Lew Tolstoi: Krieg und Frieden

Tolstoi: Krieg und FriedenWas für ein monumentales Werk! Das Buch ist wie ein riesiger Berg: Auf dem Weg zum Gipfel kann man sich leicht verlaufen, man kann die Lust verlieren, man kann müde werden, man fragt sich, ob es sich überhaupt lohnt, diesen Berg zu erklimmen,… und ich muss zugeben auch ich hab mich durch das Buch durchkämpfen müssen. Aber ich bin froh, dass ich es getan habe. Es ist gut, am Ende auf dem Gipfel zu stehen und die Aussicht zu genießen. Lew Tolstoi: Krieg und Frieden weiterlesen

Hesekiel 38 Wer ist Gog aus Magog?

Eine Weissagung gegen Gog aus Magog. „Am Ende der Zeiten“ (V.8.16) wird dieser Fürst mit einer riesigen Vielvölkerstreitmacht gegen Israel anrücken und von Gott besiegt werden. Auch in Offb. 20,8f tauchen die Namen Gog und Magog auf: dort sind sie die Streitmacht des Satans, welche die Heiligen und die Stadt Jerusalem angreifen werden. Manche führen das Volk Magog auf einen Nachkommen Noahs zurück (1. Mo. 10,2) und identifizieren Magog mit den Skythen, welche in den Steppen im Norden Israels gelebt haben. Andere sehen Gog und Magog als symbolische Namen für die endzeitlichen Angriffe des Bösen auf Gottes Volk.

Wir wissen leider nicht, was die damaligen Hörer mit diesen Namen verbunden haben. Vielleicht waren sie genauso verwirrt, wie wir heute. Was meint Hesekiel damit? Dass Hesekiel vom Ende der Zeiten spricht, deutet für mich eher auf einen Kampf in ferner Zukunft hin und nicht auf eine damals konkret bekannte Person. Hesekiel macht auf jeden Fall deutlich: Auch wenn ihr wieder zurück im Land seid und dort in Frieden leben könnt, wird die Bedrohung durch Feinde aus dem Norden bleiben. Aber am Ende der Zeiten wird Gott die Feinde endgültig besiegen. Letztendlich ist Gottes Macht größer als die Macht aller Feinde.

Das nehme ich auch für mich aus diesem Text mit: Gott kann uns jetzt schon, in der Gegenwart, Frieden und Segen schenken – aber dieser Friede bleibt immer auch ein bedrohter Frieden. Erst „am Ende der Zeiten“ wird Gott alle Feinde endgültig besiegen. So hat ja auch Jesus immer wieder deutlich gemacht, dass Gottes Reiche jetzt schon mitten unter uns ist, dass aber die Vollendung noch aussteht. Auch wenn ich jetzt schon viel Schönes und Gutes mit Gott erleben darf – irgendwo lauert immer noch Gog aus Magog, der diesen Frieden bedroht. Aber ich darf sicher sein: auch dieser Feind wird von Gott besiegt werden.

| Bibeltext |

Und bring mich ans Ziel

Immer wieder begegnen mir ältere Christen, die mich faszinieren und deren Glauben mich mit Freude und Dankbarkeit erfüllt (leider begegne ich auch vielen älteren Christen, die mich eher enttäuscht und frustriert machen…;) ). Gestern habe ich eine Frau besucht, die weit über 80 Jahre alt ist. Sie hatte kein einfaches Leben und so manche Schicksalsschläge einstecken müssen. Aber dennoch strahlt sie eine gewaltige innere Zufriedenheit aus. In diesem Wort Zufriedenheit steckt ja der Frieden, und diesen habe ich bei der Frau gespürt. Eigentlich wollte ja ich ihr etwas Gutes tun mit diesem Besuch – aber als ich zur Haustür rausging, hab ich mich selbst reich beschenkt gefühlt.

Diese Frau ist dankbar für ihr Leben, für alles was Gott ihr geschenkt hat (wobei sie auch immer noch den Schmerz fühlt, über das was Gott ihr genommen hat). Aber sie ist auch bereit zu gehen. So manche ältere Menschen, auch Christen, klammern sich mit einer krampfhaften Verzweiflung am Leben fest. Sie haben eine tiefe Angst vor dem was kommt. Diese Frau nicht. Sie hat sich mit ihrem eigenen Tod auseinander gesetzt und ist bereit dafür. Nicht dass sie Todessehnsucht hätte -aber sie freut sich auf die Gemeinschaft mit ihrem Herrn. Sie betet täglich: „Halte mich fest und bring mich ans Ziel.“
Wunderschön! Diese Zufriedenheit, auch wenn im Leben nicht alles so gelaufen ist, wie man es sich erträumt hat. Wunderschön! Diese zuversichtliche Geborgenheit in Gottes Händen. Wunderschön! Dieser göttliche Frieden, der sich in einem Menschenleben zeigt.

Epheser 4, 1-5 Ein Leib, ein Geist, ein Stromzähler

Das Thema Einheit scheint ein Problem in Ephesus gewesen zu sein. Nachdem Paulus schon vorher die Einheit der Gemeinde aus Juden- und Heidenchristen angesprochen hat (2,11-22), betont er nun im zweiten Teil des Briefes (in welchem die praktischen Konsequenzen für das persönliche Leben der Christen aus den grundlegenden Überlegungen gezogen werden) als erstes die Einigkeit im Geist. Hauptstichworte sind hier die Liebe und der Frieden – aber keine rosarot romantisierte Liebe, sondern erkämpfte Liebe: Wir sollen einander in Demut, Sanftmut und Geduld ertragen.

Vor einiger Zeit hatten wir mit unserem ökumenischen Arbeitskreis einen Ausflug nach Biberach. Dort steht eine Simultankirche. D.h. eine Kirche, die von zwei unterschiedlichen Konfessionen genutzt wird: Sowohl die ev. als auch die kath. Kirche feiern ihre Gottesdienste darin. Nicht gleichzeitig und miteinander, sondern jeder zu bestimmten Zeiten in sorgfältiger Absprache. Man regelt dort ganz nüchtern und bis ins Detail das Zusammenleben in der gemeinsamen Kirche. Als ein besonders markantes Zeichen dieses friedlichen Nebeneinanders gibt es zwei verschiedene Stromzähler. Je nachdem welche Konfession gerade die Kirche nutzt, wird der ev. oder der kath. Stromzähler eingeschaltet.

Was bedeutet nun Einheit im Geist? Heißt das, dass wir Christen unbedingt wieder einen gemeinsamen Stromzähler brauchen? Brauchen wir eine gemeinsame Organisation, damit die Einheit auch nach außen hin sichtbar wird? Brauchen wir mehr als ein friedliches Nebeneinander? Ich glaube die Frage nach dem gemeinsamen Stromzähler geht am Kern vorbei. Unsere Aufmerksamkeit sollte nicht den verschiedenen Stromzählern gelten, sondern dem gemeinsamen Herrn. An dieser gemeinsamen Blickrichtung auf den einen Herrn wird jetzt schon etwas von der einen himmlischen Gemeinde sichtbar, auch wenn uns auf Erden noch so manches trennt. Und die trennenden Stromzähler müssen wir wohl oder übel in Demut, Sanftmut und Geduld ertragen.

| Bibeltext |

Epheser 2, 14-18 Er ist unser Friede

Schon in der Urchristenheit gab es gewaltige Spannungen zwischen unterschiedlichen Gruppierungen. Vor allem zwischen den Judenchristen und den Heidenchristen. Also zwischen Juden, die Christen geworden waren und Heiden, die Christen geworden waren. Das waren nicht nur Unterschiede in der Kultur oder im Frömmigkeitsstil, sondern auch handfeste theologische Differenzen. Man hat zwar auch hier versucht, eine gemeinsame Linie zu finden, aber so manche Unstimmigkeiten blieben.

Der Epherserbrief betont nun, dass in Christus beide Gruppierungen zu einem Leib zusammengefügt wurden. Wer an Jesus und seinen Kreuzestod für uns glaubt, der ist mit Gott versöhnt. Und wer mit Gott versöhnt ist, der kann nicht in Unfrieden mit seinem Bruder oder seiner Schwester leben. „Denn durch ihn haben wir alle beide in einem Geist den Zugang zum Vater.“ (V.18)

Nun gibt es heute bei uns in Deutschland nur wenige Judenchristen. Aber es gibt eine große konfessionelle Zersplitterung, mit Unterschieden in der Kultur, im Frömmigkeitsstil und auch in der Theologie. Ich würde mich z.B. im Frömmigkeitsstil so mancher charismatischen Gemeinde oder bei der katholischen Kirche nicht wohl fühlen. Ich könnte so manche theologische Aussage aus dem charismatisch-pfingstlerischen Lager sowie aus der katholischen Lehre nicht unterschreiben.

Und doch bleibt das entscheidende Kriterium Christus. Wer durch ihn Frieden mit Gott gefunden hat, der gehört zum Leib Christi. Christus hat uns eins gemacht, trotz gewaltiger Unterschiede.

| Bibeltext |

Epeheser 1, 1-2 Grüß Gott!

Ein ganz normaler Briefanfang, so wie er damals üblich war: Absender und Empfänger werden genannt und dann kommt ein Gruß: „Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus.“ (V.2) Viele Briefe im Neuen Testament beginnen mit diesem Gruß (oder leicht abgewandelt). Das scheint ein gebräuchlicher Gruß unter Christen gewesen zu sein.

Mich fasziniert, was darin betont wird: Gnade und Friede. Das sind zwei zentrale Dinge, die wichtig für uns sind. Beide sind für Paulus mit Gott verbunden: Gott gibt die Gnade und den Frieden, den wir brauchen. Das können wir uns nicht selbst schenken, das können wir nicht selbst herstellen. Aber wir können es uns gegenseitig zusprechen und wünschen.

Solch ein gebräuchlicher Gruß kann schnell verflachen. Man sagt bzw. schreibt ihn so dahin und denkt gar nicht mehr an seine Bedeutung. Bei uns im Schwabenländle begrüßen sich die Leute noch immer häufig mit „Grüß Gott“. Kaum einer weiß noch, was hinter diesem Gruß steht und mancher Norddeutsche ist versucht darauf zu antworten: „Ja, wenn ich ihn das nächste mal seh’…“. Die ursprüngliche Bedeutung ist aber: „Sei gegrüßt von Gott!“ Und vom lateinisch-römischen Sprachgebrauch her kann „grüßen“ auch segnen bedeuten. Also: „Grüß Gott“ heißt nichts anderes als „Sei von Gott gesegnet!“

Ich bin mir sicher, dass Paulus seinen Segensgruß nicht nur so dahin geschrieben hat, weil es halt so üblich war, sondern dass er es ganz bewusst so gemeint hat. Wenn ich in Zukunft durch die Straßen gehe und die Leute mit „Grüß Gott“ begrüße, dann werd ich innerlich lächeln dabei und mich freuen, dass ich dabei all die Leute segnen darf… 😉 In diesem Sinn also an alle Leser: „Grüß Gott! Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!“

| Bibeltext |

Psalm 120 – Es wird meiner Seele lang

„Es wird meiner Seele lang, zu wohnen bei denen, die den Frieden hassen.“ (V.6) Was für eine geniale Formulierung! Es scheint bei mir ja immer wieder durch, dass ich die Luther-Übersetzung mag – auch wenn sie manchmal etwas schwerer verständlich ist. Aber hier wird mal wieder deutlich wie viel mehr Kraft und Poesie in dieser Übersetzung steckt, als in vielen modernen Übersetzungen (Neues Leben: „Schon zu lange wohne ich bei denen, die den Frieden hassen.“ Gute Nachricht: „Schon viel zu lange wohne ich hier, unter Menschen, die den Frieden hassen!“). Da steckt bei Luther viel mehr Ausdruck und Tiefe drin: „Es wird meiner Seele lang.“

Inhaltlich kann ich den Beter gut verstehen: Es entzieht dem Leben und der Seele die Kraft, wenn man selbst im Frieden mit anderen zu leben versucht, es aber nicht gelingt, weil die anderen es gar nicht wollen. Immer wieder interessant, dass die Menschen vor tausenden von Jahren genau die gleichen Probleme hatten wie wir heute. Wie wenig sich doch der Mensch ändert!
Bibeltext

Psalm 71 – Glaube im Alter

Der Psalm eines Beters, der ein Leben lang Gott vertraut hat, nun aber alt und schwach geworden ist. Er bittet Gott darum, dass er ihn auch jetzt im Alter nicht verlasse. Faszinierend finde ich, dass er nicht einfach ins Jammern abgleitet und nur sentimental-weinerlich zurückschaut. Wir kennen das ja von so manchen Älteren, die innerlich hart und verbittert geworden sind: „Früher war alles besser. Früher ging’s mir noch besser. Jetzt ist alles vorbei und ich bin zu nichts mehr zu gebrauchen…“

Neben seine Klage und Bitte stellt der Beter aber sehr starke Vertrauensäußerungen (bes. V.14-16). Er lässt sich nicht einfach hängen und verzweifelt, sondern er hängt sich an Gott. Er vertraut darauf, dass der Gott, der ihn schon früher gerettet hat (V.20), ihm auch jetzt wieder hilft.

Schaut euch mal heute altgewordene Christen an. Ich find’s erschreckend, wie unterschiedlich das aussehen kann. Da gibt es manche, die auch im Alter fröhlich und zufrieden sind, die trotz mancher schwierigen Situation eine zufriedene Gelassenheit in Gott haben. Ich kenn da jemand, die schon etwas altersverwirrt immer wieder fröhlich sagt: „Ich kann nur loben und danken!“ Das ist wundervoll zu sehen!

Aber dann gibt es auch bei Christen die harten und einsamen Alten, die immer unzufriedener werden und die trotz Glauben keinen inneren Frieden zu haben scheinen. Lieblos und verbittert ziehen sie sich in sich selbst zurück und verlieren die Freude am Leben und an Gott. Ich will darüber nicht urteilen. Ich weiß nicht, wie das mal bei mir aussehen wird. Aber ich wünsch mir so sehr, dass bei mir und anderen Christen sich Gottes Liebe, Freude und Frieden so tief ins Herz einprägt, dass das alles auch im Alter nicht verloren geht.
Bibeltext

Psalm 4 – In Frieden schlafen

Zwei Verse sind mir bei diesem Vers besonders ins Auge gefallen. Der eine ist V.5: „Sündigt nicht, wenn ihr zornig seid. Nehmt euch eine Nacht Zeit, um darüber nachzudenken und verhaltet euch ruhig.“ (Neues Leben Übersetzung). Wie viel Leid würde uns erspart bleiben, wenn wir das auch nur halbwegs praktizieren würden!!! Klasse, wie nüchtern und pragmatisch die Bibel auch mit solchen „alltäglichen“ Problemen umgeht. Zu beachten ist: Der Zorn an sich ist noch keine Sünde. Der Zorn kommt ganz einfach, ohne dass wir das groß verhindern können. Der kommt bei jedem von uns. Ob aus dem Zorn dann aber Sünde wird, entscheidet sich erst an meinem Umgang mit dem Zorn.

Die andere Stelle ist V. 9: „Ich liege und schlafe, ganz mit Frieden; denn allein du, Herr, hilfst mir, dass ich sicher wohne.“ Ich erinnere mich dabei an ein Gespräch mit jemandem, der erzählt hat, dass er schon lange Zeit nicht mehr richtig schlafen kann. Dieser Mensch wird von vielen Ängsten und viel Misstrauen bestimmt. Inwieweit diese Ängste berechtigt sind, kann ich nicht so recht beurteilen.

Aber eins ist mir deutlich geworden: Es ist ein echtes Geschenk und nicht hoch genug einzuschätzen wenn man wie der Psalmbeter, wirklich in Frieden schlafen kann und sich bei Gott geborgen weiß. Natürlich gibt es für Schlaflosigkeit jede Menge unterschiedlicher Ursachen und man darf sich das nicht zu einfach machen (Nach dem Motto: Glaube nur – und alle deine Probleme werden gelöst sein). Und doch glaube ich, dass ein tiefes Vertrauen auf Gott hier manches bewirken kann. Wer diesen Frieden Gottes wirklich in sich hat, hat zumindest bessere Chancen auch im Schlaf Frieden zu finden.

1. Korinther 14, 26-33 – unordentliche Gottesdienste

In diesem Abschnitt gibt Palus konkrete Hinweise, wie mit Sprachengebet und prophetischer Rede im Gottesdienst umgegangen werden soll. Da kann man zwischen den Zeilen ein faszinierendes Bild entwerfen, wie damals (zumindest in Korinth) ein Gottesdienst ausgesehen haben könnte. Was ich besonders toll finde: Jeder hat etwas beizutragen. Jeder ist irgendwie beteiligt. Das ist keine Show, die einer oder ein paar wenige vorne abziehen, sondern da sind alle irgendwie beteiligt. Das vermisse ich heutzutage in vielen Gottesdiensten. Sei es in sehr traditionellen Gemeinden, in denen die Leute es aus lauter heiliger Ehrfurcht gar nicht wagen, etwas zu sagen oder spontan aus dem Gewohnten auszubrechen. Oder sei es in ganz modernen Gottesdiensten, bei denen es zwar scheinbar lebendig zugeht, aber letztendlich doch alles von ein paar Profis bis ins kleinste geplant und vorbereitet ist.

Paulus hat in Korinth freilich ein anderes Problem: Dort war alles zu chaotisch und zu durcheinander. Deswegen weist er darauf hin, dass immer nur einer reden soll und dass man aufeinander Rücksicht nehmen soll. Interessant ist dann seine Begründung: „Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens.“ (1. Kor. 14,33) Genial wie hier Paulus der Unordnung nicht die Ordnung gegenüberstellt sondern den Frieden. Es kommt letztendlich nicht auf die Ordnung an sich an, sondern auf das gute und liebevolle miteinander. Bezeichnend fand ich für mich, dass ich den Vers anders im Kopf hatte: Eben als Gegenüber von Unordnung und Ordnung – Gott als ein Gott der Ordnung. Das ist an sich nicht falsch, aber es zeigt, wie wir manchmal unbewusst die Akzente verschieben, wie die (Gottesdienst-)Ordnung wichtiger wird, als der Friede Gottes…