Johannes 21, 1-14 Der Mann am Ufer

Wir segeln auf den Meeren unserer Welt herum und versuchen ein paar Fische zu fangen. Es ist dunkel geworden und wir sind müde vom Auswerfen der Netze. Immer wieder versuchen wir es. Wir probieren unterschiedliche Methoden des Netzeauswerfens, wir probieren unterschiedliche Stellen auf dem Wasser, wir bemühen uns und hören nicht auf zu hoffen, doch noch etwas zu fangen. Immer wieder mal ein paar kleine Fische. Immer wieder mal einzelne, die vom Netze anderer Boote in unser Netz springen, … aber der große Fang bleibt aus.

Die Stimmung ist gedrückt. Der Arbeiter sind wenig. Enttäuschung und Müdigkeit macht sich breit. Wir fühlen uns überfordert und im Stich gelassen. Andere scheinen etwas erfolgreicher zu sein und geben uns freudestrahlend Tipps, wie wir es besser machen sollen. „Probiert doch dies und jenes, das hat bei uns funktioniert!“ Andere machen uns Vorhaltungen und zweifeln an unserer grundsätzlichen Einstellung. „Ich müsst es nur richtig wollen und fest daran glauben, dann geht es auch!“ Die Frustration entlädt sich an Bord in endlosen Diskussionen über den richtigen Kurs, die richtigen Methoden und die richtige Motivation.

Wir brauchen nichts so sehr wie den Auferstandenen, der am Ufer steht und uns beauftragt: „Werft die Netze aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden.“ (V.6) Wir brauchen nicht noch bessere und ausgeklügeltere Methoden zum Fischfang. Wir brauchen nicht noch mehr Einsatz und Begeisterung. Wir brauchen keine Grabenkämpfe innerhalb des Bootes über den richtigen Kurs. Wir brauchen Jesus selbst. Seine Stimme. Seinen Auftrag. Seine Vollmacht.

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John Williams: Stoner

Williams: StonerIst dieser Roman jetzt deprimierend oder faszinierend? Einerseits ist diese Lebensgeschichte eines Literaturprofessors eine Geschichte voller Enttäuschungen und unerfüllter Träume. Nichts läuft in diesem Leben so richtig gut. Man leidet als Leser mit dieser tragischen Hauptperson. Andererseits hat dieser nüchterne Bericht auch eine eigenartige Faszination. Die Hauptperson lässt sich nicht kleinkriegen und man ist als Leser beeindruckt von seiner Stärke. Auch wenn in dem Roman nichts außergewöhnliches geschieht, versteht es der Autor so zu schreiben, dass man als Leser dran bleiben möchte.

Der Roman ist schon älter, er wurde 1965 von dem amerikanischen Literaturprofessor John Williams veröffentlicht. Allein schon der Beruf verät, dass in dem Buch wohl auch manch autobiographische Erlebnisse verarbeitet wurden. Es liegt eine gewisse passende Tragik darin, dass der Roman zunächst nicht groß beachtet wurde und erst Jahre nach dem Tod von Williams (1994) wieder entdeckt wurde und inzwischen zu einem Welterfolg wurde. Es gibt inzwischen zahllose begeisterte Rezensionen zu diesem Buch. Nur hat der Autor nichts mehr von dieser späten Anerkennung… John Williams: Stoner weiterlesen

Philip Yancey: Disappointment with God

Yancey: Disappointment with GodEin Ausschnitt aus dem Buch hat mich neugierig gemacht und großer Erwartungen in mir geweckt. In einer Predigt habe ich ein längeres Zitat aus dem Buch gelesen und war von der offenen und schonungslosen Art, wie hier jemand von enttäuschtem Glauben redet getroffen. Anhand dieses Ausschnittes schien es mir, dass sich der Autor auf ebenso offene und schonungslose Art im ganzen Buch mit dem Thema beschäftigt. Schon während des Lesens musste ich feststellen, dass meine Erwartungen sich nicht so richtig erfüllt haben, bzw. dass ich die falschen Erwartungen hatte. Aber trotzdem ist es ein gutes und empfehlenswertes Buch.

Ausgangspunkt ist für Yancey die Erfahrung eines Freundes, welcher den Glauben an Gott verloren hatte. Anhand von dieser Infragestellung Gottes geht Yancey im Buch drei großen Fragen nach: Ist Gott unfair? Schweigt Gott? Ist Gott verborgen? Diese drei Fragen behandelt er in zwei großen Teilen: im ersten Teil des Buches geht er die ganze Bibel durch und versucht aus Gottes Perspektive auf menschliche Enttäuschung einzugehen. In einem zweiten Teil beleuchtet er die Fragen vom Buch Hiob aus. Philip Yancey: Disappointment with God weiterlesen

2. Thessalonicher 2, 13 – 3, 5 Nicht jedermanns Ding

Ganz nüchtern und realistisch sagt Paulus hier: „Der Glaube ist nicht jedermanns Ding.“ (V.2) Tja, diese Erfahrung machen wir nicht erst im postmodernen und säkularen Deutschland, sondern die hat schon Paulus vor knapp 2000 Jahren gemacht. Obwohl er einer der „erfolgreichsten“ Missionare aller Zeiten war, hat auch Paulus nur eine Minderheit mit seiner Botschaft erreicht. Obwohl Gott alle Menschen erschaffen hat und er will, dass alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen und gerettet werden (1. Tim. 2,4), haben die Meisten keine Antenne für den Glauben. Aber sollen wir deswegen resignieren? Nein, Paulus blieb treu. Er ging seinen Weg weiter und schaute auf Gott, denn „der Herr ist treu“ (V.3).

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Hesekiel 36, 1-15 Rosarot?

Mhmm… so wie mir manche Gerichtsankündigungen etwas übertrieben vorkommen, so kommt mir jetzt auch diese Verheißung der Rückkehr etwas übertrieben vor. Da malt Hesekiel doch sehr rosarote Bilder vor Augen: „Aber ihr Berge Israels sollt wieder grünen und eure Frucht bringen meinem Volk Israel, denn bald sollen sie heimkehren“ (V.8), ich „will euch mehr Gutes tun als je zuvor“ (V.11). Die Wirklichkeit sieht grauer und nüchterner aus.

Die Israeliten konnten tatsächlich wieder zurück kehren. Aber nicht bald sondern erst Jahrzehnte später: 528 v. Chr. wurde das Kyrosedikt erlassen, das den Juden die Rückkehr ermöglichte – 60 Jahre nach der ersten Deportation 598 v. Chr. und ca. 50 Jahre nach der zweiten Deportation 587 v. Chr. Rein rechnerisch starb der Großteil der Deportierten im Exil. Und es war dann auch keine triumphale Rückkehr in ein blühendes Land. Der Wiederaufbau zog sich nur langsam, schleppend und unter großen Widerständen hin: erst 515 v. Chr. war der Tempel wieder aufgebaut und konnte eingeweiht werden. Ein unabhängiges Königreich Israel gab es danach nie wieder. Das sieht nicht so aus, als ob Gott seinem Volk mehr Gutes als je zuvor getan hat!

Alles nur rhetorische Überreibung? Oder brauchen wir Menschen solche visionären Zukunftsbilder, um die Hoffnung nicht ganz zu verlieren? Sind wir Menschen selbst schuld, dass sich die tollen Verheißungen nicht so umfassend erfüllen, weil wir ständig ungehorsam sind? Ich tue mich auf jeden Fall schwer, wenn auch heute großartige Zukunftsvisionen und Verheißungen für Gemeinde und Kirche im Umlauf sind und wir alle irgendwann merken, dass sich das nicht so erfüllt, wie wir das erhofft haben. Geht es nicht auch eine Nummer kleiner und realistischer? Oder ist es dann schon kein Glaube mehr? Produzieren solch übertrieben rosaroten Erwartungen nicht nur noch mehr Frust und Enttäuschung? Oder sind sie unabdingbar, um nicht dich Hoffnung zu verlieren?

| Bibeltext |

Per Petterson: Pferde stehlen

So kitschig, wie der deutsche Titel dieses Buches klingt ist es nicht. Ich habe es ganz gern gelesen. Trotzdem war ich überrascht, als ich nach dem Lesen einige Rezensionen zu diesem Buch angeschaut habe: durchgängig positiv, viele sogar begeistert. Das hätte ich nicht erwartet.

Die Geschichte die erzählt wird, spielt sich auf zwei Zeitebenen ab. Der Rahmen ist der Bericht über den 67-jährigen Trond, der sich am Ende seines Lebens in die Einsamkeit Ostnorwegens zurück zieht. Sein neuer Nachbar ist Lars, den er einst in seiner Jugend gekannt hatte. Durch die Begegnung mit ihm wird ein Sommer vor gut 50 Jahren wieder lebendig, in welchem sich dramatische Dinge ereignet haben.

Trond verbrachte damals seine Ferien mit seinem geliebten Vater in einem ähnlich einsamen Dorf. Nach und nach stellt sich heraus, dass sein Vater dort wenige Jahre zuvor, während des Krieges, im Untergrund gegen die Nazi-Besatzung kämpfte. Er beförderte Nachrichten und Flüchtlinge ins benachbarte Schweden. Dabei half ihm die Mutter von Tronds bestem Freund. Am Ende dieses Sommers verlässt der Vater ohne große Erklärungen seine Frau und seine beiden Kinder für die Mutter von diesem Freund. Erst im Lauf der Zeit wird Trond so langsam klar, was in diesem Sommer alles passiert ist.

Im krassen Gegensatz zu den dramatischen Geschehnissen, die erzählt werden, ist das Buch von einer geradezu einlullenden Langsamkeit. Der Autor bauscht die Ereignisse nicht auf, sondern erzählt sie ganz nüchtern und scheinbar unbeteiligt. Aber gerade dadurch gibt er ihnen Gewicht. Das ganze Buch durchzieht eine eigentümliche Melancholie, die aber nie in Verzweiflung abdriftet.

Es geht auf der doppelten Zeitebene zum einen um das Erwachsenwerden und zum anderen um das Älterwerden. Es geht um Glücksmomente und Enttäuschungen. Es geht um die Sehnsucht nach Liebe, nach einem Gegenüber, nach Familie und um den Rückzug in die Einsamkeit.

Begeistert hat mich das Buch nicht. Nein. Aber der Autor hat mich durch seine Erzählweise doch hinein gezogen in diese Geschichte. Am Ende ging es mir, wie Trond selbst: eigentlich müsste man enttäuscht und wütend über diesen Vater sein, der einfach so seine Familie verlässt. Und doch liebt Trond seinen Vater noch immer und lässt das Unbegreifliche einfach stehen. Soll man jetzt lachen oder weinen, oder doch keins von beiden? Ein Schlüsselsatz in dem Roman ist: „Wir entscheiden schließlich selbst, wann es weh tut.“ Das sagt der Vater seinem Sohn Trond als er Brenneseln mit der bloßen Hand ausreißt. Das lernt der Sohn im Lauf seines Lebens selbst anzuwenden: zuerst auf körperliche Schmerzen, aber dann wohl auch auf die seelischen Wunden…

Viele andere Rezensenten haben darauf hingewiesen, dass der Erzählstil und die ganze Geschichte die Landschaft Norwegens widerspiegeln. Ich denke da ist etwas dran: Herb, nüchtern und doch schön.

Psalm 25 – Realismus des Glaubens

Ich finde es immer wieder spannend, wie die Gebete der Psalmen zwischen Vertrauen, Bitte und Klage hin- und herschwanken. Immer wieder wird ein scheinbar unerschütterliches Vertrauen in Gottes Eingreifen und Gottes Hilfe deutlich. In Psalm 25 z.B. in V.3: „Denn keiner wird zuschanden, der auf dich harret; aber zuschanden werden die leichtfertigen Verächter.“ Daneben tritt oft unvermittelt die Bitte, um genau die Dinge, auf die man so fest vertraut. In Ps. 25,2: „Mein Gott, ich hoffe auf dich; lass mich nicht zuschanden werden.“ Obwohl der Beter felsenfest davon überzeugt ist, dass keiner „zuschanden wird“, der auf Gott vertraut, bittet er genau darum. Und in V.16-18 tritt dann sogar neben die Bitte auch noch die Klage: „Ich bin einsam und elend… Sieh an meinen Jammer und mein Elend“

Wenn Gott derjenige ist, der allen Gläubigen nur Gutes tut, warum muss der Beter dann darum bitten und warum klagt er darüber, dass es nicht so ist? Interessant, dass der Beter alles gleichzeitig zu erleben scheint: Die Gewissheit, dass Gott da ist und hilft. Und die Erfahrung, dass es eben nicht so ist. Deswegen kommt er vor Gott und klagt und bittet.

Diesen Realismus des Glaubens mag ich. Denn ich erlebe meinen Glauben ähnlich. Einerseits als festes Vertrauen und Geborgenheit in einen Gott, der da ist, der erfahrbar ist, der in mein Leben eingreift und hilft. Aber eben oft auch die Enttäuschung darüber, dass Gott so fern scheint, dass er scheinbar so wenig in unsere Welt eingreift, dass ich oft so wenig von ihm spüre.
Bibeltext

Deuteronomium 6, 4-5 – Gottes dunkle Seiten

Heute geht es um das „Glaubensbekenntnis Jesu“. Ja, richtig gelesen. Fand ich einen interessanten Gedanken von Klaus Douglass. Er stellt fest, dass dieser Text aus Dtn.6,4f das jüdische Glaubensbekenntnis ist, das auch heute noch fromme Juden mindestens einmal am Tag beten. Auch Jesus hat das so gesehen. Auf die Frage nach dem wichtigsten Gebot, also nach dem Zentrum aller göttlichen Worte, antwortet er eben mit diesem Glaubensbekenntnis (das im Hebräischen nach seinen Anfangsworten Schema Jisrael genannt wird). Es gibt nichts wichtigeres, als Gott von ganzen Herzen, mit ganzer Seele und mit all unserer Kraft zu lieben. Jesus fügt dann noch hinzu, dass es genau so wichtig ist, seinen Nächsten wie sich selbst zu lieben (Mt. 22,36-40).

Noch viel heißer ist der folgende Satz von Klaus Douglass (es geht im Zusammenhang darum, dass es für uns manchmal schwierig ist, Gott zu lieben, weil sein Handeln nicht immer verstehen): „Wir alle wissen, dass Gott nicht nur helle, sondern auch dunkle Seiten hat.“ (S.127) Mein erster Gedanke: Aber hallo?!? Wie bitte?!? Das ist ja ganz schön gewagt, vor allem mit dieser Selbstverständlichkeit: „Wir alle wissen…“. Und dann gibt es doch diese Stelle im Johannesbrief (1.Joh.1,5): „Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis.“

Dann hab ich weiter gelesen: „Irgendwann im Himmel, davon bin ich überzeugt, werden sich auch diese Seiten als hell erweisen, und alle unsere Fragen werden beantwortet werden.“ – Puh, da hat er ja gerade noch die Kurve gekriegt ;). Also Gott an sich hat keine dunklen Seiten, aber uns erscheint hier auf Erden manches dunkel und unverständlich. Im Himmel wird uns dann erst klar, dass das scheinbar dunkle auch hell ist. Okay, so kann ich das auch sehen…

Ich finde es gut, dass Douglass immer wieder unser frommes Denken provoziert. Mir geht es ja ehrlich gesagt auch manchmal so, dass ich Gottes Handeln dunkel und unverständlich finde. Dann sind wir schnell dabei zu sagen, dass Gott Licht ist und keine Finsternis in ihm wohnt und dass wir deshalb nicht so denken dürfen. Aber warum eigentlich nicht? Die Psalmen tun das doch auch dauernd! Warum sollen wir unsere Enttäuschung und unser Unverständnis immer so schnell runterschlucken und unterdrücken?

Den Weg verloren

„Hast du manchmal auch das Gefühl, dass du den Weg verloren hast?“ Ja, das hab ich. Und es ist nicht nur ein Gefühl. Es gibt keinen Weg mehr. Nur noch Nebel. Augen zu und durch?!?

Lange Zeit hab ich Ziele vor Augen gehabt. Es war mir nicht in allem klar, welche Wege Gott mit mir geht.Aber ich hatte das Gefühl, auf ein Ziel zuzugehen. Jetzt müsste ich eigentlich kurz davor stehen – aber ich kann nichts mehr entdecken. Es ist als ob Gott mich in einem großen Haus durch viele verwinkelte Gänge geführt hat, die Treppen hoch und runter,… und schließlich in ein Zimmer. Ein leeres dunkles Zimmer. Dann hat er sich umgedreht, ist gegangen und hat die Tür hinter sich zu gemacht. Was soll ich jetzt hier? Ich hab gedacht, dass Gott mich für irgendwas und irgendwie gebrauchen könnte. Aber ich kann nichts sehen. Keine Ergebnisse, keine Erfolge, nichts bleibendes. Nur ein „sich durch wursteln“.

Nüchtern betrachtet könnte man das als Midlife-Crisis diagnostizieren. Die Zeit der Begeisterung und großen Träume ist vorbei, man hat vieles erreicht (ohne doch so richtig das „Eigentliche“ erreicht zu haben). Familie, Frau, Kinder, Beruf,… Man lebt vor sich hin, könnte eigentlich glücklich sein – ist es aber nicht. Man blickt auf die Hälfte des Weges zurück und fragt sich, wo man eigentlich hin wollte. Man fragt sich: Ist das das große Ziel – glücklich sein? Und wenn man glücklich ist, ist das Ziel dann, noch glücklicher zu werden?

Um nicht zu verzweifeln, versucht man sich abzulenken. Zerstreuung. Medien. Sich verlieren in den endlosen Weiten des Netztes. Selbstgemachter Stress. Die kleinen harmlosen und weniger harmlosen Süchte eines Durchschnittsbürgers. Nur nicht wirklich zur Ruhe kommen. Die alltäglichen kleinen Sorgen und Probleme („verdammt, an dieser Tankstelle wäre das Diesel zwei Cent günstiger gewesen…“), die einen von den wirklich großen Fragen fernhalten. Man lässt sich einreden, dass man dies oder jenes noch braucht, um glücklicher zu sein – man macht sich auf die Jagd und freut sich kurz über eingefangene Seifenblasen, die dann doch alle wieder zerplatzen.

Naja, wie auch immer. Wär schön, wenn Gott das Licht wieder anknipsen würde und ich wenigstens eine kleine Ahnung über die weitere Richtung des Wegs bekommen könnte…

1. Korinther 4, 14-21 – Dynamit

„Das Reich Gottes steht nicht in Worten, sondern in Kraft.“ (1.Kor.4,20)

Na toll! Vorher hat Paulus noch geschrieben, dass das Wort vom Kreuz eine Gotteskraft ist (1.Kor.1,18) und jetzt sagt er, dass das Reich Gottes nicht in Worten besteht. Ja, ist schon klar – er meint hier die selbstherrlichen und eingebildeten Worte mancher Korinther. Aber ich frag mich trotzdem: Worin besteht denn jetzt die Kraft Gottes? Wie und wodurch kommt sie bei uns zur Wirkung? Ist die Kraft Gottes, dass wir – ähnlich wie Christus am Kreuz – Leid, Enttäuschung und Schwachheit ertragen können, ohne innerlich draufzugehen? Besteht die Kraft darin, einfach den ganzen Müll unserer gefallenen Welt ertragen zu können und innerlich zu denken: „Naja, ich bin ja gerettet und irgendwann – in der Ewigkeit – wird dann auch wirklich alles besser.“?

Ich kann verstehen, dass den Korinthern das nicht genug ist, dass sie neben schönen Trostworten auch etwas von der Kraft Gottes sehen möchten. Ich sehe wenig von dieser Kraft, bei mir und bei anderen. Im griechischen steckt hinter dem Wort Kraft der Ausdruck „dynamis“. Von dieser Dynamik Gottes erlebe ich nichts. Ich sehe kein Dynamit, das Tod und Teufel einfach wegsprengt. Ich sehe nur ein paar heruntergebrannte und flackernde Kerzen. Ich erlebe nur viel Langeweile und Bequemlichkeit. Ich höre nur viele Worte, leere Worte. Ja, geredet (und gebloggt) wird viel. Aber das Reich Gottes steht nicht in Worten, sondern in Kraft. Wie zeigt sich diese Kraft? Warum schaffen wir es nicht, anstatt ein paar flackender Kerzen die Sprengkraft von Gottes Dynamit anzuzünden?