Lukas 20, 27-40 Es wird anders

Wie wird es sein in Gottes himmlischer Ewigkeit? Diese Frage kann auch Jesus nicht beantworten. Weil wir es uns mit unserem irdischen Verstand gar nicht vorstellen können. Auch den Sadduzäern kann er nicht beschreiben, wie das Zusammenleben der Menschen im Himmel aussehen wird. Den Himmel kann er nur durch negative Formulierungen beschreiben. Er kann sagen, was es nicht mehr geben wird: es wird keine Ehen mehr geben und es wird keinen Tod mehr geben. Jesus kann sagen, dass es anders sein wird, aber nicht sagen wie wir uns das vorstellen können.

Was er aber gegenüber den fortschrittlich, aufgeklärten und skeptischen Sadduzäern deutlich sagt ist, dass es ein Leben über den Tod hinaus gibt. Der Tod ist für uns Menschen nicht das letzte Wort. Denn Gott ist ein Gott der Lebenden. Am Ende steht nicht das Nichts, sondern die Gegenwart Gottes – wie auch immer das aussehen wird…

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Uwe Timm: Rot

 „Ich schwebe. Von hier oben habe ich einen guten Überblick, kann die ganze Kreuzung sehen, die Straße, die Bürgersteige. Unten liege ich.“ Ein genialer Beginn dieses Romans. Das hat mich in der Buchhandlung gleich so gefesselt, dass ich mir das Buch gekauft habe, obwohl ich von dem Autor bisher noch nicht gekannt habe. Man ist gleich mitten drin in der Geschichte. Offensichtlich endet die Geschichte mit dem Tod des Erzählers und alles was folgt ist im Rückblick erzählt.

Auch mit seiner Hauptfigur hat mich der Autor sofort gehabt: Der Alt-68er Thomas Linde ist Jazzkritiker und Beerdigungsredner. Eine interessante Kombination. Für mich als Pastor, der ja auch auf Beerdigungen zu reden hat, war es spannend zu lesen, wie Thomas Linde diese Aufgabe angeht. Jemand der Trauerreden hält muss sich ernsthaft mit dem Thema Tod auseinander setzen. Wie sieht das bei jemand aus, der ohne den Horizont des christlichen Glaubens über den Tod spricht? Uwe Timm: Rot weiterlesen

Ein Ziel

Ein schönes Zitat von John Wesley, das mich in den letzten Tagen begleitet hat:

„Einem Ziel sollt ihr bis ans Ende der Zeit nachstreben: euch an Gott zu freuen in Zeit und Ewigkeit.“ (aus dem Gesangbuch der EmK in Deutschland, S. 1193)

John Wesley macht auf mich zumindest oft einen etwas verbissenen Eindruck. Auf der anderen Seite spürt man bei ihm auch Freiheit, Weite und Liebe. Diese zweite Seite wird in diesem Zitat deutlich. Erstaunlich diese Betonung: es geht um das eine, das wesentliche Ziel. Nicht nur für jetzt, sondern in Zeit und Ewigkeit. Und dieses eine Ziel ist nicht der Gehorsam oder die Heiligung, ja nicht einmal die Liebe, sondern die Freude an Gott! Das ist unsere Bestimmung! Jetzt schon – und bis in alle Ewigkeit.

1. Johannes 3, 1-2 IHN sehen!

Wir werden „ihm gleich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.“ (V.2) Ich lebe gerne. Ich hab nicht den Wunsch, diese Welt so schnell wie möglich zu verlassen. Gott hat mir viel Gutes und Schönes geschenkt. Aber ich freue mich trotzdem auf diesen Augenblick: Ihm gegenüberstehen und ihn sehen, wie er ist. Das wird fantastisch werden!

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Josua 13 Himmlisches Erbteil

Zweimal wird in diesem Kapitel betont, dass der Stamm der Leviten kein Land als Erbteil bekommt (Erbteil ist ein Anteil am Gesamtbesitz, welches nicht ohne weiteres verkauft werden darf – wenn, dann nicht an einen Fremden, sondern an den Nächstverwandten). Das Erbteil der Leviten besteht nicht in materiellen Dingen, sondern „der Herr, der Gott Israels, ist selbst ihr Erbteil“ (V.33). Die Leviten übernehmen die Aufgabe des priesterlichen Dienstes und stehen somit in besonderer Nähe zu Gott.

Nach dem Neuen Testament sind wir alle „das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft“(1. Petr. 2,9). Unser Erbe besteht nicht in materiellen Dingen, sondern in Gott selbst. Wer zu Jesus gehört, der ist Teil einer königlichen Priesterschaft! Wir dürfen alle in besonderer Nähe zu Gott stehen. Der irdische Landbesitz wird umkämpft und bedroht bleiben (das hat Israel in seiner langen Geschichte bis heute immer wieder erfahren müssen). Der irdische Landbesitz wird früher oder später einmal vergehen. Aber das Erbteil der königlichen Priesterschaft wird in Ewigkeit bestehen!

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Exodus 33, 7-23 Gottes Herrlichkeit sehen

Für mich einer der schönsten und geheimnisvollsten Abschnitte des Alten Testaments. Zunächst wird berichtet, dass Gott mit Mose von Angesicht zu Angesicht geredet hat, „wie ein Mann mit seinem Freunde redet“ (V.11). So direkt und vertraut, wie ich mit einem guten Freund reden kann, hat Gott mit Mose geredet.

Die Formulierung „von Angesicht zu Angesicht“ bedeutet nicht, dass Mose Gott sehen konnte, sie betont vor allem den vertrauten Umgang. Das wird auch in den folgenden Versen deutlich. Denn hier wird beschrieben, wie Mose ein großes Verlangen danach hat, Gottes Herrlichkeit zu sehen. Gott antwortet darauf ausdrücklich: „Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht.“ (V.20) Nicht einmal Mose kann es ertragen, Gott in seiner Herrlichkeit zu sehen. Gottes Lichtglanz ist unendlich stärker und strahlender als die Sonne, die ja nur ein Geschöpf ist. Wenn wir nicht einmal die Sonne direkt anschauen können, dann kann man sich vorstellen wie es ist, wenn wir vor Gottes Herrlichkeit stehen!

Das Wunderbare an dieser Stelle ist, dass Gott die Bitte nicht einfach abtut, sondern dass er dem Mose das Äußerste gewährt, was ein Mensch gerade noch ertragen kann: Gott stellt Mose in eine schützende Felsspalte, hält seine Hand über ihn und dann darf Mose hinter Gott hersehen (V.23). Mose bekommt nur den Abglanz, die Rückseite von Gottes Herrlichkeit zu sehen – aber schon das ist eine außergewöhnliche Ehre und sehr gefährlich!

In welchem Licht leuchten da manche neutestamentliche Verheißungen auf! Wer zu Jesus gehört, dem wird einmal Gott persönlich alle Tränen abwischen (Offb. 21,4) und der wird im ewigen Lichtglanz Gottes sein Angesicht sehen (Offb. 22,3-5)! Genial!

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Psalm 102 – Von ganz unten nach ganz oben

Wieder mal ein Gebet von einem der am Ende ist und der zu Gott schreit. Er scheint schwer krank zu sein und dem Tod nahe. In eindrücklichen Bilder beschreibt er seine Lage: „Ich esse Asche wie Brot und mische meinen Trank mit Tränen.“ (V.10) Er fühlt sich von Gott nicht geborgen und getröstet, sondern „hochgehoben und zu Boden geworfen“ (V.11) Also: Ganz unten, ganz dunkel, ganz aussichtslos…

Was tun? Der Beter blickt ins andere Extrem. Nach oben, ins Licht, ins Unvergängliche. Was für ein Kontrast! Überdeutlich stellt der Beter den Gegensatz zwischen seiner Vergänglichkeit und der Ewigkeit Gottes heraus. Gott hat vorzeiten die Erde erschaffen und auch die Erde wird einmal vergehen. Gott wird Himmel und Erde wechseln, wie wir Menschen die Kleidung wechseln (V.27). Aber Gott selbst wird bleiben (V.27f).

Tröstet das wirklich? Oder ist das nicht erst so richtig deprimierend? Man sitzt selbst im Dunkeln und Kalten und weiß nur: irgendwo, weit weg von mir, ist es schön hell und warm…
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Psalm 90 – auf dass wir klug werden

Ein Psalm über die Vergänglichkeit alles irdischen Lebens. „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ (V.12) In welcher Weise macht uns das Wissen und das bedenken dass unsere Tage begrenzt sind klug? Was lernen wir daraus? Lernen wir unser Leben sinnvoller zu gestalten und unsere Zeit auszukosten? Was hat das ganze mit Gott zu tun? Auch ein Ungläubiger weiß, dass er sterben muss. Kommt er zu anderen Ergebnissen, wenn er an seinen Tod denkt?

Aus neutestamentlicher Perspektive können wir gar nicht anders, als diesen Gedanken weiter zu führen: „Lehre uns bedenken, dass wir leben werden – schon jetzt und erst recht in der Ewigkeit Gottes – auf dass wir klug werden.“ Was lernen wir aus dem Sieg Jesu Christi über den Tod? In welcher Weise könnte uns dieses bedenken klug machen? Dürfen wir verschwenderischer, weniger ängstlich mit unserer Zeit umgehen? Dürfen wir gelassener sein?
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Psalm 16 – Billige Vertröstung auf das Diesseits

Sonne über GräbernIch finde es immer wieder erstaunlich, dass ein Thema das im Neuen Testament sehr zentral ist, im Alten Testament fast gar nicht vorkommt: das ewige Leben bei Gott. Das Neue Testament ist ohne eine Auferstehung der Toten nicht zu denken.  Im Zentrum steht dabei die Auferstehung Jesu Christi, aber auch darüber hinaus, wird immer wieder vom Leben nach dem Tod gesprochen. Im Alten Testament taucht dieser Gedanke und diese Erwartung fast gar nicht auf. Die Gläubigen des Alten Testaments sind sehr Diesseits-orientiert. Erst im Lauf der Geschichte breitet sich langsam die Gewissheit aus, dass es eine Auferstehung der Toten gibt. Aber selbst zu Zeit Jesu wurde unter den Juden noch heftig darüber gestritten, ob es so was geben kann. Die Sadduzäer glaubten z.B. nicht daran (vgl. Mt. 22,23).

In Psalm 16 taucht so ein kleiner Schimmer der Hoffnung auf, dass mit dem Tod doch nicht alles aus sein könnte: „Denn du wirst mich nicht dem Tode überlassen und nicht zugeben, dass dein Heiliger die Grube sehe.“  (V.10) Allerdings ist auch die Auslegung von diesem Vers umstritten: Man kann V.10 auch so deuten, dass der Beter sich sicher ist, dass er nicht sterben wird, sondern Gott ihm noch ein glückliches, irdisches Leben schenkt.

Ich denke wir dürfen beide Dimensionen nicht vernachlässigen: Das Diesseits und das Jenseits. Mit dem Neuen Testament bin ich überzeugt, dass Gott stärker ist als der Tod. Die Gemeinschaft mit Gott kann durch den Tod nicht einfach abgebrochen werden. Aber er ist zugleich ein Gott, der uns hier auf der Erde, hier im Diesseits begegnen möchte. Gerade dazu hat er ja Jesus gesandt.

Es gibt zwei Gefahren: Man kann zu stark das Jenseits betonen. Das wirft man uns Christen ja oft vor, dass wir nur eine billige Vertröstung auf die Zukunft haben. Aber man kann auch zu sehr das Diesseits betonen. Ich habe vor kurzem gehört, wie das jemand als „billige Vertröstung auf das Diesseits“ bezeichnet hat. Wenn ich alles Glück und Leben aus diesen 80 Jahren hier auf der Erde rausquetschen muss – das ist doch schrecklich, hoffnungslos und überfordert total! Klar, ich darf mich über das Leben und über manches Glück freuen und es genießen. Aber ich weiß auch: Selbst wenn ich nicht jeden Tag den ultimativen Kick erlebe, kann ich gelassen bleiben. Ich hab ja noch eine Ewigkeit mit Gott. 😀

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Foto: aboutpixel.de / licht am ende… © Mosquita

1. Korinther 13, 1-13 – Ein Stück Himmel auf Erden

Dieses Bibelabschnitt und die Bemerkungen von Klaus Douglass dazu (in dem Buch Expedition zum Ich), passen sehr gut zu dem, was ich gerade eben im letzten Post berichtet habe (Herrlich…>>>). Ich glaube, dass dieser Mensch, von dem ich berichtet habe, einen kleinen Blick in die himmlische Herrlichkeit geworfen hat und dass er sich unbeschreiblich gefreut hat auf diese Herrlichkeit. Paulus schreibt in 1. Kor. 13, dass viele tolle Gaben und Erlebnisse unserer Glaubens vergehen werden, aber dass die Liebe bleiben wird. Vieles ist vorläufig, aber die Liebe bleibt.

Und damit ist nicht die romantisch-kitschig abgeflachte Liebe gemeint, die uns ständig begegnet (vgl. dazu diesen Post>>>), sondern die göttliche Agape, die all unsere menschliche Liebesbemühungen unendlich weit übertrifft, und von der wir hier nur eine kleine Ahnung haben können. Diese Liebe bleibt. Douglass schreibt über diese göttliche Agape: „Die Liebe ist jetzt schon ein Stück Himmel auf Erden, ist jetzt schon ein Stück Ewigkeit in der Zeit.“ ( S. 148 )

Und wenn wir mal bei Gott sein werden, dann werden wir diese Liebe im vollen Umfang sehen, schmecken, spüren, erfahren,… Dann wird es uns aus den Socken hauen und wir werden nur noch stammeln können „herrlich, herrlich…!“