Johannes 12, 37-50 Glaube und Unglaube

Das ist der letzte Abschnitt vor den sogenannten Abschiedsreden. Der Abschnitt ist somit ein Fazit von Jesu öffentlicher Wirksamkeit, denn in den Abschiedsreden wendet sich Jesus dann an den engeren Jüngerkreis. Dieses Fazit fällt ernüchternd aus: „Und obwohl er solche Zeichen vor ihren Augen tat, glaubten sie doch nicht an ihn.“ (V.37) Jesus hat seinen Anspruch nicht nur in Worten geäußert, sondern auch durch sichtbare Zeichen untermauert – und trotzdem glauben die Menschen nicht an ihn. Da ist es wieder: das Problem des Unglaubens, das Johannes in seinem Evangelium so oft anspricht. Wie kann es sein, dass Jesus Menschen begegnet, sie seine Zeichen sehen und sie dennoch nicht glauben?

Der Text versucht mit einem Hinweis auf zwei Jesajatexte ein Erklärung zu geben: Gott hat ihre Herzen verstockt. Aber ist das eine ausreichende Erklärung? Wenn nur das der Grund wäre, dann könnten die Menschen auch nicht für ihren Unglauben verantwortlich gemacht werden, denn dann trägt ja Gott die alleinige Schuld. Der Text gibt aber noch einen anderen Gedanken weiter: So manche – selbst von den Oberen – glaubten an Jesus, aber aus Menschenfurcht bekannten sie sich nicht zu ihrem Glauben. Nach dieser Erklärung ist nicht Gott schuld, sondern die Menschen selbst.

Wie so oft in der Bibel greifen wohl beide Erkärungsversuche ineinander über: Beides ist irgendwie richtig, aber eine Erklärung ohne die andere ist falsch. Glaube ist sowohl ein Geschenk Gottes als auch eine Entscheidung des Menschen. Dementsprechend ist es wohl auch beim Unglauben. Mir fällt dazu der berühmte Satz ein: „Bete, als ob alles arbeiten nichts nütze und arbeite als ob alles beten nichts nütze.“ Beim Glauben ist es vielleicht ähnlich. Es ist beides wichtig: Das menschliche Wollen und das göttliche Wirken. Wir können daraus allerdings keine einfache mathematische Gleichung machen: 50 % menschlicher Glaube plus 50 % göttliches Wirken. Nein, irgendwie ist beides zu 100 % nötig.

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Johannes 5, 19-30 Ewiges Leben jetzt

Wieder ein gutes Beispiel für die Konzentration des Johannesevangeliums auf die Person Jesu. In der Begegnung mit Jesus geschieht jetzt schon alles Entscheidende. In der Begegnung mit Jesus spielt auch die Zeit keine große Rolle mehr. Es ist so, als ob im Glauben an Jesus alle Zeit aufgehoben ist und jetzt schon die Ewigkeit Gottes gegenwärtig ist: „Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.“ (V.24) Wer glaubt, der hat also jetzt schon das ewige Leben. Im Glauben oder Unglauben geschieht jetzt schon das Gericht.

Für uns ist das schwer zu verstehen, denn rein von unserem Erleben her ändert sich ja nichts in unserem äußerlichen irdischen Leben. Rein empirisch ist es schwer, die Gegenwart des ewigen Lebens festzustellen. Auch scheint es schwierig zu sein, das mit anderen neutestamentlichen Aussagen in Einklang zu bringen, die eindeutig von einem zukünftigen Gericht sprechen. Ist jetzt schon alles entschieden, oder wird es sich erst in Zukunft im letzten Gericht entscheiden? Wie so oft ist beides irgendwie richtig: Je nachdem wie jetzt mein Verhältnis zu Jesus ist, wird im Gericht entschieden. Die eigentliche Entscheidung fällt also jetzt schon: Wer Jesu Worte hört und ihm vertraut, der hat jetzt schon ewiges Leben.

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Apostelgeschichte 13, 42-52 Scheidung und Entscheidung

Die Predigt des Paulus führt unter den Zuhörern zur Scheidung und Entscheidung. Seine Worte provozieren. Sie provozieren „die Juden“ (V.45) zum Widerspruch und führen „die Heiden“ (V.48) zum Glauben. Bei einer ganz normalen Predigt am Sonntagmorgen hier in Deutschland geschieht weder das eine noch das andere. Als Prediger der Gnade Gottes müssen wir nicht Angst vor Verfolgung und Ausweisung (V.50) haben. Aber es ist auch nicht so, dass durch unsere Predigten massenweise Menschen zum Glauben kommen.

Woran liegt das? Predigen wir nicht provozierend genug? Oder sind die Menschen heute gleichgültiger (man könnte auch sagen: toleranter)? Manche Prediger setzen auf radikalere Botschaften, um zu provozieren. Aber was war denn bei Paulus für die Zuhörer provokant? Für die jüdischen Synagogenbesucher war es unerhört, dass ein Mensch allein durch Glauben vor Gott gerecht werden soll ohne das Gesetz des Mose zu befolgen. Wenn ich das heute predige dann nicken die Menschen entweder (weil sie das ja schon so oft gehört haben und weil heutzutage niemand mehr durch Werkgerechtigkeit meint sich erlösen zu müssen) oder sie sagen: „Ist mir doch egal – Gott interessiert mich nicht!“

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Richter 6 Das Vlies des Gideon

Das berühmte Vlies des Gideon. Um ganz sicher zu sein, dass er wirklich im Auftrag Gottes die Midianiter angreifen soll legt Gideon zwei mal über Nacht ein Wollflies aus. Beim ersten mal soll zur Bestätigung seines Auftrags das Vlies nass vom Tau sein und der Boden drumherum nicht. Beim zweiten mal soll es genau umgekehrt sein. Und Gott geht tatsächlich darauf ein: Gideon bekommt diese deutliche Bestätigung.

Können wir das heute noch so machen und von Gott bei Entscheidungen ein deutliches Zeichen verlangen? Ich denke im Prinzip ja – aber: In der Bibel wird die Forderung nach einem Zeichen auch durchaus kritisch gesehen. Die Pharisäer forderten z.B. von Jesus ein Zeichen, um seine Autorität zu beweisen. Jesus gab ihnen aber keine Beweise in die Hand, sondern forderte Umkehr, Glaube und Vertrauen. Auch seinen Jüngern hat er nicht empfohlen in schwierigen Situationen ein eindeutiges Zeichen zu verlangen. Viel wichtiger ist das schlichte Vertrauen auf Gott.

Auch bei Gideon muss man den Zusammenhang sehen: Er war sich eigentlich schon vorher seines Auftrages sicher. Ein Engel des Herrn hat mit ihm gesprochen (V.11), ja Gott selbst sprach mit ihm (V.23). Dieses Auslegen des Flieses war also eingebettet in ein Fragen und Hören auf Gottes Wort. Außderdem war es eine große Entscheidung, die nicht nur Auswirkungen für Gideon hatte, sondern auch viele andere Menschen betraf.

Gott will sicher nicht, dass wir wegen jeder Kleinigkeit nach einem eindeutigen Zeichen fragen. Er hat uns seinen Geist gegeben, er hat uns unseren Verstand gegeben. Aber ich bin sicher, dass Gott auch heute noch vielfältige Möglichkeiten hat, um uns in schwierigen Fragen den richtigen Weg zu zeigen…

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Josua 24 Willst du?

Das letzte Kapitel des Josuabuches. Es geht zum Abschluss noch einmal um die alles entscheidende Frage: Wollt ihr Gott vertrauen und ihm gehorsam sein oder wollt ihr euer Vertrauen auf andere Götter setzen? Nicht das Land ist letztendlich entscheidend, sondern das Vertrauen auf Gott. Josua sagt pointiert: „Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen.“ (V.15)

Erstaunlich ist, dass Josua überhaupt diese Frage stellen muss. Und aus dem Text wird ersichtlich, dass er sie ernsthaft stellt. Er rechnet damit, dass auch jetzt noch fremde Götter verehrt werden (V.23)! Da ist Israel seit Jahrzehnten, ja sogar seit Jahrhunderten mit Gott unterwegs und trotzdem muss diese Frage immer wieder neu gestellt werden: Will du Gott folgen oder nicht? Da haben sie wunderbare Dinge mit Gott erlebt und trotzdem ist die reale Gefahr da, dass sie ihr Herz an andere Götter hängen.

Das ist wohl auch bei uns so: Selbst wenn wir seit Jahrzehnten ein Leben mit Gott führen, müssen wir uns immer wieder neu fragen: Will ich diesem Gott wirklich vertrauen? Glaube darf nicht zur oberflächlichen Gewohnheit werden, sondern muss immer wieder neu bewusst gewollt werden.

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Josua 19 Wie gewonnen, so zerronnen

Aufgefallen in diesem Kapitel ist mir die Zuteilung des Landes an den Stamm Dan. Dan sollte ursprünglich ein Gebiet westlich vom Stamm Benjamin bekommen. Doch dann wird berichtet: „Dem Stamm Dan aber ging sein Gebiet verloren, und er zog hinauf und kämpfte gegen Leschem und eroberte und schlug es mit der Schärfe des Schwerts und nahm es ein.“ (V.47) Dieses neue Gebiet liegt ganz im Norden des verheißenen Landes, also an einem völlig anderen Ort als vorgesehen. Dieser Verlust und die Neueroberung wird in Josua 19 nicht kommentiert, sondern einfach nur festgestellt.

Finde ich interessant, dass Dan durch göttliches Los ein Landstück zugeteilt bekommt, dann aber zu schwach ist, um es gegen die ursprünglichen Bewohner zu verteidigen. Dafür gelingt es dem Stamm, woanders ein neues Gebiet zu erobern. Dazu fällt mir eine Liedzeile ein: „You give and take away.“ War das nun Schwachheit und Versagen von Dan, dass er das ursprüngliche Gebiet aufgab, oder war es eine kluge und gottgewollte Entscheidung,sich ein anderes Gebiet zu suchen? Die Frage stellt sich ja uns heute auch in unserem Leben: an welchen Stellen lohnt es sich zu kämpfen und wo ist es sinnvoll dem Kampf auszuweichen und an anderer Stelle etwas Neues auszuprobieren?

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Galater 4, 8-20 Finden UND gefunden werden

Ein Satz ist mir in diesem Abschnitt besonders ins Auge gesprungen: „Nachdem ihr aber Gott erkannt habt, ja vielmehr von Gott erkannt seid…“ (V.9) Genial, wie Paulus hier beschreibt, wie Menschen Christen werden. Auf der einen Seite ist es ein aktives Geschehen von Seiten des Menschen: Ihr habt Gott erkannt. Auf der anderen Seite, auf einer tieferen Ebene, ist es ein Wirken Gottes: Ihr seid von Gott erkannt.

Interessant ist, dass Paulus beides zusammenbindet. Er lässt nicht das eine zugunsten des anderen weg, sondern erwähnt beide Perspektiven. Wobei er durch das „vielmehr“ auch betont, welche die grundlegende ist: dass Gott uns erkennt. Ohne Gottes Handeln kann kein Mensch zum Glauben kommen. Aber es ist eben nicht so, dass deswegen das Suchen, Erkennen und Glauben des Menschen unwichtig wird. Paulus streicht das nicht einfach raus! Logisch gesehen ist das ein Paradox. Nach unserer menschlichen Logik kommt der Mensch entweder durch eigene Entscheidung zum Glauben oder weil Gott ihm Glauben schenkt. In der Logik des Glaubens fällt aber beides zusammen. Man kann es nicht auseinander dividieren.

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Exodus 9 Gottes eingeschränkte Allmacht

„Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen“. So fängt das apostolische Glaubensbekenntnis an. Wir Christen sind davon überzeugt, dass Gott alle Macht im Himmel und auf Erden hat, nichts ist ihm unmöglich. Warum kann er dann nicht das Herz des Pharaos verändern? Wenn er es verhärten kann, dann kann er es doch auch weich machen und empfänglich machen für die Botschaft des Mose und des Aaron.

Bei der siebten Plage (Hagel) wird deutlich, dass Gott das ganze Volk der Ägypter vernichten könnte, er könnte sie alle mit Pest schlagen und sein Volk hätte Frieden (V.15). Ich glaube Gott hätte auch die Macht, den Pharao vom Glauben zu überzeugen, aber er tut es nicht. Warum? In V.20f stellt Gott die Ägypter vor die Wahl: Wer dem Wort Gottes und damit Gott selbst vertraut, der lässt sein Vieh und seine Knechte nicht hinaus aufs Feld. Wer ihm nicht vertraut, der lässt sie aufs Feld (und setzt sie somit dem von Gott angekündigten Hagel aus).

Gott stellt vor die Wahl: „Vertraut ihr meinem Wort, glaubt ihr mir? Oder nicht? Ich zwinge euch nicht dazu. Es ist eure Entscheidung. Wer mir vertraut, der hört auf mein Wort und wer mir nicht vertraut, der hört nicht und muss dann aber auch mit den Folgen klar kommen.“ Der Hagel kam und alles auf dem Feld wurde erschlagen. Gott ist allmächtig, aber er schränkt seine Allmacht ein, um dem Menschen die Wahl zu lassen, sich für oder gegen ihn zu entscheiden.

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