Psalm 61 – Mehr als ein Sahnehäubchen

Sahnehäubchen„Vom Ende der Erde schreie ich zu dir, weil mir die Kräfte schwinden. Bring mich hinauf auf den sicheren Felsen; ich schaffe es nicht, er ist mir zu hoch!“ (V.3, Gute Nachricht).  Wieder mal ein Beter in Not, der Gott um Hilfe bittet. Ich hab mir überlegt, was ich mit einem hohen Felsen verbinde. Ich denke dabei an einen schönen Spaziergang oder an eine Wanderung: Man steht auf einem hohen Felsen und genießt bei herrlichem Wetter die tolle Aussicht.

Für den Beter damals war der hohe Fels dagegen ein Symbol von Sicherheit. Dort konnte man von Feinden nicht so schnell erreicht werden. Dort war man geschützt und musste keinen Hinterhalt fürchten. Dort war man nicht in unmittelbarer Lebensgefahr.

Manchmal kommt es mir so vor, als ob sich mein „Wohlstandsglaube“ auf vergleichbare Weise von diesem ganz existentiellen und handfesten Glauben von damals unterscheidet. Wir suchen im Glauben oft nur die schöne Aussicht und ein paar nette Erfahrungen. Für David und andere Psalmbeter damals war der Glaube ganz unmittelbar notwendig, um zu überleben. Dass Gott einen auf einen hohen Felsen führt, war kein schöner Sonntagsspaziergang, sondern es war Errettung vor den Feinden. Für uns ist Gott oft nur das Sahnehäubchen, bei Menschen wie David dagegen ging es um ihre ganze Existenz.
Bibeltext
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Psalm 31 – Logik des Glaubens

„Sei mir ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest! Denn du bist mein Fels und meine Burg.“ (V.3-4) Rein logisch betrachtet sind diese Aussagen ziemlich bescheuert. Der Beter bittet Gott, dass er für ihn ein Fels und eine Burg sein soll und gleichzeitig sagt er, dass Gott das schon längst ist. Ja was denn nun? Ist Gott es nicht und muss darum um Hilfe gebeten werden? Oder ist er es schon längst, dann müsste der Beter doch eigentlich nicht darum beten?

Für mich ist das die Logik des Glaubens, oder die Logik des Gebets. Die richtet sich nicht unbedingt nach dem Verstand, sondern diese Logik richtet sich nach dem Herz. Auch wenn wir wissen, dass Gott da ist, dass er in unser Leben eingreift und uns hilft, dürfen und sollen wir darum beten, dass er da ist und eingreift.  Solche Gebete sind nicht überflüssig, sondern sie helfen uns, damit unser Vertrauen in Gott wieder neu gestärkt wird und wir uns wieder neu bewusst werden, was Gott tut. Und manchmal ist es ja vielleicht auch so, dass wir mit dem Verstand wissen, dass Gott da ist und eingreift, aber unser Herz das nicht spürt. Und dann können wir mit unserem Verstand sagen: Gott ist mein Fels und meine Burg. Und mit dem Herzen schreien wir: „Herr, zeig mir das neu, dass du mein Fels und meine Burg bist!“
Bibeltext