Richter 13 Der Engel des Herrn

In diesem Kapitel wird die Geburtsgeschichte des Simsons beschrieben. Besonders interessant finde ich dabei die Figur des Engels und wie die Menschen auf ihn reagieren. Die Mutter Simsons ahnte sofort, wen sie da vor sich hatte: „Es kam ein Mann Gottes zu mir, und seine Gestalt war anzusehen wie der Engel Gottes, zum Erschrecken.“ (V.6) Der Engel war also offensichtlich nicht sofort als solcher erkennbar, sie beschreibt ihn als einen Mann Gottes (also als einen Menschen), der in irgendeiner Weise aber die Gestalt eines Engels hatte – worin diese Besonderheit bestand wird nicht beschrieben.

Ihr Mann tut sich sogar noch schwerer, diesen Mann als Engel (was ja wörtlich übersetzt nichts anderes heißt als „Bote“) des Herrn zu identifizieren. Er bietet ihm ein Ziegenböcklein zum Essen an (V.15) und er fragt ihn nach seinem Namen (V.17). Für ihn ist es ein normaler Mensch, der vielleicht in einem besonderen Verhältnis zu Gott stand. Erst als der Engel auf wundersame Weise verschwindet, fallen beide voller Ehrfurcht auf den Boden (V.20).

Kein Lichtglanz, keine Flügel, keine himmlischen Posaunen, sondern einfach eine menschliche Gestalt, die eine Botschaft Gottes weiter gibt. Die Frau findet seine Gestalt von Anfang an Ehrfurcht gebietend („zum Erschrecken“), der Mann bemerkt zunächst gar nichts außergewöhnliches. Wer weiß, vielleicht sind wir auch schon einem Boten des Herrn begegnet und haben es gar nicht gemerkt…

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Jeremia 1, 17-19 Wir machen den Weg frei?!

Naja, so richtig motivierend klingt das ja nicht unbedingt. Gott sagt dem Jeremia zwar, dass er bei ihm sein wird und dass er ihm Standhaftigkeit schenken wird, aber er bereitet ihn zugleich auf heftige Probleme und Widerstände vor. Jeremia soll seine Botschaft „wider die Könige Judas, wider seine Großen, wider seine Priester, wider das Volk des Landes“ ausrichten. Sie alle werden gegen ihn streiten. Aber Jeremia soll davor nicht erschrecken, denn Gott ist ja bei ihm.

Mhm… ich kann mir angenehmere Aufgaben vorstellen. Wir denken ja doch eher, dass Gott so ein „Wir-machen-den-Weg-frei-Gott“ ist. Aber bei Jeremia scheint es so, als ob ihm besonders viele Hindernisse in den Weg legt…
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Psalm 76 – Furchtbarer Gott

Drei mal wird Gott in diesem Psalm als „furchtbar“ bezeichnet (V.8.12.13). Natürlich ist uns sofort klar, dass es hier nicht um eine erschreckende und angsteinflössende Furcht geht, sondern um die Ehrfurcht. Und natürlich ist es falsch und schrecklich, wenn Menschen im Namen Gottes Angst gemacht wird, um sie in eine bestimmte Richtung zu lenken. Glaube soll nicht Angst machen, sondern von Angst und Furcht befreien. Mit diesen Gedanken können wir uns dann wieder entspannt zurück lehnen und uns in Gottes barmherziger Liebe sonnen… 😉

Aber sind wir nicht manchmal zu schnell dabei, die „Furcht“ aus unserem Glauben zu streichen? Auch in der Ehrfurcht steckt noch die Furcht drin. Wo bleibt das erschrockene Staunen über Gott, der so mächtig und unbegreiflich ist, dass es fast schon unheimlich ist? Wo bleibt das Kribbeln in der Begegnung mit dem Geheimnisvollen und Göttlichen? Wo bleibt das aufgeregte Zittern, wenn wir vor dem König der Welt stehen? Mir fällt dazu ein christliches Kinderlied ein: „Aber der Herr ist immer noch größer, größer als ich denken kann.“ – Ich hab Gott nie „im Griff“. Ich kann ihn nicht klein falten mit meiner menschlichen Theologen-Logik. Er bleibt immer ein Stück weit größer. Und er bleibt immer auch ein Stück weit „furchtbar“.
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Psalm 60 – Das Feuer der Niederlage

Israel glaubt an den Schöpfer und Herrn der ganzen Welt. Es glaubt an einen Gott, dem nichts unmöglich ist. Und doch musste es immer wieder erfahren, dass das nicht bedeutet, immer nur zu siegen und nie eine Niederlage einstecken zu müssen. Psalm 60 ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie Israel immer wieder lernen musste, mit (militärischen) Niederlagen umzugehen. Es geht los mit dem noch staunenden Erschrecken, dass Gott nicht geholfen hat, dass er die Niederlage zugelassen hat. Israel hat Gott als zornig erlebt. Ein Gott, der sie verstoßen hat. Dann folgt eine Zusage und Verheißung Gottes. Am Ende folgt dann die Erkenntnis, dass menschliche Kraft nichts nützt und nur mit Gottes Kraft Großes möglich ist.

In der Stuttgarter Erklärungsbibel wird das sehr schön zusammen gefasst: „Die Niederlage hat deutlich gemacht, dass auf die eigene Kraft kein Verlass ist. Andererseits wirft eine Niederlage das Volk Gottes nicht nieder, sondern zurück auf Gott, der alle Macht hat.“ Das mag ich an diesem Psalm: Dass hier die Zuversicht durch das Feuer der Niederlage und des Zweifels hindurch gegangen ist. Das ist keine blauäugige und leichtfertige Erwartung: „Ja, Gott wird’s schon richten!“ Sondern das ist ein schmerzlich erkämpftes und tief existentielles Festklammern an Gott, weil man erlebt hat, dass alles andere ja doch nichts bringt.
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