Sacharja 2, 1-9 Das Eigentliche

Erstaunlich wie nüchtern und knapp Sacharja von diesen himmlichen Visionen berichtet. Als ob es das selbstverständlichste der Welt sei, dass Engel mit ihm reden. Er beschreibt gar nicht genauer, wie wir uns die Engel ausgesehen haben und wie wir uns seine Vision vorzustellen haben. Wenn so etwas heute passieren würde, dann würde wahrscheinlich ein riesiger Hype daraus entstehen. Sacharja berichtet von acht Visionen. Eine einzige davon würde heute ausreichen, um das ganze auch kommerziell gut auszuschlachten.

Sacharja könnte in christlichen Fernsehshows auftreten und davon erzählen, wie die Engel aussehen und wie es im Himmel ist. Er könnte ein Buch über seine Erfahrungen schreiben, welches dann sicher zum Bestseller würde. Dann könnte er nach einiger Zeit ein zweites Buch nachschieben, um die Erfolgswelle weiter auszunützen. Er könnte Vorträge halten und Seminare geben: „Sieben Schritte auf dem Weg zum Propheten“.

Aber Sacharja geht es nicht um das Drumherum. Das ist für ihn völlig nebensächlich. Wichtig ist nur, was Gott zu sagen hat. Ich fürchte bei uns heute, geht es oft sehr viel mehr um das spektakuläre Drumherum, als um das Eigentliche…

| Bibeltext |

Hebräer 3, 1-6 Gottes Haus

Jesus ist nicht nur wichtiger als die Engel, welche als Mittlerwesen zwischen Himmel und Erde gesehen werden können, er steht auch höher als Moses, welcher dem Volk Israel das Gesetz Gottes übermittelt hat. Mose ist ein Knecht oder Diener Gottes. Das ist nicht abwertend gemeint, sondern im Alten Testament ein Ehrentitel für jemand, der in besonders engem Verhältnis zu Gott steht. Aber mit Jesus wird diese Nähe zu Gott noch einmal übertroffen. Er ist nicht nur Diener Gottes, sondern Sohn Gottes, nicht nur Hausangestellter, sondern Miterbauer und Mitbesitzer des Hauses.

Mich hat an dem Text besonders angesprochen, dass wir heilig sind mit himmlischer Berufung (V.1) und dass wir Gottes Haus sind (V.6). Wenn wir auf ihn schauen (V.1) und mit Zuversicht und freudigem Stolz (V.6 nach der Guten Nachricht Bibel) an unserer Hoffnung festhalten, dann sind wir Gottes Haus, d.h. dann wohnt Gott in uns. Er wohnt nicht im Tempel, er ist nicht ferne, so dass wir Engel als himmlische Vermittler nötig hätten, er wohnt nicht in Buchstaben und Gesetzen. Nein, wir selbst sind sein Haus, er wohnt in uns.

| Bibeltext |

Hebräer 1, 1-14 Mehr als alle Engel

Vom Hebräerbrief kennen wir weder den Absender noch die Adressaten. Der Autor nennt sich in seinem Schreiben nicht, erst in späterer Zeit wurde der Brief dem Paulus oder auch manch anderen zugeschrieben. Die Überschrift „An die Hebräer“ ist auch eine nachträgliche Hinzufügung, weil man aufgrund der vielen alttestamentlichen Zitate vermutet hat, dass die Adressaten Judenchristen waren. Es ist sicher kein Brief aus der Anfangszeit der Christenheit, sondern der Autor wendet sich eher an Christen, die in der Gefahr stehen, im Glaube müde zu werden und sich fragen, warum die Wiederkunft Jesu so lange ausbleibt.

Gleich im ersten Kapitel wird die Absicht des Briefes deutlich: Jesus Christus, der Sohn Gottes soll im Zentrum stehen. Wer im Glauben müde geworden ist, muss neu auf ihn schauen. Zu den Vätern hat Gott „vielfach“ und auf „vielerlei Weise“ gesprochen. Jetzt, „in den letzten Tagen“ hat er auf unüberbietbare Weise durch den Sohn gesprochen. Er ist Gottes Ebenbild und durch ihn ist alles erschaffen worden. Er ist sozusagen das Wort durch welches Gott die Welt erschaffen hat, sowie das letztgültige Wort, das Gott zu uns redet.

Offensichtlich haben sich die müde gewordenen Christen der Spekulation über Engel zugewandt. Deswegen betont der Hebräerbrief so sehr, wie viel größer, wichtiger und herrlicher Jesus Christus ist. Er ist mehr als alle Engel, er ist Gottes Sohn. Doch dieser Jesus Christus war wohl so manchen nicht mehr genug, sie haben andere Mittler zu Gott gesucht. Diese Faszination der Engel ist ja bis heute aktuell. Auch heute können viele Menschen mehr mit Engel anfangen, als mit Jesus Christus. Engel scheinen irgendwie harmloser und vielleicht auch geheimnisvoller als Jesus Christus zu sein. Über Engel kann man besser spekulieren. Mit Engeln kann man das Bedürfnis nach übersinnlichem leichter befriedigen. Der Hebräerbrief sagt dagegen: Nein, Gott wirkt nicht in erster Linie durch Engel, sondern er hat durch seinen Sohn zu uns gesprochen. Und dieses Wort gilt. Wir brauchen nicht über irgendwelche himmlischen Wesen spekulieren, sondern wir sollten uns an das Wort Jesu Christi halten.

| Bibeltext |

Richter 13 Der Engel des Herrn

In diesem Kapitel wird die Geburtsgeschichte des Simsons beschrieben. Besonders interessant finde ich dabei die Figur des Engels und wie die Menschen auf ihn reagieren. Die Mutter Simsons ahnte sofort, wen sie da vor sich hatte: „Es kam ein Mann Gottes zu mir, und seine Gestalt war anzusehen wie der Engel Gottes, zum Erschrecken.“ (V.6) Der Engel war also offensichtlich nicht sofort als solcher erkennbar, sie beschreibt ihn als einen Mann Gottes (also als einen Menschen), der in irgendeiner Weise aber die Gestalt eines Engels hatte – worin diese Besonderheit bestand wird nicht beschrieben.

Ihr Mann tut sich sogar noch schwerer, diesen Mann als Engel (was ja wörtlich übersetzt nichts anderes heißt als „Bote“) des Herrn zu identifizieren. Er bietet ihm ein Ziegenböcklein zum Essen an (V.15) und er fragt ihn nach seinem Namen (V.17). Für ihn ist es ein normaler Mensch, der vielleicht in einem besonderen Verhältnis zu Gott stand. Erst als der Engel auf wundersame Weise verschwindet, fallen beide voller Ehrfurcht auf den Boden (V.20).

Kein Lichtglanz, keine Flügel, keine himmlischen Posaunen, sondern einfach eine menschliche Gestalt, die eine Botschaft Gottes weiter gibt. Die Frau findet seine Gestalt von Anfang an Ehrfurcht gebietend („zum Erschrecken“), der Mann bemerkt zunächst gar nichts außergewöhnliches. Wer weiß, vielleicht sind wir auch schon einem Boten des Herrn begegnet und haben es gar nicht gemerkt…

| Bibeltext |

Josua 5 Gott begegnet

Dass Gott dem Mose im brennenden Dornbusch erschienen ist und ihn berufen hat ist eine bekannte Geschichte. Weniger bekannt ist, dass Moses Nachfolger Josua auch eine vergleichbare Erscheinung hatte. Allerdings begegnet Josua kein brennender Dornbusch, sondern ein Mann mit gezücktem Schwert. Der Mann gibt sich als Engelsfürst zu erkennen und fordert Josua auf, seine Schuhe auszuziehen, weil er auf heiligem Grund steht – genau wie bei Mose vor dem brennenden Dornbusch (1. Mo. 3,5)!

Ich finde es genial, wie Gott verschiedenen Menschen in verschiedenen Situationen auf verschiedene Art und Weise begegnet und sie für ihre Aufgaben ermutigt und stärkt. Auf Josua kommen schwierige Kämpfe zu. Der Engel mit dem Schwert macht ihm deutlich, dass nicht nur er oder das Volk kämpft, sondern dass Gott an ihrer Seite kämpft. Mose begegnet Gott in einem Dornbusch, der brennt und doch nicht verbrennt. Mose musste lernen, dass Gott von ihm nicht kurz aufflammenden Zorn wünscht (im Zorn erschlug er einst einen Ägypter und flüchtete dann, 1. Mo. 1,12), sondern lang anhaltende Treue und Geduld auf dem Weg in die Freiheit.

Wie begegnet Gott mir? Was macht er mir deutlich? Welche Aufgabe habe ich und wie befähigt Gott mich dazu?

| Bibeltext |

Exodus 23, 20-33 (K)ein süßes Engelchen

Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, der dich behüte auf dem Wege und dich bringe an den Ort, den ich bestimmt habe.“ (V.20) Ach wie süß von Gott! Er sendet uns einen Schutzengel, der uns den Weg beleuchtet und seine Flügel über uns breitet. Wer denkt da nicht an einen kleinen, kindlichen und weiß leuchtenden Engel, so ähnlich wie sie an vielen Christbäumen hängen?

Um so überraschender der nächste Vers: „Hüte die vor ihm und gehorche seiner Stimme und sei nicht widerspenstig gegen ihn; denn er wird eure Übertreten nicht vergeben, weil mein Name in ihm ist.“ (V.21) Das hört sich schon nicht mehr so süß und heimelig an! Ja, Gott beschützt uns und leitet uns auf dem Weg. Aber er ist dabei nicht süß und harmlos, sondern heilig und mächtig! Er ist nicht der große Wünscheerfüller, der uns jedes Hindernis aus dem Weg räumt, sondern er begleitet uns und hat dabei auch Ansprüche und Herausforderungen an uns.

| Bibeltext |

Psalm 91 – Getragen trotz Fußschmerzen

„Denn er hat seinen Engeln befohlen, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen, daß sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.“ (V.11-12) Bei solchen Aussagen bin ich immer hin- und hergerissen zwischen Freude und Getröstet-Sein auf der einen Seite und stirnrunzelnder Skepsis auf der anderen Seite.

Diese Verse klingen ja toll, aber wenn ich mein Leben und das Leben anderer Christen anschaue, dann kann ich eigentlich nur den Kopf schütteln und sagen: „Das ist doch Quatsch! Ich werd nicht ständig von Engeln auf Händen getragen, so dass ich nicht einmal meinen Fuß an einem Stein stoße! Natürlich haut’s auch uns Christen immer wieder in den Dreck – im wörtlichen und im übertragenen Sinn. Diese Aussagen sind doch ziemlich übertrieben!“

Andererseits merke ich doch auch immer wieder, dass Gott mir tatsächlich Halt und Trost gibt, dass seine Engel mich tatsächlich tragen. Nicht in dem Sinn, dass mir gar nichts Schlimmes mehr zustößt und ich nicht auch mal mit meinem Fuß kräftig gegen einen Stein knalle – aber doch so, dass ich auf einer tiefen und existentiellen Ebene spüre, dass ich getragen bin.
Bibeltext

Matthäus 18, 10-14 – Göttliche Briefumschläge

EngelIch bin ja kein besonderer Freund von diesem „Engelhype“: Engel hier und Engel dort, alles voller Engel. Da werden im christlichen Gewand so manche esoterische Phantasien auf den Buchmarkt geworfen. Das spricht die Leser offenbar an. Und das ist wohl für viele säkulare Leser leichter zu verdauen und zu akzeptieren als die sperrige Botschaft vom Sohn Gottes, der da elend am Kreuz zugrunde geht.

Doch macht mir der heutige Text deutlich, dass auch Jesus konkret mit Engeln gerechnet hat. Er spricht von den „Kleinen“. Damit sind Kinder gemeint oder im übertragenen Sinn: „kleine, unbedeutende Menschen“ (so übersetzt die Gute Nachricht Bibel). Und dann erwähnt er „ihre Engel“. Das heißt, dass es Engel gibt, die in besonderer Weise für diese „Kleinen“ zuständig sind – es ist wohl anzunehmen, dass für jeden dieser „Kleinen“ ein Engel zuständig ist. Hier liegt eine der Wurzeln für die später sehr ausgedehnte Vorstellung vom persönlichen „Schutzengel“.

Soweit, so gut: Es gibt also wohl für jeden (jeden Menschen oder jedes Kind Gottes?) einen Engel, der im Himmel allezeit das Angesicht Gottes sieht (Mt. 18,10). Aber was heißt das? Rettung und Leben gibt es nach wie vor nur durch Jesus Christus – er allein ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Und auch in dem Text selbst geht es Jesus nicht um die Engel an sich, sondern um die „Kleinen“ für die sie zuständig sind. Gott freut sich unendlich darüber, wenn auch nur ein einziger der verloren war, wieder gefunden wird. Die Engel dienen hier nur zur Unterstreichung, dass auch die Kleinsten für Gott wichtig sind.

Auch wenn wir an anderen Stellen in der Bibel schauen, dann stehen nie die Engel selbst im Mittelpunkt: Das wichtigste sind nicht die Engel selbst, sondern ihre Botschaft. Daher kommt ja auch ihre Bezeichnung: Im Griechischen bedeutet „angelos“ Bote. Sie sind nur so etwas wie der Briefumschlag, der das Eigentliche transportiert. Schade, wenn sie heute auch bei manchen Christen so groß und wichtig werden. Denn wenn der Bote wichtiger als die Botschaft wird, dann stimmt was nicht…

___
Foto: A. Rausch / pixelio.de