Johannes 17, 1-16 Ewiges Leben

„Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.“ (V.3) Typisch für das Johannesevangelium wird hier das ewige Leben nicht als etwas gesehen, was erst in der fernen Zukunft oder nach dem Tod beginnt, sondern als etwas, das jetzt schon da ist. Ewiges Leben heißt: Gott und Jesus Christus erkennen – und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt schon. Somit beginnt auch jetzt schon das ewige Leben.

Nach biblischen Verständnis geht es beim Erkennen nicht nur um ein intellektuelles Verstehen, sondern um eine ganzheitliche Erkenntnis. Leib, Seele und Geist kommen dem Erkenntnisgegenstand nahe. Erkennen in diesem Sinn bedeutet dann, Gemeinschaft zu haben mit Gott, dem Vater und Jesus Christus, dem Sohn. Diese Gemeinschaft fängt nicht erst nach dem Tod an, sondern sie ist jetzt schon möglich. Darum beginnt das ewige Leben, das bleibende Leben in Gemeinschaft mit Gott auch nicht erst in der Zukunft, sondern schon jetzt.

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Johannes 11, 28-44 Ewiges Leben

Da erzählt Johannes nun 44 Verse lang von der Auferweckung des Lazarus – aber um Lazarus selbst geht es nur am Rande. Erst in den letzten zwei Versen wird das eigentliche Wunder kurz und ohne Ausschmückung beschrieben. Davor geht es um Jesu Jünger, das bewusste Zögern Jesu, um Marta und Maria und um das grundsätzliche Thema der Auferstehung. Auch die heftigen Gefühle Jesu (V.33.35.38) beziehen sich weniger auf Lazarus, als auf den Unglauben der Menschen.

Das erscheint uns heute seltsam. Wenn so etwas heute passieren würde, dann stände ganz selbstverständlich – auch in frommen Kreisen – das Wunder selbst im Mittelpunkt. Jesus hat einen Toten wieder lebendig gemacht! Was für ein großartiger Beweis für die Macht Gottes! Was für ein Anreiz, um Jesu nachzufolgen! Johannes macht dagegen durch seine Darstellung deutlich: Es geht letztendlich nicht darum, ob Lazarus noch einmal ein paar Jahre länger leben durfte (und dann doch irgendwann gestorben ist). Nein, es geht darum, dem Leben und der Auferstehung in Person zu vertrauen. Es geht nicht um das hinauszögern des vergänglichen Lebens, sondern um das Erlangen des ewigen Lebens. Der höchste Wert ist nicht ein möglichst langes irdisches Leben, sondern der ewige Friede mit Gott.

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Johannes 11, 17-27 Bei Jesus im Leben und Sterben

Was für ein Anspruch! Jesus sieht sich als die Auferstehung und das Leben in Person! Das ist wohl das provozierendste und weitgehendste Ich-bin-Wort des Johannesevangeliums. Jesu ist mehr als ein Wegweiser oder eine Hilfe zum Heil, er ist das Heil selbst. Er vermittelt nicht nur Leben, sondern ist das Leben in Person. Es ist verständlich, dass die junge Christenheit bei solchen Ansprüchen in Konflikt mit der jüdischen Gemeinde geraten ist. Diese Aussagen sind noch einmal von einer anderen Qualität, wie wenn ein Prophet von sich sagt, im Namen Gottes zu reden.

Ist die Aussicht auf ein Leben nach dem Tod aber wirklich ein Trost angesichts des Verlustes eines irdischen Menschenlebens? Manche tun das als billige Jenseitsvertröstung ab. Mit selbst kommt es auch manchmal so vor. Der Schmerz und die Verzweiflung über Leid und Tod in dieser Welt ist trotzdem noch da. Aber dann gibt es auch Zeiten, in denen mich solche Hoffnungsaussagen tragen, halten und trösten. Wer in der Gewissheit leben und sterben kann, dass Jesus das Leben und die Auferstehung ist, und wer diesem Jesus vertrauen kann, der lebt und stirbt leichter.

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Johannes 5, 31-47 Die Schrift als Zeugnis von Christus

Ich finden in diesem Abschnitt vor allem Jesu Aussagen zur Schrift interessant. Das ist ja bis heute eine spannende und durchaus kontrovers diskutierte Frage: In welchem Sinn ist die Bibel Gottes Wort? Jesus sagt hier auf jeden Fall ganz deutlich, dass die Schrift allein nicht zum ewigen Leben führt: „Ihr sucht in der Schrift, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und sie ist’s, die von mir zeugt.“ (V.39) Da sind also Menschen, für die ist die Schrift Gottes Wort und sie suchen das darin das ewige Leben – aber sie finden es nicht. Denn nicht die Schrift gibt ewiges Leben, sondern der von dem sie zeugt. Nach Jesus ist die Hauptaufgabe der Schrift also das Zeugnis von ihm selbst.

Ich finde das eine sehr gute Beschreibung. Die Schrift ist nicht an sich ein heiliger Text, der auf magische Weise zum Leben führt. Gott ist nicht in der Schrift zur Welt gekommen, sondern im Menschen Jesus Christus (ganz deutlich sagt das ja Johannes zu Beginn seines Evangeliums: Das Wort ward Fleisch – eben nicht im Buchstaben, sondern in der Person Jesu Christi). Die Schrift hat nicht an sich Autorität, sondern nur weil sie die entscheidende Autorität bezeugt: Jesus Christus. Damit ist beides festgehalten: Auf der einen Seite die Wertschätzung und Kostbarkeit der Bibel – denn sie ist das wesentliche und deutlichste Zeugnis von Jesus Christus. Zum anderen ist es aber auch eine Relativierung gegenüber einer falsch verstandenen Vergöttlichung der Bibel – sie ist nicht das Eigentliche, sondern nur ein Zeugnis vom Eigentlichen.

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Johannes 5, 19-30 Ewiges Leben jetzt

Wieder ein gutes Beispiel für die Konzentration des Johannesevangeliums auf die Person Jesu. In der Begegnung mit Jesus geschieht jetzt schon alles Entscheidende. In der Begegnung mit Jesus spielt auch die Zeit keine große Rolle mehr. Es ist so, als ob im Glauben an Jesus alle Zeit aufgehoben ist und jetzt schon die Ewigkeit Gottes gegenwärtig ist: „Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.“ (V.24) Wer glaubt, der hat also jetzt schon das ewige Leben. Im Glauben oder Unglauben geschieht jetzt schon das Gericht.

Für uns ist das schwer zu verstehen, denn rein von unserem Erleben her ändert sich ja nichts in unserem äußerlichen irdischen Leben. Rein empirisch ist es schwer, die Gegenwart des ewigen Lebens festzustellen. Auch scheint es schwierig zu sein, das mit anderen neutestamentlichen Aussagen in Einklang zu bringen, die eindeutig von einem zukünftigen Gericht sprechen. Ist jetzt schon alles entschieden, oder wird es sich erst in Zukunft im letzten Gericht entscheiden? Wie so oft ist beides irgendwie richtig: Je nachdem wie jetzt mein Verhältnis zu Jesus ist, wird im Gericht entschieden. Die eigentliche Entscheidung fällt also jetzt schon: Wer Jesu Worte hört und ihm vertraut, der hat jetzt schon ewiges Leben.

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Johannes 3, 31-36 Ewiges Leben haben

Auch das kommt bei Johannes öfters vor: man weiß bei diesem Abschnitt nicht genau, wer hier eigentlich spricht. Rein von der Erzähllogik her spricht hier noch Johannes der Täufer. Aber vom Thema und vom Stil her, knüpft der Abschnitt eher an Joh. 3,13-21 an. Im Grunde ist es eine weiterführende Aussage auf die Vers 11-12. Jesus kommt vom Himmel und redet von himmlischen Dingen. Doch viele Menschen verstehen ihn nicht.

Ich denke, dass im Johannesevangelium die Grenzen zwischen den Aussagen verschiedener Personen oft fließend sind. Es kommt ihm nicht so sehr darauf an wer spricht (der irdische Jesus, der auferstandene Jesus, der Schreiber des Evangeliums oder wie hier Johannes der Täufer), sondern es kommt auf die Aussage an. Das Johannesevangelium bringt in seinen Geschichten und Dialogen sehr viel tief reflektierte Theologie unter. Es geht nicht in erster Linie um einen historischen Bericht, sondern um ein Reden Gottes in die Gegenwart des Lesers.

Auch typisch für Johannes wird in diesem Abschnitt die Gegenwart des Heils betont: „Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben“ (V.36). Das ewige Leben fängt nicht erst im Jenseits an, sondern es fängt in Jesus an. Wer ihm vertraut, der hat jetzt schon Anteil am ewigen Leben – und das gilt auch für uns heute noch, die wir an den auferstandenen Jesus glauben. So sehr mir das theologisch einleuchtet, so schwer fällt es mir doch oft, das mit meiner Lebensrealität in Einklang zu bringen. Sicher, der Glaube gibt mir Halt, Trost und Mut. Aber mein Glaubensalltag scheint insgesamt doch sehr weit weg zu sein von dem, wie ich mir die Ewigkeit in der Nähe Gottes vorstelle.

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Johannes 3, 13-21 Alles schon entschieden

In diesem Abschnitt werden die Akzente des johanneischen Gerichtsverständnisses deutlich. Das Gericht geschieht im Grunde nicht in einer fernen Zukunft, sondern es geschieht jetzt in der Begegnung mit Jesus: „Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet“ (V.18). An der Stellung zu Jesus entscheidet sich jetzt schon alles. Im Gericht wird nur das vollzogen, wozu sich der Mensch jetzt schon entschieden hat. Wer jetzt an ihn glaubt, hat auch jetzt schon das ewige Leben (V.16).

Das heißt nicht, dass es völlig egal ist, was wir dann jetzt noch mit unserem Leben anfangen. Trotzdem bleiben die Werke wichtig: „Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.“ (V.21) In Jesus ist zwar alles schon entschieden, aber gerade deswegen ist es wichtig, dass wir in unserem konkreten Leben und mit unseren konkreten Handlungen auch in Christus bleiben.

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Daniel 12 Ewiges Leben

Daniel 12,2 ist die einzige Stelle im Alten Testament, die eindeutig von der Hoffnung auf ein ewiges Leben schreibt. Ansonsten ist der alttestamentliche Glauben sehr diesseitsbezogen. Im Alten Testament wird wenig darüber spekuliert, was nach dem Tod passiert. Erst in neutestamentlicher Zeit entsteht auch in Teilen der jüdischen Frömmigkeit die Gewissheit eines ewigen Lebens. Wobei es auch zur Zeit Jesu noch starke Gruppierungen gab (wie z.B. die Sadduzäer), welche eine Auferstehung der Toten leugneten.

Auch in unserem Text ist das noch keine ausgereifte Lehre von einem Leben nach dem Tod. Daniel spricht davon dass „viele“, die unter der Erde schlafen auferweckt werden. Dieses „viele“ lässt Raum für Spekulationen offen. Es wird auch nicht näher beschrieben, was sich Daniel unter ewigem Leben vorstellt.

Ich denke auch wir heute tun gut daran, uns mit Spekulationen und all zu genauen theologischen Lehrgebäuden zum Leben nach dem Tod zurück zu halten. Wir wissen durch Jesus Christus, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Gottes Macht des Lebens ist stärker als der Tod. Wir wissen auch, dass das Böse keinen Platz in Gottes ewiger Welt hat. Aber wie wir uns das genau vorzustellen haben, wissen wir nicht. Mir genügt es, darauf zu vertrauen, dass die Gemeinschaft mit Gott durch den Tod nicht zu Ende ist.

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Lukas 20, 27-40 Es wird anders

Wie wird es sein in Gottes himmlischer Ewigkeit? Diese Frage kann auch Jesus nicht beantworten. Weil wir es uns mit unserem irdischen Verstand gar nicht vorstellen können. Auch den Sadduzäern kann er nicht beschreiben, wie das Zusammenleben der Menschen im Himmel aussehen wird. Den Himmel kann er nur durch negative Formulierungen beschreiben. Er kann sagen, was es nicht mehr geben wird: es wird keine Ehen mehr geben und es wird keinen Tod mehr geben. Jesus kann sagen, dass es anders sein wird, aber nicht sagen wie wir uns das vorstellen können.

Was er aber gegenüber den fortschrittlich, aufgeklärten und skeptischen Sadduzäern deutlich sagt ist, dass es ein Leben über den Tod hinaus gibt. Der Tod ist für uns Menschen nicht das letzte Wort. Denn Gott ist ein Gott der Lebenden. Am Ende steht nicht das Nichts, sondern die Gegenwart Gottes – wie auch immer das aussehen wird…

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Psalm 73 – Lohnt sich das?

Der Beter von Psalm 73 ringt mit einer bis heute aktuellen Frage: Warum geht es den Gottlosen oft besser als denjenigen, die an Gott glauben? „Ich aber wäre fast gestrauchelt… als ich sah, dess es den Gottlosen so gut ging… Siehe, das sind die Gottlosen; die sind glücklich in der Welt und werden reich.“ (V.2f.12)

Wir Christen versuchen manchmal für den Glauben zu werben, indem wir sagen: „Nur mit Gott kannst du wirklich glücklich sein. Nur mit Gott kann dein Leben gelingen.“ Der Beter gibt dagegen ganz offen und nüchtern zu: Das stimmt nicht. Auch als Gottloser kann man ein glückliches und tolles Leben haben. Lohnt sich dann der Glaube überhaupt? „Soll es denn umsonst sein, dass ich mein Herz rein hielt und meine Hände in Unschuld wasche?“ (V.13) Ich muss doch auch was dafür zurück bekommen!

Die Antwort, die der Beter für sich findet ist, dass er auf das Ende schaut: „Sie [die Gottlosen] gehen unter und nehmen ein Ende mit Schrecken.“ (V.19) Er dagegen wird am Ende mit Ehren von Gott angenommen. (V.24) Diese Stelle wird üblicherweise als eine der wenigen gesehen, in der im AT die Hoffnung auf ein Leben bei Gott über den Tod hinaus aufleuchtet. Die Hoffnung des Beters ist also: Irgendwann wird sich der Glaube und das Vertrauen schon noch auszahlen.

Das ist mir zu wenig! Und so geht es wahrscheinlich den meisten Menschen. Sie denken sich: „Lieber jetzt glücklich sein, als vielleicht irgendwann später.“ Der Spatz in der Hand ist ihnen lieber als die Taube auf dem Dach. Und so argumentieren ja auch die modernen Gottlosen. Sie sagen: „Es gibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Gott.“ Und sie ziehen daraus den Schluss:  „Also mach dir keine Sorgen und genieße das Leben.“ „Ein erfülltes Leben braucht keinen Glauben.“

Aber für mich ist die Hoffnung auf ein ewiges Leben bei Gott nicht das einzige Argument des Beters. Und überhaupt will er mit seinem Psalm auch nicht die Gottlosen überzeugen, sondern für sich selbst Frieden finden. Er sagt: „Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachten, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.“ (V.25f) Das gilt jetzt schon, nicht erst in der Ewigkeit. Die Gewissheit, dass Gott bei ihm ist, ist wichtiger als alles andere. Da kann es den Gottlosen noch so gut gehen: Solange Gott da ist, wird alles andere zweitrangig. Das ist wie bei der Liebe: Wenn sie echt ist, dann fragen wir auch nicht, ob sich das lohnt, sondern die Liebe ist einfach da und wir können gar nicht anders, als an ihr festzuhalten.
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