Lukas 7, 11-17 Stärker als der Tod

Was für ein Gegensatz: Jesus geht mit einer grossen Menge in die Stadt hinein und entgegen kommt ihnen eine Witwe mit ihrem toten Sohn, ebenfalls begleitet von einer grossen Menge. Der Freudenzug des Lebens trifft auf den Trauerzug des Todes.

Jesus sieht die Witwe, die alles verloren hat: den Mann, den Sohn, … Und es jammert ihn. Der Tod geht Jesu zu Herzen. Die Frau muss gar nichts sagen, gar nichts bitten. Jesus weiss alles. Er sieht ihren Schmerz. Untypisch für eine Wundergeschichte kommt der Glaube gar nicht zur Sprache. Nur das Mitleid und Erbarmen Jesu.

Er muss keine besondere Handlung vollführen, sondern er spricht nur. So wie Gott am Anfang gesprochen hat und das Leben erschaffen hat. So spricht Jesus jetzt auch zu dem Toten. Und er kehrt zurück „und Jesus gab ihn seiner Mutter“. Damit ist er nicht endgültig vom Tod errettet. Er ist später wieder gestorben. Jesus räumt nicht einfach allen Tod und alles Leid aus der Welt – aber er zeigt zeichenhaft, dass er stärker ist als der Tod und jeder Schmerz.

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Hesekiel 2 Von Gottes Geist aufgerichtet

Auffällig ist die Anrede „Menschenkind“. Sie kommt bei Hesekiel gehäuft vor (insgesamt 93 mal; sonst im AT nirgends so oft). Wörtlich übersetzt steht da: Sohn des Menschen. Auch Jesus hat sich ja als Menschensohn bezeichnet, doch bei ihm war es auf dem Hintergrund des Buches Daniel ein Hoheitstitel. Hier bei Hesekiel macht es eher die Zugehörigkeit des Propheten deutlich: er gehört auf die Seite der Menschen, er ist Geschöpf und steht in der Linie von „Adam“ (welches das hebr. Wort für Mensch ist). Im Buch Hesekiel wird in besonderer Weise Gottes Macht und Herrlichkeit betont. Hesekiel wird mit der Anrede immer wieder vor Augen geführt, dass Gott ganz anders ist, dass er der Heilige ist, dass es einen Abstand zwischen den vergänglichen Menschen und dem ewigen Gott gibt. Das Faszinierende ist, dass Gott dennoch sein Volk nicht aufgibt und dass er nicht aufhört, durch Propheten um sein Volk zu werben.

Was mich besonders angesprochen hat bei diesem Abschnitt ist V.2: „Und als er [Gott] so mit mir redete, kam Leben in mich und stellte mich auf meine Füße.“ Hesekiel hatte sich vor Ehrfurcht nieder geworfen (Hes.1,28). Was Luther hier mit „Leben“ übersetzt hat, kann man auch mit „Geist“ übersetzen. Hesekiel wirft sich also vor dem heiligen Gott nieder, aber Gott redet mit ihm und Gottes Geist richtet ihn wieder auf. Obwohl Hesekiel ein Sohn des Menschen ist, obwohl der Abstand zwischen Mensch und Gott so groß ist, will Gott mit ihm reden, will er ihn als Gegenüber! Gott will nicht, dass der Prophet vor ihm im Staub kriecht, sondern dass er mit erhobenem Haupt Gott zuhört.

| Bibeltext |

Support the best?

Hab heute ein T-Shirt mit einem ziemlich ekligen Spruch gesehen: „Support the best – God fuck the rest“. Getragen hat es ein großer, muskulöser Mann mit blond gefärbten Haaren. Ich weiß nicht, ob er wirklich über diesen Spruch auf seinem Shirt nachgedacht hat. Das erinnert nämlich auf fatale Weise an eine Zeit, in der man auch glaubte, die anscheinend besten Eigenschaften eines Volkes, einer Rasse müsse man fördern und die anderen, die Schwachen, Kranken, Behinderten,… wären lebensunwertes Leben, das man ausmerzen müsse. Traurig!

Aber auf gewisse Weise stimmt dieser Spruch dann auch wieder. Auf einer ganz anderen Ebene als er verstanden werden will. Denn es ist tatsächlich so, dass wir Menschen uns immer an den Besten orientieren und jeder zu den Besten dazu gehören möchte. Gott aber wendet sich vor allem den Schwachen und Hilflosen zu, den Unterdrückten und Ausgestoßenen. Da muss man nur einmal eins der Evangelien durchlesen.

In der hebräischen Sprache wird unser niveauloses und aller Schönheit und allem Zauber beraubtes Wort „fuck“ ausgedrückt mit „eins werden“. Gott wird eins mit dem Rest, er vereinigt sich mit den Schwachen und Zerbrochenen, mit den Verwundeten, Ausgebeuteten, Einsamen und Traurigen. Er hilft den Hilflosen.