Lukas 10, 1-16 Arbeiter bitten um Arbeiter

Bei diesem Text bin ich gleich zu Beginn besonders hängen geblieben. Jesus sendet 72 Jünger aus und sagt ihnen dabei: „Die Ernte ist groß, der Arbeiter aber sind wenige. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter aussende in seine Ernte.“ (V.2) Die Jünger sollen also um das bitten, was sie selbst gerade tun. Sie sollen um Arbeiter bitten, die ausgesandt werden und werden selbst gerade von Jesus als Arbeiter ausgesandt. Eigentlich etwas seltsam. Jesus gibt einen Auftrag und zugleich sollen die Beauftragten darum bitten, dass Gott jemand sendet, der den Auftrag ausführt.

Wahrscheinlich geht es darum, dass die Ernte noch viel größer ist, als dass die (eigentlich schon beachtliche Zahl von) 72 Jünger das alles bewerkstelligen können. Es geht Jesus um mehr als um die paar Dörfer und Städte in welchen er zu Lebzeiten unterwegs war. Zugleich ist diese seltsame Formulierung für mich aber auch eine Verdeutlichung dafür, dass wir selbst nichts tun können, wenn wir nicht darum bitten, dass Gott es durch uns tut. Wenn wir uns nur mit unseren menschlichen Möglichkeiten an der Ernte abmühen, sind wir verloren. Gott muss durch uns und durch andere wirken.

| Bibeltext |

Matthäus 13, 34-43 – Zuckerbrot und Peitsche

PeitscheHach, ich weiß auch nicht: Ich mag solche Texte nicht. Jesus gibt hier eine Deutung zu dem Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen (Mt.13,24-30; vgl. dazu diesen Artikel>>>). Aber anders als in der Erzählung des Gleichnisses liegt der Ton nun nicht mehr auf der Gelassenheit des Bauers gegenüber dem Unkraut, sondern die Ernte steht im Mittelpunkt: Die Bösen werden aussortiert, sie werden in den Feuerofen geworfen und es wird Heulen und Zähneklappern (oder besser übersetzt: Zähneknirschen – vor Schmerz) sein.

Es ist mir klar, dass es Jesus nicht darum geht Angst und Schrecken zu verbreiten, sondern dass er eindringlich vor einem Leben ohne Gott warnen will. Wer nicht zu Gott gehört, der ist ein Kind des Bösen und er wird irgendwann die Konsequenzen tragen müssen. Mein Verstand sagt mir, dass auch solche Worte notwendig sind – aber mein Herz sagt mir: Muss das sein? Dieses Drohen mit den furchtbaren Konsequenzen und den unerträglichen Schmerzen? Dieses ausmalen der Höllenqualen? Hilf das wirklich auf dem Weg zu einem tiefen Vertrauen in die Liebe und Güte Gottes? Brauchen wir das wirklich beides: Zuckerbrot und Peitsche? Sind wir Menschen so abgestumpft, dass Jesus uns mit Zuckerbrot allein (= mit der überwältigenden und alles gebenden Liebe Gottes) nicht erreichen kann?
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Matthäus 13, 24-30 – Gelassenheit im Angesicht des Feindes

Warum gibt es immer noch das Böse in der Welt, obwohl doch in Jesus Gott schon gegenwärtig ist und er in Jesus jetzt schon herrscht? Genau auf diese Frage scheint Jesus mit dem Gleichnis vom Unkraut und vom Weizen zu antworten. Ein Mensch sät guten Samen auf einen Acker, doch über Nacht sät sein Feind Unkraut unter den Weizen. Aber anstatt das Unkraut auszujäten, befiehlt der Bauer beides wachsen zu lassen und erst bei der Ernte das Unkraut auszusortieren. Ich hab mich da gefragt: Bei einem Menschen ist es ja verständlich, dass er nachts seinen Acker nicht im Blick hat – aber warum hat Gott das überhaupt erst zugelassen, dass der Feind Unkraut aussät? Warum hat er das nicht von vornherein verhindert?

Aber wie so oft bei Gleichnissen muss man darauf achten, was eigentlich der Punkt bei der Geschichte ist. Ich glaube es geht weniger um eine Erklärung des Ursprungs des Bösen, sondern um die Frage, wie man mit dem „Unkraut“ umgehen soll. Und da ist die Gelassenheit des Bauers ja schon erstaunlich. Es war damals durchaus üblich, das Unkraut schon vor der Ernte auszujäten. Aber der Bauer im Gleichnis lässt es wachsen bis zur Ernte. Er ist sich sicher, dass sein selbst ausgestreuter guter Same trotz des Unkraut wachsen wird und Frucht bringt. Die genaue Unterscheidung in Gut und Böse hat Zeit bis zur Ernte. Vielleicht würde uns solch eine Gelassenheit im Angesicht des Feindes auch manchmal gut tun.