Sacharja 8 Gottes Zuwendung

Hier wird noch einmal die Grundbotschaft Sacharjas deutlich: Nach der Zeit des Exils, wendet sich Gott seinem Volk neu zu. Diese Zuwendung ist nicht an bestimmte Bedingungen geknüpft, welche Gott vorher an sein Volk stellt. Aber natürlich erwartet Gott, dass sich sein Volk wieder neu auf Gottes Willen einstellt und in versucht zu befolgen (V.16f). Interessant ist, dass Sacharja hier nicht von der Liebe zu Gott spricht, sondern von einem korrekten Verhalten gegenüber unseren Nächsten. Für ihn zeigt sich wohl die Liebe zu Gott ganz praktisch in einem wahrhaftigen und gerechten Verhalten gegenüber dem Mitmenschen.

Gottes Zuwendung kann ich mir nicht verdienen oder erarbeiten – sie ist Geschenk. Aber wenn ich mich wirklich auf Gott einlasse, dann wird das Folgen haben. In meiner Beziehung zu Gott und ganz praktisch auch in meiner Beziehung zum Mitmenschen.

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Sacharja 2, 10-17 Gottes Augapfel

Das Volk Israel als Gottes Augapfel (V.12). Wer dieses Volk antastet, der legt sich mit Gott selbst an. Aus der Sicht Sacharjas belegt der Untergang Babyloniens diese Aussage. Auf der anderen Seite macht er auch deutlich, dass letztendlich nicht die Babylonier Gottes Volk besiegt und ins Exil geführt haben, sondern dass Gott selbst dahinter steht: „Ich habe euch in die vier Winde unter dem Himmel zerstreut, spricht der Herr.“ (V.10)

Interessant ist auch, dass gerade in diesem Zusammenhang der Blick über Israel hinaus geht. Gott sagt: Es werden „viele Völker sich zum Herrn wenden und sollen mein Volk sein“ (V.15). Gottes Heil ist nicht auf ein einzelnes Volk beschränkt, auch wenn er sich diesem Volk in besonderer Weise zuwendet.

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Sacharja 1, 1-6 Immer wieder neue Umkehr

Der Prophet Sacharja erfährt im Jahr 520 V. Chr. seine Berufung. Zu der Zeit waren die Juden aus dem Exil in Babylonien wieder zurück gekehrt nach Jerusalem in ihre Heimat. Allerdings war es keine triumphale Rückkehr und es gab so manche Probleme. Juda war kein selbständiges Königreich mehr. Nachdem die Babylonier ihre Vormachtstellung verloren hatten, waren die Perser die neue Großmacht, unter deren Einfluss auch Jerusalem stand. Neben den politischen Problemen war auch das religiöse Leben angeschlagen, was sich z.B. darin zeigte, dass der Wiederaufbau des Tempels nicht einfach und sich immer wieder verzögerte.

In dieser Situation erinnert Sacharja seine Zeitgenossen an die Geschichte ihrer Väter. Sie haben sich von Gott abgewandt und das Exil wurde dann als Abkehr Gottes von seinem Volk verstanden. Aber Gott hat sein Volk nicht verlassen und es wieder zurück ins verheißene Land gebracht. Deswegen ist es jetzt wichtig – auch wenn nicht alles glatt läuft – Gott treu zu bleiben, bzw. immer wieder neu zu ihm umzukehren. Glaube und Umkehr zu Gott ist etwas, das von jeder Generation und von jedem einzelnen Menschen immer wieder neu gefordert ist. Glaube ist nicht etwas, das man als Volk oder Einzelner einmal in der Tasche hat, sondern etwas, das sich immer wieder neu bewähren muss.

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Daniel 9, 20-27 Unsere Zeit in Gottes Hand

An diesem Text merken wir, dass der Umgang mit prophetischen Texten gar nicht so einfach ist. Vor allem, wenn wir anfangen wollen, genau zu rechnen. Eigentlich bekommt Daniel hier eine Deutung für eine Vision, die er nicht genau versteht. Aber auch diese Deutung ist schwierig zu verstehen. Nach Dan. 9,2 hat sich Daniel Gedanken darüber gemacht, wie die Prophezeiung von Jeremia, dass die babylonische Gefangenschaft des Volkes Israel 70 Jahre dauern soll (Jer.25,11f), genau zu verstehen ist. Er wollte mit den Zahlen des Jeremia rechnen und hat gemerkt, dass das nicht so einfach ist.

Der Engel Gabriel erklärt ihm nun, dass 70 „Wochen“ über das Volk Israel verhängt sind. Die meisten Ausleger deuten das so, dass Daniel zu der Erkenntnis kommt, dass es bei Jeremia nicht um 70 Jahre geht, sondern um 70 „Jahrwochen“ – also 70 mal 7 Jahre. Das wären dann 490 Jahre. Aber wenn wir aus heutiger Perspektive anfangen, mit diesen 490 Jahren zu rechnen, wird es auch kompliziert. Es gibt die unterschiedlichsten Auslegungsversuche, ab wann diese 490 Jahre gerechnet werden könnten und wie die zusätzlichen Angaben im Text verstanden werden könnten.

Wenn man vom Beginn des Exils um 600 v. Chr. (nach Dan. 1,1 wurden Daniel und seine Freunde im Jahr 605 v.Chr. nach Babylonien gebracht; endgültig zerstört wurde Jerusalem dann 587 v.Chr.) 490 Jahre rechnet dann landet man ca. 100 Jahre vor Christi Geburt. Um diese Zeit ist nichts besonderes passiert. Einige Jahrzehnte davor gab es den Aufstand der Makkabäer, von dem sich viele Juden Freiheit und den Anbruch der Heilszeit erhofft hatten – aber dieser Aufstand wurde niedergeschlagen. Hundert Jahre später wurde Jesus von Nazareth geboren. Man kann bestimmt dennoch irgendwelche Rechenexperimente anstellen, um die Zahl 490 mit einem bedeutenden Ereignis zu verknüpfen. Aber ist das sinnvoll?

Im hebräischen Denken haben Zahlen nicht nur einen rechnerischen Zahlenwert, sondern auch einen Symbolwert. Mit der Zahl Sieben verbindet sich in der Bibel die Vorstellung der Vollkommenheit und Vollendung. Sieben mal Siebzig könnte dann ein Symbol für die Vollendung der Zeit sein, ohne einen genauen Zeitpunkt angeben zu wollen. Das Neue Testament warnt uns auf jeden Fall davor, dass wir versuchen, das Ende der Zeit berechnen zu wollen (Mk.13,32f; 2.Petr.3,8).

Ich nehme für mich mit: Gott ist der Herr der Zeit. All unsere menschlichen Berechnungsversuche sind müssig – selbst wenn sie sich auf göttliche Offenbarungen zu gründen versuchen. Meine Zeit steht in Gottes Hand. Und auch die Zeit seiner Schöpfung steht in seiner Hand. Er weiß, wann die Zeit der Vollendung und Vollkommenheit gekommen ist. Wenn das Ewige da ist, dann hört sowieso alles Rechnen auf.

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Hesekiel 36, 1-15 Rosarot?

Mhmm… so wie mir manche Gerichtsankündigungen etwas übertrieben vorkommen, so kommt mir jetzt auch diese Verheißung der Rückkehr etwas übertrieben vor. Da malt Hesekiel doch sehr rosarote Bilder vor Augen: „Aber ihr Berge Israels sollt wieder grünen und eure Frucht bringen meinem Volk Israel, denn bald sollen sie heimkehren“ (V.8), ich „will euch mehr Gutes tun als je zuvor“ (V.11). Die Wirklichkeit sieht grauer und nüchterner aus.

Die Israeliten konnten tatsächlich wieder zurück kehren. Aber nicht bald sondern erst Jahrzehnte später: 528 v. Chr. wurde das Kyrosedikt erlassen, das den Juden die Rückkehr ermöglichte – 60 Jahre nach der ersten Deportation 598 v. Chr. und ca. 50 Jahre nach der zweiten Deportation 587 v. Chr. Rein rechnerisch starb der Großteil der Deportierten im Exil. Und es war dann auch keine triumphale Rückkehr in ein blühendes Land. Der Wiederaufbau zog sich nur langsam, schleppend und unter großen Widerständen hin: erst 515 v. Chr. war der Tempel wieder aufgebaut und konnte eingeweiht werden. Ein unabhängiges Königreich Israel gab es danach nie wieder. Das sieht nicht so aus, als ob Gott seinem Volk mehr Gutes als je zuvor getan hat!

Alles nur rhetorische Überreibung? Oder brauchen wir Menschen solche visionären Zukunftsbilder, um die Hoffnung nicht ganz zu verlieren? Sind wir Menschen selbst schuld, dass sich die tollen Verheißungen nicht so umfassend erfüllen, weil wir ständig ungehorsam sind? Ich tue mich auf jeden Fall schwer, wenn auch heute großartige Zukunftsvisionen und Verheißungen für Gemeinde und Kirche im Umlauf sind und wir alle irgendwann merken, dass sich das nicht so erfüllt, wie wir das erhofft haben. Geht es nicht auch eine Nummer kleiner und realistischer? Oder ist es dann schon kein Glaube mehr? Produzieren solch übertrieben rosaroten Erwartungen nicht nur noch mehr Frust und Enttäuschung? Oder sind sie unabdingbar, um nicht dich Hoffnung zu verlieren?

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Hesekiel 14 Immer die Anderen

Bisher ging es vor allem um die uneinsichtigen Zurückgebliebenen in Jerusalem, welche lieber anderen Göttern vertrauten, als dem Gott Israels. Die nach Babylon Deportierten, zu denen auch Hesekiel gehörte, erschienen als der kleine treue Rest, der gerade wegen der Ferne zu Heimat und Tempel an Gott festhielt. Aber jetzt an diesem Text wird deutlich, dass es auch unter den Juden in Babylon Leute gab, die ihre Herzen an Götzen hingen (V.3). Nicht einmal bei den Deportierten, welche den Propheten Hesekiel in ihrer Mitte hatten, standen alle auf Gottes Seite!

Ich kann mir vorstellen, dass sich die Juden, die bereits im Exil waren, als das wahre Israel vorgekommen sind. Sie hatten Gottes Handeln hautnah erfahren und durften durch Hesekiel hören, dass Gott ihnen auch im Exil nahe ist. Diejenigen in Jerusalem, das waren doch diejenigen, die vom Glauben abgefallen waren und die Hesekiel zu Recht kritisierte. Aber jetzt wird deutlich, dass die Exulanten nicht mit dem Finger nach Jerusalem zu zeigen brauchten: die Gottlosigkeit steckte mitten unter ihnen! Das tun wir ja immer wieder gern: mit dem Finger auf andere zeigen und dabei unsere eigene Fehler großzügig übersehen. Da hat doch auch mal jemand anderes etwas gesagt von Balken und Splittern…, oder nicht?!

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