David Gilmour: Unser allerbestes Jahr

Ja, ein gutes Buch. Gut geschrieben, leicht zu lesen, interessantes Themen, viele Emotionen… Aber seltsamerweise hat es mich nicht berührt, zumindest nicht so sehr, wie es wohl manche andere Leser berührt hat. Das Buch war in den Bestsellerlisten ganz oben und es gibt offensichtlich viele Leute, die von diesem Buch begeistert sind. Ich hab es auch gern gelesen, aber von der Beschreibung her hatte ich gedacht, dass es mich mehr bewegen würde.

Es geht um eine wahre Geschichte, die Beziehung zwischen einem Sohn an der Schwelle zum Erwachsensein und seinem Vater. Als der Sohn 16 ist und seine Schulleistungen immer schlechter werden, schlägt der Vater ihm einen „Deal“ vor: Er darf mit der Schule aufhören unter der Bedingung, dass er drei mal pro Woche mit seinem Vater einen Film anschaut. Der Sohn geht natürlich auf das Angebot ein und so schauen Vater und Sohn drei Jahre lang gemeinsam Filme an und sprechen übers Leben.

Gilmour ist Filmkritiker, Schriftsteller und Fernsehmoderator. Es geht bei den Filmen also nicht nur um leichte Unterhaltungskost, sondern um große Filmklassiker. Man erfährt so manche interessante Details und Hintergründe von großen Filmen. Der eigentliche Punkt bei dem Buch sind aber nicht die Filme, sondern dass der Vater viel Zeit mit dem Sohn verbringt. Er hört ihm zu. Er nimmt ihn ernst. Durch die Filme kommen sie ins Gespräch über das Leben und vor allem über die Themen Frauen und Drogen. Der Vater gibt manches von seiner Lebenserfahrung weiter. Er zeigt aber oft auch seine eigene Schwäche und Ratlosigkeit. Diese Zuwendung des Vaters hilft dem Sohn letztendlich durch die Krise.

Das ist alles ganz nett und gut geschrieben, aber es haut mich nicht vom Hocker. Vielleicht hätte ich das Buch mit anderen Augen gelesen, wenn unsere Söhne in ähnlichem Alter wären und ähnliche Probleme hätten. Außerdem erschien mir die Schilderung des Sohnes irgendwie etwas blass und unzugänglich – und das obwohl man immer wieder die große Liebe des Vaters für seinen Sohn heraus spürt. Seltsam und Schade! Der größte Ertrag war für mich, dass ich die letzten paar Filme, die ich seit dem Lesen angeschaut habe, mit anderen Augen gesehen habe. Nicht nur als Unterhaltung, sondern auch als Kunst. Wie überzeugend spielen die Schauspieler ihre Rolle? Was will der Drehbuchautor durch verschiedene Szenen sagen? Wie sind die Kameraperspektiven?

Verwirrend und unpassend finde ich nach wie vor den deutschen Titel: „Unser allerbestes Jahr“. Denn im Buch selbst wird deutlich, dass Vater und Sohn drei Jahre lang miteinander Filme schauten. Das englische Original trägt den passenderen Titel „The Film Club“. Was hat sich der Übersetzer nur dabei gedacht?

Mein persönlicher Eindruck insgesamt: Nettes Buch, das trotz tiefgründiger Themen seltsam oberflächlich bleibt.

Augen für das Diesseits

Hab gerade über kwerfeldein.de ein tolles Film-Projekt entdeckt: „Home“ – ein Non-Profit Film über unsere Heimat, die Erde. Fantastische Bilder und Aussagen, die zum Nachdenken anregen. Der Film wurde gestern in über 50 Ländern gleichzeitig veröffentlicht und kann in voller Länge bei youtube angeschaut werden! Hier der Trailer:

Bei aller Hoffnung und Freude auf das Jenseits, dürfen auch wir Christen nicht die Augen für das Diesseits verlieren.

Fight Club

Durch das Buch „Die Zukunft gestalten“ von Frost und Hirsch bin ich auf den Film „Fight Club“ aufmerksam geworden. Der Film wird als Beispiel für ein postmodernes Lebensgefühl angeführt. Hab den Film jetzt gesehen und muss sagen: Wow! Ein richtig guter Film, der zum Nachdenken anregt. Gute, inovative Story, die perfekt umgesetzt wird. Leider mit einigen zu brutalen Szenen, aber das gehört wohl bei dem Film dazu, weil er sich eben gerade mit dieser Gewalt beschäftigt. Das war für mich kein Feel-good Film von dem man nachher begeistert ist. Der Film rüttelt kräftig an unserem Selbstbild, an unserem Weltbild und an unserer modernen Gesellschaft. Nach dem Ende des Filmes war ich erst mal wie benommen und wusste nicht so recht, was ich davon halten sollte. Es tauchen Fragen auf wie: Wer bin ich eigentlich? Welchen Sinn macht mein alltägliches Leben in unserer Wohlstandsgesellschaft?

Auf eine Inhaltsangabe verzichte ich an der Stelle – das können andere besser (z.B. bei Wikipedia). Aber ein paar Gedanken dazu: Aus Sicht des Glaubens fand ich den Film interessant, weil wirklich etwas von der postmodernen Unzufriedenheit mit unserer modernen, blutarmen und seltsam künstlichen Glitzerwelt des Scheins deutlich wird. Der Film zeigt etwas von der Sehnsucht nach ursprünglichen und kraftvollen Erfahrungen, welche wir heute kaum noch machen können (Ich glaube diese Sehnsucht drückt sich auch bei den vielen Verrückten aus, die lebensgefährliche Bergbesteigungen und sonstige Abenteuer auf sich nehmen, um wirklich mal wieder echte Grenzerfahrungen machen zu können…). Eine normale Gemeinde in der heutigen Zeit ist von dieser Sehnsucht leider oft meilenweit entfernt. Da läuft alles (zumindest an der Oberfläche) so schön gesittet, geordnet und zivilisiert ab. Starke Gefühle gibt’s nur bei den Charismatikern und auch dort muss man sie erst mit viel Aufwand künstlich erzeugen.

Etwas anderes, was mich nach dem Film beschäftigt, ist die Frage, wie wir als Christen mit Aggressionen umgehen. Der Film thematisiert ja v.a. die männliche Aggression und das Gefühl der Befreiung, wenn diese endlich mal ausgelebt werden darf. Ich denke es ist kein Wunder, dass viele Jugendliche von Ballerspielen, aggressiven Filmen und aggressiver Musik in den Bann gezogen werden. Ansonsten darf heutzutage ja Aggression gar nicht mehr vorkommen… Was tun wir Christen mit der Wut im Bauch? Immer wieder nur runterschlucken und ans Kreuz bringen? Immer nur so tun als ob man als guter Christ solche Gefühle nur vom Hörensagen kennt? Ich hab keine Antworten, nur Fragen. Vor allem wenn ich an Kinder und Jugendliche denke: Wie können wir mit der Aggression konstruktiv umgehen? Vor allem den Jungs genügt es doch nicht nur Bibel zu lesen und um eine brennende Kerze herum zu sitzen – die wollen kämpfen und siegen, auch in spiritueller Hinsicht.

Vom Kitsch berührt

Eigentlich mag ich keine übertrieben kitschige Filme. Aber gestern hat mich trotzdem einer berührt: „Der Klang des Herzens.“ Hemmungslos werden dort alle Kitsch-Register gezogen und viele total übertrieben. Und trotzdem hat mich der Film und die Idee dahinter gefesselt und ins Herz getroffen.

Ein Junge sucht seine Eltern. Beide sind Musiker (sie: Cellistin; er: Rockmusiker), leben nicht zusammen und wissen nichts von ihrem Kind (der Vater der Frau verheimlichte, dass das noch ungeborene Baby einen Unfall überlebte und gab es zur Adoption frei). Die Welt des Jungen ist von klein auf mit Musik erfüllt. Er hört sie – so etwas wie den Klang des Universums. Und er ist überzeugt, dass er über die Musik auch seine Eltern finden kann. So geschieht es dann auch am Ende (welches natürlich schon lange voraussehbar ist). Hört sich alles ziemlich konstruiert und abgehoben an – ist aber irgendwie gut umgesetzt. Auch durch die Filmmusik, die immer wieder die unterschiedlichen Musikstile (Klassik und Rock) und damit die unterschiedlichen Schicksale zusammenbringt. Gefreut hat mich bei dem Film auch, dass eine Kirche und besonders ein ziemlich cooler Kirchenchor eine wichtige Rolle auf der Suche des kleinen Jungen spielte. Und ganz am Ende schaut der Junge nicht nur glücklich seine Eltern an, sondern auch nach oben in den Himmel…

Noch interessanter wird die Geschichte, wenn man an die Stelle, die die Musik einnimmt, den Komponist dieser himmlischen Melodie des Universums setzt: Gott selbst. Die Melodie seiner Gegenwart ist immer da, nur hören die meisten nicht hin. Seine Himmelsmusik verbindet Menschen miteinander und lässt sie ihre wahre himmlische Heimat finden…

Als kleiner Einblick, hier der Trailer: