Exodus 23, 20-33 (K)ein süßes Engelchen

Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, der dich behüte auf dem Wege und dich bringe an den Ort, den ich bestimmt habe.“ (V.20) Ach wie süß von Gott! Er sendet uns einen Schutzengel, der uns den Weg beleuchtet und seine Flügel über uns breitet. Wer denkt da nicht an einen kleinen, kindlichen und weiß leuchtenden Engel, so ähnlich wie sie an vielen Christbäumen hängen?

Um so überraschender der nächste Vers: „Hüte die vor ihm und gehorche seiner Stimme und sei nicht widerspenstig gegen ihn; denn er wird eure Übertreten nicht vergeben, weil mein Name in ihm ist.“ (V.21) Das hört sich schon nicht mehr so süß und heimelig an! Ja, Gott beschützt uns und leitet uns auf dem Weg. Aber er ist dabei nicht süß und harmlos, sondern heilig und mächtig! Er ist nicht der große Wünscheerfüller, der uns jedes Hindernis aus dem Weg räumt, sondern er begleitet uns und hat dabei auch Ansprüche und Herausforderungen an uns.

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Jeremia 9, 1-10 Gewöhnung

Sie haben sich daran gewöhnt, dass einer den anderen betrügt.“ (V.4) Sünde betrifft uns alle. Auch diejenigen, die schon lange Christen sind. Wir fallen immer wieder – aber wir dürfen auch immer wieder aufstehen. Tragisch ist es jedoch, wenn man sich an die Sünde gewöhnt, wenn man sie gar nicht mehr realisiert, wenn man gar nicht mehr anders kann und vor allem: nicht mehr anders handeln will. Die Gute Nachricht übersetzt an dieser Stelle: „Sie sind Meister im Lügen und so ins Böse verstrickt, dass sie sich nicht mehr daraus lösen können.“

Tragisch ist es, wenn die Lüge normal wird, wenn ein Leben nicht mehr auf der Wahrheit (auch sich selbst gegenüber) basiert, sondern auf der Lüge und der Täuschung. Tragisch ist es, wenn sich ein Leben immer tiefer in der Lüge verstrickt und man irgendwann auch mit allergrößter Kraftanstrengung nicht mehr heraus kommt.

Ich möchte es gern anders herum versuchen: Ich will mich nicht an die Sünde, die Lüge und die Täuschung gewöhnen, sondern an die Wahrheit, das Leben und die Liebe. Ich möchte mich immer mehr an das Leben mit Gott gewöhnen, so dass es mir irgendwann gar nicht mehr auffällt und ganz von selbst geschieht…
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Psalm 57 – Unter dem Schatten deiner Flügel

„Unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht.“ (V.2) Bei diesem Bild hab ich immer an ein Huhn oder an einen Adler gedacht, die ihre Küken mit ihren Flügeln vor Hitze oder vor Feinden schützen (vgl. z.B. auch Mt. 23,37). Aber manche Exegeten verbinden dieses Bild auch mit den Flügeln der Cherubim, die im Allerheiligsten des Jerusalemer Tempels die Bundeslade bedecken (vgl. 1. Kön. 8,6-7).

Beides starke Bilder, die ich sehr tröstlich finde. Das eine betont mehr die Geborgenheit: Unter den starken Flügeln, ganz nah am flauschigen Bauch. Bei der anderen Deutung ist die Nähe der Gegenwart Gottes beeindruckend. Das Allerheiligste war nach damaliger Vorstellung der Platz von Gottes Gegenwart. Nirgendwo sonst kam Gott den Menschen in seiner Herrlichkeit so nahe. Selbst der höchste Priester durfte nur einmal im Jahr diesen Platz betreten. Und genau an diesem Platz dürfen wir Zuflucht und Schutz finden!
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