1. Thessalonicher 5, 12-28 Überfordernde Aufforderungen?

Eine ganze Liste von Aufforderungen begegnen uns am Schluss dieses Briefes. Meint Paulus wirklich, dass eine kurze Aufforderung reicht, um Menschen wirklich zu verändern? Kann das wirklich funktionieren, dass er z.B. die Leser auffordert: „Seid allezeit fröhlich.“ (V.16) und wir sagen: „Ach so, Gott will dass ich fröhlich bin. Kein Problem. Dann bin ich von jetzt an allezeit fröhlich…“

Natürlich weiß Paulus ganz genau, dass es nicht so einfach ist. Es handelt sich hier nicht um einfache Aufforderungen, die man schnell mal umsetzen und abhaken kann. Nein, es sind eher Erinnerungen an wichtige Verhaltensweisen, bei denen wir ein ganzes Leben lang beschäftigt sind, sie einzuüben. Paulus weiß auch ganz genau, dass wir das alles nicht aus eigener Kraft tun können. Wir brauchen mehr als alles andere den „Gott des Friedens“, der uns durch und durch heiligt und bewahrt (V.23). Aus eigener Kraft kommen wir da nicht weit. Nicht einmal Paulus selbst. Auch er hat es nötig, dass andere für ihn beten (V.25).

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Hebräer 13, 15-25 Betet füreinander

Neben aller Ermahnung und allen theologischen Ausführungen zum Hohepriestertum Jesu ist das wohl das Wichtigste: das Gebet. Der Schreiber bittet die Gemeinde: „Betet für uns“ (V.18) und er betet selbst für die Empfänger, dass Gott selbst sie befähigt „in allem Guten, zu tun seinen Willen“ (V.21). Alle gut gemeinte Ermahnung und all unsere menschlichen Bemühungen nützen doch nichts, wenn nicht Gott selbst in uns wirkt.

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1. Johannes 5, 14-21 Sünde zum Tod

Was für eine seltsame Stelle! Johannes unterscheidet hier zwischen zwei verschiedenen Arten von Sünde: es sagt, dass es eine Sünde gibt, die nicht zum Tod führt und eine Sünde, die zum Tod führt. „Es gibt aber eine Sünde zum Tode; bei der sage ich nicht, dass jemand bitten soll.“ (V.16) Der Zusammenhang ist die Fürbitte für den „Bruder“ (V.16), also für Christen. Was die Stelle so schwierig macht ist, dass Johannes hier gar nicht erklärt, was die Sünde zum Tod ist, sondern dass es ihm um die Frage der Fürbitte geht.

Das eröffnet natürlich jede Menge Raum für Spekulation und für die unterschiedlichsten Erklärungsversuche. Ehrlich gesagt: bei den verschiedenen Erklärungsversuchen tun sich für mich mehr Fragen auf als Antworten. Je nachdem von welchem Zusammenhang her man diese Stelle anschaut, ergeben sich die unterschiedlichsten Meinungen. Mich überzeugt kein Erklärungsversuch wirklich. Geht es um den irdischen Tod oder um den endgültigen Tod? Geht es um die falschen Propheten, welche die Adressaten des Briefes verwirren (und die in 2,22 als Antichristen bezeichnet werden) oder geht es allgemein um Christen? Hat die Sünde zum Tod etwas zu tun mit der Sünde gegen den Heiligen Geist (Mk.3,29) oder nicht? Hat die Sünde zum Tod etwas zu tun mit der Sünde des bewussten Glaubensabfalls, um die es in Hebr.6,4-8 geht? Könnte damit das gemeint sein, was Ananias und Sapphira geschehen ist, die vor der Gemeinde geheuchelt haben und daraufhin von Gott mit dem sofortigen Tod bestraft wurden? Soll man diese Stelle mit 1. Kor. 5,5 in Verbindung bringen, wo es um jemanden geht, der eine besonders schwere Sünde getan hat und der damit sein irdisches Leben eingebüßt hat, aber mit dem Ziel „damit der Geist gerettet werde am Tage des Herrn“? Also eine besonders schwere Züchtigung, um den Menschen dann doch letztendlich zu retten? Geht es um eine ganz bestimmte Sünde oder kann es prinzipiell jede Sünde sein und es kommt auf die Umstände an?

Ich verstehe nicht, warum Johannes das hier nicht näher erläutert. Aber ich weiß, dass es genügend Beispiele in der Bibel gibt, bei denen Gott selbst die schlimmsten Sünden vergibt. Mose hat einen Menschen getötet und doch benutzt Gott ihn, um sein Volk in die Freiheit zu führen. David hat Ehebruch begangen, dann auch noch den betrogenen Ehemann um die Ecke gebracht und doch hat Gott ihn nicht verworfen. Petrus hat Jesus feige verleugnet, hat gesagt, dass er ihn nicht einmal kennt und doch hat Jesus ihm vergeben. Die Römer haben den Sohn Gottes ans Kreuz genagelt und doch bittet Jesus für sie um Vergebung (Lk. 23,34). Paulus hat die Gemeinde auf fanatische Weise bis aufs Blut verfolgt und wollte sie vernichten und doch darf er umkehren und wird zum größten Missionar der Urchristenheit.

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2. Timotheus 1, 1-5 Ich denk an dich!

Für mich wieder mal eine notwendige Erinnerung an die Bedeutung des Gebets. Paulus schreibt, dass er ohne Unterlass im Gebet an Timotheus denkt, Tag und Nacht (V.3). Klar, das wissen wir alle: Gebet ist wichtig. Das sagen wir auch immer wieder. Aber wer lebt wirklich danach?

Selbst wenn man nicht an Gott glauben würde, dann wäre es doch schon etwas Besonderes und Tröstliches, wenn man wüsste, dass es da jemand gibt, dem man wichtig ist, der an einen denkt. Nicht nur ab und zu, sondern ständig und ausdauernd. Wie viel mehr Kraft steckt dann erst im Gebet, wenn wir darauf vertrauen, dass diese Gebete vom Schöpfer und Herr dieser Welt gehört werden!

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Jeremia 7, 16 – 8, 3 Wird man nur aus Fehlern schlau?

Krass! Nicht mal beten soll Jeremia für sein Volk: „Du sollst für dies Volk nicht bitten und sollst für sie weder Klage noch Gebet vorbringen, sie auch nicht vertreten vor mir; denn ich will dich nicht hören.“ (V.16) Dabei war das eigentlich eine der zentralen Aufgaben der alttestamentlichen Propheten: Fürbittend für das Volk vor Gott einzustehen. So bittet z.B. Mose, nachdem das Volk um das goldene Kalb getanzt ist – und Gott erhört ihn! (Ex. 32,11-14) Jeremia dagegen soll es nicht mal versuchen!

Mich erschüttert das bei Jeremia immer wieder, wie machtlos Jeremia ist. Und nicht nur Jeremia. Warum kann der allmächtige Gott, der Himmel und Erde durch sein Wort geschaffen hat, nicht dafür sorgen, dass sein auserwähltes Volk umkehrt? Warum kann er ihnen nicht wenigstens die Einsicht schenken, dass Umkehr nötig ist?

Lässt er sie in den Abgrund rennen, damit sie wirklich kapieren, wie sehr sie auf Gott angewiesen sind? Nach dem Motto: nur aus Fehlern lernt man? Warum schenkt er ihnen nicht gleich ein neues Herz und einen neuen Sinn? In Jer. 31,31-34 wird eine Zeit angekündigt, in der Gott sein Gesetz in die Herzen und Sinne seines Volkes schreibt und in der alle Gott erkennen werden. Warum nicht gleich so?
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