Exodus 40 Befreit und doch nicht am Ziel

Das letzte Kapitel des Buches „Exodus“, zu deutsch: „Auszug“. Am Anfang stand die Gefangenschaft und am Ende? Immer noch die Wanderung durch die Wüste. Das Volk ist zwar frei, aber immer noch nicht angekommen. Was aber auch am Ende steht, ist die Einweihung der Stiftshütte, hier noch einmal betont „Wohnung“ (V.34) des heiligen Gottes genannt – Gott bezieht sozusagen seine Wohnung: „Die Herrlichkeit des Herrn erfüllte die Wohnung.“ (V.34) Das entscheidende bei der Befreiung ist nicht, dass man am Ziel angekommen ist, sondern dass man unterwegs ist in der Gegenwart Gottes.

Die Gegenwart Gottes ist nicht so gedacht, dass der herrliche Lichtglanz Gottes sich für immer in dieses Zelt zwängt. Die Stiftshütte ist eine Erinnerung an die unsichtbare Gegenwart Gottes. Bezeichnend ist, was das Heiligste der Stifthütte ist: die Lade mit den zehn Geboten (V.20). Gott ist in seinem Wort gegenwärtig. Anders als in anderen Religionen wird kein Gottesbild aufgestellt und angebetet, sondern die Worte Gottes sind das heiligste, das das Volk auf seiner Wanderung hat. Gott wird nicht durch ein Bild oder eine Statue repräsentiert, sondern durch sein Wort.

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Exodus 39 Priesterkleidung

Als freikirchlicher Pastor könnte ich bei dem Thema müde abwinken: Wir sind überzeugt vom Priestertum aller Gläubigen. Durch Jesus Christus gibt es keinen besonders herausgehobenen Priesterstand mehr – wir sind alle Priester (1. Petr 2,9f; Offb 1,6). Um einen Gottesdienst zu feiern oder auf die Kanzel zu steigen, brauchen wir kein besonderes Amt und auch kein besonderes Priestergewand. Ist dieser Text durch Jesus Christus für uns also unbedeutend geworden, hat er uns gar nichts mehr zu sagen?

Ich denke von den wörtlichen Bestimmungen her ist es tatsächlich so, dass wir durch Jesus Christus keinen Hohepriester und auch keine besondere Priesterkleidung mehr brauchen. Jesus ist der eine Hohepriester und durch ihn haben wir Zugang zu Gott, wir brauchen keine Priester mehr als Mittler.

Aber ich denke auch, dass wir von diesem Text durchaus etwas über die Bedeutung von Symbolen lernen können. Die Priesterkleidung macht deutlich, dass es hier nicht um den Menschen geht, der in irgendeiner Weise einen besonderen Vorzug hat, sondern um ein bestimmtes Amt, eine bestimmte Funktion. Ich merke das z.B. bei Beerdigungen. Dort trage ich auch als freikirchlicher Pastor meist einen Talar. Das macht mir selbst und der Trauergemeinde deutlich, dass ich nicht nur als Person dort am Grab stehe, sondern in der Funktion desjenigen, der Im Namen Gottes Trost zuspricht. Wohlgemerkt: Nicht die äußere Kleidung bewirkt das innere Geschehen des Trostzusprechens im Namen Gottes. Aber sie unterstreicht dieses innere Geschehen.

Wir Freikirchler sind schnell dabei Symbole als reine Äußerlichkeit abzutun. Die Gefahr besteht natürlich immer bei Symbolen, dass sie nur noch leere Forme ohne Inhalt sind. Aber sie können auch auf kraftvolle Weise das Eigentliche, den Inhalt unseres Glaubens unterstreichen und sinnfällig machen. Wenn wir leichtfertig darauf verzichten, verlieren wir auch etwas.

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Exodus 37-38 Spiegel zu Altären

Auch hier wieder eine Wiederholung der genauen Bestimmungen, wie das Wüstenheiligtum und seine Gerätschaften hergestellt werden sollten und wie es dann auch tatsächlich genauso ausgeführt wurde. Diese ganze Angaben sind recht öde zum Lesen, vor allem weil sie an dieser Stelle schon zum zweiten Mal auftauchen. Aber ein Vers ist mir dann doch ins Auge gefallen: Ex. 38,8. Das Kupfer von Spiegeln der Frauen, die vor der Stiftshütte Dienst taten, wurde für das Gestell des kupfernen Beckens verwendet.

Warum wird das erwähnt? Für mich ist das ein wundervolles und aussagekräftiges Beispiel dafür, was passiert, wenn wir uns Gott zur Verfügung stellen. Ein Spiegel dient dazu, sich selbst anzuschauen. Aus diesen Spiegeln (die damals noch nicht aus Glas, sondern aus Metall waren) werden Geräte für das Heiligtum gefertigt. Das, was zur Selbstspiegelung diente, wird eingeschmolzen und es wird daraus etwas zur Ehre Gottes hergestellt!

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Exodus 36, 8-38 Gründlicher Gehorsam

Und noch einmal geht’s um die Stiftshütte… Das muss für manche ganz schön wichtig gewesen sein, sonst würde es nicht so oft und ausführlich in der Überlieferung auftauchen. Dieses mal wird berichtet, wie das Zelt genau nach den Vorgaben (Ex. 26) errichtet wurde.

Was mir aufgefallen ist: Es wird ausführlich wiederholt und aufgezählt, was vorher schon ausführlich aus Auftrag formuliert wurde. Einfacher wäre es gewesen zu schreiben: „Die Kunsthandwerker erstellten die Stiftshütte genau nach den Vorgaben (siehe oben).“ Hätte eine Menge Zeit und kostbares Schreibpapier gespart. Und es wäre inhaltlich dasselbe gewesen. Aber es war offensichtlich wichtig, diese genaue Ausführung auch noch einmal zu formulieren. Damit wird der Gehorsam betont: Wir halten uns genau an Gottes Wort. Es wird betont, dass dieser Gehorsam nicht schnell und oberflächlich ist, sondern gewissenhaft und gründlich.

Vielleicht würde es auch uns gut tun, nicht einfach zu sagen: „Ja, Herr, ich tue alles genau so wie du gesagt hast“, sondern Gottes Worte zu wiederholen und sie einzeln in unserem Leben durch zu buchstabieren. Vielleicht sind wir manchmal zu schnell und oberflächlich in unserem Gehorsam. Statt dessen sollten wir uns die Zeit nehmen, uns alles noch einmal Wort für Wort vor Augen zu führen und erst dann, Schritt für Schritt, an die Umsetzung zu gehen.

Exodus 35, 30 – 36, 7 Spezielle und allgemeine Berufung

In diesem Abschnitt geht es um die Kunsthandwerker, welche die Stiftshütte bauen sollen. Da werden auf der einen Seite zwei mit Namen genannt: Bezalel und Oholiab (36,1). Sie sind von Gott zu dieser Aufgabe berufen und mit den entsprechenden Gaben befähigt (mich würde ja interessieren, auf welche Weise Gott sie berufen hat – es wird aber nur berichtet, wie Mose diese Berufung im Namen Gottes ausgesprochen hat, 35,30).

Spannend ist nun, dass es nicht nur die direkt von Gott berufenen gibt, sondern dass sich auch Kunsthandwerker freiwillig erboten haben, beim Bau mitzuhelfen (36,2). Und auch ihnen hat Gott Weisheit ins Herz gegeben, auch sie hat er mit Gaben befähigt. Es gibt hier also eine Aufgabe, die zu tun ist, und dafür werden manche speziell herausgerufen. Es ist aber auch okay, dass sich andere freiwillig für diese Aufgabe melden. Beide Gruppen werden von Gott mit Weisheit beschenkt, um diese Aufgabe auszuführen.

Wenn es um Aufgaben im Reich Gottes geht, dann braucht es nicht immer eine besondere und außergewöhnliche Berufung durch Gott. Um mich einzubringen und mitzuarbeiten reicht meine Bereitschaft – auch dann darf ich darauf vertrauen, dass Gott mir die Gaben dazu schenkt. All zu leicht kann das Thema „Berufung“ zu einer faulen, auch noch fromm klingenden Ausrede werden: „Für diese Aufgabe hat mich der Herr nicht berufen, deswegen kann ich mich da nicht einbringen!“

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Exodus 35, 4-29 Freiwillig

In diesem Abschnitt geht es um Gaben für die Stiftshütte – sowohl materieller Art wie auch von Zeit und Fähigkeiten. Stark betont wird die Freiwilligkeit. „Erhebt von eurem Besitz eine Opfergabe für den Herrn, sodass einer jeder die Opfergabe für den Herrn freiwillig bringen.“ (V.5) Schon an dieser Formulierung wird deutlich, dass die Sache mit der Freiwilligkeit gar nicht so einfach ist. Damit die Stiftshütte gebaut werden kann, müssen möglichst viele ihre Gaben einbringen, es geht gar nicht anders – von nichts kommt nichts. Da ist durchaus ein gewisser Druck da – es ist schließlich das Gebot des heiligen Gottes, dass das Heiligtum so gebaut wird, wie er es befohlen hat. Zugleich wird jedoch die Freiwilligkeit betont. Jeder soll nur das geben, was er freiwillig gibt.

Das ist bis heute in jeder Gemeinde oder christlichen Gemeinschaft dasselbe: Wir sind darauf angewiesen, dass möglichst viele sich einbringen. Wenn sich jeder nur zurück lehnt und den anderen machen lässt, dann wird daraus nichts. Zugleich betonen auch wir heute immer wieder, dass alles freiwillig geschehen soll. Das steht in einer gewissen Spannung.

Man kann nun unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Manche möchten den Druck erhöhen, damit auch wirklich was passiert, damit wir den Ansprüchen Gottes gerecht werden. Ich selbst tendiere lieber zur anderen Seite: lieber weniger tun, als etwas zu erzwingen und nur mit schlechtem Gewissen zu tun. Der Sinn dieses Bibelabschnittes liegt ja gerade darin zu betonen, dass auf dieser Freiwilligkeit ein besonderer Segen liegt. Wenn allerdings nichts von freiwilligen Gaben zu sehen ist, dann muss sich eine Gemeinschaft fragen, ob nicht an anderer Stelle etwas im Glauben schief läuft…

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Exodus 35, 1-3 Vor aller Arbeit

Nachdem in den Kapiteln 25-31 genau beschrieben wurde, wie die Stiftshütte aussehen soll, wird nun in den Kapiteln 35-40 berichtet, wie die Israeliten das Wüstenheiligtum genau nach den Vorgaben hergestellt haben. Spannend ist: Vor aller Arbeit steht die Erinnerung an das Sabbatgebot. Gerade bei der Arbeit an der Stiftshütte ist wichtig, dass dieses Gebot eingehalten wird. Es geht dabei nicht nur um die Erholung für den Menschen, sondern um die Heiligung des Menschen.

Der Sabbat ist der Tag, an dem alle Arbeit ruht und sich der Mensch ganz auf Gott ausrichten kann. Der Sabbat ist ein Zeitraum, in dem der heilige Gott in besonderer Weise unter seinem Volk gegenwärtig ist und in dem sich das Volk in besonderer Weise auf Gott ausrichten kann. Wenn der Alltag geheiligt sein soll, dann braucht es diese Unterbrechung, dann braucht es die bewusste Auszeit für Gott.

Vor aller Arbeit – auch vor der Arbeit für Gott – steht das Schauen auf Gott, das Offensein für ihn, das Empfangen!

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Exodus 34, 29-35 Ein leuchtendes Angesicht

„Was für ein wunderbares Bild für DEINE lebensverändernde Kraft, für DEINE leuchtende Herrlichkeit, die sich in unser widerspiegelt! Mose hat mit DIR geredet, wie mit einem Freund, von Angesicht zu Angesicht. Er hat sich in DEIN Licht gestellt und danach hat die Haut seines Angesichts geleuchtet.

Das wünsch ich mir für uns heute, für mich: dass wir DIR begegnen, dass wir DEINER Herrlichkeit nahe kommen, dass wir mir DIR reden, wie mit einem Freund. Und dass unsere Angesichter anfangen zu leuchten. Nicht weil wir uns anstrengen, ein besonders guter Christ zu sein, nicht weil wir uns bemühen, ein freundliches und fröhliches Gesicht zu machen, nicht weil wir die Rechtgläubigen und Bibeltreuen sind, die sich an DEIN Wort halten. Nein, einfach weil wir in DEINER Gegenwart leben, weil wir von DEINEM Licht erleuchtet werden. Wir strengen uns nicht an, wir bemühen uns gar nicht einmal um dieses Leuchten, ja wir bemerken es nicht einmal. Wir sehnen uns nur nach einem: nach DEINER Gegenwart, nach DEINEM Reden, nach DEINEM Leuchten.“

Exodus 34, 11-28 Ein eifersüchtiger Gott

Schon erstaunlich, wie „menschlich“ an manchen Stellen von Gott gesprochen wird. Mir ist heute V. 14 aufgefallen: „Der Herr heißt ein Eiferer; ein eifernder Gott ist er.“ Die Elberfelder Bibel übersetzt wörtlicher und schärfer: „Der HERR, dessen Name «Eifersüchtig» ist, ist ein eifersüchtiger Gott.“ Nicht nur ein eifernder Gott, sondern ein eifersüchtiger. Eifersucht nicht nur als eine Eigenschaft, sondern sogar als sein Name! Ist Eifersucht nicht ein zutiefst menschliches Gefühl? Hat Gott so was überhaupt nötig? Steht er nicht weit über solchen Gefühlen?

Offensichtlich nicht. Die Gute-Nachricht-Bibel überträgt diese Stelle folgendermaßen: „Ich, der HERR, bin ein leidenschaftlich liebender Gott und erwarte auch von euch ungeteilte Liebe.“ Hinter der Eifersucht Gottes steht die leidenschaftliche Liebe Gottes zu uns Menschen. Natürlich kann er ohne uns auskommen, natürlich braucht er uns nicht – aber er will uns, er liebt uns so sehr, dass es ihn schmerzt, wenn wir uns von ihm abwenden. Er wendet sich uns mit leidenschaftlicher, ungeteilter Liebe zu – und er erwartet dasselbe auch von uns.

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Exodus 34, 1-10 Ein Gott der zweiten Chancen

Erstaunliches hin und her. Gott befreit sein Volk aus Ägypten und schließt einen Bund mit ihm (Ex. 24,1-8). Kurz darauf bricht das Volk diesen Bund und macht sich mit dem goldenen Kalb einen eigenen Gott (Ex. 32,1-6). Und wiederum kurz darauf schließt Gott schon wieder einen neuen Bund mit seinem Volk (Ex. 34,10). Das ist so als ob ein Mann eine Frau heiratet, sie dann kurz nach der Hochzeit mit einem fremden Mann erwischt, sich scheiden lässt und dieselbe Frau dann kurz darauf wieder heiratet.

Zurecht bezeichnet Mose Gott als „barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue“ (V.6). Natürlich ist er zornig und frustriert über sein untreues Volk, aber seine Liebe ist stärker. Er gibt nicht auf. Er versucht es noch einmal. Er schließt einen neuen Bund.

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