Exodus 35, 30 – 36, 7 Spezielle und allgemeine Berufung

In diesem Abschnitt geht es um die Kunsthandwerker, welche die Stiftshütte bauen sollen. Da werden auf der einen Seite zwei mit Namen genannt: Bezalel und Oholiab (36,1). Sie sind von Gott zu dieser Aufgabe berufen und mit den entsprechenden Gaben befähigt (mich würde ja interessieren, auf welche Weise Gott sie berufen hat – es wird aber nur berichtet, wie Mose diese Berufung im Namen Gottes ausgesprochen hat, 35,30).

Spannend ist nun, dass es nicht nur die direkt von Gott berufenen gibt, sondern dass sich auch Kunsthandwerker freiwillig erboten haben, beim Bau mitzuhelfen (36,2). Und auch ihnen hat Gott Weisheit ins Herz gegeben, auch sie hat er mit Gaben befähigt. Es gibt hier also eine Aufgabe, die zu tun ist, und dafür werden manche speziell herausgerufen. Es ist aber auch okay, dass sich andere freiwillig für diese Aufgabe melden. Beide Gruppen werden von Gott mit Weisheit beschenkt, um diese Aufgabe auszuführen.

Wenn es um Aufgaben im Reich Gottes geht, dann braucht es nicht immer eine besondere und außergewöhnliche Berufung durch Gott. Um mich einzubringen und mitzuarbeiten reicht meine Bereitschaft – auch dann darf ich darauf vertrauen, dass Gott mir die Gaben dazu schenkt. All zu leicht kann das Thema „Berufung“ zu einer faulen, auch noch fromm klingenden Ausrede werden: „Für diese Aufgabe hat mich der Herr nicht berufen, deswegen kann ich mich da nicht einbringen!“

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Exodus 35, 4-29 Freiwillig

In diesem Abschnitt geht es um Gaben für die Stiftshütte – sowohl materieller Art wie auch von Zeit und Fähigkeiten. Stark betont wird die Freiwilligkeit. „Erhebt von eurem Besitz eine Opfergabe für den Herrn, sodass einer jeder die Opfergabe für den Herrn freiwillig bringen.“ (V.5) Schon an dieser Formulierung wird deutlich, dass die Sache mit der Freiwilligkeit gar nicht so einfach ist. Damit die Stiftshütte gebaut werden kann, müssen möglichst viele ihre Gaben einbringen, es geht gar nicht anders – von nichts kommt nichts. Da ist durchaus ein gewisser Druck da – es ist schließlich das Gebot des heiligen Gottes, dass das Heiligtum so gebaut wird, wie er es befohlen hat. Zugleich wird jedoch die Freiwilligkeit betont. Jeder soll nur das geben, was er freiwillig gibt.

Das ist bis heute in jeder Gemeinde oder christlichen Gemeinschaft dasselbe: Wir sind darauf angewiesen, dass möglichst viele sich einbringen. Wenn sich jeder nur zurück lehnt und den anderen machen lässt, dann wird daraus nichts. Zugleich betonen auch wir heute immer wieder, dass alles freiwillig geschehen soll. Das steht in einer gewissen Spannung.

Man kann nun unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Manche möchten den Druck erhöhen, damit auch wirklich was passiert, damit wir den Ansprüchen Gottes gerecht werden. Ich selbst tendiere lieber zur anderen Seite: lieber weniger tun, als etwas zu erzwingen und nur mit schlechtem Gewissen zu tun. Der Sinn dieses Bibelabschnittes liegt ja gerade darin zu betonen, dass auf dieser Freiwilligkeit ein besonderer Segen liegt. Wenn allerdings nichts von freiwilligen Gaben zu sehen ist, dann muss sich eine Gemeinschaft fragen, ob nicht an anderer Stelle etwas im Glauben schief läuft…

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