Lukas 5, 33-39 Keine trockene Angelegenheit

Das ist ja mal ein Vorwurf gegenüber Jesus und seinen Jüngern: „Ihr feiert zu viel! Ihr esst und trinkt, anstatt Buße zu tun und zu fasten! Ihr nehmt den Glauben wohl nicht ernst genug!“ Tja, für manche ist der Glaube eine sehr ernste und trockene Angelegenheit. Da darf nicht zu viel Freude dabei sein…

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Exodus 13, 1-16 Erinnerung mit allen Sinnen

Dieser Text ist schon sehr von der Erinnerung geprägt. Es wird erklärt warum die Israeliten das Fest der ungesäuerten Brote feiern und warum die Erstgeburt in besonderer Weise Gott gehört. Es wird sogar ausdrücklich darauf hingewiesen, dass man den Kindern die Ereignisse der Befreiung weiter erzählen soll (V.14). Viermal wird in diesem Abschnitt das Wichtigste betont: Der Herr hat Israel mit mächtiger Hand aus der Knechtschaft in Ägypten befreit (V. 3.9.14.16). Daran soll erinnert werden.

Erinnerung ist wichtig. Wie schnell vergisst man all das Gute, das Gott einem getan hat! Interessant ist, dass im jüdischen Glauben das Erinnern nicht nur im Denken geschieht, sondern mit konkreten Handlungen verbunden ist: Es wird das Fest der ungesäuerten Brote gefeiert, die Erstgeburt der Tiere wird geopfert und die menschliche Erstgeburt wird mit Opfer ausgelöst. Das sind ganz handfeste Erlebnisse, die Erinnerung geschieht nicht nur abstrakt, sondern mit allen Sinnen.

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Psalm 22, 23-32 – Dank feiern

V. 22 endet mit den Worten: Du hast mich erhört! Und jetzt, ab V. 23 folgt ein Danklied, mit dem der Beter für die Erhörung seiner Klage dankt. Die Stuttgarter Erklärungsbibel schreibt dazu: „Viel direkter als in heutiger Praxis wurde beides, Klage und Dank, in den Gottesdienst hineingenommen. Das Danklied wurde im Zusammenhang mit dem Dankopfer vorgetragen, mit dem der Beter das in der Not abgelegte Gelübde erfüllt.“ D.h. dass sowohl die Klage als auch der Dank ausdrücklich in einem öffentlichen Gottesdienst zur Sprache kamen. Und zwar so, dass die Klage nicht erst zitiert wurde, als alles schon vorbei war und das Gebet erhört wurde, sondern die Klage und Bitte wurde in einem Gottesdienst vorgebracht – sie hat ihr eigenes Recht und ihre eigene Berechtigung unabhängig von der Erhörung. Erst später, nach der Erhörung kam es zu einem Dankgottesdienst mit Dankopfer.

Ich finde diese Vorstellung schön, dass beides, Klage und Dank, viel mehr in den Gottesdienst mit hineingenommen wurde. Beides hat seinen Platz und soll auch konkret zur Sprache kommen können. Das ist heute sicher von Gemeinde zu Gemeinde verschieden, aber oft ist es doch so, dass sowohl der Dank, als auch und noch viel mehr die Klage nur sehr abstrakt und unpersönlich in unseren Gottesdiensten vorkommen.

So ein Dankopfer-Gottesdienst hat doch auch was für sich. Denn beim Opfer wurde nicht einfach alles für Gott verbrannt, sondern die Teilnehmer bekamen auch was von dem leckeren Fleisch ab – sie haben also miteinander gegessen und gefeiert. Nicht nur in trockenen Worten, sondern auch mit saftigem Fleisch und fröhlicher Gemeinschaft. Das hört sich für mich alles irgendwie handfester, tiefer und konkreter an, als unser oft so verkopfter Glaube. Sowohl was die Klage und Verzweiflung angeht, als auch was den Dank und die Freude über Gott angeht…
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Matthäus 9, 14-17 – Fasten oder Feiern?

Was sollen wir denn nun tun? Fasten oder Feiern? Jesus sagt: Solange der Bräutigam da ist, können die Hochzeitsgäste doch nicht fasten, sie sollen und dürfen feiern. Mit dem Bräutigam meint er natürlich sich selbst. Aber er sagt dann auch, dass eine Zeit kommen wird, in welcher der Bräutigam von uns genommen wird – dann ist Zeit zum Fasten.

Und wo stehen wir jetzt? Knapp 2000 Jahre nach Jesu Tod, Auferstehung und Himmelfahrt) Ist Jesus, der Bräutigam nun da oder nicht? Einerseits ist er nicht mehr da, er ist ja in den Himmel aufgefahren und sitzt zur rechten Gottes. Andererseits ist er aber doch da – durch den Heiligen Geist wohnt er in uns. Feiern oder Fasten?

Gestern hab ich bei Ulrich Wilckens einen sehr interessanten Ausdruck gelesen: „Parusie in der Schwebe“. Kann die Stelle leider nicht mehr finden, es war in seiner Theologie des Neuen Testaments. Damit meint er dass zum einen Jesus schon auferstanden ist und dass er lebt, dass er also schon wiedergekommen ist (Parusie = Wiederkunft Christi). Aber diese Wiederkunft ist noch seltsam in der Schwebe, sie ist noch nicht vollendet. Diese Formulierung gefällt mir. Sie drückt sehr schön auch diese Unsicherheit zwischen Fasten oder feiern aus. Vielleicht könnte man sagen: Feiern in der Schwebe.