Jeremia 14 Unruhe des Herzens

Gott hat die Nase voll. Er sagt über sein Volk: „Sie laufen von einem zum andern, wie es ihnen gerade passt; das ist so ihre Art. Ich habe keine Freude mehr an ihnen. Ich sehe über ihre Vergehen nicht mehr hinweg, sondern ziehe sie jetzt zur Rechenschaft.“ (V.10; Gute Nachricht Bibel) Damit ist gemeint, dass sie Leute von einem Götzen zum anderen laufen und nicht einfach bei ihrem Gott bleiben.

Dieses ungeduldige Hin- und Herlaufen scheint etwas zutiefst Menschliches zu sein. Ich kenn das von mir selbst. Nicht dass ich von einem Götzen oder von einer Religion zur anderen renne. Aber diese Unruhe des Herzens, die ewige Suche nach Glück, Zufriedenheit und Erfüllung – die kenne ich. Dieser ständige Gedanke, dass es noch mehr geben muss.

So sei nun still meine Seele in mir! Still und ruhig, wie ein kleines Kind bei seiner Mutter. Hoffe auf den Herrn, von nun an bis in Ewigkeit! (Psalm 131,2-3)
Bibeltext

Jeremia 6, 1-15 Friede! Friede!

Man kann auch mit der richtigen und biblischen Botschaft völlig an Gott vorbeireden. Zur Zeit des Jeremia gab es wohl viele andere Propheten, die gesagt haben: „Friede, Friede!“ (V.14) Und natürlich haben sie damit recht: Gott ist ein Gott des Friedens. Er will Schalom für sein Volk: umfassenden Frieden für Leib, Seele und Geist.

Allerdings hätte das Volk zur Zeit Jeremias erst einmal umkehren müssen. Sie haben sich abgewandt vom Gott des Friedens. Und so diente die richtige Botschaft zu einer falschen Beruhigung: „Es ist alles okay, ihr könnt ruhig so weiter machen. Gott liebt euch und schenkt euch Frieden.“ Jeremia sagt dagegen: „Es ist eben nicht alles okay! Ihr müsst euch verändern! Ihr müsst zu Gott zurück kehren! Ihr habt Gott verlassen und damit auch seinen Schalom verlassen!“
Bibeltext

Psalm 116 – Fromme Selbstgespräche

„Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; denn der Herr tut dir Gutes.“ (V.7) Im Hebräischen wird „Seele“ oft als Bezeichnung des ganzen Menschen in seiner Bedürftigkeit vor Gott gesehen. Es geht hier also um ein Selbstgespräch des Beters. Er sagt sich selbst: „Sei zufrieden, es ist doch alles okay. Gott ist da und er tut dir Gutes. Du musst nur die Augen aufmachen und es erkennen.“

Das sollten wir uns auch ab und zu mal sagen: „Hör auf dich zu sorgen und sei zufrieden. Es ist alles okay. Gott ist da und er tut dir Gutes!“ Für jemand der nicht an Gott glaubt, ist das Autosuggestion – und ich glaub das schon das positive Auswirkungen haben kann. Jemand der sich selbst immer wieder sagt: es ist alles okay! wird anders durch’s Leben gehen als jemand, der ständig nur schwarz sieht. Das Geniale ist nun, dass wir damit rechnen dürfen, dass solche fromme Selbstgespräche mehr als Autosuggestion sind… 🙂
Bibeltext

Psalm 85 – Himmlisches Geknutsche!

„Dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen; dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue.“ (V.11-12) Ja, das wünsch ich mir auch! Dass Gerechtigkeit und Friede sich in die Arme nehmen und sich voller Liebe verbinden. Dass wir von Gottes Güte lernen und die Treue zu ihm unsere Herzen aufblühen und wachsen lässt.
Bibeltext

Psalm 68 – Den Einsamen nach Hause bringen

In diesem Psalm geht um den mächtigen und herrlichen Gott, den Wolkenreiter (so ursprünglich in V.5b), den König. Er ist stärker als alle anderen Götter, er vernichte alle gottlosen Feinde. Er ist heilig und erhaben und von allen Menschen zu loben und zu ehren.

Aber eine Formulierung, die in eine ganz andere Richtung geht, hat mich in diesem Psalm besonders angesprochen: „Ein Gott, der die Einsamen nach Hause bringt.“ (V.7) Inmitten all dieser kraftvollen und herrlichen Beschreibungen des königlichen Gottes leuchtet hier Gottes fürsorgliche und zärtliche Seite auf. Trotz, oder gerade in all seiner unbeschreiblichen Größe kümmert sich Gott um das kleine und verlorene.

Ich finde das eine wundervolle Formulierung: „den Einsamen nach Hause bringen“. Der Einsame, der verlassen ist, der allein ist, der niemand hat – ihn bringt Gott an den Ort, an dem er zu Hause sein kann, an dem er Frieden finden kann, an dem er Liebe und Geborgenheit finden kann. Schön!
Bibeltext

Matthäus 10, 34-39 – Der Friedefürst mit dem Schwert

Ihr sollt nicht meinen, daß ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“ (Mt. 10,34) Oh?!? Dann haben sich die Engel wohl getäuscht, die bei Jesu Geburt noch vollmundig versprochen haben: „Friede auf Erden“ (Lk. 2,14)? Und auch Jesaja war etwas zu optimistisch als er uns einen Friede-Fürst (Jes. 9,5) als Messias versprochen hatte?

Hier zeigt es sich wieder, dass es wichtig ist, Bibelstellen im Zusammenhang zu lesen und sie auch in den Gesamtzusammenhang der Schrift einzubetten. Mit einzelnen herausgesuchten Bibelstellen kann ich so gut wie jede Meinung begründen… Was aber zählt ist das Gesamtzeugnis der Bibel. Das ist dann viel schwieriger herauszufinden, als die eigene Meinung mit ein paar Bibelstellen zu belegen.

Aber zurück zu der Stelle bei Matthäus. Ich denke hier kann man bei genauerem Hinsehen die scheinbaren Widersprüche ganz gut auflösen: Jesus ist der Friede-Fürst, er bringt Frieden zwischen Gott und Mensch und er bringt auch Frieden zwischen den Menschen (so z.B. sehr deutlich in Eph. 2,14: Er ist unser Friede – dort bezieht sich der Friede auf das Einssein von Judenchristen und Heidenchristen in Christus). Aber wenn es darum geht (so wie in Mt. 10) an Christus gegenüber Nichtgläubigen festzuhalten, dann ist dieses Bleiben an Christus wichtiger, als alle faulen Kompromisse mit Leuten, die uns von Jesus abbringen möchten.

Wichtig ist mir dabei, dass es eben um Menschen geht, die uns vom Glauben abbringen möchten und nicht um andere Christen, die eine andere theologische Meinung haben oder die in einer anderen kirchlichen Tradition aufgewachsen sind. Ich werd immer richtig traurig, wenn mir manche Christen begegnen, die meinen ihre eigene „Rechtgläubigkeit“ ohne Rücksicht und ohne Liebe verteidigen zu müssen (…und die das dann oft tun, indem sie mit einzelnen Bibelstellen um sich werfen). Natürlich müssen wir als Christen um die Wahrheit streiten und können nicht einfach alles stehen lassen. Aber dieser Streit soll nicht mit dem Schwert geführt werden sondern in Liebe.

2. Korinther 5, 1-10 – Loch im Herzen

Das beruhigt mich jetzt aber: Auch Paulus, der doch auf das Unsichtbare sehen möchte (2.Kor.4,18 – vgl. Post von gestern) wandelt noch nicht im Schauen, sondern im Glauben. Er richtet sein Leben zwar am Unsichtbaren, an Gott aus, aber auch für ihn ist Gott nur im Glauben und nicht im Schauen greifbar. Er schreibt sogar: „Solange wir im Leibe wohnen, weilen wir fern von dem Herrn“ (2.Kor.5,6) und „solange wir in dieser Hütte [=irdischer Leib] sind, seufzen wir und sind beschwert“ (2.Kor.5,4).

Also kennt auch Paulus diesen Weltschmerz und die Sehnsucht nach Vollkommenheit und Frieden. Er kennt dieses dunkle Loch im Herzen, das einen immer wieder spüren lässt: da fehlt doch noch was. Er kennt dieses Gefühl, wenn sich aus schmerzlichem Verlangen nach wirklicher Heimat die Eingeweide zusammenziehen.

Jesaja 14 – Den Bösen böses wünschen

„Sie werden gefangen halten die, von denen sie gefangen waren, und werden herrschen über ihre Bedränger.“ (Jes. 14,2b) Das ist die Hoffnung derer, die selbst gefangen sind: Irgendwann wird sich das wenden. Gott wird den Bösen das Böse heimzahlen. Im Hintergrund steht wohl die Erfahrung der Israeliten im babylonischen Exil. Jesaja 14 ist vor allem ein Spott- und Triumphlied über den König von Babel, der einmal seine Herrschaft verlieren wird.

Aber ist das Frieden? Ist das Gottes großer Plan für sein Volk und für seine Schöpfung? Dass einfach nur die Rollen getauscht werden? Diejenigen, die vorher unterdrückt waren, werden zu Unterdrückern und damit ist alles gut?!? Mir fällt dazu Mt. 5,44 ein: „Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bitte für die, die euch verfolgen.“

Jesaja 11 – Schön wird’s sein

Ja, es wird mal schön werden, irgendwann, später, wenn’s soweit ist, wenn Gott es so will, wenn die Zeit erfüllt ist…

Schöne Bilder sind das in Jesaja 11: Der Messias wird kommen, voller Weisheit und Verstand, Stärke und Erkenntnis. Er wird gerecht regieren, die Natur wird Frieden finden und keiner wird mehr Sünde tun. Denn alle werden voller Erkenntnis Gottes sein.

Diese Bilder berühren mein Herz, trösten mich, ermutigen mich, geben mir Hoffnung. Gott lässt uns nicht allein. Auch wenn alles zu Grunde geht, auch wenn der Stamm abgeschlagen ist, auch wenn nach menschlichen Möglichkeiten alles zu Ende ist, wird Gott Neues wachsen lassen. Er wird aus dem abgehauenen Baumstumpf einen neuen Trieb sprießen lassen (Jes. 11,1).

Zugleich frage ich mich: Wann wird das sein? In einer fernen Zukunft, die nichts mit meinem Jetzt zu tun hat? Am Ende der Zeiten, wenn Gott alles erneuern wird? Und was ist bis dahin? Können wir nicht jetzt schon etwas von diesem Frieden haben? Der Messias ist doch schon gekommen! Warum ist das alles nur so bruchstückhaft, so wenig sichtbar und erlebbar?

Gebet zu Jesaja 9

„Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst, du siehst den Unfrieden und die Dunkelheit in mir. Nach außen sieht vielleicht alles ganz okay aus, aber in mir drin ist es so leer und unruhig. Ich weiß: Ich sollte mehr auf dich schauen, als mich immer nur um mich selbst zu drehen. Ich sollte andere etwas von deinem Frieden spüren lassen, anstatt immer nur rumzujammern. Aber genau das ist ja das Problem: Dass ich das nicht schaffe, dass ich es selbst in mir nicht hell machen kann, dass ich oft gar nicht auf dich schauen kann und oft auch nicht mal will…“