1. Petrus 2, 1-3 – Die Freundlichkeit Gottes auf der Zunge zergehen lassen

Bin erstaunt und fasziniert wie kraftvoll und anschaulich Petrus formuliert. In diesem kurzen Abschnitt sind mir zwei Sprachbilder besonders aufgefallen: Zum einen die Aufforderung, dass wir alle Bosheit und überhaupt alles sündige Verhalten „ablegen“ sollen. So wie man alte Kleider ablegt, so soll man die Bosheit ablegen. Mein erster Gedanke: Wenn’s nur so einfach wäre. Eine Jacke auszuziehen ist kein Problem, aber schlechte Gewohnheiten, die einem über die Jahre zu einer zweiten Haut geworden sind einfach abzulegen – das ist schwieriger, das geht unter die Haut…

Faszinierend auch die andere Formulierung: Ihr habt ja „geschmeckt“, wie freundlich der Herr ist. Petrus verwendet auch hier keine geistlich abgehobenen, abstrakten Begriffe, sondern ganz handfeste Bilder. Es ist als ob auch in seinen Worten der Glaube Fleisch wird und ganz in diese irdische Welt inkarniert. Erstaunlich, dass er keine Hemmungen davor hat zu sagen, dass wir die Freundlichkeit Gottes geschmeckt haben. Und damit ist wirklich das Essen und Schmecken mit Mund und Zunge gemeint. Ihr habt euch doch die Freundlichkeit Gottes schon auf der Zunge zergehen lassen! Ihr wisst doch wie köstlich und lecker Gott schmeckt!

Darum sollt ihr Gottes Wort so selbstverständlich und begierig aufnehmen, wie ein Baby die Muttermilch. Man traut sich ja kaum dieses Bild auszumalen: Wer Bibel liest, der liegt wie ein Kind an Gottes Mutterbrust! Die Muttermilch ist das, wonach sich ein Baby ganz instinktiv verlangt. Es das was ein Baby gesund und kräftig werden lässt, das was es wachsen lässt. Und darüber hinaus ist es der Ort, an dem es ganz enge und intime Gemeinschaft mit der Mutter erlebt. Es schmeckt die Freundlichkeit und Zuwendung der Mutter.
Bibeltext

Psalm 118 – Die Freundlichkeit Gottes

Zwei Gedanken zu diesem Psalm. Das eine betrifft die Luther-Übersetzung von V.1: „Danket dem Herrn; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.“ Das ist einfach toll übersetzt. Besonders gefällt mir das „freundlich“. Im Hebr. steht hier „tob“, was man eigentlich am einfachsten mit „gut“ übersetzt. Ich kann nicht genau sagen warum, aber mir gefällt Luthers Übersetzung hier richtig gut. Es klingt besser. Und irgendwie mag ich die Vorstellung von der Freundlichkeit Gottes. Ich denke da automatisch an ein freundlich lächelndes Gesicht, das mich liebevoll anblickt…

Das andere was mich an diesem Psalm besonders angesprochen hat, waren die Verse 24-25: „Dies ist der Tag, den der Herr macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein. O Herr, hilf! O Herr, lass wohlgelingen!“ Faszinierend finde ich hier das Ineinander von Freude und klagender Bitte. Die Freude in Gott schließt den Blick auf so manches Beklagenswertes nicht aus! Im Gegenteil: Wer „fröhlich an ihm“ ist, wird um so intensiver Gott bitten in das Leid dieser Welt einzugreifen. Und andererseits muss mich aber das Leid dieser Welt nicht davon abhalten, mich über Gottes Güte und Freundlichkeit zu freuen.
Bibeltext