Römer 3, 21-26: Schwierige Schlüsselwörter

Das ist ein sehr zentraler Abschnitt, in welchem Paulus in dichter Form ganz zentrale Aussagen macht. Ob die Leser von damals alles verstanden haben, was Paulus da an theologischen Aussagen mit hinein packt? Sie hatten auf jeden Fall den Vorteil, dass sie in derselben Zeit und demselben Kulturkreis lebten wie Paulus. Für uns heute ist es nicht mehr so einfach nachzuvollziehen, was ein antiker jüdischer Mensch bei solchen Stichworten wie Gerechtigkeit Gottes und Sühne gedacht und empfunden hat.

Bei Gerechtigkeit denken wir heute eher an ausgleichende Gerechtigkeit oder an Gerichte, die durch Rechtsprechung das Gesetz durchsetzen. In der hebräischen Bibel geht es bei der Gerechtigkeit Gottes mehr um seine Gemeinschaftstreue. Gott ist dann gerecht, wenn er sich als der treue Gott erweist. Für Paulus erweist sich diese Gerechtigkeit Gottes v.a. im Handeln an Jesus Christus. In ihm wird Gottes Treue sichtbar. In ihm geschieht Erlösung, Befreiung von der Sünde. In ihm werden wir mit hinein genommen in die Treue Gottes. Um Anteil an dieser Gerechtigkeit zu haben, ist es deswegen wichtig, auf Jesus zu vertrauen, an ihn zu glauben (V.22: „Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben“).

Das Wort Sühne und sein damaliges Verständnis ist für uns heute noch schwerer zugänglich – sowohl intellektuell, als auch erst recht emotional. Man könnte es so beschreiben: Sühne ist ein Mittel, um eine vergiftete Beziehung wieder zu heilen. Rechtfertigung durch Glauben ist eben mehr als nur ein richterliches Urteil, dass der Schuldige nicht bestraft wird. Es geht um weit mehr als nur eine zugesprochene Gerechtigkeit. Sünde ist im biblischen Verständnis wie ein Gift, welches die Beziehung zu Gott und zu anderen Menschen vergiftet. Um diese Beziehungen zu heilen, ist mehr nötig als ein Vergebungswort. Im Sühnetod am Kreuz nimmt Jesus diese Giftstoffe der gestörten Beziehungen auf sich selbst und heilt dadurch die Beziehungen. Es geschieht hier mehr als dass nur ein Unschuldiger für die Schuldigen stirbt, damit dem Gesetz genüge getan wird. Es wird ein Prozess der Heilung in Gang gesetzt.

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Johannes 6, 48-59 Fleisch und Blut

Das ist eigentlich kein Wunder, dass diese Anspielungen auf’s Abendmahl niemand so richtig versteht: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben.“ (V.54) Wie sollte das vor der Einsetzung des Abendmahls und vor Kreuz und Auferstehung jemand kapieren? Und selbst für uns heute ist es ja noch schwer verständlich, was das eigentlich bedeutet: Jesu Fleisch essen und sein Blut trinken. Über die genaue Bedeutung dieser Worte haben sich die Gläubigen durch die ganze Kirchengeschichte hindurch gestritten und sind sich bis heute nicht einig.

Es ist auffällig, dass gerade im Johannesevanglium so irdisch-materiell geredet wird, denn gerade Johannes erzählt ja die Geschichte Jesu auf einer theologisch durchdrungenen und geistlichen Ebene. Natürlich steckt auch an dieser Stelle dahinter eine geistliche Bedeutung: Jesus gibt seinen irdischen Leib (sein Fleisch) dahin und er vergießt am Kreuz sein Blut – und diese Lebenshingabe dient uns zur Erlösung und zum ewigen Leben. Aber das könnte man ja auch etwas weniger anstößig formulieren. Auch heute noch empfinden wir das als anstößig und es wird bei so manchen Abendmahlsfeiern nicht mehr von Jesu Leib und seinem Blut gesprochen, sondern vom Brot des Lebens und vom Kelch des Heils. Das klingt angenehmer und ist ja auch besser verständlich.

Trotzdem wird hier im Johannesevangelium bewusst so anstößig formuliert. Gegen eine Vergeistigung des Glaubens und des Todes Jesu wird an seiner Materialität festgehalten. Da ist nicht nur etwas gedanklich-philosophisches geschehen, da ist nicht nur etwas geistliches geschehen – nein, da ist konkret in unserer menschlichen Welt etwas geschehen. Dieser Jesus ist für uns ans Kreuz gegangen und für uns gestorben. Das ist nicht nur eine Idee oder ein religiöses Prinzip, sondern eine konkrete geschichtliche Tat. So wie der Sohn Gottes in Jesus Fleisch und Blut wurde, so ist der Sohn Gottes in Jesus auch in Fleisch und Blut am Kreuz gestorben.

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Hebräer 9, 1-15 Barrierefreier Zugang

Der Hebräerbrief stellt dem irdischen Heiligtum (V.1) Christus als den Hohenpriester der größeren und vollkommeneren Stiftshütte (V.11) gegenüber. In der irdischen Stiftshütte, und in der Nachfolge auch im irdischen Tempel in Jerusalem, gab es das Allerheilgste, dass selbst der Hohepriester nur einmal im Jahr betreten durfte. Vorher musste er ein Opfer bringen für die eigenen Sünden und die des Volkes. Der Zugang zu Gott war also streng begrenzt. Die Kluft zwischen uns sündigen Menschen und dem heiligen Gott ist so groß, dass selbst der Hohepriester nur einmal im Jahr Zugang zum Allerheiligsten hatte. Dabei wurde das Allerheiligste nicht einmal als Ort der unmittelbaren Gegenwart Gottes gesehen, sondern die Bundeslade im Allerheiligsten lediglich als Fußschemel des viel größeren, alles irdische übersteigenden göttlichen Thrones gedacht.

Für den Hebräerbrief ist die irdische Stiftshütte nur eine Abbild der vollkommenen Stiftshütte. In diese ist Christus als Hohepriester eingegangen und hat ein für alle mal eine ewige Erlösung erworben (V.12). Das was in der irdischen Stiftshütte nur ansatzweise geschehen konnte, hat Christus letzt-gültig umgesetzt. Es braucht daher keine irdische Stiftshütte, kein Tempel und keine Opfer mehr. Die Erlösung, die Jesus Christus erwirkt hat, gilt für alle Ewigkeit, der Zugang zu Gott ist frei – nicht nur für den Hohepriester, sondern auch für mich.

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Kolosser 3, 5-11 Theorie und Praxis

Jetzt wird’s interessant, denn jetzt kommt die Verknüpfung der theologischen Höhenflüge mit der alltäglichen Praxis eines Lebens als Christ. Hier ist auch der Kolosserbrief ehrlich und realistisch genug, um zu erkennen, dass auch wir Christen im alltäglichen Leben mit so manchem zu kämpfen haben. Wir haben eine fantastische Botschaft: Christus hat alles für uns getan, er hat uns erlöst, befreit und erneuert. Aber in der Praxis haben wir nach wie vor mit all diesen unguten Dingen zu kämpfen, die hier aufgezählt werden: „Unzucht, Unreinheit, schändliche Leidenschaft, böse Begierde, Habsucht“ (V.5), „Zorn, Grimm, Bosheit, Lästerung, schandbare Worte“, Lüge (V.8). Wenn es nicht so wäre, dann bräuchte uns der Kolsosserbrief nicht dazu auffordern, das alles abzutöten und abzulegen.

Ich lese gerade den Roman „Auferstehung“ von Leo Tolstoi. Dort kritisiert er die Kirche seiner Zeit, dass sie nur die Erlösung Christi hochhält und diese durch religiöse Traditionen feiert – aber im praktischen moralischen Leben total versagt. Tolstois Vorwurf ist, dass die Lehre von der Erlösung durch Jesu Tod am Kreuz zu faulen Ausrede wird, um in seinen Lastern und Sünden zu verharren: Christus hat ja alles getan, es ist alles in Ordnung, ich muss nichts mehr tun und kann bleiben, wie ich bin. Tolstoi selbst versucht ein moralisches Christentum zu leben. Für ihn hat Jesus vor allem die Botschaft der Liebe gebracht und es geht allein darum, die Nächstenliebe konsequent und radikal im Alltag zu leben.

Tolstoi hat mit seinen Vorwürfen durchaus recht. Das macht ja auch der Kolosserbrief deutlich: Wenn wir allein betonen, dass Christus alles getan hat und wir bleiben dann wie wir sind, dann wird etwas schief. Christi Erlösungstat muss auch Auswirkungen auf unseren Alltag und unsere Moral haben. Aber das moralische Christentum des Tolstois überzeugt mich letztendlich auch nicht. Moral allein ist zu wenig. Wenn man sich das Leben Tolstois anschaut, dann stellt man fest, dass er selbst an diesem ungeheuren moralischen Anspruch scheitert.

Wir bleiben in dieser Spannung: einerseits leben wir allein aus der Vergebung – auch als Christen versagen wir immer wieder und brauchen Gottes vergebende Erneuerung. Anderseits bleibt Gottes Anspruch an uns, dass wir dieses neue Leben in Christus ernst nehmen und versuchen auch im Alltag danach zu leben. Beide Extreme im Versuch diese Spannung aufzulösen sind gefährlich: sich allein auf der Erlösung ausruhen und in der Sünde verharren ist genauso gefährlich, wie aus Christus einen reinen Moralapostel zu machen, der eine neue und radikalere Gesetzlichkeit fordert.

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Kolosser 1, 15-23 Es muss doch noch mehr geben

In diesem Text kommt eine der wichtigsten Stellen vor, die auf eine Allversöhnung hindeuten könnte. Ja, hier taucht der Begriff selbst sogar auf. In diesem Christushymnus mit ganz grundsätzlichen und universalen Aussagen taucht die Aussage auf, dass Gott „durch ihn [Christus] alles mit sich versöhnte, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz.“ (V.20) Hier ist die Erlösungstat Jesu am Kreuz konsequent und radikal zu Ende gedacht. Wenn in Christus alles erschaffen ist, dann ist es nur logisch, dass durch ihn auch alles erlöst wird.

Zugleich wird im Vers nach diesem gigantischen Hymnus auch deutlich, dass es trotz dieser universalen Erlösungstat Menschen geben kann, die Gott „fremd und feindlich gesinnt“ sind (V.21). Es ist also durch den Kreuzestod noch nicht alles so wie es sein sollte. Die große Frage ist nun, wie Gott das am Ende sehen wird: Werden einfach alle gerettet – auch wenn sie bis zum Tod Gott fremd und feindlich gesinnt waren? Oder bekommen sie ihren eigenen Willen und bleiben auch nach dem Tod Gott fremd und feindlich gesinnt?

Ich gebe hier keine Antwort, weil das erstens vermessen wäre und zweitens vor allem auch die Bibel selbst keine eindeutige Antwort gibt. Aber – so sehe ich es zumindest – sie hält trotz allen Gerichtsankündigungen auch einen kleinen Hoffnungsschimmer aufrecht, dass Gott es letztendlich doch schafft, alles mit sich zu versöhnen und so die ganze Schöpfung zu ihrem Ziel führt. Ob und wie das geschieht, darf ich getrost Gott überlassen.

Aber mich persönlich hat in diesem Text etwas ganz anderes tief angesprochen: „Es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen.“ (V.16) Das spüre ich immer wieder bei mir selbst und bei anderen: dass tief drin in uns ein Sehen nach etwas ist, das größer ist als unsere irdische Welt. Wir sind alle zu ihm hin geschaffen. Diese Sehnsucht nach mehr ist jedem Geschöpf eingepflanzt. Oder wie Augustinus es sagt: „Unruhig ist mein Herz, bis es Ruhe findet in dir.“

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Lukas 23, 26-31 Weine nicht über mich!

Also gab es doch noch einige Fische, die gegen den Strom schwammen: Einige Frauen begleiten Jesus auf seinem Kreuzweg und klagen und beweinen ihn. Sie trauen sich, öffentlich ihre Zugehörigkeit zu Jesus zu zeigen – auch wenn die große Masse mit Gebrüll seinen Tod gefordert hatte.

Mich berührt an diesem Text dann diese Zurechteweisung Jesus: „Weint nicht über mich, sondern weint über euch selbst und über eure Kinder.“ (V.28) Ist das auch eine Zurechtweisung an mich und meinen Umgang mit Karfreitag? Wichtiger als Betroffenheit und Mitgefühl für den Tod Jesu zu zeigen ist es, seine eigene Sünde und Verlorenheit zu erkennen. Schlimm an Karfreitag ist nicht Jesu Tod – der war von Gott gewollt und Jesus ist diesen Weg bewusst gegangen. Schlimmer ist es, wenn wir an Karfreitag nicht unsere Erlösungsbedürftigkeit erkennen. Denn dann war dieser Tod umsonst. Weint nicht über Jesus, sondern über euch selbst.

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Lukas 21, 20-28 Aufsehen

Diese Verse erinnern mich an Bonhoeffers berühmtes Gedicht: „Wer bin ich?“ Er hat es in seiner Zelle geschrieben, als er von den Nazis gefangen genommen wurde. In diesem Gedicht schreibt er von seinen Ängsten und seiner Schwachheit. Zugleich wird er aber von anderen als stark und gelassen wahrgenommen.

So ist es als Glaubender: Auch wir haben Angst und sind schwach. Auch bei uns gibt es genügend Gründe dafür. Jesus beschreibt das auch in diesem Text. Aber wir haben etwas, an das wir uns festklammern können: Die Angst hat nicht das letzte Wort. Wir dürfen aufsehen, unsere Häupter erheben, weil wir wissen, dass sich unsere Erlösung naht. Wir dürfen auf Jesus schauen. Er kommt.

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Joseph Conrad: Lord Jim

Eine nicht ganz einfach zu lesende und vielschichtige Charakterstudie über Träume, Ideale, Versagen und Schuld eines Menschen. Hauptperson ist Jim, ein junger britischer Seemann. Er träumt von Anerkennung und Ruhm. Er hat einen hohen Anspruch an sich selbst und seine Ideale. Aber durch eine folgenschwere Fehlentscheidung werden diese Ideale und Träume in Frage gestellt und sein weiteres Leben unter dem Vorzeichen dieser Enttäuschung.

Jim war erster Offizier auf dem vollbesetzten Pilgerschiff Patna. Nach einer unerklärlichen Kollision flieht er – entgegen seiner Ideale von Ruhm und Heldenmut – mit der restlichen Schiffsbesatzung von dem vermeintlich verlorenen Schiff. Die Patna geht doch nicht unter und Jim wird vor Gericht gestellt. Er verliert seine nautischen Patente, erhält danach jedoch Hilfe von Marlow, der sich mit ihm anfreundet. Bei allen neuen Anstellungen die ihm Marlow besorgt, fällt jedoch der Schatten seiner Vergangenheit auf ihn zurück.

Ein wirklicher Neuanfang gelingt ihm erst in einem abgelegenen Eingeborenendorf in Afrika. Dort gewinnt er die Achtung und Liebe der Einwohner – sie nennen ihn „Lord Jim“. Er wird zu ihrem Anführer, der ein friedliches Miteinander verschiedener Stammesgruppen garantiert. Er findet eine Frau, welche ihn von Herzen liebt – auch wenn sie im Innersten eine Ahnung davon hat, dass es einen dunklen Fleck in Jims Vergangenheit gibt.

Doch letztendlich bleibt Jim ein tragischer Held. Die Vergangenheit holt ihn wieder ein. Ein heruntergekommener Freibeuter greift mit seiner Bande die Stadt an. Anstatt die chancenlosen Angreifer im Kampf zu vernichten, entscheidet sich Jim die Freibeuter ziehen zu lassen. Er will damit seine Großmut zeigen, trifft damit aber wieder eine tragische Fehlentscheidung. Auf ihrer Flucht ermorden die Räuber den Sohn eines Eingeborenenfürsten. Jim nimmt die Schuld dafür auf sich, indem er sich dem Fürsten stellt. Dieser macht Jim für den Tod seines Sohnes verantwortlich und tötet ihn.

Zu lesen ist der Roman nicht so einfach. Conrad erzählt recht weitschweifig und detailliert – dadurch wird der Roman insgesamt recht lang und die Handlung zieht sich recht zäh durch das Buch. Für den Leser anstrengend sind auch die unterschiedlichen Erzählperspektiven. Die Geschichte wird nicht von einem allwissenden Erzähler ausgebreitet oder aus der Perspektive der Hauptperson. Der Großteil der Handlung ist die Wiedergabe einer Erzählung von Marlow, des guten Freundes von Jim. Diese Erzählung wird wiederum vom Ich-Erzähler gehört und wiedergegeben. Das führt dann manches mal zu mehrfach gebrochenen Schilderungen der Handlung: der Ich-Erzähler gibt wieder, was Marlow erzählt und Marlow seinerseits gibt an vielen Stellen wieder, was dritte über Jim erzählt haben. Da verliert man leicht den Überblick…

Diese komplizierte Erzählweise ist aber bewusst gewählt und ermöglicht es Conrad die Hauptfigur aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. Dem Leser bleibt es selbst überlassen, den Charakter und die inneren Vorgänge in der Hauptperson Jim zu deuten. Für einen im Jahr 1900 geschriebenen Roman ist diese Herangehensweise erstaunlich modern.

Lord Jim ist viel mehr als ein Seefahrer- und Abenteuerroman. Er ist ein zutiefst existentieller Roman. Große Lebensfragen werden in der Geschichte angedeutet. Wie gehen wir mit Scheitern und Versagen um? Wie kann Schuld gesühnt werden, wie kann Erlösung geschehen? Lohnt es sich von großen Idealen zu träumen, oder ist es nicht sinnvoller sein Leben pragmatisch zu sehen?

(Amazon-Link: Conrad: Lord Jim)

Exodus 6 Wenn uns der Atem ausgeht

Nachdem Mose ein bisschen rumgejammert hat, folgen noch einmal großartige Verheißungen Gottes. Er unterstreicht noch einmal die besondere Bedeutung seiner Namensoffenbarung, er versichert Mose, dass er das Klagen und Leiden seines Volkes gesehen hat und dass er sie befreien wird. Er bestätigt, dass das Volk Israel sein besonders auserwähltes Volk ist und dass er es in das verheißene Land führen wird. Besonders gefallen hat mir auch die Verheißung, dass er die Israeliten erlösen wird. Vom Wortursprung her bedeutet „erlösen“ das Freikaufen von Sklaven. Mir ist dabei Jesus eingefallen, der uns durch seinen Tod freigekauft hat von der Sklaverei des Sünde.

Und wie reagiert das Volk auf diese großartigen Verheißungen? „Aber sie hörten nicht auf ihn vor Kleinmut und harter Arbeit.“ (V.9) Das war kein böswilliger Unglaube, sondern sie waren einfach brotfertig von der harten Arbeit. Was Luther mit Kleinmut übersetzt, bedeutet vom hebräischen her eigentlich „Kurzheit des Atems“. Ihnen ging die Luft aus! Sie konnten nicht mehr! Die großartigen Verheißungen kamen bei ihnen gar nicht mehr an, weil sie so erschöpft waren. Dementsprechend ist auch Mose nicht gerade zuversichtlich: Wenn schon das eigene Volk nicht auf ihn hören will, wie dann erst der ägyptische Pharao? (V.12)

Rein menschlich gesehen haben die tollen Verheißungen jetzt keine Wirkung mehr. Rein menschlich gesehen ist der große Traum der Freiheit ausgeträumt. Rein menschlich gesehen ist damit schon alles vorbei. Aber es gibt da ja noch Gott! Wenn uns der Atem ausgeht, so ist er doch da und bringt seinen Willen zum Ziel!

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1. Petrus 2,21-25 – exemplum und sacramentum

So, heute wird’s mal ein bisschen theologischer – wobei: Wer Bibel liest betreibt ja immer Theologie, jeder muss über das Gelesene nachdenken, es in sein Glaubensverständnis einordnen und herausfinden, was das nun für ihn zu bedeuten hat. Jeder Bibelleser ist immer auch Theologe, nur merken das manche gar nicht…

Seit Augustinus gibt es bei der Betrachtung von Jesu Tod die Unterscheidung von exemplum (Beispiel) und sacramentum (Sakrament). Hier im Text von 1. Petr. tauchen beide Dimensionen auf.  Wir sollen Jesu Leiden als ein Beispiel, als ein Vorbild nehmen, um unser eigenes Leben daran auszurichten (V.21). Jesus litt für andere und wenn wir ihm nachfolgen, dann kann und wird das auch so sein, dass wir um der Liebe willen für andere leiden. Davon zu unterscheiden ist jedoch Jesu Tod als sacramentum für uns. Damit ist gemeint, dass Jesu Tod für uns geschah, dass er dadurch Erlösung von den Sünden bewirkte: Er hat unsere Sünde hinaufgetragen an das Holz, durch seine Wunden sind wir heil geworden (V.24). Diese Dimension von Jesu Tod können und brauchen wir nicht nachahmen. Wenn wir um des Glaubens willen leiden, dann brauchen wir dadurch weder für uns, noch für andere Erlösung von den Sünden erwirken. Das hat Jesus ein für alle mal getan.

Diese Unterscheidung ist wichtig, damit klar bleibt wer uns von den Sünden erlöst: Jesus, durch seinen Tod am Kreuz. Wir brauchen uns in der Hinsicht Jesus nicht als Vorbild nehmen, wir brauchen niemand durch unser Leiden erlösen. Aber wir können uns trotzdem Jesu Leiden als Vorbild nehmen und selbst bereit sein zum Leiden um den Glaubens und der Liebe willen. Für Martin Luther war sehr wichtig, dass Jesu Tod als sacramentum vorgeordnet und übergeordnet ist. Wer nicht weiß, dass Jesus für ihn gestorben ist und ihn erlöst hat, dem bringt es auch wenig, wenn er sich Jesus als Vorbild und Beispiel nimmt. Wenn wir Jesus nur als Vorbild sehen, dann wird die Sache schief…Bibeltext