Fedora 14 – LXDE

Am 2. November 2010 ist das neue Fedora 14 erschienen. Gleich nach dem Erscheinen hab ich die LXDE-Variante auf meiner Testpartition installiert und seitdem im Alltagsgebrauch getestet (komischerweise hat sich die Gnome-Version sich bei mir trotz mehrmaligen Downloads und verschiedenen Brennversuchen bei mir nicht installieren lassen…).

Der LXDE Desktop von Fedora 14

Für den Desktop-Anwender auffällige Neuerungen finden sich nicht in Fedora 14. Am ehesten bemerkbar macht sich vielleicht die neue JPEG-Bibliothek libjpeg-turbo, die im gesamten System zu einem schnelleren Umgang mit Bilddateien führt. Eine weitere Neuerung ist die Desktop- Virtualisierung Spice. Aber für einen normalen Desktop Endanwender wie mich ist das uninteressant.

Natürlich wurden Programme und Desktop-Umgebungen aktualisiert. Gnome 2.32 ist dabei und bei KDE leider nur KDE 4.5.2  (am 3. Nov. ist 4.5.3 erschienen). Der Kernel wurde auf 2.6.35.4 aktualisiert. Interessant ist, dass sich über die Repos auch Meego 1.0 (eine speziell für Netbooks optimierte Desktopumgebung) und Sugar 0.90 (eine für Kinder entwickelte Oberfläche) nachinstallieren lassen.

Die Standard Desktop Umgebung ist nach wie vor Gnome, aber auch von KDE, LXDE und XFCE lassen sich Installationsmedien herunterladen >>>.

Installation

Wie gesagt, die Gnome-Version hat bei mir nicht funktioniert. Der LXDE-Spin dagegen tadellos. Die Installation fand ich sehr professionell und sehr schnell. Eine gute Balance zwischen Einfachheit und genügend Möglichkeiten, die Installation seinen Bedürfnissen anzupassen.

Design

Nicht mein Fall. Ein aktuelles und modernes Design gehört offensichtlich nicht zu den Prioritäten von Fedora (im Gegensatz zu Ubuntu, wo bei jedem Release auch kräftig an der Oberfläche gefeilt wird und das einfach moderner aussieht). Bei Fedora zählen mehr die inneren Werte. Es wendet sich an erfahrene Linux-Anwender und Entwickler, die sich dann das Design sowieso selbst zusammensuchen.

Leistung

Klasse! Die LXDE Umgebung hat natürlich von Haus aus einen geringeren Speicherverbrauch und ist sehr schnell. Aber auch insgesamt macht das System einen sehr flotten Eindruck. So z.B. auch die Paketverwaltung, die schnell startet und schnell nach Paketen sucht. Das Auflösen von Abhängigkeiten dauert dagegen etwas länger.

Für meinen Geschmack werden beim Systemstart zu viele Dienste und Programme geladen, die man nicht unbedingt braucht. Aber über die gute Diensteverwaltung und das Programm zu den Sitzungseigenschaften kann man das schnell ändern.

Ärgernisse

Ich weiß: Fedora ist nicht unbedingt für Linux-Anfänger und ganz normale Desktopbenutzer konzipiert. Es richtet sich vor allem an Entwickler und Profis. Ich weiß auch, dass Fedora die Philosophie hat, freie Software zu fördern und proprietäre Software zu meiden. Aber für mich bleibt es jedes mal ein Ärgernis, wenn man nach der Installation erst einmal verschiedene Einstellungen vornehmen muss, um das System alltagstauglich zu bekommen. Mit dem Programm easylife und dem rpmfusion-Repo geht das inzwischen zwar einfacher als noch vor Jahren – aber das muss man ja auch erst einmal wissen (mit easylife kann man relativ bequem z.B. SELinux abschalten, den Flash-Player nachinstallieren, mp3-Codecs installieren oder die NVIDIA-Treiber für bessere 3D Performance installieren). Fedora selbst gibt hier keine Hilfestellung.

Ein Bug bei meiner LXDE-Installation: es lassen sich manche Programme nicht installieren, weil sie nach den Nautilus-Extensions verlangen, die aber eigentlich installiert sind.

SELinux habe ich sofort wieder abgeschaltet: es nervt mich mehr, als dass es hilft. Für den normalen Endanwender ist das System auch ohne diese Security Hinweise sicher genug.

Fazit

Sehr positiv! Ein gutes Release. Aktuell, schnell und stabil. Wenn man einige Anpassungen und weiß was man tut, auch durchaus für den Endanwender ein gutes Arbeitssystem. Aber mein Lieblingslinux Archlinux wird es nicht verdrängen 😉

Screenshots

Leichter leben mit Fedora: easyLife

Fedora ist eine klasse Linux Distribution: Schnell, stabil, aktuell. Aber im Vergleich zu manch anderen Distributionen ist es relativ aufwändig, den Desktop für den Alltagsgebrauch einzurichten. Das liegt u.a. daran, dass Fedora keine proprietäre Software zur Verfügung stellt. Das geht nur über Drittanbieter (und nicht wie bei ubuntu mit ein paar Mausklicks…). Wer mit einer NVIDIA-Grafikkarte ein paar einfache 3D-Spiele machen möchte, youtube-Videos schauen möchte, seine mp3s anhören will oder eine DVD schauen will, der schaut erst mal in die Röhre – das funktioniert nicht out of the box.

Ein hilfreiches Projekt, welches das alles sehr vereinfacht, ist das easyLife-Projekt. Die Installation ist einfach: Auf der Homepage das rpm herunterladen und installieren. Dann das Icon auf dem Desktop klicken und schon stellt das Programm viele hilfreiche Arbeitserleichterungen zur Verfügung. Die Installation der NVIDIA-Treiber wird damit zum Kinderspiel. Auch Multimedia-Codecs können damit einfach installiert werden. Ich hab es auch benutzt, um SELinux abzuschalten – das bringt mir meist mehr Ärger als Nutzen.

Ich hab easylife mit dem LXDE-Spin von Fedora 12 ausprobiert und es hat alles tadellos funktioniert.

easylife
easyLife Dialogfenster mit Desktop-Icon im Hintergrund

Opensuse 11.2 – Mandriva 2010 – Fedora 12

Neben ubuntu 9.10 gab es im Herbst drei weitere große Linux-Distributionen, die eine neue Version herausgebracht haben: Opensuse 11.2, Mandriva 2010 und Fedora 12. Ich hab alle drei Systeme jeweils mindestens eine Woche auf meinem Computer gehabt und im normalen Alltagsbetrieb getestet. Hier nun meine Eindrücke, wie sich die drei Distris auf meiner Hardware und bei meinen täglichen Anforderungen geschlagen haben. Das ist natürlich kein ausführlicher Test, sondern eher ein persönliches Vergleichsfazit.

Opensuse 11.2

OpenSuse 11.2 - Desktop (KDE)

Was mir gefällt

Tolles Design! Von den drei Distris fand ich opensuse am ansprechendsten. Auch einzelne Anwendungen, wie. z.B. Firefox sind gut in’s Design integriert. Da ist insgesamt alles sehr stimmig. Das gilt sowohl für den KDE 4 Desktop, als auch für das eigenständige Design der Gnome-Version von Opensuse 11.2. Die Arbeitsgeschwindigkeit und die Stabilität ist gut. Noch vor einigen Jahren wirkte Suse eher behäbig und etwas “übergewichtig”. Daran wurde gut gearbeitet. Auch die Geschwindigkeit der Paketverwaltung wurde merklich beschleunigt (erreicht aber apt-get und Synaptic auf Debian basierten Systemen nicht). Toll ist auch die Möglichkeit von 1-Klick-Installation über das Software-Portal von Opensuse. Hier findet man jede Menge Software, die in den offiziellen Repos nicht drin ist und man kann sie bequem mit einigen Klicks installieren.

Was mir nicht so gefällt

Ich habe Opensuse mit der KDE Live CD installiert. Seltsam war, dass das System nach der Installation auf Englisch war – obwohl ich die Sprachauswahl auf deutsch gestellt hatte. Etwas ärgerlich war bei mir auch, dass bei dem ersten Versuch zusätzliche Software über die Repos zu installieren eine riesige Menge von anderen Software Paketen aktualisiert oder heruntergeladen wurden (auch solch unnötigen Dinge wie z.B. myspell Wörterbücher für Spanisch oder Polnisch…). Schwierigkeiten hab ich auch mit mit den mp3-Codecs gehabt. Ich benutze auch unter KDE gerne den Musikplayer Rhythmbox (weil er nicht so aufgebläht ist und so viele Ressourcen verbraucht wie Amarok). Trotz 1-Klick-Installation der Codecs wollte das nicht laufen.

Die Vielzahl von Opensuse Repos ist einerseits eine schöne Sache. Ich kann z.B. durch ein zusätzliches Repo immer meine KDE-Version aktuell halten. Aber es kann auch zur Gefahr für die Systemstabilität werden. Wenn viele unterschiedliche Repos eingebunden sind, kann es zu manchen Abhängigkeitsproblemen kommen, die nicht mehr so einfach aufzulösen sind.

Insgesamt machte Opensuse auf mich einen etwas unausgereiften Eindruck. Es hat noch so manche Ecken und Kanten. Manche Kleinigkeiten funktionieren einfach noch nicht so richtig und an manchen Stellen fehlt die Feinabstimmung. Schade! Seit Jahren probiere ich immer wieder mal Opensuse (oder vorher SUSE) und mir geht es immer so, dass ich es eigentlich gut finden möchte (u.a. weil es seinen Ursprung in Deutschland hat und weil ich die Balance zwischen Einsteigerfreundlichkeit und trotzdem vielen Einstellungsmöglichen toll finde). Ich war nie richtig enttäuscht von den Releases, aber ich hatte auch nie das Gefühl: Wow, das ist so gut und überzeugend, dass es als Hauptsystem auf meinem Computer bleiben muss.

Mandriva 2010

Mandriva 2010 - Desktop (KDE)

Was mir gefällt

Von der Installation und Einrichtung her war das für mich die problemloseste der drei Distris. Ich hab die Mandriva-One-KDE-CD zur Installation benutzt. Der proprietären Grafiktreiber von NVIDIA wurde von Anfang an richtig mit installiert und auch der Adobe Flashplayer funktionierte von Anfang an (wer proprietäre Software vermeiden möchte, kann sich auch die “Free”-Version installieren). Auch sonst macht das System einen sehr ausgereiften Eindruck.

Was mir nicht so gefällt

Das Design finde ich (v.a. im Vergleich zu Opensuse) zu langweilig. Die Hauptfarbe von Mandriva ist ja Blau. Und blau ist eigentlich eine eher seriöse Farbe. Aber bei Mandriva geht mir das zu sehr ins knallige Blau und dann noch im Boot-Splash und im Desktop-Wallpaper manche Pastelltöne… Nee, nicht mein Fall. Mir persönlich gefällt auch nicht, dass Mandriva von den Grundeinstellungen her recht viele Systemdienste aktiviert. Das heißt, dass schon bei einer normalen Grundinstallation recht viel Speicher verbraucht wird.

Ein nerviger Bug (zumindest auf meinem System) ist, dass die Softwareverwaltung beim Installieren manchmal die Repos nicht findet. Wenn ich ein Software Paket installiere und danach noch etwas anderes installieren möchte, meldet Mandriva in schöner Regelmäßigkeit, dass es die Repos nicht finden kann. Wenn man die Softwareverwaltung dann schließt und neu startet geht es dann wieder…

Fedora 12

Mhm… Schwierig, Fedora mit den anderen beiden zu vergleichen. Fedora hat nämlich eine ganz andere Zielrichtung als Mandriva und Opensuse. Wenn man es mit Häusern vergleichen würde, dann bieten Mandriva und Opensuse Häuser, die nach der Installation mehr oder weniger gut bewohnbar sind. Man muss vielleicht noch ein paar Möbel austauschen und zurechtrücken, aber im Großen und Ganzen kann man sich gleich wohl fühlen. Fedora ist eine andere Geschichte: Hier zieht man eher in eine Baustelle ein. Um es wirklich bewohnbar zu machen, muss man noch eine Menge Arbeit reinstecken.

Fedora 12 - Desktop (KDE)

Was mir gefällt

Fedora 12 hat eine wirklich gute Basis. Es ist schnell, stabil, zuverlässig und bietet trotzdem aktuelle Software. Auch vom Design her find ich es (trotz dem vielen Blau) ansprechender und ausgewogener als Mandriva. Die Softwareverwaltung mit Package-Kit funktioniert gut und relativ zügig (bis auf die relativ lange Startzeit).

Was mir nicht so gefällt

Fedora verzichtet ganz bewusst und gezielt auf proprietäre Software. Das ist okay, denn so wird Open-Source gefördert. Nur für mich als Endanwender ist es einfach so, dass ich z.B. meine 3D-Grafikkarte auch als 3D-Grafikkarte benutzen möchte. Das geht bis jetzt nur sinnvoll mit den proprietären NVIDIA-Treibern. Schön ist ja, dass es bei Fedora inzwischen das rpm-Fusion-Repo gibt, in welchem auch solche Software zu finden ist (und das relativ leicht eingebunden werden kann). Aber selbst hier musste ich lange herum googeln bis ich herausgefunden habe, dass zu dem Zeitpunkt die NVIDIA-Treiber für Fedora 12 noch im Testing-Zweig von rpm-Fusion lagen. Erst nachdem ich diesen aktiviert hatte, konnte ich die NVIDIA-Treiber installieren. Aber daneben muss man dann noch eine weiter Hürde überwinden: Die Treiber funktionieren nur wenn man zusätzlich im Grub-Menu die freien nouvau-Treiber mit folgendem Eintrag deaktiviert: nouveau.modeset=0 (einfach am Ende der kernel-Zeile im Grub-Menü einfügen).  An diesem Beispiel wird deutlich, dass so manches bei Fedora einiges an Handarbeit und an Nachforschung erfordert. Denn in der offiziellen Dokumentation taucht zu solchen Problemen sehr wenig auf.

Fazit

Alle drei sind gut, aber alle drei haben auch so ihre kleinen Macken und Fehler. Mein Favorit von den dreien ist Mandriva. Ich hatte auf meinem Computer noch eine frei Partition zu vergeben. Das Rennen hat Mandriva gemacht – das wird jetzt erst mal (neben meiner Lieblingsdistribution Arch-Linux) drauf bleiben. Insgesamt finde ich Mandriva das ausgereifteste, stabilste und ausgewogenste System.

[update:]

Muss mein Urteil noch einmal revidieren: Nachdem sich bei meiner Mandriva-Installation in den Boot-Vorgang eine lästige Unterbrechung eingeschlichen hat (eine Minute Wartezeit, auf irgendwelche Partitionen, die dann später doch da waren… keine Ahnung wie es dazu gekommen ist…), hab ich noch einmal Opensuse ausprobiert. Ursprünglich hatte ich den Release-Candidate installiert und nun eben die finale Version von Opensuse. Und siehe da: Diese Installation lief sehr viel runder und besser als die vorherige (obwohl es ja eigentlich kein Unterschied machen sollte, da auch der RC über die Updates aktualisiert wird…). Opensuse läuft seither bei mir zuverlässig und schnell. Bin sehr zufrieden damit. Was mich besonders beeindruckt, ist die erstaunlich kurze Boot-Zeit. In Verbindung mit einer leichtgewichtigen Desktop-Umgebung wie z.B. LXDE startet das (zumindest bei mir) so richtig fix.

Screenshots

OpenSuse 11.2 - Desktop (KDE)
OpenSuse 11.2 - Installation (1)
OpenSuse 11.2 - Installation (2)
OpenSuse 11.2 - Installation (3)
OpenSuse 11.2 - Installation (4)
OpenSuse 11.2 - Installation (5)
OpenSuse 11.2 - Installation (6)
OpenSuse 11.2 - Yast Kontroll Center
OpenSuse 11.2 - Desktop (Gnome)
OpenSuse 11.2 - Nautilus Datei Manager (Gnome)
Mandriva 2010 - Desktop (KDE)
Mandriva 2010 - Desktopeffekte funktionieren "out of the box"
Mandriva 2010 - Dateimanager Nautilus
Mandriva 2010 - Entfernt unbenötigte Pakete bei Installation
Mandriva 2010 - Multimediatasten funktionieren auf Anhieb
Mandriva 2010 - Automatisches Softwareupdate
Mandriva 2010 - Paketverwaltung
Fedora 12 - Der Standard-Desktop (KDE)
Fedora 12 - Package Kit: Software Updates
Fedora 12 - KDE4 Benachrichtigungen
Fedora 12 - Firewall Konfiguration
Fedora 12 - Dienste Konfiguration
Fedora 12 - Dolphin mit Bildervorschau
Fedora 12 - Systemeinstellungen (KDE) mit Icon zur Softwareverwaltung
Fedora 12 - Tool zum automatischen generieren von Bug-Reports

Fedora 11

Fedora-logo
Fedora-logo

Fedora ist die Open-Source Test- und Spielwiese für die kommerzielle Linux Distribution von Red Hat. Das heißt dass Fedora freie Software ist und von der Community entwickelt wird, dass es aber manche, auch finanzielle Unterstützung und Verknüpfung zu der Firma Red Hat gibt. Das was in Fedora getestet wird, kommt irgendwann auch in der kommerziellen Distribution von Red Hat zum Einsatz.

Die vier Grundsätze von Fedora sind: Freedom, Friends, Features, First (vgl. die Beschreibung auf der Fedora-Seite).

Die vier Grundsätze von Fedora
Die vier Grundsätze von Fedora

Freedom steht dafür, dass Fedora nur freie Software verwendet. Keine proprietäre (= urheberrechtlich geschützte) Software soll zum Einsatz kommen, sondern nur Open Source Software (Offene Quellen: Die Quellcodes der Software sind frei zugänglich und einsehbar). Friends steht für die Community (= Gemeinschaft). Die Weiterentwicklung von Fedora geschieht nicht in einem geschlossenen Zirkel, sondern in der offenen Community. Features steht für den Willen möglichst viele technische Features in Fedora einzubauen, die Fedora, aber auch Linux insgesamt vorwärts bringen und besser benutzbar machen. Schließlich steht First dafür, dass Fedora die ersten sein möchten, die neue, innovative Entwicklungen in ihre Distribution aufnehmen. Fedora hat deswegen den berechtigten Ruf, eine „bleeding edge“-Distribution zu sein. Es wird vorzugsweise die neuste Software benutzt, die noch so manche Ecken und Kanten hat. D.h. dass die Software teilweise noch nicht ganz ausgereift ist, dafür aber brandaktuell.

Installation

Für meine Installation habe ich die Gnome-Live-CD verwendet. Dabei bin ich bei der Installation gleich auf die ersten schwerwiegenden Probleme gestoßen (man könnte auch sagen: eine scharfe Kante, an der man sich blutig schlagen kann 😉 ): Bei der benutzerdefinierten Installation auf eine freie Partition meiner Festplatte kam es zu zwei widersprüchlichen und scheinbar unauflöslichen Fehlermeldungen. Fedora 11 verwendet als neuen Standard für das File-System EXT4. Wenn ich nun aber meine freie Partition als EXT4 verwenden möchte, kommt die Fehlermeldung: „Bootbare Partitionen können nicht auf einem ext-4 Dateisystem sein.“ Ich denk mir: Okay, dann nehm ich halt das ältere EXT3. Und siehe da: Auch hier kommt eine Fehlermeldung (dieses mal auf Englisch! Schlecht!) – nämlich, dass mein Wurzelverzeichnis nicht dem Live-Image entspricht und dass es als EXT4 formatiert werden muss. Tja, Pech gehabt?!

Der Hintergrund von diesem Problem: Fedora 11 verwendet Grub als Bootloader. Grub kann jedoch noch nicht mit EXT4 umgehen (erst ab der neuen Version Grub2). Die Lösung des Problems: Entweder man lädt sich die DVD zur Installation runter, damit kann man die Partition auch als EXT3 formatieren und verwenden. Oder man legt zwei Partitionen für Fedora an: Ein kleine (100-200 MB) „/boot“ Partition, die als EXT3 formatiert wird und eine größere „/“ Partition, die mit EXT4 formatiert wird. Das hab ich dann auch gemacht und es hat wunderbar funktioniert. Allerdings fand ich es ziemlich ärgerlich, dass es bei einer modernen Linux-Distribution zu solch einem Problem kommen kann und v.a. dass bei der Installation keinerlei konkreten Hinweise auftauchen, wie man damit umgehen soll.

Warnmeldung bei der Installation (1)
Warnmeldung bei der Installation (1)
Warnmeldung bei der Installation (2)
Warnmeldung bei der Installation (2)
Partitionierung mit extra Boot-Partition
Partitionierung mit extra Boot-Partition

Ärgerlich ist auch, dass Fedoras Boot-Manager bei mir außer Fedora und Windows (das dezent als „Other“ eingebunden wird 😉 ) keine anderen Betriebssysteme erkannt hat. Ich hab noch Debian und Archlinux auf dem Rechner – keine Spur davon im Boot Manager. Bei einer Distribution, die Wert auf freie Software legt, sollte man doch erwarten können, dass andere Linux-Systeme zumindest genau so gut erkannt werden wie Windows!

Ansonsten war die Installation problemlos und sehr schnell. Das Installieren der Software selbst brauchte weniger als 10 Minuten! Meine Hardware wurde sehr gut erkannt und z.B. auch meine Multimediatasten gleich richtig konfiguriert. Sehr schön! Nur das Soundsystem „Pulseaudio“ scheint immer noch so seine Kinderkrankheiten zu haben: Beim Login-Sound gibt es bei mir regelmäßig einen kleinen Aussetzer. Aber ansonsten funktioniert der Sound mit meiner Intel-Soundkarte gut.

Kommen wir jedoch zum nächsten Problem: Die NVIDIA-Grafikkarte. Die wurde richtig erkannt und Fedora verwendet als Treiber die neuen und freien noveau-Treiber. Die funktionieren besser als die alten nv-Treiber, bieten aber noch keine 3D-Unterstützung. Wer ab und zu mal ein Spiel machen möchte oder die schicken Compiz-Effekte nutzen möchte braucht notgedrungen den proprietären Linux-Treiber von NVIDIA. Naja, dürfte ja kein großes Problem sein: Es gibt für Fedora das rpm-Fusion Repo, mit dem sich auch nicht freie Software über die Paketverwaltung einspielen lassen. Die Einbindung ging auch gut und problemlos (vgl. Anleitung auf rpmfusion). Das Installieren der NVIDIA-Treiber funktionierte bei mir jedoch nicht. Auch nach viel rumprobieren wollten die Treiber nicht laufen. 🙁 Um meine Grafikkarte richtig zu nutzen, musste ich den Originaltreiber von NVIDIA runterladen und von Hand installieren. Damit läuft’s jetzt prima…

Überhaupt gibt es da noch manche Abstimmungsprobleme was nicht freie Software angeht. Auch das Einbinden von Multimedia Codecs, die man z.B. für die Wiedergabe von mp3 braucht ist nicht ganz so einfach wie z.B. bei ubuntu. rpmfusion wird ja bei einer Standard-Installation nicht als Repo mit eingebunden. Wer das will, muss das später selbst erledigen (ist ja auch okay so, denn Fedora steht für freie Software ein). Wenn man nun aber nach der Standard-Installation versucht, eine mp3-Datei abzuspielen, dann erkennt Fedora richtig, dass die nötigen Codecs fehlen und schlägt vor, sie zu suchen und einzubinden. Toll! Funktioniert aber leider nicht, solange man nicht selbst das rpmfusion-Repo eingebunden hat. Da kommt dann nur die Fehlermeldung, dass die nötigen Codecs nicht gefunden wurden. Das ist alles nicht besonders Einsteiger-freundlich. Wer da nicht ein bisschen Ahnung von Fedora hat, ist schnell aufgeschmissen.

Hier noch die Schnell-Version für die Installation der Multimedia-Codecs über ein Terminalfenster:

Zuerst die rpmfusion Repos einbinden:

su -c 'rpm -Uvh http://download1.rpmfusion.org/free/fedora/rpmfusion-free-release-stable.noarch.rpm http://download1.rpmfusion.org/nonfree/fedora/rpmfusion-nonfree-release-stable.noarch.rpm'

Dann die gstreamer-plugins-ugly installieren:

yum install gstreamer-plugins-ugly

Neuerungen

Die zwei wichtigsten Neuerungen für mich sind das neue File-System ext4, welches mehr Performance und Zuverlässigkeit bringt, und der schnellere Bootvorgang. Fedora wirbt damit nur 20 Sekunden für den Start zu brauchen (vom Bootloader bis zum grafischen Login). Das ist ein Durchschnittswert, der je nach Hardware noch einmal anders aussehen kann. Auf meiner Hardware (viereinhalb Jahre alt; Pentium 4) wird das nicht ganz erreicht, aber Fedora ist bei mir bis jetzt trotzdem die am schnellsten startende Distribution. Beeindruckend!

Auch sonst gibt es jede Menge neue Features. So z.B. die Verwendung der neuen freien noveau-Treiber für NVIDIA (die aber wie oben beschrieben, keine 3D Unterstützung bringen) oder die Unterstützung für Kernel-based Mode-Setting (KMS), die allerdings nur bei Intel Grafikchips funktioniert. Das KMS sorgt für einen flickerfreien Bootvorgang. Mit meiner NVIDIA Grafik komme ich nicht in den Genuss und muss mich mit einem simplen Fortschrittsbalken beim Boot begnügen.

Die Software ist hoch aktuell. Es wird der Kernel 2.6.29 verwendet und alle Pakete wurden mit gcc 4.4 erstellt. Gnome ist in der Version 2.26.2 mit dabei, man kann aber auch KDE 4.2.3 oder Xfce 4.6.1 verwenden. Bei Firefox wird sogar schon als Standard die aktuelle Beta-Version von 3.5 installiert und wenn man Thunderbird aus den Repos installiert bekommt man ebenfalls eine Beta von Version 3 (Beides hat bei mir bis jetzt ohne Probleme funktioniert, wobei die Firefox-Beta in der Entwicklung wohl schon weiter und stabiler ist, als die Thunderbird-Beta; d.h. dass die Auswahl von Thunderbird 3 durchaus gewagt ist).

Vgl. zu den vielfältigen Neuerungen auch die Feature List bei Fedora.

Design

Der Fedora Desktop der Live-CD
Der Fedora Desktop der Live-CD

Naja! Den neuen Desktop Hintergrund finde ich sehr gelungen, der gefällt mir. Ansonsten wirkt das Design auf mich ziemlich angestaubt. Das knallige blau der Fensterrahmen passt überhaupt nicht zu dem dezenteren blau des Hintergrundes. Dazu viel biederes und langweiliges grau… Mein Fall ist es nicht.

Insgesamt scheint man bei Fedora mehr Wert auf die technische Basis, als auf die optische Wirkung zu legen. Find ich prinzipiell auch richtig und gut so. Aber ein bisschen mehr Glanz für die Oberfläche würde auch nicht schaden. Und so manches Detail ärgert einfach: Z.B. ist beim Gnome Desktop von Fedora die Standardeinstellung des Dateimanagers Nautilus so, dass Ordner jeweils einzeln in einem neuen Fenster ohne Navigation gezeigt werden. Wird ein Ordner in diesem Fenster angeklickt, öffnet sich ein neues Fenster. In der Praxis ist solch eine Einstellung total unbrauchbar. Das kann man natürlich ändern, aber es zeigt keine große Liebe zum Detail, wenn die Standardeinstellungen so gelassen wurden.

Die Standard Ansicht des Filemanagers
Die Standard Ansicht des Filemanagers
Veränderte Ansicht des Filemanagers
Veränderte Ansicht des Filemanagers
Theme Auswahl
Theme Auswahl: Wenig Neues

Leistung und Stabilität

Super! Schnell und stabil. Zum Bootvorgang hab ich oben schon geschrieben, dass er, zumindest auf meiner Hardware, der schnellste ist, den ich bis jetzt erlebt habe (und ich habe schon Dutzende von verschiedenen Linux-Distris ausprobiert…). Das arbeiten mit dem Desktop ist auch flüssig und schnell. Die Software-Verwaltung ist auch deutlich schneller geworden. Trotz der hochaktuellen Software habe ich von der Stabilität her bis jetzt keine Einschränkungen bemerkt.

Fazit

Insgesamt hab ich zu Fedora 11 gemischte Gefühle: Wenn mal alles läuft und man sich selbst den Desktop ein bisschen verschönert hat, ist es eine tolle, schnelle und zuverlässige Arbeitsumgebung. Aber bis es soweit ist, muss man manche Arbeit investieren.

Meine Meinung: Fedora 11 ist für Bastler und Linux-Enthusiasten eine fantastische Distribution. Viele innovative Features, eine tolle technologische Grundlage, hochaktuelle Software, gute Geschwindigkeit. Für Einsteiger gibt es sicher einfachere und komfortablere Distributionen.

Weitere Screenshots

automtische Updates nach der Installation
automtische Updates
Die Paketverwaltung
Die Paketverwaltung
Compiz Aktivierung
Compiz Aktivierung
Desktop mit Compiz-Würfel
Desktop mit Compiz-Würfel
Eine der Neuerungen in Firefox 3.5: Privater Modus
Eine der Neuerungen in Firefox 3.5: Privater Modus
Standard Bildbetrachter Eye of Gnome funktionierte bei mir nicht
Standard Bildbetrachter Eye of Gnome funktionierte bei mir nicht
Thunderbird 3
Thunderbird 3