Philipper 4, 1-3 Eines Sinnes

Wir merken immer wieder wenn wir Bibel lesen, dass die Gläubigen damals ähnliche Problem hatten wie wir. Paulus muss in seinem Brief ganz gezielt zwei Personen aufrufen, ihre Streitigkeiten beizulegen: „Evodia ermahen ich und Syntyche ermahne ich, dass sie eines Sinnes seien in dem Herrn.“ (V.2) Wenn man sich das praktisch vorstellt, muss das ganz schön peinlich gewesen sein. Denn ein Brief des Paulus wurde wahrscheinlich im Gottesdienst vorgelesen und hatte besonderes Gewicht. Und neben vielen allgemeinen Aussagen, Grüßen und Ermahnungen werden nun zwei Frauen namentlich aufgerufen, sich zu vertragen!

Was aber bedeutet „eines Sinnes“? Müssen wir Christen in allem gleicher Meinung sein? Bedeutet christliche Gemeinschaft Konformität und Gleichschaltung? Ich glaube es ist hier wichtig auch auf die Fortsetzung zu achten: „… in dem Herrn.“ Nicht in jeder Frage sollen sie eines Sinnes sein, sondern in ihrer Ausrichtung auf den den Herrn. Die Neue Genfer Übersetzung schreibt hier: „… ihre Unstimmigkeiten beizulegen und sich ganz auf das gemeinsame Ziel auszurichten.“ Es geht nicht darum, dass wir in jeder Kleinigkeit die gleich Meinung haben, sondern dass wir alle dasselbe große Ziel vor Augen haben. Der Weg dorthin kann unterschiedlich sein, aber die gemeinsame Blickrichtung ist entscheidend.
Bibeltext

Psalm 133 – fein und lieblich

„Siehe, wie fein und lieblich ist’s, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen!“ (V.1) Das gilt nicht nur für leibliche Geschwister, sondern noch viel mehr für das Miteinander unter Christen. Auf meinem eigenen Weg zum Glauben war dieses Miteinander für mich etwas sehr beeindruckendes. Eine Gemeinschaft, die ich in dieser Form noch nicht erlebt hatte. Eine Gemeinschaft, die mich angezogen und fasziniert hat.

Aber leider ist es – genau wie bei leiblichen Geschwistern – nicht selbstverständlich, dass man sich versteht, dass man einträchtig miteinander leben kann. Auch in diesem Psalm wird diese Eintracht ja eher als etwas besonderes und als ein schöner Glücksfall beschrieben. Um so wichtiger ist es, dass wir uns um dieses Miteinander immer wieder bemühen, dass wir darum kämpfen, dass wir nicht zu schnell aufgeben.

Wobei ja Eintracht nicht heißen muss, dass wir in allem einer Meinung sind und dass wir für jeden die gleichen herzlichen Gefühle haben. Eintracht heißt für mich eher, dass wir unsere Grundüberzeugungen miteinander teilen und dass wir in Not und Schwierigkeiten zusammenstehen. Ich denke unter Christen gibt es – wie in einer Familie – Bindungen, die tiefer gehen als „nur“ eine Freundschaft. Wenn diese Verbundenheit deutlich wird, dann ist’s wahrlich „fein und lieblich“.
Bibeltext