Exodus 3, 1-6 Dornbuschträume

In diesem Kapitel wird ein entscheidender Wendepunkt im Leben des Mose erzählt. Deshalb möchte ich das Kapitel gern in kleineren Abschnitten anschauen. Mose steckt mitten im Alltag: Schafe hüten. Irgendwo draußen in der Steppe. Einöde. Heißes Wetter. Wenig los. Er war nicht auf der Suche nach einer besonderen Gotteserfahrung, er hat nicht den Geist Gottes herunter gebetet, er hat nicht nach der Gegenwart Gottes geschrien, sondern er hat ganz einfach auf seine Schafe aufgepasst. Er hat das getan, was er jeden Tag tat.

Doch dann sieht er diesen brennenden Dornbusch. Ein brennender Dornbusch in der heißen Steppe ist ja nicht unbedingt etwas außergewöhnliches. Das besondere an diesem Dornbusch: Mose „sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde.“ (V.2) Gott begegnet im brennenden Feuer. Mir gefällt dieses Bild vom Dornbusch, der brennt und doch nicht verbrennt sehr gut. Strohfeuer gibt es genug in unserer Welt. Kurze, heiße und helle Feuer sieht man genügend. Aber wir sehen auch, wie viele Menschen ausgebrannt am Wegrand liegen bleiben.

Ich möchte gern so ein Dornbusch sein. Nicht im eigenen Feuer verbrennen, sondern Gottes unerschöpfliche und stetige Flamme in mir brennen lassen. Die Welt erleuchten, ohne irgendwann als ein Haufen Asche zu enden.

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Exodus 2, 11-25 Fremdlinge

Mose flieht aus Angst vor der Rache des Pharaos (V.15) nach Midian. Er sagt nun von sich: „Ich bin ein Fremdling geworden im fremden Lande.“ (V.22) Schon vorher hat er im fremden Land gewohnt, aber es war doch seine Heimat – dort ist er aufgewachsen, dort hat er seine Kindheit verbracht, dort lebten seine Stammesgenossen. Nun aber muss er selbst aus dieser Heimat im fremden Land fliehen und ist nun ein völliger Fremdling.

Im ersten Petrusbrief werden die Christen als Fremdlinge angesprochen (1,1; 2,11). Als Christen leben wir hier auf dieser Welt als Fremdlingen im fremden Land. Es ist nicht unsere eigentliche Heimat. Wir können es uns ganz bequem einrichten, wir können ein gutes und zufriedenes Leben führen, aber wir bleiben in dieser Welt Fremdlinge.

Wo ist unsere Heimat? Für Mose war es dann das verheißene Land, das Land in dem Milch und Honig fließt, das Land seiner Vorfahren, das Land Kanaan. Für uns ist es kein geographischer Ort. Unsere Heimat ist in der Gegenwart Gottes – nicht erst in der fernen Zukunft, sondern jetzt schon: „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“ (Eph. 2,19)

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Exodus 2, 1-10 Wunderbare Errettung

In meiner Lutherbibel ist dieser Abschnitt überschrieben mit: „Moses Geburt und wunderbare Errettung“. Ich finde es faszinierend, wie Gott hier handelt, obwohl nur von Menschen geschrieben wird. Ein levitisches Ehepaar bekommt einen Sohn, sie verstecken ihn zunächst, weil sie Angst haben, dass er von den Ägyptern getötet wird. Nach drei Monaten legen sie ihn in ein Kasten in den Nil. Die Tochter des Pharao sieht das Baby und hat Mitleid. Die ältere Schwester von Mose fädelt es raffiniert ein, dass das Baby von der eigenen Mutter gestillt werden kann.

Von Gott ist nirgends die Rede. Kein übernatürliches Eingreifen. Und doch wirkt von Anfang an Gott in der Geschichte. Durch menschliches Mitleid, durch menschliche Schlauheit. Mir gefällt vor allem dieser geschickte Schachzug der älteren Schwester. Sie ist schlau und mutig, sie wagt etwas. Göttliches Handeln schließt unsere menschliche Klugheit und Strategie nicht aus, sondern sie schließt sie mit ein. Gott hätte Mose auch durch ein offensichtliches Wunder retten können, aber er benutzt „Zufälle“, menschliche Gefühle und menschliche Schlauheit dazu. Und trotzdem ist es eine „wunderbare Errettung“.

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Exodus 1 Auf dem Weg in die Freiheit

Was für ein Volk! Schon der Stammvater Abraham war auf der Wanderschaft in das verheißene Land. Seine Nachkommen mussten nach Ägypten fliehen. Und schon damals war es so, dass sie nirgends richtig erwünscht waren. In Ägypten ging es ihnen anfangs gut, aber mit der Zeit dachten die Ägypter schon damals: Die Hebräer müssen wir irgendwie los werden. Im Lauf der Jahrhunderte und bis heute haben sich das schon manche gedacht: Die Hebräer, die müssen wir irgendwie los werden – und keiner hat es geschafft. Das Buch Exodus macht etwas deutlich von der besonderen Beziehung Gottes zu diesem Volk.

Gott führt sein Volk aus der Fremde und der Knechtschaft in die Freiheit. Das brauchen wir bis heute: Dass Gott uns aus allen falschen Bindungen befreit. Auch wenn es kein leichter Weg ist, so ist es der Weg in die Freiheit. Manchmal scheint es einfacher, sich mit den Gegebenheiten abzufinden, als allein auf Gott zu vertrauen. Mit dem Buch Exodus möchte ich mich mit auf den Weg machen und lernen, was auf dem Weg in die Freiheit wichtig ist.

Was mir in diesem Kapitel besonders gefallen hat, ist der Mut und die Schlauheit der Hebammen. Es wird aus dem Text nicht deutlich, ob es sich um Hebammen aus dem hebräischen Volk handelte oder um Andere, die eben für die hebräischen Frauen zuständig waren. Auf jeden Fall haben sie Mut bewiesen!

Der Text macht deutlich, dass es zwar eindeutige Gebote gibt (Du sollst nicht lügen!), dass es aber im konkreten Leben oft ein Abwägen gibt zwischen verschiedenen konkreten Geboten. In diesem Fall wiegt das Gebot „Du sollst nicht töten“ schwerer als das Gebot „Du sollst nicht lügen“.

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Exodus 20, 1-17 – Gebote der Freiheit

Die 10 Gebote können kein moralisches Verhalten herstellen. Das behaupte Klaus Douglass. Er sagt, dass zur echten Moral gehört, dass ich etwas Gutes um seiner selbst willen tue und nicht weil es mir befohlen wird. „Gebote regeln immer nur äußere Verhaltensweisen. Das menschliche Herz lässt sich aber nicht von außen steuern.“ (S.116) Das heißt dann auch, dass das Halten der 10 Gebote uns noch lange nicht zu einem moralischen Menschen, geschweige denn zu einem Christen machen.

Um dann deutlich zu machen, wozu die 10 Gebote da sind, orientiert sich Douglass an Martin Luther. Er hat die Aufgabe der Gebote wie folgt beschrieben: Sie dienen als Riegel, Spiegel und Richtschnur.

Als Riegel schützen die 10 Gebote unsere äußere Freiheit. Sehr schön von Douglass beschrieben: „Für die Frage meiner Moralität ist es nicht entscheidend, ob ich faktisch oder nur in meinem Herzen ein Mörder, Ehebrecher oder Dieb bin. Aber für mienen Mitmenschen macht es sehr wohl einen Unterschied!“ (S.117) So gesehen sind die 10 Gebote da, um die Würde und Freiheit aller Menschen zu schützen. Sie sind so etwas wie „eine Art Naturgesetz oder sittliche Grammatik“ (S.118), das uns beim Zusammenleben hilft.

Die zweite Funktion der Gebote ist, dass sie uns den Spiegel vorhalten: Sie zeigen uns unsere innere Unfreiheit. So schreibt es auch Paulus in Röm. 3,20: „Durch das Gesetz kommt die Erkenntnis der Sünde.“ So führen mich die Gebote immer auch zur Umkehr. Weil ich erkenne, dass ich Gottes Anforderungen nicht gerecht werde. Vor allem dann, wenn man die Gebote nicht nur als Verbote sieht, die das schlimmste verhindern sollen, sondern wenn man die Sinnabsicht dahinter sieht. Jesus betont das ja auch in der Bergpredigt. Der Mord fängt ja schon beim bösen Gedanken über meinen Mitmenschen an. Schon in meinen Gedanken fängt das Halten der 10 Gebote an.

Schließlich geben uns die Gebote eine Richtschnur wie wir zu liebenden und liebenswerten Menschen werden können. Es geht nicht um das gesetzliche Einhalten von Regeln, sondern die Erfüllung des Gesetzes ist die Liebe. Gut gefallen hat mir hier der Vergleich von Douglass, bei dem er die 10 Gebote mit einem Kompass vergleicht. Der Kompass gibt die Richtung vor. Aber es ist nicht immer ratsam, nur stur genau der Richtung der Kompassnadel zu folgen. Einem Schiff im Ozean gibt der Kompass die Richtung vor, aber wenn z.B. ein Eisberg im Weg liegt, dann ist es wohl besser, den direktesten Weg zu verlassen. So wollen auch die Gebote keinen sturen Gesetzesgehorsam, sondern ein Gehorsam der sich von den Geboten die Richtung zeigen lässt und im Extrem- und Ausnahmefall liebevolle Umwege geht.

Exodus 14, 5-31 – Rätselhafte Verstockung

Ja, damit kommt so ein messerscharfer und logischer Denker wie Klaus Douglass nicht so zurecht: Damit, dass Gott das Herz des Pharaos verstockt und dass Gott (wegen diesem verstockten Herzen) diese schrecklichen Plagen über Ägypten schickt (bei der zehnten Plage stirbt jede männliche Erstgeburt!). Ich komm damit auch nicht klar, ganz und gar nicht.

Ich nehm es Douglass ab, dass er mit solchen Aussagen ringt und dass er sie nicht einfach aus der Bibel streichen will, aber letztendlich bleibt er bei seinem logischen und vernünftigen Denken und sagt: Solche Aussagen stimmen nicht mit dem in Jesus Christus offenbarten Gott überein. Und dann müssen wir, wie Luther, die Schrift von Christus her lesen. Platt formuliert heißt das dann für Douglass: „Ich glaube, der Autor dieses Textes ist etwas über das Ziel hinausgeschossen…“ (S.106) D.h. dass dieses Verstocken des Herzens des Pharaos (und auch die Tötung der Erstgeburt?) eine Übertreibung des biblischen Schreibers ist. Für ihn ist klar, dass die einzigen, die unser Herz verhärten, wir selbst sind. (S.107)

Ich finde diese Sicht okay und konsequent. Ich finde auch, dass wir manchmal mit der Schrift gegen die Schrift argumentieren müssen. Allerdings möchte ich auch gerne harte und unverständliche Bibeltexte einfach mal stehen lassen. Und ich denke, dass man das Thema Verstockung auch nicht so einfach auflösen kann, dass man dem Menschen alles in die Schuhe schiebt. Ich meine das ist gerade der Punkt bei der Verstockung, dass da etwas geschieht, was über rein menschliche Ablehnung Gottes hinausgeht. Da geschieht etwas unerklärliches und rätselhaftes.

Ich finde das Buch Exodus bringt dieses Rätselhafte ganz gut auf den Punkt, so wie die Verstockung des Pharaos an verschiedenen Stellen beschrieben wird. Da wird einerseits gesagt, das Gott das Herz des Pharao verhärtet (z.B. Ex. 7,3), dann gibt es Stellen wo einfach im Passiv formuliert wird, dass das Herz des Pharaos verstockt wurde (z.B. Ex. 7,13; wobei vom hebräischen Sprachempfinden her auch hier Gott als Urheber gehört wird), aber dann gibt es auch Stellen in denen gesagt wird, dass der Pharao selbst sein Herz verstockt (z.B. Ex. 8,11)! Verstockung ist etwas Seltsames und Unerklärliches, auch die Bibel selbst kann nicht genau sagen, wer denn nun daran „schuld“ ist: Der Mensch oder Gott, oder beide?

Ich möchte das lieber mal so unerklärbar und rätselhaft stehen lassen, als es dann gleich logisch aufzulösen und zu sagen: Natürlich ist der Mensch alleine schuld und verantwortlich für ein verstocktes Herz.

Exodus 3, 1-15 – Ausgebrannt?

Wieder eine geniale Auslegung von Klaus Douglass zu einem zentralen Bibeltext. Ich staune, wie er es immer wieder schafft, auf der einen Seite fundiert und mit theologischem Tiefgang an Texte heran zu gehen und andererseits den Text persönlich und existentiell sprechen lässt. Das fällt ja oft auseinander: da gibt es die einen, die hoch theologisch über Bibeltexte philosophieren und streiten können, bei denen aber der Bibeltext oft seltsam unwirklich bleibt und nicht zu nah an das persönliche Leben heran gelassen wird. Und dann gibt es die Betroffenheitsprediger, die immer tief berührt sind von biblischen Texten, bei denen aber oft keine tiefer gehende und auch kritische Beschäftigung mit den Texten stattfindet.

FeuerflammeBei dem Text heute bringt Douglass den brennenden Dornbusch mit uns selbst in Verbindung. Mose und auch wir sollten so sein, wie der brennenden Dornbusch: Wir sollten nicht aus eigener Kraft brennen (und dabei schnell ausgebrannt zu Asche zerfallen), sondern wir sollten uns Gott in unserer ganzen Stacheligkeit, Schwachheit und Trockenheit zur Verfügung stellen, damit er in uns brennen kann.

Dazu ein schönes Zitat aus dem Buch: „Es ist kein Zufall, dass Gott einen Dornbusch wählte, um sich darin zu offenbaren. Indem Gott Mose in einem brennenden Dornbusch erscheint, vermittelt er ihm: ‚Gerade das Öde und Leere, das Gescheiterte und Ausgebrannte, das von anderen Verurteilte und Verachtete, das Verwundete und Verletzte in deinem Leben soll zum Ort meiner Gegenwart werden. Es gibt nichts in deinem Leben, das keinen Sinn hätte, das nicht von mir, Gott, verwandelt werden könnte in Schönheit und Herrlichkeit.‘ Welch ein Umwertung aller Werte! Es kommt nicht darauf an, dass wir grünen und blühen, sondern dass wir uns so, wie wir sind, Gott hinhalten.“ (S.96)

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Foto: aboutpixel.de / Die Farbe des Feuers © Markus Burck