Johannes 13, 21-30 Unerklärlich

Wie erklärt man das Unerklärliche? Wie kann es geschehen, dass ein von Jesus berufener Jünger, der seine Predigten gehört hat und seine Wunder gesehen hat, sich am Ende gegen Jesus stellt? Der Evangelist kann es sich nicht anders erklären, als durch den Hinweis auf den Satan (V.27). Der Satan fuhr in Judas und deswegen verriet er Jesus. Aber ist damit das Unerklärliche erklärt?

Für mich bleibt das Ganze rätselhaft. Vor allem stellt Johannes es ja auch so dar, dass Jesus dieses ganze Geschehen scheinbar erst in Gang setzt. Der Satan fährt erst in Judas, als Jesus ihm den Bissen zu essen gibt. Andererseits weiß Jesus schon im Vornherein, dass Judas ihn verraten wird – er offenbart es also nur an dieser Stelle. Ist es nicht letztendlich Gott selbst, der das ganze Geschehen so geplant hat? Er hat doch seinen Sohn in die Welt gesandt, damit er zum Lamm wird, das der Welt Sünde trägt. Was kann dann Judas oder der Satan dafür? Sind sie dann nicht lediglich Werkzeuge Gottes?

Wir sollten uns davor hüten diesen Verrat zu schnell und eindimensional mit dem Hinweis auf den Satan zu erklären. Es bleibt letztlich unverständlich, wie das geschehen konnte und wer genau mit welchem Anteil der Verursacher des Kreuzesgeschehens war. Wir bekommen auch in der Bibel nicht auf alle Fragen eine Antwort. Aber sie fordert uns auf und ermutigt uns, trotz und in allen Fragen auf Gott zu vertrauen.

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Johannes 11, 1-16 Offene Fragen

Diesen Text finde ich immer wieder auf’s Neue rätselhaft. Auf der einen Seite wird zwei mal betont, dass Jesus Lazarus und seine Schwestern lieb hat (V.3.5). Andererseits zögert er zwei Tage lang, bevor er seinem Freund hilft. Offensichtlich soll mit diesem Auferweckungswunder ein Exempel statuiert werden, um anderen den Glauben zu erleichtern (V.15). Jesus lässt Leid und Schmerz zu, nur um dann zu zeigen, dass er mächtig genug ist, um Leid und Schmerz zu überwinden und neues Leben zu schenken?

Das zweite rätselhafte, das ich bis heute nicht richtig verstehe, ist die Aussage des Thomas: „Lasst uns mit Jesus gehen, dass wir mit ihm sterben!“ (V.16) Meint er das ernst oder ist diese Aussage sarkastisch zu verstehen? Ich habe bis jetzt noch keine Auslegung gefunden, die mich entweder von dem einen oder dem anderen wirklich überzeugt hätte.

Klar kann ich mir für jeden Bibeltext auch Erklärungen zurechtlegen. Aber ich denke, es ist wichtig, dass wir an manchen Stellen auch ehrlich zugeben, dass wir nicht alles in der Bibel verstehen. Manches bleibt rätselhaft und offen. Das ist angemessener, als wenn wir so tun, als ob wir mit der Bibel in der Hand alle Fragen ein für alle mal beantworten könnten.

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Johannes 7, 40-52 Fragende und Zweifelnde

Ich kann die Reaktion auf Jesus sehr gut nachvollziehen. Die Menschen fragen sich, wer dieser Jesus tatsächlich ist. Ist er ein Prophet, ist er der Christus, ist er Gottes Sohn oder ist einfach nur ein guter Mensch? So manches mal fühle ich mich den Fragenden und Zweifelnden sehr viel näher als denen, die ganz genau wissen wer Jesus ist. Das gilt sowohl für die radikalen Gegner, für die Jesus ein Verführer und Betrüger ist (diese Gegner waren damals interessanterweise v.a. die besonders Frommen und die religiöse Elite), als auch für die überzeugten Anhänger, sie sich keine Zweifel erlauben und die auch heute noch ganz genau wissen, was Jesus zu bestimmten Streitthemen sagen würde.

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Johannes 6, 41-47 Das Ziehen des Vaters

Jesus scheint mal wieder an den Leuten vorbei zu reden. Die Zuhörer sind ganz einfach überfordert mit Jesu Aussagen und fragen, wie dieser Mann zu solchen Aussagen kommt – sie kennen ihn doch von klein auf, sie kennen doch seine Eltern. Er ist doch ganz offensichtlich nicht vom Himmel gekommen, sondern auf Erden geboren, wie jeder andere Mensch auch. Jesus geht auf diese Einwände gar nicht ein, sondern beschäftigt sich auf hoch theologischer Ebene mit der Frage nach Glaube und Unglaube: Glaube braucht als Voraussetzung ein Wirken des Vaters (V.44: „Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, ihn ziehe der Vater“). Hilft das den zweifelnden Zuhörern? Das klingt eher danach, als ob bei ihnen sowieso schon alles zu spät ist.

Kann man damit auch heute noch den Unglauben erklären? Es gibt halt manche Menschen, die vom Vater gezogen werden und andere nicht – die haben dann Pech? Gerade weil im Johannesevangelium die Hoheit und Göttlichkeit Jesu so hervorgehoben wird, wird es umso unverständlicher, dass Menschen nicht zum Glauben an ihn finden. Solche Gespräche wie diese reflektieren dieses Unverständnis. Es bleibt immer wieder ein unverfügbares Wunder, wenn ein Mensch zum Glauben an Jesus Christus findet. Und doch sind auch die Leser des Johannesevangeliums zum Glauben aufgerufen. „Sie werden alle von Gott gelehrt sein“ (V.45). Jeder hat die Chance zum Glauben.

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Sacharja 10 Verheißungen

Ich tue mich schwer mit diesen Verheißungen. Gott verheißt Regen zur rechten Zeit, wenn man ihn darum bittet (V.1). Das haben auch viele schon so erfahren. Aber gibt es nicht genauso die andere Erfahrung: dass Christen aufrichtig und ernst um Regen bitten und es geschieht nichts? Gott verheißt seinem Volk, dass er sie wieder zurück ins verheißene Land bringt und es wieder so sein soll, als sie verstoßen wurden (V.6). Ja Gott hat sein Volk wieder aus Babylonien zurück gebracht – aber es war nicht wieder wie vorher. Es ist bis heute nie wieder so geworden, wie unter David und Salomo.

Als Glaubender ist man dann schnell dabei zu fragen: Warum haben sich die Verheißungen nicht umfassend erfüllt? Es kann ja nicht an Gott liegen. Also muss es an uns liegen. Wenn wir Menschen uns richtig verhalten würden, dann würde Gott auch alle seine Verheißungen völlig erfüllen. Aber so wird aus einer Verheißung eine Drohung: Wenn es nicht so kommt, dann bist du schuld! Aus einer positiven Zusage, wird eine negative Belastung.

Wäre es nicht besser, wenn Gottes Verheißungen realistischer und bescheidener wären? Aber vielleicht liegt das gerade in der Natur einer Verheißung: sie muss groß und leuchtend genug sein, um uns wirklich zu ermutigen. Eine Vision, die zu normal und kleinkariert ist, kann wenig bewegen. Eine Vision muss immer das Normale übertreffen, sonst bewegt sie uns nicht.

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Apostelgeschichte 8, 4-25 Ein Halbbekehrter?

Eine seltsame Figur, dieser Simon. Er war ein heidnischer Zauberer, der die Menschen mit seinen Künsten in den Bann zog. Dann wird berichtet, dass er gläubig wurde und sich taufen ließ (V.13a). Allerdings schien er mehr von den Zeichen und Wunder angesprochen zu sein als von der Verkündigung des Philippus (V.13b). Kurz darauf wird er von Petrus verdammt und von der Gemeinschaft der Christen ausgeschlossen (V.20f), weil er sich die Gaben der Apostel mit Geld erkaufen wollte.

War er von Anfang an nicht „richtig“ gläubig? Dann wäre V.13a eine falsche Aussage. Oder hat er den Glauben so schnell wieder verloren? Aber wie kann das sein, dass jemand der ganz frisch sein Leben Jesus gegeben hat, gleich wieder auf Abwege kommt? Am Ende bleibt auch offen, ob er auf das Angebot der Buße wirklich eingeht. Seine Antwort darauf ist nicht eindeutig (V.24). War er nur ein Halbbekehrter, der noch nicht wirklich alles verstanden und erfahren hatte? Aber kann es ein halbe Bekehrung überhaupt geben? War die Taufe auf den Namen Jesu Christi keine gültige Taufe, weil dabei der Heilige Geist nicht vermittelt wurde (vgl. V.16)? Aber kann es „ungültige“ Taufen geben? Wenn ich mir der Zusage Gottes bei der Taufe nicht mehr sicher sein kann, dann gerät doch der ganze Glaube ins Wanken?!

Ich habe bei diesem Text mehr Fragen als Antworten. Er macht mir auf jeden Fall deutlich, dass unsere Erkenntnisse über Bekehrung, Wiedergeburt, Taufe und Gabe des Heiligen Geistes begrenzt sind. Wir können aus der Apostelgeschichte und dem Neuen Testament manche Zusammenhäge erkennen. Aber diese Geschichte von Simon macht deutlich, dass wir nicht immer alles in unser Raster passt.

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Lukas 7, 18-23 Bist du es wirklich?

Eigentlich unlogisch, oder? Johannes hatte Jesus doch angekündigt, er hat gesagt, dass er nicht würdig sei, Jesus die Schuhe zu binde, er hat ihn doch getauft,… Johannes müsste doch wissen, wer Jesus ist. Und doch fragt er jetzt, ob Jesus wirklich der erwartete Retter ist.

Ich finde es Klasse, dass auch diese Anfragen und Zweifel in der Bibel überliefert sind. Selbst Johannes der Täufer war sich in seinem Vertrauen auf Jesus nicht sicher. Das ist vielleicht unlogisch, aber es ist realistisch. So ist es nun mal mit uns Menschen und unserem Glauben: es gibt Zeiten, da stehen wir felsenfest im Glauben, sind überzeugt und begeistert von Jesus. Aber dann gibt es auch die Zeiten der Fragen und Zweifel. Das ist ganz normal. Wichtig ist, dass wir mit diesen Fragen zu Jesus kommen: bist du wirklich der, auf den ich meine ganze Hoffnung setzen soll?

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1. Johannes 5, 14-21 Sünde zum Tod

Was für eine seltsame Stelle! Johannes unterscheidet hier zwischen zwei verschiedenen Arten von Sünde: es sagt, dass es eine Sünde gibt, die nicht zum Tod führt und eine Sünde, die zum Tod führt. „Es gibt aber eine Sünde zum Tode; bei der sage ich nicht, dass jemand bitten soll.“ (V.16) Der Zusammenhang ist die Fürbitte für den „Bruder“ (V.16), also für Christen. Was die Stelle so schwierig macht ist, dass Johannes hier gar nicht erklärt, was die Sünde zum Tod ist, sondern dass es ihm um die Frage der Fürbitte geht.

Das eröffnet natürlich jede Menge Raum für Spekulation und für die unterschiedlichsten Erklärungsversuche. Ehrlich gesagt: bei den verschiedenen Erklärungsversuchen tun sich für mich mehr Fragen auf als Antworten. Je nachdem von welchem Zusammenhang her man diese Stelle anschaut, ergeben sich die unterschiedlichsten Meinungen. Mich überzeugt kein Erklärungsversuch wirklich. Geht es um den irdischen Tod oder um den endgültigen Tod? Geht es um die falschen Propheten, welche die Adressaten des Briefes verwirren (und die in 2,22 als Antichristen bezeichnet werden) oder geht es allgemein um Christen? Hat die Sünde zum Tod etwas zu tun mit der Sünde gegen den Heiligen Geist (Mk.3,29) oder nicht? Hat die Sünde zum Tod etwas zu tun mit der Sünde des bewussten Glaubensabfalls, um die es in Hebr.6,4-8 geht? Könnte damit das gemeint sein, was Ananias und Sapphira geschehen ist, die vor der Gemeinde geheuchelt haben und daraufhin von Gott mit dem sofortigen Tod bestraft wurden? Soll man diese Stelle mit 1. Kor. 5,5 in Verbindung bringen, wo es um jemanden geht, der eine besonders schwere Sünde getan hat und der damit sein irdisches Leben eingebüßt hat, aber mit dem Ziel „damit der Geist gerettet werde am Tage des Herrn“? Also eine besonders schwere Züchtigung, um den Menschen dann doch letztendlich zu retten? Geht es um eine ganz bestimmte Sünde oder kann es prinzipiell jede Sünde sein und es kommt auf die Umstände an?

Ich verstehe nicht, warum Johannes das hier nicht näher erläutert. Aber ich weiß, dass es genügend Beispiele in der Bibel gibt, bei denen Gott selbst die schlimmsten Sünden vergibt. Mose hat einen Menschen getötet und doch benutzt Gott ihn, um sein Volk in die Freiheit zu führen. David hat Ehebruch begangen, dann auch noch den betrogenen Ehemann um die Ecke gebracht und doch hat Gott ihn nicht verworfen. Petrus hat Jesus feige verleugnet, hat gesagt, dass er ihn nicht einmal kennt und doch hat Jesus ihm vergeben. Die Römer haben den Sohn Gottes ans Kreuz genagelt und doch bittet Jesus für sie um Vergebung (Lk. 23,34). Paulus hat die Gemeinde auf fanatische Weise bis aufs Blut verfolgt und wollte sie vernichten und doch darf er umkehren und wird zum größten Missionar der Urchristenheit.

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Hesekiel 36, 16-38 Versteh ich nicht

Also ich komm mit Hesekiel grad nicht so richtig klar. Gott verheißt seinem Volk eine bessere Zukunft: er will sein Volk innerlich und äußerlich erneuern und wiederherstellen. Aber! Nicht weil er sein Volk so sehr liebt, oder weil er Mitleid hat, oder weil sie ihm trotz all ihrer Fehler und Schwächen wichtig sind, sondern um seiner selbst willen. Er kann es nicht ertragen, dass über sein auserwähltes Volk gelästert wird und damit er selbst als Gott dieses Volkes schlecht dasteht! „Ich tue es nicht um euretwillen, ihr von Hause Israel, sondern um meines heiligen Namens willen.“ (V.22) Wie passt das z.B. zum Gottesbild von Hosea, wo Gott sein Volk bis zur Selbstverleugnung liebt, obwohl es sich aufführt wie eine ehebrecherische Frau?

Außerdem verheißt Gott seinem Volk ein neues Herz und einen neuen Geist, damit sie endlich in seinen Geboten wandeln (V.26f). Wenn das so einfach ist, warum hat Gott das dann nicht von vornherein so gemacht? Warum lässt er sie erst in den Abgrund rennen, um danach zu sagen: „Hab ich’s doch gleich gewusst, das konnte ja nicht gut gehen. Lasst uns erst mal die Software umprogrammieren, damit das nicht wieder passiert.“ Aber der weitere Verlauf der Geschichte hat ja gezeigt, dass dieses Umprogrammieren selbst durch Jesus Christus und den Heiligen Geist nicht so einfach und problemlos funktioniert…

Ich finde, als Christen sollten wir nicht so tun, als ob mit Gott und der Bibel immer alles problemlos funktioniert und als ob wir alles verstehen. Es gibt genügend Dinge, die wir nicht unter die Füße bekommen, genügend Bibelstellen, in denen uns Gott fremd erscheint, genügend Erfahrungen, die wir nicht verstehen. Wenn wir ehrlich und glaubwürdig sein wollen, dann sollten wir auch darüber reden.

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Exodus 14, 1-14 Erfrischende Ängstlichkeit

Gott befreit hier nicht die selbstsicheren Glaubenshelden, die nie die geringste Spur des Zweifels und der Angst haben. Nein, er befreit einen wankelmütigen Haufen von Angsthasen aus der Gefangenschaft. Kaum sehen die Israeliten das Heer der Ägypter, bekommen sie es mit der Angst zu tun und sie fangen an zu zweifeln und zu fragen. Gleich zu Anfang denken sie schon, dass es doch einfacher und ungefährlicher gewesen wäre, weiterhin in Ägypten als Gefangene zu dienen (V.12).

Man mag über die ängstlichen Israeliten den Kopf schütteln. Aber ich finde es sehr erfrischend, dass hier in der biblischen Erzählung die Gemütslage des Volkes so offen und schonungslos dargelegt wird. Wenn Gott die ängstlichen Israeliten befreien konnte, die gleich zu Beginn schon ihr Vertrauen in Gott verloren hatten, dann kann er vielleicht auch was mit mir anfangen…

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