Römer 7, 1-6: Dem Gesetz gestorben

Paulus liebt zugespitzte Formulierungen und Gegenüberstellungen. Er ist nicht nur in seinem Leben radikal in seiner Hingabe an Jesus, sondern auch in seinem Denken. Wenn man will, kann man seine Worte leicht verdrehen, indem man sie aus dem Kontext reist oder sie einfach etwas umdeutet. Dem Gesetz gestorben könnte ja auch bedeuten, dass wir als Christen völlig frei sind von allen Forderungen Gottes. Wenn wir frei von Gottes Geboten sind, dann haben sie keine Geltung mehr für uns und wir müssen uns nicht an ihnen ausrichten.

Dem Gesetz gestorben bedeutet für Paulus aber nicht nicht, dass wir nicht nach dem Willen Gottes fragen. Im Gegenteil, wer frei vom Gesetz des Buchstaben ist, der kann in ganz neuer Weise im Geist nach dem Willen Gottes fragen. Das Ziel ist nicht die Gesetzlosigkeit und die Beliebigkeit, sondern das Ziel ist nach wie vor, dass „wir Gott Frucht bringen“ (V.4). Aber eben nicht mehr in einem Buchstabengehorsam, sondern im „Wesen des Geistes“ (V.6).

Das lässt sich theologisch leicht so schreiben. Meine grosse Schwierigkeit ist, wie das dann in der Praxis aussieht. Da ist es eben nicht immer so einfach und offensichtlich. Da ist es oft bequemer sich an einige klare christliche Regeln zu halten, als immer wieder neu zu fragen, was denn der Wille Gottes ist. Vor allem dann, wenn es in konkreten Fragen unterschiedliche Meinungen gibt, was denn der Wille Gottes ist.

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Johannes 15, 9-17 Solch eine große Liebe

Rechnet Jesus wirklich damit, dass wir das können? Dass wir einander lieben können, so wie Jesus uns geliebt hat (V.12)? V.13 macht deutlich, wie groß und tief diese Liebe ist: „Niemand hat größere Liebe, als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.“ Können wir solch eine gr0ße und selbstlose Liebe haben, wie sie Jesus am Kreuz gezeigt hat? Für Jesus scheint solch eine Liebe die Voraussetzung zu sein, um sein Freund zu sein (V.14). Meint er das wirklich ernst? Oder will er uns einfach nur unsere Unfähigkeit vor Augen führen?

Vielleicht beides ein bisschen: Dieser Text zeigt uns unser Unvermögen. Solch eine Liebe können wir nicht aus uns selbst heraus produzieren. Die muss uns geschenkt werden. Zugleich rechnet Jesus damit, dass Gott uns solch eine Liebe auch wirklich schenken kann. Nicht wir können diese Frucht hervorbringen, sondern Jesus hat uns dazu erwählt und bestimmt, dass wir Frucht bringen. Voraussetzung und Startpunkt ist die Liebe Jesu (V.9) und seine Erwählung. Anders geht es nicht.

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Johannes 15, 1-8 Wenn…, dann…

Kann man aus diesen Versen einen einfachen Tun-Ergehen-Zusammenhang ableiten? Wenn du in Jesus bleibst, dann bringst du Frucht – und wenn du keine Frucht bringst, dann heißt das im Rückschluss, dass du nicht in Jesus bist? Du musst nur genug Glauben haben, dann wird Gott dich segnen und dir alles schenken, was du willst – und wenn du nicht alles bekommst, dann ist ein Zeichen für fehlenden Glauben? In vielen Ländern dieser Welt wächst das Christentum, es kommen Menschen zum Glauben, die Gemeinden wachsen. In Deutschland werden wir weniger, es gibt nur wenige geistliches Aufbrüche, es scheint wenig Frucht zu geben. Liegt das einfach daran, dass wir zu wenig glauben? Sind wir selbst Schuld daran, dass unsere Gemeinden schrumpfen? Ist das Gottes gerechte Strafe dafür, dass wir nicht eng genug an Jesus bleiben?

So einfach ist es nicht. Immer wieder in der Bibel taucht dieser Tun-Ergehen-Zusammenhang auf. Vertraue auf Gott und er wird dich segnen (wobei die Bibel den Menschen nicht in dieser individualistischen Zuspitzung sieht, wie wir uns heute verstehen). Das geschieht in vielen Fällen auch so. Aber schon im Alten Testament haben die Gläubigen festgestellt, dass das nicht immer so einfach funktioniert. Schon so manche Psalmisten haben sich gefragt: Warum geht es dem Gottlosen so gut? Das Hiobbuch z.B. ist eine ausführliche Auseinandersetzung damit, dass diese Gleichung nicht immer so einfach aufgeht.

Trotz dieser Anfragen und dem Wissen, dass Glaube nicht immer automatisch zu Lebensglück und Segen führt, gibt Jesus uns diese Verheißung. Es bleibt die grundsätzliche Wahrheit der Bibel: Bleibe in Gott, dann bleibt er auch in dir. Jesus verheißt an dieser Stelle ja auch nicht jedem Gläubigen die Erfüllung aller seiner Wünsche und das Erreichen des ganz persönlichen Lebensglücks. Er verheißt Frucht. Die sieht vielleicht manchmal anders aus als wir uns das vorstellen. Und er sagt auch nicht, dass wir aus der vermeintlich fehlenden Frucht, den Glauben eines Menschen ablesen können. Diese Verse sind nicht dazu gedacht, um unseren Glauben messen zu können, sondern sie sind eine Ermutigung an jeden, in Jesus zu bleiben. Wenn wir das tun, dann wird Gott schon auf die richtige Weise für Frucht sorgen.

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Lukas 8, 4-15 Geduld

Beim Lesen des Textes ist mir dieses mal besonders das Stichwort Geduld aufgefallen. Lukas hat dieses  Wort in V.15 eingefügt – bei der Parallelstelle in Markus und auch bei Matthäus taucht es nicht auf. Der Samen den Jesus ausstreut bringt Frucht – aber dazu braucht es Geduld. Es geht nicht so schnell und offensichtlich, wir wir uns das wünschen.

Diese Aussage ist im Grunde im ganzen Gleichnis schon angelegt. Zuerst erzählt Jesus ausführlich, was beim Ausstreuen des Wortes Gottes alles schief gehen kann. Es kann auf den harten Weg fallen und zertreten werden, es kann auf felsigen Boden fallen und wegen zu wenigen Wurzeln schnell wieder verdorren, es kann unter die Dornen fallen und erstickt werden. Das ist das erste was wir sehen: es ist zuerst offensichtlich, wo das Wort Gottes keine Frucht bringt. Noch bevor der Sämann irgend etwas positives sehen kann, muss er zur Kenntnis nehmen, wo er vergeblich gesät hat.

Denn den Samen auf dem guten Boden sieht man zunächst nicht. Er wird in die Erde eingepflügt und es scheint zunächst einmal gar nichts zu passieren. Erst langsam wächst die Frucht heran und erst zur Erntezeit kann man feststellen, dass das Wort Gottes doch noch reichlich Frucht gebracht hat. Das braucht Geduld, Ausdauer und Gelassenheit.

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Hesekiel 15 Wenn die Frucht ausbleibt

Wenn ein Weinstock keine Frucht bringt, dann ist er für den Weinbauern wertlos. Er kann das Rebholz höchstens noch als Feuerholz verwenden. Mit diesem drastischen Vergleich beschreibt Hesekiel das Volk Israel. Gott wendet sich gegen sein Volk, weil es keine Frucht bringt.

Auch Jesus nimmt das Bild vom Weinstock auf (Joh. 15,1-8). Aber bei ihm liegt der Ton nicht auf der Fruchtlosigkeit. Er betont, dass er selbst der Weinstock ist, und dass es für die Rebe wichtig ist, die Verbindung zum Weinstock zu behalten. Wenn diese Verbindung da ist, dann kommt die Frucht automatisch. Ich habe mich auch bei Hesekiel gefragt, wie die Frucht denn aussieht und was das Volk tun muss, um Frucht hervorzubringen.

Ich glaube es ist bei Hesekiel genau derselbe Knackpunkt wie bei Johannes: das entscheidende ist nicht auf die Frucht zu schauen und die Frucht aus sich selbst hervorbringen zu wollen, sondern das entscheidende ist die Verbindung zu Gott. Dementsprechend ist der entscheidende Vorwurf des Hesekiel an sein Volk: „… weil sie mir die Treue gebrochen haben, spricht Gott der Herr.“ Sie bringen keine Frucht weil die Verbindung zu Gott nicht mehr stimmt!

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Galater 6, 6-10 säen und warten

Jesus hat in seinen Gleichnissen sehr oft vom säen, wachsen und ernten gesprochen. Auch Paulus bringt hier das Bild vom säen in seine theologischen Differenzierungen zwischen Geist und Fleisch ein: „Wer auf das Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten.“ (V.8) Wer seine Hoffnung auf Vergängliches, auf seine eigene Kraft setzt, der wird auch Vergängliches bekommen, wer aber auf ewiges baut, der wird auch ewiges bekommen.

Das faszinierende und oft auch schwierige bei diesen Vergleichen mit der Landwirtschaft ist ja die Zeitebene. Wenn man etwas sät, dann sieht man zunächst einmal gar nichts. Der Same ist weg, er liegt in der schmutzigen Erde und es geschieht zunächst einmal gar nichts. Man braucht Geduld. Viel Geduld. Irgendwann sieht man dann einen zarten, kleinen, empfindlichen Spross aus der Erde kommen. Und auch dann braucht man noch Geduld. Nur langsam wächst dieser Spross heran, wird größer und kräftiger. Und auch dann braucht man noch Geduld. Selbst dann ist noch keine Frucht da, sondern es dauert, bis die Pflanze ihre Frucht bringt.

Es ist gar nicht so leicht auf den Geist zu säen, denn man sieht zunächst oft gar nichts. Ich muss zugeben, dass ich so manches mal an Gott und dem Glauben zu verzweifeln drohe, weil so wenig zu sehen ist. Und vielleicht wird oft so mancher zarte Spross aus Unachtsamkeit platt getreten, oder er bekommt nicht genug Wasser, oder wird vom Unkraut erdrückt. Ich bin eigentlich ein sehr geduldiger Mensch, aber so manches mal wünsche ich mir doch, dass Gott das Geistliche schneller wachsen und kräftig werden lässt…

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Galater 5, 13-26 Frucht des Geistes

Wenn man den Galaterbrief im Zusammenhang liest, dann stellt man fest, dass sich Paulus darin intensiv mit der Bedeutung des Gesetzes (= der alttestamentlichen Gebote) für den Christen auseinandersetzt. In den ersten vier Kapitel betont er vor allem das Gegenüber von Gesetz und Glaube: Wir werden nicht gerecht durch Gesetzeserfüllung, sondern durch Glaube. Im fünften Kapitel geht es dann um die Frage, welche Auswirkungen das dann auf das praktische Leben der Christen hat (theologisch gesprochen: auf die Ethik). Wenn Menschen nicht mehr den Druck des Gesetzes spüren, warum sollten sie sich dann noch anstrengen ein gutes, liebevolles Leben zu führen? Sind sie dann nicht frei zu tun und zu lassen, was sie gerade wollen?

Im Bereich der Ethik führt Paulus nun einen weiteren Begriff ein: den Geist. In der Ethik ist der Gegensatz zum Leben unter dem Gesetz nicht die grenzenlose Gesetzlosigkeit, sondern ein Leben im Geist. Ein gutes, liebevolles Leben erreichen wir nicht durch gesetzlichen Druck von außen, sondern durch Gottes Geist, der in unserem Inneren wirkt. Wer zu Gott gehört, bei dem wird der Geist Frucht bringen.

Trotzdem bleibt auch der Christ in einer Spannung, auch der Christ muss kämpfen. Aber der entscheidende Kampf ist nicht mehr der Gehorsam gegenüber dem Gesetz, der Kampf um die korrekte Erfüllung von Gesetzen und Geboten, sondern der entscheidende Kampf geht darum, ob ich mich von Gottes Geist bestimmen lasse oder von meinen selbstsüchtigen Wünschen. Entscheidend ist nicht, was ich äußerlich tue, sondern woran innerlich mein Herz hängt. Wenn ich so nahe wie möglich bei Gott bin und mich von seinem Geist leiten lasse, dann werden die äußerlichen Taten von selbst kommen. So wie die Frucht von einem guten Baum von selbst kommt. Nicht weil der Baum unbedingt Früchte hervorbringen will, sondern weil er gar nicht anders kann. Wenn er seine Wurzeln im Boden hat, genügend Wasser und Sonne hat, dann kommen die Früchte von selbst.

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Philipper 1, 15-18 Gute Früchte von einem schlechten Baum?

Unglaublich, was Paulus hier schreibt! Ich hab den Abschnitt schon öfters gelesen, aber ich staune jedes mal wieder neu über die Gelassenheit und das große Herz des Paulus. Paulus sitzt im Gefängnis und es gibt wohl einige Prediger, die diese Situation für ihren Vorteil ausnützen. Sie „predigen Christus aus Neid und Streitsucht“ (V.15), sie „verkündigen Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möchten mir [Paulus] Trübsal bereiten.“ (V.17) Und was sagt Paulus? Er sagt: Was soll’s? Solange inhaltlich Christus verkündigt wird, ist mir die Motivation egal, ja er freut sich sogar darüber! (V.18)

Ich finde das schon hart an der Grenze. Geht das überhaupt? Christus verkündigen aus eigennütziger Motivation? Also ich wäre nicht glücklich über einen Prediger, der zwar ein korrektes Evangelium verkündigt, es aber tut, um selbst daraus Vorteile zu ziehen oder um anderen zu schaden. Man denke nur an manche Prediger, die eine große Show abziehen, sich selbst im Applaus baden und sich selbst bereichern.

Es geht dem Paulus hier nicht um theologische Beliebigkeit. Inhaltlich argumentiert er immer sehr scharf gegenüber Leuten, die ein anderes Evangelium verkündigen als er. Aber ich frage mich – im Bild eines Gleichnisses von Jesus: Kann ein schlechter Baum gute Früchte hervorbringen?
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Jeremia 17, 1-13 – Dürrezeiten

Hier taucht bei Jeremia genau das gleiche Bild auf wie in Psalm 1 auf: Derjenige, der sich auf Gott verlässt ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist. Er braucht keine Angst vor Dürrezeiten haben, denn seine Wurzeln gehen zum Bach hin und dadurch wird er auch in trockenen Jahren Frucht bringen.

Was mir bei diesem Vergleich wieder aufgefallen ist: Es heißt nicht, dass derjenige, der auf Gott vertraut keine schwierigen Zeiten durchmachen wird. Nein, auch für ihn wird es Zeiten der sengenden Hitze geben, auch bei ihm gibt es dürre Jahre. Aber das wichtige ist: Diese Hitze und Dürre wird ihn nicht unterkriegen – er bringt trotzdem Frucht.

Ich fühle mich wie ein Baum, der gerade in der sengenden Hitze steht und der eine Zeit der Dürre durchmacht. Man könnte jetzt fragen, warum Gott diese Hitze, Dürre und Krankheit zulässt. Aber Gott hat mir nicht versprochen, mich vor allen Problemen zu bewahren. Ich spüre, wie sich die Wurzeln zum Bach hin strecken und ich hoffe, dass auch ich trotzdem und gerade in der Dürrezeit Früchte bringen kann.
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Psalm 1 – Zu seiner Zeit

Nachdem ich jetzt lange Zeit gebraucht habe, um Matthäus durchzulesen, möchte ich gerne wieder etwas alttestamentliches lesen: Die Psalmen. Im Studium wurde das häufig als „das Gebetbuch Israels“ bezeichnet. Und ich bin echt dankbar für dieses Gebetbuch. Denn da geht es nicht nur um theologische Richtigkeiten, sondern es begegnen uns Menschen mit ihren ganzen Fragen, Klagen und Zweifeln, aber auch mit ihrer Freude und ihrer Begeisterung für Gott. Von diesem Gebetbuch möchte ich gerne einiges für mich selbst lernen.

ObstbaumDer erste Psalm ist so etwas wie die Überschrift über den ganzen Psalter. Es werden hier zwei Wege gegenübergestellt: Der Weg des Gottlosen, der nach Überzeugung des weisheitlichen Psalmbeters früher oder später vergeht. Und der Weg des Gläubigen. Mir gefällt ganz besonders das Bild vom Baum. Wer Gott vertraut, der ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist. Er wird grünen und er wird seine Frucht bringen und zwar „zu seiner Zeit“. Die Frucht wird nicht immer da sein, es wird vielleicht auch mal ein Jahr mit weniger Frucht geben, es wird vielleicht mal einen heißen und dürren Sommer geben, und auch im Winter wird man garantiert nichts ernten können – aber der Baum steht am Wasser und „zu seiner Zeit“ wird er Frücht bringen.

Das gibt mir Gelassenheit. Wichtig ist, am Wasser zu bleiben. Die Frucht wird dann schon kommen. Auch wenn mir es manchmal nicht schnell genug geht ;).

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