschied zwischen diesem alttestamentlichen Text und einem Glauben, der sich zuerst an Jesus orientiert. Jesus ist für uns der eine Hohepriester – aber nicht weil er ein herrliches Gewand trug, sondern weil er sich selbst für uns geopfert hat. Jesus trug ganz normale Alltagskleidung, er war einer von uns. Er trug nur einen Lendenschurz am Kreuz und zeigte doch am Kreuz die Herrlichkeit Gottes. Wenn wir als Christen mit Symbolen und Kleidung predigen wollen, dann muss das anders aussehen als diese herrlichen Gewänder der alttestamentlichen Priester.

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Epheser 3, 18-21 Die ganze Gottesfülle

In V. 18 schreibt Paulus, dass es darum geht, zu „begreifen, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist“. Nun fragt man sich als Leser: die Breite, die Länge, die Höhe und die Tiefe von was? Geht es um die Dimensionen Gottes? Um die Dimensionen seiner Gnade? Um die Dimension von schlichtweg allem: der irdischen und himmlischen Welt? Sprachlich gesehen, kann man es auch auf das Objekt im folgenden Vers beziehen: die Liebe Christi. Die Neue Genfer Übersetzung tut das: „Das wird euch dazu befähigen, zusammen mit allen anderen, die zu Gottes heiligem Volk gehören, die Liebe Christi in allen ihren Dimensionen zu erfassen – in ihrer Breite, in ihrer Länge, in ihrer Höhe und in ihrer Tiefe.“

Das ist für mich ein sinnvolles Verständnis dieser zwei Verse. Es geht allein um das eine: zu erkennen, wie groß die Liebe Christi ist. Dabei muss man im Ohr haben, dass Erkenntnis in der Bibel immer mehr meint als das logische Verstehen und das Wissen. Es geht um ein ganzheitliches Erkennen, um erfahren, um erleben. Es geht darum, mit Leib, Seele und Verstand zu erleben, zu erfahren, zu wissen, wie sehr Christus uns liebt. Und zwar nicht nur abstrakt jeden Menschen, sondern dich ganz persönlich. Wer diese großartige Liebe bis in alle Poren seiner Existenz erspürt, bis in Mark und Bein, bis in die tiefsten Winkel seines Herzens, der wird erfüllt „mit der ganzen Gottesfülle“ (V.19).

Dabei glaube ich, dass dieses Erfülltsein mit der ganzen Gottesfülle nicht noch etwas zusätzliches ist, etwas das zu der Erkenntnis der Liebe Christi dazu kommt. Es nicht ein Mehr, ein weiterer Schritt auf meinem geistlichen Leben, ein mehr an Erkenntnis oder Kraft. Es ist nicht eine Art Belohnung für diejenigen, die die Liebe Christi in ihrer ganzen Größe erkannt haben, sondern das ganze ist ein Geschehen: Wer die alles umfassende Dimension der Liebe Christi mit seinem ganzen Sein und Denken erfasst hat, der ist gerade darin erfüllt mit der ganzen Gottesfülle.

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Ulrich Giesekus: Glaub‘ dich nicht krank

Heute mal ein Hinweis auf ein hilfreiches kleines Büchlein von einem Christen und ausgebildeten Psychologen. Ich hab den Autor, Ulrich Giesekus, vor einiger Zeit auf einer Tagung live erleben dürfen und fand ihn von seiner Art her sehr interessant. Er ist auf der einen Seite sehr differenziert und ausgewogen, aber zugleich auch sehr kraftvoll und deutlich. Manchmal führt die Ausgewogenheit ja auch zur Langeweile, weil alles auf ein uninteressantes Maß glatt gebügelt wird. Bei Giesekus ist das nicht so, er bleibt trotz differenzierter Sichtweise auch herausfordernd und inspirierend. Das gilt auch für das Buch „Glaub‘ dich nicht krank“.

Das Buch besteht aus drei Teilen: I. Gesund sein an Leib, Seele und Geist; II. Krank machende Normen; III. Gesunder Glaube im Alltag. Im ersten Teil beschreibt der Autor aus welcher Perspektive er schreibt (nämlich als Christ und Psychologe) und er betont, dass es auch für Christen wichtig ist, sich selbst ganzheitlich wahrzunehmen. Auch als Christ sollte man sich nicht nur um seine geistliche Gesundheit kümmern, sondern auch um die körperliche und psychische. Im zweiten Teil geht es um falsch verstandene christliche Normen, die dann wirklich auch krank machen können. Im dritten Teil wird aufgezeigt, wie biblische Aussagen zu einem gesunden und heilvollen Leben führen können (z.B. der Umgang mit Schuld und Vergebung).

Wie gesagt: Mir gefällt seine differenzierte Sichtweise. Immer wieder macht er deutlich, dass nicht alles, was biblisch klingt auch wirklich so ist. Immer wieder zeigt er Spannungen auf, die uns krank machen können. Aber zugleich macht er klar: Nicht der Glaube an sich macht krank, sondern wenn er falsch verstanden und gelebt wird. Natürlich können auch Christen psychisch krank werden. Und oft kann ein falsch verstandener Glaube sich hier verstärkend auswirken. Aber genau so gilt, dass statistisch gesehen die Christen psychisch und körperlich gesünder sind als der Durchschnitt der Bevölkerung.

Zum Schluss noch ein Beispiel für seine trotz aller psychologisch-wissenschaftlichen Ausgewogenheit doch provozierende Art zu schreiben: „Auch wenn es vielen Leuten nicht passt: Es ist nicht die Hauptsache geistlichen Lebens, zu möglichst vielen spürbaren spirituellen Höhenflügen zu kommen – so sehr wir uns das auch wünschen mögen. In erster Linie geht es beim Glauben nicht um unsere subjektive Befindlichkeit, sondern um Erlösung, nicht um Heilung, sondern um Heil.“ (S.46)

Matthäus 15, 29-39 – Gab es zwei Speisungen?

BrotNochmal erzählt Matthäus zusammenfassend von Krankenheilungen und er erzählt auch nochmal von einer Speisung (dieses mal nicht 5000, sondern 4000). Die eher liberalen Theologen gehen davon aus, dass diese zweite Erzählung einer Speisung eine Dublette ist, dass also eine zweite Erzähltradtion des einen Geschehens weitergegeben wird. Eher konservative Ausleger betonen natürlich vehement, dass es zwei Speisungen gegeben hat. Als Argumente werden die deutlichen Unterschiede der beiden Erzählungen angeführt.

Wenn’s tatsächlich zweimal passiert ist, finde ich allerdings die ahnungslose Frage der Jünger komisch: Woher sollen wir Brot nehmen? Die haben doch schon mal dieselbe Situation erlebt, warum kommt da nicht einmal der Gedanke, dass Jesus ähnliches tun könnte? Andererseits geht’s mir selbst ja auch manchmal so, dass ich tolle Dinge mit Gott erlebt habe und wenn ich dann in ähnlicher Situation bin, meine vorherigen Erlebnisse so unrealistisch und so weit weg erscheinen und ich gar nicht damit rechne, dass Gott auf ähnliche Weise eingreifen könnte.

Wie auch immer: Mir ist es letztlich egal, wie oft das passiert ist. Und auch den Evangelisten scheint das nicht so wichtig gewesen zu sein: Markus und Matthäus berichten von zwei Speisungen. Lukas und Johannes nur von einer… Wie so oft, kann man leicht an solchen Äußerlichkeiten hängenbleiben und darüber diskutieren und streiten: Waren es jetzt eine oder zwei Speisungen. Die einen können den anderen ein unbiblisches Schriftverständnis vorwerfen und die anderen können entgegnen, dass man den Verstand beim Bibellesen nicht ausschalten soll. Und beide stehen dann in der Gefahr mehr Zeit mit Argumentieren zu verbringen, anstatt den Inhalt des Bibeltextes zu hören.

Viel interessanter ist für mich in dem Abschnitt, dass Jesus sich wieder mal nicht nur um die geistliche Not der Menschen kümmert, sondern auch um die leibliche Not: Er macht gesund und er macht satt. Besonders schön finde ich die Bemerkung, dass Jesus die Leute sieht und er sagt: „Das Volk jammert mich.“ Er leidet mit ihrem Hunger und er stillt ihn dann – nicht nur auf geistliche Weise, sondern ganz handgreiflich!

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Foto: wiw / pixelio.de

Matthäus 10, 1-15 – Missionsbefehl

Beim Stichwort Missionsbefehl denke ich normalerweise an Matthäus 28: „Geheht hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufets sie… lehret sie….“ Aber auch hier in Matthäus 10 findet sich ein Missionsbefehl: „Geht aber und predigt… macht Kranke gesund, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt böse Geister aus.“ Bei Matthäus 28 wird ja immer betont, dass das für alle Jünger zu allen Zeiten gilt. Jeder soll ein Missionar sein und andere in die Nachfolge führen. Hier bei Matthäus 10 ist mein erster Gedanke: Das ist ja eine einmalige Aktion damals, die nur die zwölf Jünger damals betrifft. Ich? Hingehen und Kranke heilen, Tote auferwecken, böse Geister austreiben? Neeee! Das ist mir eine Nummer zu groß! Predigen, was von Jesus erzählen, andere meinen Glauben bezeugen – das ist ja schon schwer genug!

Man kann argumentieren: Mt. 28 ist der Abschluss des Evangeliums. Nach Kreuz und Auferstehung gibt Jesus hier seinen Jüngern das Wichtigste und Zentralste mit auf den Weg. Deshalb ist Mt. 28 zentraler als Mt. 10. Aber meine instinktive Abwerhhaltung gegen Mt. 10 macht mich auch nachdenklich: Gilt das wirklich nur für die 12 Jünger damals, in dieser bestimmten Situation? Was die Sache schwierg macht ist ja: Den Auftrag von Mt. 28 kann ich eher aus eigenen Kräften befolgen. Predigen und taufen – das geht zur Not auch ohne göttliche Kraftausstattung. Aber heilen und Tote auferwecken – da brauch ich ganz sicher Gottes Wirken. Ich frage mich: Wie kann diese ganzheitliche Dimension der Mission auch heute wieder mehr Wirklichkeit werden? Fehlt es am Mut? Am Vertrauen? An der Bevollmächtigung? Oder sind heute einfach andere Dinge wichtig? Hat Jesus selbst gemerkt, dass er mit Wundern und Heilungen letztendlich nur wenige dauerhaft für seine Sache gewinnt? Ich weiß nicht…

2. Korinther 8 – Sie wollen nur das eine

Jetzt geht’s ans Eingemachte! An den Geldbeutel! So manche kritische Leute würden sagen: „Hab ich doch gleich gewusst! In der Kirche geht’s doch letztendlich auch nur um mein Geld. Früher oder später wollen sie doch alle nur das eine: meine Knete!“ Das war offensichtlich damals bei Paulus schon so. Aber wenn wir die Paulusbriefe lesen, dann stellen wir fest: Das ist nur ein Thema von vielen. Es geht nicht dauernd und nicht voranging ums Geld. Aber es geht eben auch ums Geld. Denn Glaube ist eine ganzheitliche Sache. Das hört beim Geldbeutel nicht auf, sondern schließt ihn mit ein.

Paulus möchte, dass die Korinther Geld spenden für die verarmte Gemeinde in Jerusalem. Ich finde es erstaunlich, wie fordernd er dieses Anliegen vorbringt: Zweimal bringt er das Geldgeben direkt mit der Liebe zusammen (V.8, V.24). Je mehr die Korinther geben, desto mehr beweisen sie ihre Liebe. Das ist ja schon Erpressung: Wenn ihr wirklich Christen seid und andere liebt, dann müsst ihr auch was geben. Außerdem stellt er die Gemeinden aus Mazedonien als Vorbild hin, die „über ihre Kräfte“ (V.2) gegeben haben. Wir sind da heute sehr viel vorsichtiger… Aber zugleich betont Paulus auch, dass es nicht darum geht so viel zu geben, dass man selbst Not leidet. Es geht um einen Ausgleich (V.13-14). Der Überfluss der einen soll dem Mangel der anderen helfen.